Entwicklung des BundesTeilhabeGesetzes

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Inge
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Beitragvon Inge » 31.05.2015, 14:43

Hallo zusammen,

irgendwie lese ich diese Aussagen völlig anders :?

Der Deutsche Landkreistag hat sich für eine kostenbewusste Weiterentwicklung der Hilfen für behinderte Menschen ausgesprochen.

der Deutsche Landkreistag hat, genau wie der Deutsche Städtetag, eine ganz besondere Ansicht von Kostenbewusstsein. Siehe die Aussagen von 2011 zur Kindergeldabzweigung: http://www.bay-staedtetag.de/index.php?id=6112,113


Er beschrieb, dass die Eingliederungshilfe bereits heute vollständig den individuellen Bedarf des behinderten Menschen abdecke.

das bedeutet, dass die betroffenen Menschen doch alles haben, was sie benötigen und . . .
Daher sollten durch eine personenzentrierte Hilfegewährung und eine intensive Hilfeplanung Verbesserungen für die Leistungsberechtigten angestrebt werden.

. . . dass man mit etwas Bürokratie und Bevormundung weitere Einsparungen vornehmen kann.


Es gebe verschiedene Stellschrauben, um die Situation behinderter Menschen zu verbessern: „Zu denken ist auch an den Übergang von den Werkstätten für behinderte Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Hier muss stärker gefördert werden.

ja, ganz sicher gibt es auf dem Arbeitsmarkt jede Menge Arbeitsplätze für behinderte Menschen - vor allem für geistig behinderte Menschen :roll:
Und die stärkere Förderung in Richtung allgemeiner Arbeitsmarkt wird mit Einsparungen anderer Stelle (wie immer ganz unten) gegenfinanziert.


Behinderte Menschen sind heute erfreulicherweise wesentlich länger in der Lage zu arbeiten, als dies früher der Fall war." Die alten Sonderregelungen müssten daher auf den Prüfstand gestellt werden. „Letztlich geht es dabei um Gleichstellung im Sinne von echter Teilhabe an der Gesellschaft und am Arbeitsleben."

das bedeutet, dass künftig auch behinderte Menschen so lange arbeiten sollen wie nicht-behinderte Menschen - bzw. sollen sie Abschläge hinnehmen, wenn sie früher in Rente gehen. Derzeit gibt es da noch Nachteilsausgleiche: http://www.betanet.de/betanet/soziales_ ... 0.html#ue2

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

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Viele Grüße
Inge

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Beitragvon anitaworks » 31.05.2015, 15:12

Hallo Inge,

Du bestätigst mein ungutes Bauchgefühl!

Ich lese es ähnlich, hatte aber "Gehirnverknotungen" als es um Hilfe für Kinder- und Jugendliche ging.

12. Die Leistungen für behinderte Kinder und Jugendliche sollen in einer Hand zusammengeführt werden (sog. Große Lösung), vorzugsweise in der des Sozialhilfeträgers. Da die meisten Kinder und Jugendlichen mit Behinderungenauch im Erwachsenenalter behindert sein werden, ist die Schnittstelle zur Sozialhilfe zahlenmäßig größer. Zugleich besteht dort aufgrund der jahrzehntelangen Verantwortung für den großen Personenkreis aller erwachsenen Menschen mit Behinderung sowie der körperlich und geistig behinderten Kinder und Jugendlichen ein erhebliches Erfahrungspotential.

Bei der Zusammenführung in der Jugendhilfe müssen die vielen offenen Fragen, z. B. der Abgrenzung erzieherischer Bedarfe von behinderungsbedingten Bedarfen, die durch den neuen Leistungstatbestand "Hilfe zur Entwicklung und Teilhabe" zu lösen wären, oder zur Heranziehung der Eltern zu den Kosten so wie mögliche Folgekosten, geklärt werden.

Mit einer kurzfristigen Harmonisierung der maßgeblichen Schnittstellen zwischen den Leistungsystemen wäre bereits viel gewonnen.


