Entwicklung des BundesTeilhabeGesetzes

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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monika61
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Beitragvon monika61 » 04.01.2017, 13:36

Hallo zusammen,

bei Kobinet wird nun auch darüber berichtet.

Gisela Maubach schrieb heute dazu:
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Von Gisela Maubach
Mittwoch, 4. Januar 2017 00:55

In aller Eile folgende kurze mitternächtliche Stellungnahme:

Ich will das Bundesverdienstkreuz nicht nur zurückgeben, sondern ich habe es bereits getan.
Sowohl der hiesigen Verwaltung gegenüber als auch dem Bundespräsidialamt gegenüber habe ich meine Gründe für diese Entscheidung erklärt.

Aus dem Fernsehbeitrag geht deutlich hervor, dass der Kostenträger mit dem Mehrkostenvorbehalt argumentiert, welcher angeblich besagt, dass die Kosten für ein Persönliches Budget nicht höher sein dürfen als die Kosten für eine stationäre Unterbringung.

Dann stelle ich jetzt mal die Frage in den Raum, welchen Sinn das erklärte Ziel des BTHG hat?
Da ist doch auf der Seite des BMAS zu "Einzelheiten zum Bundes-Teilhabe-Gesetz" folgendes zu lesen:

"Menschen mit Behinderung sollen in ihrem Leben mehr selbst bestimmen können."

Und:

"Jede Person mit Behinderung bekommt mit dem neuen Gesetz genau die Unterstützung, die sie wegen ihrer Behinderung braucht" . . .

Liebes BMAS, ratet mal, wie diese scheinheiligen Aussagen bei uns ankommen?????

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Von Gisela Maubach
Mittwoch, 4. Januar 2017 09:19

Da innerhalb des Bescheides, gegen den jetzt eine Klage notwendig wird, als "stationäre Unterbringung" ausschließlich die Werkstatt als Tagesstruktur mit werktäglich 8 Stunden aufgelistet ist, dürfte es auch hochinteressant werden, endlich mal die Kosten zu berechnen, die pro Stunde Werkstatt-Aufenthalt für einen Menschen mit hohem Betreuungsbedarf an die Werkstatt gezahlt werden.

Der Werkstattbesuch wäre nach Abzug aller Wochenend- und Feiertage und 35 Urlaubstage an maximal 216 Tagen im Jahr möglich – und das auch nur, wenn kein weiterer Fehltag durch Krankheit o.ä. hinzu kommt.
Würde mein Sohn an allen 216 möglichen Tagen die Werkstatt für 8 Stunden besuchen, wären das 1.728 Stunden (= durchschnittlich 144 Stunden maximal mögliche Stunden pro Monat).

Rechnet man die Jahrespauschale, den Investbetrag, den Personalmehrbedarf und die Fahrtkosten zusammen und verteilt diese Kosten auf die maximal möglichen Werkstatt-Stunden, ergibt sich ein Preis von mehr als 20 € pro Stunde!!!

Im vorliegenden Fall ist die Betreuung in der Werkstatt pro Stunde also teurer als das Persönliche Budget, welches ein inklusives Leben ermöglicht.

Und wenn im Bescheid von 24 Stunden Gesamtbedarf ausgegangen wird, wovon 8 mögliche Werkstatt-Stunden wegen des Mehrkostenvorbehalts als gedeckt gelten sollen, dann müssen die entstehenden Werkstattkosten natürlich auch auf jede einzelne tatsächlich gedeckte Stunde aufgeteilt werden.

Vielleicht wird dann endlich mal deutlich, wie viel Geld dabei in einen riesigen Verwaltungsapparat fließt und wie wenig davon bei den schwerstbehinderten Menschen ankommt . . .

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Beiträge unter Lesermeinungen:
http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1 ... zurück.htm


LG
Monika

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Beitragvon MichaelK » 04.01.2017, 14:43

Vielleicht wird dann endlich mal deutlich, wie viel Geld dabei in einen riesigen Verwaltungsapparat fließt und wie wenig davon bei den schwerstbehinderten Menschen ankommt . . .
Hallo,

tja, in der Kapitalordnung ist der Profit nun mal das Zentrum der Bemühungen. Natürlich kann man an diese schnöde Feststellung ein Duzend Schönschreiber dransetzen, um das blumiger, vielschichtiger, bunter aussehen zu lassen, aber am Ende kommt nix Anderes heraus.

