Reittherapeutin (Sabine)

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sabine g
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Beitragvon sabine g » 14.01.2010, 22:38

Hallo Bernd,

sorry, aber ich habe Deinen Beitrag grad erst entdeckt, da dieser Thread hier lange ruhte....

In welchen Situationen geht er denn direkt hinter dem Pferd her? Auch wenn ich jetzt mal verschiedene Möglichkeiten quasi "laut" durchdenke, lass mich mal wissen, wann das vorkommt.

Angenommen ihr holt das Pferd gemeinsam aus der Box oder von der Wiese, dann bietet sich an, den Strick gemeinsam anzufassen (Kind außen), oder wenn er nicht spontan losläßt, zwei Stricke an jeder Seite einen dranzumachen und dem Kind so eine eigene, wichtige Aufgabe zu geben: Nämlich Pferd führen!

Wenn Kinder beim Putzen immer wieder von hinten an die Pferde rangehen, zum Teil auch mal sich im Schweif verstecken oder gar dran ziehen, dann bleibt einem selbst zwar der Atem weg, aber die Pferde scheinen zu wissen, dass sie nicht angegriffen werden und tun (bislang bei mir, toi toi toi) NICHTS.

Situationen, in denen Du mit dem Pferd vollauf beschäftigt bist und Dein Kind dabei frei mitläuft, würde ich vermeiden. Wenn ihr gemeinsam beim Pferd seid, dann nur, wenn Dein Kind dabei etwas zu tun hat: führen, putzen, reiten. So bleibt gar keine Zeit für die gefährlichen Situationen.

Ein Video vorzuführen, bei dem ein Pferd einen Menschen tritt, halte ich aus zwei Gründen für wenig zielführend: Erstens wird das Pferd körpersprachlich eine Vorwarnung gegeben haben. Diese zu erklären und begreiflich zu machen, dürfte fehlschlagen. So gerät das Pferd zu Unrecht in eine aggresive Angreiferposition. Zweitens können manche Kinder überhaupt nicht abstrahieren, dass das dort gezeigte Pferd in unbekannter Umgebung und ein unbekannter Mensch irgendetwas mit dem eigenen Leben zu tun haben sollen.

Bin gespannt auf Deine Antwort.
LIebe Grüsse
Sabine

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PJL
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Beitragvon PJL » 26.01.2010, 12:56

Hallo Sabine,

mein Sohn Lucas ist gerade 7 geworden und geht alle 2 Wochen zum heilpädagogischen Reiten - seit nun 3 Jahren. Lucas ist, aufgrund einer Stoffwechselstörung entwicklungsverzögert, sprachverzögert, hat Wahrnehmnungsstörungen und ist hypoton. Anfangs konnte er, wegen geringer Aufmerksamkeitsspanne, nur eine halbe Stunde mitmachen. Aber inzwischen ist eine Stunde kein Problem mehr.
Seit längerem war ich jetzt mal wieder bei einer Stunde dabei (eigentlich lenkt ihn das immer zu sehr ab) und habe gesehen, daß er eigentlich immer noch die gleichen Übungen macht, wie vor drei Jahren. Meine Frage wäre nun, ist unsere Therapeutin etwas einfallslos, oder gibt es keine weiteren Variationen? Denn Lucas` Aufmerksamkeit läßt jetzt wieder merklich nach, weil eben alles schon soooo bekannt ist.
Wie diese Stunde abläuft: Pferd vorbereiten (gehört dazu, ist auch wichtig für ihn) - auf dem Pferd: auf den Rücken legen - das Pferd läuft so eine Runde, Gummiringe an Füße und Arme hängen (dürfen nicht runter fallen) - das Pferd dreht ein bis zwei Runden, Gummiring auf den Kopf legen - wieder eine Runde, mit einem großen Würfel die Anzahl der Schritte, die das Pferd machen soll, bestimmen und das Pferd rechtzeitig anhalten.
Sind damit die Grenzen des heilpädagogischen Reitens erreicht? Wir überlegen nämlich inzwischen, ob wir damit aufhören...

