Vorweihnachtszeit = Stresszeit für Autisten?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 04.12.2018, 20:54

Er macht auch jeden Tag die schon geöffnten leeren Türchen seines Adventskalenders auf und zu und muss immer wieder nachgucken, obwohl er weiß, dass nichts mehr drin ist. Dafür kann ich sicher sein dass er nicht heimlich in die anderen Türchen guckt, weil er sich extrem an den Plan hält, dass nur das Türchen des jeweiliegn Tages geöffnet werden darf :P - wohl typisch autistisch, schätze ich :wink:
Vor zwei Jahren hat Alexander auch nur das jeweils passende Türchen aufgemacht, sein 2 Jahre älterer Bruder hat den Kalender dagegen innerhalb von 3 Tagen geplündert. Heuer ist es umgekehrt. Alexander hat schon sämtliche Schokolade verspeist, während sein Bruder strikt nur das Türchen den jeweiligen Tages öffnet.

Autisten sind beide - aber was ist nun typisch? Außer, dass eine immer das genaue Gegenteil vom anderen macht :wink: ?
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
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NicoleWW
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Beitragvon NicoleWW » 05.12.2018, 11:10

Hallo,

ja bei uns stresst die Vorweihnachtszeit auch, aber nicht nur wegen Weihnachten. Unser großer Autist kann das zumindest im Bezug auf Weihnachten schon seit ein paar Jahren gut benennen und sagt ab Ende Oktober (spätestens) dass er wegen Weihnacht so aufgeregt ist und vor Aufregung schlecht schlafen kann. Dadurch wird er auch spürbar unruhiger und aufgedrehter.

Unserer "kleinen" Autistin merkt man den Stress auch an nur kann sie es nicht erkennen dass es da einen Zusammenhang gibt.

Bei beiden kommt dann halt zu der Thematik Weihnachten noch vieles andere dazu, in der Zeit Okt - Weihnachten werden viele Klassenarbeiten geschrieben, es finden viele zusätzliche Termine statt (Weihnachtskonzert, Weihnachtsfeiern, Handballspiele der Schwestern (sind nur über die Wintermonate usw).
Dann kommt dieses Jahr bei uns dazu dass in der Schule eine Lehrerin wegen Schwangerschaft (Bildende Kunst) und eine Lehrerin durch schwere Erkrankung (Sport) ausgefallen sind, das führte dazu das bei beiden Autisten erstmal BK ganz ausgefallen war und es schon vor den Herbstferien zu Stundeplanänderungen kam und nach den Herbstferien fiel dann bis letzte Woche bei der kleinen Autistin Sport komplett aus (sie war immer gerne im Sport) und seit dieser Woche findet Sport mit wechselnden Lehrerinnen statt.
Dazu wurde Jemand neues für BK gefunden und wieder alle Stundenpläne geändert.

Das führt vor allem beim Mädel zu einem riesen Chaos und das spiegelt sich jetzt auch schulisch wieder, sie passt im Unterricht gar nicht mehr auf, bekommt dort nichts mehr mit und jetzt fangen die Noten auch noch an den Keller zu rutschen keine gute Situation im Moment.

Liebe Grüße
Nicole
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Regina Regenbogen
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Beitragvon Regina Regenbogen » 05.12.2018, 11:57

Bei uns ist die Vorweihnachtszeit mittlerweile so was von entspannt - manchmal kann ich es gar nicht recht glauben.

Rückblickend entspannte sich das alles erheblich mit dem Übergang in die weiterführende Schule - weniger Weihnachtsbrimborium, kaum Ausflüge (und wenn dann mehr auf Teenagerniveau), ausser einem Adventsgesteck auf dem Tisch der Klassenlehrkraft kein Dekozwang, das Wichteln ist besser organisiert ..... Ich weiß gar nicht wie unser Autist diese Zeiten in der Grundschule ohne seinen Schulbegleiter überstanden hätte.

Geblieben ist eben der alltägliche schulische Winterstress - mehr Klassenarbeiten, Vokabeltests, Referate. Aber das steckt er jetzt mit links weg. Unser Jüngster hat jetzt sogar die Kraft und Energie, sich mit Klassenkameraden zum Kinobesuch zutreffen, auch für Übernachtungen, mit seinen wenigen Freunden auf Festivals zu gehen und sich selbst dafür zu interessieren, mit was er Familienmitgliedern und Freunden zu Weihnachten eine Freude machen könnte. Und er kann sich uneingeschränkt auf unser Weihnachtsfest freuen inklusive dem Familientreffen am 2. Weihnachtsfeiertag.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 09.12.2018, 10:00