LG Michael
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Beitragvon Irene H. » 04.01.2017, 17:39

[quote="monika61"]
dazu:[/b]
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Von Gisela Maubach
Mittwoch, 4. Januar 2017 00:55

Aus dem Fernsehbeitrag geht deutlich hervor, dass der Kostenträger mit dem Mehrkostenvorbehalt argumentiert, welcher angeblich besagt, dass die Kosten für ein Persönliches Budget nicht höher sein dürfen als die Kosten für eine stationäre Unterbringung.

Dann stelle ich jetzt mal die Frage in den Raum, welchen Sinn das erklärte Ziel des BTHG hat?
Da ist doch auf der Seite des BMAS zu "Einzelheiten zum Bundes-Teilhabe-Gesetz" folgendes zu lesen:

"Menschen mit Behinderung sollen in ihrem Leben mehr selbst bestimmen können."

Und:

"Jede Person mit Behinderung bekommt mit dem neuen Gesetz genau die Unterstützung, die sie wegen ihrer Behinderung braucht" . . .

Liebes BMAS, ratet mal, wie diese scheinheiligen Aussagen bei uns ankommen?????

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Hallo,
entschuldigt die naive Frage, aber ist diese Regelung nunmehr gesetzlich verankert oder ist das eine Ermessensentscheidung des zuständigen Kostenträgers?

Frau Maubachs Entscheidung kann ich absolut nachvollziehen und wünsche ihr alles Gute.

VG von Irene
Irene H.mit 3 erwachsenen Kindern besonders Dorothea(20) mit frühkindlichem Autismus

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Beitragvon Inge » 05.01.2017, 22:50

[...] Antrag auf mehr Pflege wurde abgelehnt

Maubach hat Arthrose in den Fingern und auch Rückenprobleme. "Ich brauche Hilfe", sagt sie. Deswegen hatte sie Geld für eine Pflegekraft beantragt, die ihr 12 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche helfen kann. Bewilligt bekam sie, täglich fünf Stunden und einen niedrigeren Stundenlohn. Der Mutter sei eine Eigenleistung zumutbar, weil sie sich für ein Zusammenleben mit ihrem Sohn entschieden habe, hieß es im Schreiben des Kreises. Außerdem findet das Kreissozialamt, dass Steffen täglich acht Stunden in eine Werkstatt gehen könne.

Doch das hat Maubach längst versucht. Mehrere Jahre war Steffen in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, zuletzt in einer Gruppe für Erwachsene mit erhöhtem Ruhebedarf. Doch das sei, sagt die Mutter, genau verkehrt gewesen. Steffen sei hyperaktiv und brauche Bewegung, er habe stattdessen tagsüber in der Einrichtung geschlafen. Das habe nachts zu mehr epileptischen Anfällen geführt.  [...]
Quelle und kompletter Text: http://m.rp-online.de/nrw/panorama/aerg ... -1.6505015

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
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Viele Grüße
Inge

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Beitragvon monika61 » 13.01.2017, 09:42

Hallo zusammen,
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Offener Brief zum Zorn über das BTHG

Veröffentlicht am Donnerstag, 12. Januar 2017 von Gerhard Bartz

..."Täglich erreichen dne Bundesverband ForseA zahlreiche Anfragen zum
Bundesteilhabegesetz. Behinderte Arbeitgeber, so ForseA, berichten
unisono, dass Kostenträger nun voll in die Bremsen gestiegen sind. Selbst
dort, wo es über Jahre hinweg ruhig war, werden plötzlich Leistungen
eingestellt, Zahlungen nur noch unter Vorbehalt und befristet geleistet"...


http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1 ... s-BTHG.htm

ForseA
Gerhard Bartz
Vorsitzender


Das neue Bundesteilhabegesetz
(oder ehrlicher: Teilhabeverhinderungsgesetz)

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Gauck,
Sehr geehrte Damen und Herren,

die Tinte der Unterschrift des Herrn Bundespräsidenten war vermutlich noch
nicht ganz trocken, als ich bereits meinen Einstellungsbescheid des
Sozialhilfeträgers am 29.12.2016 in Händen hielt. Bezugnehmend auf die
neue Gesetzgebung wurde die Erstattung meiner Assistenzkosten
eingestellt.....