Viele Grüße

Petra

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Beitragvon sabine g » 27.01.2010, 19:24

Liebe Petra,

es ist immer ganz schwer, eine Ferndiagnose zu stellen. Schließlich kenne ich Lucas nicht, weiß nicht, wie er auf Neuerungen reagiert, ob klare Strukturen als verläßliche Linien für ihn Relevanz haben. ABER: Generell macht mich stutzig, wieso ein Kind, egal welches, mit drei Jahren dasselbe wie mit sieben Jahren spielen und machen sollte??!! Dann macht mich stutzig, wieso eine Übung, die Körperspannung erfordert (Ringe anhängen), ohne vorherigen Aufbau derselben durch das Reiten durchgeführt wird. In Rückenlage reiten ist eher sehr entspannend, falls es nicht vom Kind als beängstigend empfunden wird, weil es viel Vertrauen zum Pferd erfordert und man nicht mehr sieht, wohin man reitet.
Dann fehlt mir, da es Heilpäd. Reiten und nicht Hippotherapie sein soll, der Trab und Galopp. Ein Kind, welches zwar hypoton ist, aber welches ja offenbar selber aufrecht sitzen kann, muss man geradezu über den Trab im Tonus hochfahren und ihm den Galopp als Anspruch an den ganzen Körper und zur Freude gönnen. Hin und wieder werden leider alte, schon leicht lahmende Pferde oder Pferde, die nicht korrekt an der Longe laufen, eingesetzt, und dann bekommt das Kind eben einfach keine adäquate Förderung. ABER: Auch hier will ich in Unkenntnis Eurer Therapeutin kein Pauschalurteil abgeben.

Zur Beruhigung, es gibt ganze dicke Aktenordner und viele Publikationen mit Spielen ohne Ende, die man mit oder ohne Material auf dem Pferd machen kann. Wenngleich auch ich immer wieder Kinder zunächst in Einzelförderunen hatte, so muss ich doch zugeben, dass viele Kinder gemeinsam mehr Spaß und Anreiz sich anzustrengen haben. Viele Spiele funktionieren zudem besser mit mehreren Kindern, drei vier Kinder reichen aber schon aus. Und man "erfindet" über die Jahre ständig neue Varianten bekannter Spiele hinzu, weil manches Kind einfach per Bild statt per Wort besser umsetzen kann, weil es stark geregnet hat, und der Boden zu nass ist zum Würfeln, weil ein Kind ein Spiel schon super kann und man sich überlegt, wie man die Anforderungen steigert um immer am Limit zu sein und spannend zu bleiben.

Vielleicht wäre es für Lucas toll, in einer kleinen Gruppe zu voltigieren, auf dem Pferd turnen zu dürfen und vor allem Trab und Galopp reiten zu können?

Sind damit die Grenzen des heilpädagogischen Reitens erreicht?

Nein, auch heilpäd. Reiten kann wesentlich mehr sein, als die oben von Dir beschriebene Stunde. Frag doch einfach mal nach, an welchen Zielen zur Zeit gearbeitet wird. Wie oft habt ihr denn Update Gespräche über seine Entwicklung oder Feedback Runden mit seiner Kindergärtnerin oder anderen Therapeuten? Und noch eine neugierige Frage von mir: Welchen Grundberuf hat eure Therapeutin ?

Liebe Grüsse
Sabine

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Beitragvon PJL » 28.01.2010, 17:26

Liebe Sabine,

danke, daß Du mir so ausführlich geantwortet hast.

Natürlich kannst Du Dich nur allgemein zu meinem Problem äußern, das ist klar. Aber auch wenn Deine Antwort "nur" allgemein gehalten ist, bin ich mir jetzt sicher, daß sich in unserer Therapie etwas ändern muß!

Anfangs war es schon so, daß Lucas auf Neuerungen mit Angst reagierte. Aber inzwischen ist er sieben und probiert ALLES aus. Inzwischen müßte die Therapeutin ihn doch auch soweit einschätzen können, was man ihm kräftemäßig zumuten kann!