Hallo!
Weil es hierher gut passt: Am Freitag war ich zum Gespräch in der Schule um das Sohns Lehrerin gebeten hatte. Sie macht sich Sorgen weil er seit ca 3 Wochen wahnsinnig gestresst und müde wirke. Ja, das ist leider richtig. Er kann ganz schlecht schlafe und holt fast Tic Artig alle paar Minuten ganz tief Luft so als würde er schlecht Luft bekommen. Ihn stresst was viele hier schreiben: Druck wegen Klassenarbeiten die gerade ganz gehäuft anstehen, der Stundenplan wird oft umgeschmissen wegen weihnachtlichem vorlesen, Ausflügen etc, in der Pause wird täglich ein Weihnachtslied gesungen das Sohn hasst (es geht ums Kekse essen bis man platzt. Diese Vorstellung wiedert meinen Sohn total an obwohl das ja nur symbolisch gemeint ist). Und zu Hause: Adventkalender, Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmarkt etc.
Zu Hause hab ich schon rigoros gesiebt. Es gibt den unspektakulären Lego City Kalender. Der lässt ihn völlig kalt, oft vergisst er ein Türchen, trotzdem hat er auch einen was er auch unbedingt will. Termine ausserhalb habe ich komplett gestrichen zum Unmut der Nachbarschaft aber das ist mir egal. Hier wird der lebendige Adventkalender zelebriert. Jeden Abend trifft man sich bei einer anderen Familie und es gibt eine Lesung oder es wird musiziert oder sowas dazu Punsch und Kekse. Da sind wir komplett raus. Ebenso Weihnachtsfeier für die ganz Family im Kiga und beim tanzen und im Turnverein und und und.
Wir backen nur zu Hause alleine, gehen 1x auf einen ganz kleinen lauschigen Weihnachtsmarkt, hören nur 1bestimmte Weihnachts CD. Das ist für Sohn ok. In der Schule hat ihn insbesondere das Zirkus Projekt vor 4 Wochen schwer zugesetzt. Seitdem bemerkt die Lehrerin auch die Unruhe und seit dem schläft er schlecht. Sie setzt jetzt eine Liste von Entspannungsmassnahmen für ihn um. Ich hoffe dass ich das bald zu Hause auch spüre und er wieder schläft....
Liebe Grüsse

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 09.12.2018, 17:04

Weil es hierher gut passt: Am Freitag war ich zum Gespräch in der Schule um das Sohns Lehrerin gebeten hatte. Sie macht sich Sorgen weil er seit ca 3 Wochen wahnsinnig gestresst und müde wirke.
Liebe Annalena,

Ihr habt wirklich enormes Glück mit Eurer Lehrerin, dass sie so etwas wahrnehmen kann. Das ist nicht jedem gegeben!

Liebe Grüße
Heike

AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 10.12.2018, 08:49

Hallo Heike!

Ja, da hast du Recht! Ich fühle mich auch wahnsinnig gut aufgehoben bei ihr und Sohn geht total gerne zur Schule. Ich erlebe auch die anderen Lehrer an der Schule die ihn unterrichten sehr sehr bemüht und willig ihn gut zu handeln. Man merkt dass die anderen Lehrer lang nicht so gut über Autismus bescheid wissen wie die Klassenlehrerin, sie lassen sich aber gerne beraten und setzen das dann auch um. Er hat in Sport, Englisch und Mathe andere Lehrer.
Das ist ein bisschen das wovor ich Angst habe an der weiterführenden Schule. Da sind es ja nochmal mehr Lehrer mit denen Sohn zu tun bekommt. Ob die dann auch alle so bemüht sind? Unsere Lehrerin sagt aber ich soll mir keine Sorgen machen. Sie zieht rechtzeitig die Autismusbeauftragte unserer Stadt hinzu die bei der Schulwahl hilft und dann auch noch einige Zeit begleitet und berät. Sie hat ja schon vor Sohn autistische Kinder an die weiterführende Schule abgegeben und es ist wohl immer gut gelaufen. Das glaube ich ihr jetzt einfach mal so und sehe dem gelassen entgegen.
Ich bin sehr froh so ein gutes Umfeld zu haben. Was man hier mitunter so liest ist das ja nicht überall so.....

Liebe Grüsse, AnnalenaO
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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 15.12.2018, 11:14

Huhu!

Die Vorfreude auf‘s Fest steigt weiter, nicht nur beim Kind. :lol:

Nachdem es jetzt mit dem Adventskalender wirklich prima geklappt hat, merkt man nun schon, dass Heilig Abend naht. Allerdings weniger in Stress, als in fröhlicher Ausgelassenheit beim Kind. Sogar die Deko wird kaum angerührt. Alles aus Glas ist noch heil!