Kompletter Brief:
http://www.forsea.de/projekte/BTHG/2017 ... tragte.pdf
--------------------------------------------------------------------

LG
Monika

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Beitragvon monika61 » 16.01.2017, 08:41

Hallo zusammen,

eine Frage habe ich,

nachdem nun das Bundesteilhabegesetz auch im Bundesrat durch ist,
wie schaut es ab dem 01.01.2017 damit aus, dass Menschen mit Behinderung sich mehr unanrechenbares Vermögen ansparen dürfen,
in der ersten Stufe war von 25.000 € Vermögen die Rede, das sich kein Kostenträger zurückholen darf.

Gilt dies ab dem 01.01.2017 bereits?
Gilt das für ALLE Menschen mit Behinderung? - auch für diejenigen mit der geistigen Behinderung?

Weiß das schon jemand?
Habe im Moment keine Zeit das alles zu lesen,
aber die Frage müsste ich brennend wissen, weil Jonathan derzeit gerade an der Grenze von 2.600 € herum schrammt.
Dann könnte ich in dem Punkt im nächsten Jahr etwas entspannter dreinschauen.

Liebe Grüße - Isolde
Hallo zusammen.

Dazu kann man bei Tacheles lesen:
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Thomé Newsletter 03/2017 vom 15.01.2017

Unter Punkt 1-

...."Derzeit gilt ein Schonvermögen in der Sozialhilfe von 1.600 / 2.600 € , das soll einheitlich auf 5.000 € auf jeden SGB XII-Bezieher + 500 € für jede unterhaltene Person angehoben werden. Der Bundestag hat das zuständige Ministerium (BMAS) per Entschließungsantrag aufgefordert, die Sätze entsprechend anzuheben.
Diese Entschließung ist von Frau Nahles (irgendwie nicht anders zu erwarten), als zuständige Arbeitsministerin und Verordnungsgeber, bislang jedoch noch nicht umgesetzt worden.".....

..."Daher nochmal der deutliche Hinweis: derzeit gilt beim Schonvermögen im SGB XII weiterhin 1.600 / 2.600 €, wenn hier Änderungen eintreten, werde ich darüber informieren (die Betonung liegt auf wenn!).

Auch Tacheles fordert das BMAS auf, die Schonvermögensgrenzen im SGB XII auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen! "...

Komplette Infos:
http://tacheles-sozialhilfe.de/startsei ... /d/n/2131/

---------------------------------------------------------------------------------

LG
Monika

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Beitragvon Sinale » 27.02.2017, 19:09

Hallo Zusammen,

folgend ein funktionierender Link zum BTHG :

http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads ... onFile&v=7

Folgend nochmals ein Link zu einer Handreichung zum BTHG des paritätischen Wohlfahtrsverbandes:

http://www.der-paritaetische.de/index.p ... 1589036252
Viele Grüße
Sinale

Diagnose: Tetraspastik
Rollstuhlnutzerin

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Beitragvon Inge » 15.04.2017, 18:12

[...] Bei nüchterner Betrachtung ist das Bundesteilhabegesetz tatsächlich nichts anderes als eine Betriebsanleitung zur Steuerung von Zugängen, Prozessen und Abläufen. Ziel des Ganzen: Einsparen öffentlicher Gelder, garniert mit etwas "Ich-liebe-Euch-doch-Alle-Lyrik", sofern diese keine erheblichen Ausgaben zur Folge hat. [...]
Aus der Kolumne von Roland Frickenhaus bei: kobinet

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Viele Grüße
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Beitragvon MichaelK » 15.04.2017, 22:01

Hallo Inge,

von Roland Frickenhaus und Adorno lässt sich die gesetzgeberische Mehrheit nur leider nicht ändern oder beeindrucken. Da muss man mindestens:

a) mal überhaupt sein Kreuz machen und
b) woanders machen.

LG Michael
Michael für den Liebling der Familie: Lars, geb 04/03 Lumbale Spina bifida mit HC (v-p-Ableitung), Arnold-Chiari-Malformation Typ 2
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Beitragvon Rita2 » 10.05.2017, 22:59

Hall Jannice,

irgendwie paßt dein Beitrag nicht so recht in diesen Thread über das Bundestheilhabegesetz. Mache doch mit deiner Anfrage einen eigenen Thread auf.

Mir ist nicht so ganz klar ob ihr nur Eltern aus NRW sucht oder auch aus anderen Bundesländern. Wir kommen aus Baden-Württenberg. Wenn euch nur Teilnehmer aus NRW nutzen, kann ich mir das Ausfüllen ja sparen.

LG
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel


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