Damit Du kein falsches Bild bekommst und um ihr auch gercht zu werden: Sie war eine der ersten Personen, mit der unser Sohn ohne zu brüllen alleine mitgegangen ist. Auch die anfänglichen Erfolge (aufrechteres Gehen, Erhöhung der Aufmerksam-keitsspanne und Gleichgewichtskontrolle) gehen bestimmt zum Teil auf das Konto ihrer Therapie. Aber das waren eben Fortschritte in den ersten 1 1/2 Jahren.

Was ihm riesigen Spaß macht ist, wenn er (zur Belohnung, wenn er gut mitgemacht hat) am Schluß der Stunde eine Runde traben darf. Dann führt sie aber das Pferd immer noch, muß also vorneweg mitlaufen. Daher darf er das auch nur "mal kurz" machen, denn dann ist die Puste weg.
Auch durfte er sich schon mal auf dem Pferd umdrehen, so daß er verkehrt herum saß. Hat ihn, von der Koordination her, schon gefordert. Er hat es aber geschafft und war super stolz. Ich weiß nicht, ob er auf dem Pferd turnen könnte - eben wegen der Koordination. Dafür kenne ich die Übungen zu wenig. Aber da gibt es ja bestimmt auch welche für Anfänger?!

Grundsätzlich merke ich, daß er gerne mit dem Pferd zusammen ist, sich gerne kümmert, ihn aber die Stunde an sich (außer die Trabrunde am Ende) langweilt. Dafür finde ich das ganze dann zu teuer.

Wir haben natürlich in der HPT und der Ergo- und Physiotherapeutin regelmäßige Gespräche. Aber speziell die Physiotherapeutin merkt von der Reittherapie nicht viel (gerade erst in dieser Woche habe ich wieder mit ihr gesprochen). Die Physiotherapeutin macht viel manuelle Therapie und psychomotorische Einheiten mit ihm. Was ihr jetzt immer wieder verstärkt aufgefallen ist, war die Hypotonie des Rumpfes. Er hat fast immer eine leichte Vorlage beim gehen/laufen. Und durch eine leichte Stolperneigung fällt er dann eben leicht, oder fängt unkontrolliert an zu fuchteln.

Wie würdest Du denn den Rumpf stärken?

Ich habe mir gerade mal den Flyer unserer Reittherapeutin rausgesucht - sie ist Dipl.- Sozialpädagogin, Reittherapeutin.

Viele Grüße

Petra

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Beitragvon sabine g » 29.01.2010, 00:27

Liebe Petra,

Wie würdest Du denn den Rumpf stärken?


Im Heilpäd. Reiten würde das freihändige Reiten von Wendungen, von Übergängen zwischen Gangarten - auch Schritt-halten-Schritt-sowie das zunächst kurze dann längere Reiten von Trab und Galopp den Rumpf stärken. Als Reitausbilder kann man auch Übungen zur Gleichgewichtsschulung miteinsetzen, wie z.B. den Oberkörper seitlich verlagern (nach etwas greifen) oder im Sitzen die Position ändern nach seitwärts oder rückwärts.

Im Heilpäd. Voltigieren würden neben dem vermehrten Reiten in allen Gangarten einfache Voltigierübungen dazu kommen. Z.B. sich mal hinknien, sich bäuchlings quer über das Pferd legen und wieder hinsetzen, das Pferd umarmen und wieder aufrichten, auf den Pferdehals- also vor den Gurt- rutschen und dort balanciert sitzen. Die Bank, ein Vierfüßlerstand, ggf mit ausgestrecktem Bein zur Fahne. Jungs lieben es auch, auf dem Pferd zu stehen, erst festgehalten später frei. Im Seitwärtssitzen kann freihändig oder einhändig gehalten gesessen werden, die Beine können etwas eingeklemmt transportieren. Ein Ball kann bei ausreichender Hand-Auge Koordination gefangen werden, um das Freihändige spielerisch zu üben.