Aufklärung gibt es ja bereits durch die Landessozialämter (zB LVR / LWL) in den Jugendämtern, aber Verständnis für Behinderung hat sich dort noch recht selten entwickelt. Sehr oft wird noch immer mit der 2-Jahres-Grenze zur Beendigung der Hilfen argumentiert. Oder gar die Diagnose angezweifelt (im Bereich Autismus) und dann werden die Eltern in neue Diagnostiken gezwungen, zum Teil auch in die Humangenetik, um andere Faktoren zu ergründen.

13. Dei Beschulung behinderter Kinder sollte nicht erst, wie heute, die von der gewährten Eingliederungshilfe schulsystemfremden Integrationshelfer und Schulbegleiter möglich werden, sondern muss vollständig durch die vorrangig verantwortliche Schule sichergestellt werden.


Es geht nur darum, Kosten zu verlagern!

Allerdings sehe ich hier auch schwierige Tendenzen, da es immer mehr Berichte gibt, dass die Schulen die Inklusion und Förderung im sich ändernden System einfach nicht leisten! (Streichung von Nachteilsausgleichen, abwälzen der Beförderungskosten, usw. usf.)



Der Landkreistag verspricht sich ja auch eine :

kommunale ........... Netto-Entlastung (geregelt durch den Koalitionsvertrag der Bundesregierung) und verwehrt sich direkt gegen neue Leistungen.


und da der Bund auch nicht mehr Geld in die Hand nehmen wird, wird es für die Behinderten ein Minus-Ergebnis auf allen Ebenen geben!

LG Anita
*1996 Sohn F84.5G (2010) HB
*1998 Tochter F84.5G (2013), Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter F84.1G(2014), F90G (2011), HB, Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn F84.5G, F90G, F83, HB (2012)
Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!
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Beitragvon dagmar neo frea » 01.06.2015, 05:05

Moinsen

Inge , ich bin normalerweise auch gar kein Fan vom Landkreistag.
Ich finde die Vorschläge hinsichtlich PB, große Lösung und volle Leistung der Krankenkassen gut.
Das die Bedarfe abgedeckt sind(finanziell) kann ich mir auch vorstellen , die Frage ist,was kommt dann beim behinderten Menschen an.
Jetzt mal bezogen z.b. auf Giselas Situation, das zwar viel Geld gezahlt wird, aber das Geld sich in der Einrichtung auflöst , ohne den Bedarf zu decken. :roll:

Mit der Arbeit habe ich ja schon geschrieben,Menschen mit sehr leichten Behinderungen stranden in den Wfbm,die Klientel hat sich da nachhaltig geändert und die Verwirtschaftlichung der Wfbm schreitet fort.
Die Eingliederungshilfe dient dann quasi dafür , das die allgemeinen Betriebe Billigleistung einkaufen können.
Da läuft so viel Mißbrauch der verhindert,das das Geld bei denen ankommt,für die es gedacht ist.
Mit der Rente schreibt der Landkreistag nach 20 Jahren bei behinderten Menschen.

L.G.
Dagmar *1962,Robert *1965,Frea Jakobine *1985, T21,operierter AV- Kanal,Neo Leander*2004, HFA

http://www.institut-fuer-menschenrechte ... rpd_de.pdf
https://www.youtube.com/watch?v=dVrX7Gqjzs0

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Beitragvon dagmar neo frea » 01.06.2015, 05:26

13. Dei Beschulung behinderter Kinder sollte nicht erst, wie heute, die von der gewährten Eingliederungshilfe schulsystemfremden Integrationshelfer und Schulbegleiter möglich werden, sondern muss vollständig durch die vorrangig verantwortliche Schule sichergestellt werden.