Was ich in diesem Jahr aber auf jeden Fall berücksichtigen werde: den Baum keinen Tag früher als morgens am Heilig Abend ins Haus zu holen und zu schmücken.
Wenn der Baum erst geschmückt im Wohnzimmer steht, scheint das der Startschuss für schlaflose (aufgeregte) Nächte zu sein. So war es noch im letzten Jahr...

Mal sehen, ob es ohne frühen Baum besser ist! :wink:

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 15.12.2018, 12:25


Was ich in diesem Jahr aber auf jeden Fall berücksichtigen werde: den Baum keinen Tag früher als morgens am Heilig Abend ins Haus zu holen und zu schmücken.
Wenn der Baum erst geschmückt im Wohnzimmer steht, scheint das der Startschuss für schlaflose (aufgeregte) Nächte zu sein. So war es noch im letzten Jahr...

Mal sehen, ob es ohne frühen Baum besser ist! :wink:

Gruß
Alex
Hallo Alex!

Ja, man lernt aus vergangenen Fehlern! Ich habe heute z.B. Led-Christbaukerzen mit Fernbedienung gekauft, weil die Lichterkette mit Kabel in den vergangenen Jahren immer eine Stolperfalle für die Kinder war (der Platz vom Baum ist leider nicht unmittelbar neben eine Steckdose).

Weihnachtsmarkt - da mussten wir heuer noch mal "einfahren". Nachdem wir vergangenes Jahr darauf verzichtet haben wurd heuer wieder ein Versuch gewagt. Naja, es war ein Reinfall. Alexander haben wir dort 2x im Gewusel verloren (trotz "aufpassen" und obwohl mein Mann dabei war), mein älterer Sohn hatte einen hysterischen Anfall weil ihm das Kinder-Karusell (auf dem 3jährige alleine mitfuhren) viel zu "schnell und gefährlich" war, dann kam noch ein heftiger Wutanfall von Alexander, weil er immer beim Weihnachtzug, Ringelspiel und Karussel "fahren" wollte und nicht zum heimgehen zu bewegen war. Der Meltdown kam dann in der Parkgarage vor der Heimfahrt.

Vom Markt selbst haben wir nichts gesehen, außer eben vom Rummelplatz und ein paar Ständen mit essen.

Naja, für nächstes Jahr haben wir gelernt, nicht mehr zu viert, sondern nur in 1:1 Situation (also 1 Erwachsener mit einem Kind) zum Weihnachtmarkt zu fahren. Und dann auch nicht am Samstag (wo mehr los ist) sondern wochentags am Nachmittag.
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 15.12.2018, 13:39

... die Fernbedienung der Christbaum-Beleuchtung ist das beste überhaupt! Gottseidank ist sie meiner Tochter wurscht, sonst hätten wir hier Raufereien zu Weihnachten :shock: :lol:
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Beitragvon Regina Regenbogen » 15.12.2018, 14:47

Wir haben einen Timer an der Lichterkette. :D

Hinsichtlich des Baumaufstellens kann man wieder sehen wie unterschiedlich die Kids doch sind. Wir haben früher IMMER traditionell den Baum an Heilgabend aufgestellt und geschmückt. Unser Jüngster war damals auch in der Adeventszeit irre unruhig und gestresst. Eine unserer "Beruhigungsmaßnahmen" war dann, dass wir den Baum schon 14 Tage vor Heiligabend aufstellen und schmücken, meist am 2. Advent. Für ihn hast das einiges entzerrt, sein Zeitgefühl war damals echt unterirdisch (ist es teils heute auch noch), da hat auch der Adventskalender nicht so viel geholfen. Er konnte besser abschätzen, wann es denn soweit ist, er gewöhnte sich an die weihnachtliche Dekoration (wir haben zu jedem Adventssonntag immer ein bißchen mehr geschmückt) und es entfiel für ihn die Hektik an Heiligabend - er mag eben alles gerne langfristig angekündigt. Dann kann man das auch machen, wenn möglich. Machte ihn flexibler für die Situationen, wo es nicht möglich ist.

Ach ja, die Besuche des Weihnachtsmarktes .... :roll: War früher echt nicht toll, obwohl wir immer nur unter der Woche gegangen sind - ich selbst mag den Stress am Wochenende auch nicht. Aber steter Tropfen höhlt den Stein, wir haben es immer wieder versucht, erst mit kleiner Besetzung (ohne Geschwister und Papa) und am hellichten Tag, dann mit immer mehr Familienmitglieder und zunehmender Dunkelheit - hat ein paar Jahre gebraucht, aber heute geht er gerne hin, auch mit seiner Klasse.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
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Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese


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