"Es geht nur darum, Kosten zu verlagern"

@Anita
Ich finde das auch drastisch,was der Landkreistag da fordert,zumal ja Hilfen zur angemessenen Schulbildung maßgebliche Aufgabe der Eingliederungshilfe ist,die können das ja nicht einfach abschaffen.
Allerdings ist halt das Problem,das für die Förderschwerpunkte viel zu wenig Lehrerstunden freigeschaltet werden und auch sonst von der Regierung keine Anstrengungen unternommen werden,um ein hochwertiges inklusives Schulsystem zu entwickeln oder zu finanzieren.
So steigt der Bedarf an Schulbegleitern massiv an und die Eingliederungshilfe ist Lückenbüßer und muß alles zahlen.
Im Gunde muß hinlänglich geklärt werden,wer für die angemessenen Vorkehrungen im Einzelfall finanziell zuständig ist,aber das geht auch erst,wenn man das Recht auf angemessene Vorkehrungen gesetzlich verankert hat.
Solange kann es dazu kommen das die Konflikte im schlimmsten Fall auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden. :(

L.G.
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Beitragvon itsy » 01.06.2015, 06:50

Hi,

zur großen Lösung kann ich nur sagen, im Moment sieht es so aus, dass alle "behinderten Kinder" zur wirtschaftlichen Jugendhilfe kommen sollen. Bisher ist es so, dass manche Leistungen vom Sozialamt bekommen, die anderen vom Jugendamt.

Im Sinne der Gleichberechtigung finde ich es sehr wohl positiv wenn nur eine Stelle dafür zuständig wird.
Welche das sein am Ende tatsächlich sein wird, wir werden sehen.

lg

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Beitragvon Isolde » 01.06.2015, 07:56

Hallo Itsy,

zu dem Thema - Zusammenlegung von Eingliederungshilfe zur Jugendhilfe,
gibt es hier schon einen Diskussions- und Austauschthread:

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 12#1957112

Vielleicht sollte man das tatsächlich etwas trennen,
bin ich inzwischen auch der Ansicht,
weil das Bundesteilhabegesetz viel mehr umfasst als dieses Thema das nur den Kinder- und Jugendbereich angeht.

Liebe Grüße - Isolde
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Beitragvon Inge » 18.06.2015, 19:42

Hallo zusammen,

Ende Mai habe ich ein Antwortschreiben von der Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Lebenshilfe (pdf-Dokument) mit einem Gesprächsangebot erhalten.
Bei diesem Gespräch soll dem Vorstand der Bundesvereinigung eine breite Palette an Meinungen von Eltern und Angehörigen präsentiert werden. Deshalb bitte ich um zahlreiche Mitteilungen von aussagekräftigen Gedanken zur Lebenshilfe und von Wünschen und Erwartungen an die Lebenshilfe. Bitte schickt mir dazu eine entsprechende PN.

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Beitragvon Isolde » 22.06.2015, 18:35

Hallo zusammen,

das Protokoll der 9. und letzten Arbeitsgruppensitzung ist nun eingestellt:

http://www.gemeinsam-einfach-machen.de/ ... g_node.htm

Ich muss es jetzt auch erst einmal durchlesen.
Habe gerade die Nachricht erhalten, dass es da ist.

Schöne Grüße - Isolde
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Beitragvon ehemalige Userin » 22.06.2015, 23:05

Hallo Isolde,

das dürfte Dich interessieren:

Das Bundesteilhabegesetz – Ein Meilenstein für Menschen mit Assistenzbedarf?“, so lautete der Titel einer zweitägigen Fachtagung, die das Netzwerk für Inklusion, Teilhabe, Selbstbestimmung und Assistenz (NITSA e.V.) in Berlin am 21. und 22. Mai 2015 veranstalte. Zwischenzeitlich wurde die Dokumentation zur Fachtagung fertiggestellt und unter folgendem Link www.nitsa-ev.de/verein/veranstaltungen/ ... g-mai-2015 veröffentlicht.

http://nitsa-ev.de/

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Beitragvon Isolde » 23.06.2015, 10:50

Danke Esthephania,

das interessiert mich schon sehr.

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