Wichtig ist bei beidem, dem Reiten oder dem Voltigieren, dass der Therapeut ganz genaue Kenntnis über das Soll, also wie die Übung, der Sitz korrekt aussehen soll im Kopf hat und abgleicht, wo das Kind abweicht. Hieraus ergeben sich die wesentlichen Beobachtungen, welche Körperpartien gestärkt oder auch gelockert werden müssen. Hiernach bestimmt sich, welche Übungen schon gehen und welche sich noch verbieten. Besonderer Wert ist darauf zu geben, dass das Kind zwar alles versucht, aber wenn man merkt, es schadet sich dabei gesundheitlich, dass man dann Pausen einlegt und/oder sanft korrigiert je nach Möglichkeiten. Insb. denke ich da an den Reitsitz im Trab, der bei hypotonen Kindern oft mit nach hinten gekipptem Becken und rundem Rücken gesessen wird. Je nach Pferd kommt das Kind ins Hopsen und plumpst dem Pferd im Rücken herum und staucht sich so auch selber inbs. die Lendenwirbelsäule und den Nacken. Häufig fliegt der Kopf vor und zurück. Das darf nicht (lange) so sein, auch wenn manche Kinder das regelrecht auszukosten scheinen. Unkontrollierte Bewegungen auf dem Pferd sind gefährlich und die Kinder verstehen, dass wenn der "Kopf fliegt" eine Pause kommt. Manche geben dafür sogar all ihre Kraft, damit sie mit Anstrengung den Kopf nach vorn schauen lassen, um länger traben zu können. Solange eine Aufrichtung im Oberkörper noch nicht möglich ist, muss der Therapeut die Phasen immer wieder abbrechen, neue Kraft sammeln lassen und neu versuchen, niemals durchhalten.

Es ist doch immer wieder schön, zu beobachten, wie Kinder zeigen, an welcher motorischen "Baustelle" sie gerade werkeln:
Was ihm riesigen Spaß macht ist, wenn er (zur Belohnung, wenn er gut mitgemacht hat) am Schluß der Stunde eine Runde traben darf.

Also wäre es bei Lucas im Moment der Trab und wenn man ihn ließe sicher auch der Galopp, der ihn gewiß sehr stolz machen würde. Mitlaufen geht da aber eben nicht, das Pferd muss an der Longe laufen. Etwas, was das Kind im Moment zur weiteren Entwicklung braucht aber nur als Belohnung einzusetzen, macht mich traurig. Warum longiert sie das Pferd nicht? Fürchtet sie, er könne runterfallen? Wenn sie allerdings vorne mitläuft, könnte sie ihn auch nicht auffangen. Und wenn sie einen Praktikanten haben sollte, dann kann der ebensogut beim longierten Pferd mitjoggen oder umgekehrt, bei ausreichender Ausbildung auch selber longieren so dass sie als vertraute Person am Pferd bliebe.

Reittherapeutin ist als Begriff nicht geschützt, so darf sich jeder nennen. Mit welcher Ausbildung hat sie sich qualifiziert? Z.B als TrainerC Reiten im Heilpäd. Reiten (weil Sozialpäd. im Grundberuf) beim DKThR? Ist das Pferd ihr eigenes Pferd oder ist es ein Leihpferd, mit dem sie nur in den Therapien zusammenarbeitet (was die viele Führarbeit erklären könnte)?

Liebe Grüße
Sabine

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Beitragvon PJL » 29.01.2010, 09:22

Liebe Sabine,

ganz kurzfristig haben wir gestern Abend erfahren, daß Lucas heute eine Stunde reiten darf. Das passt ja gerade ganz gut, dann werde ich mit der Therapeutin nochmal sprechen und, nachdem Du mit wieder so ausführlich einige Übungen geschildert hast, auch die Stunde wieder verfolgen.

Lucas hat gleich angefangen zu lamentieren, er möge nicht zum langweiligen Reiten. Ich hoffe, daß die Therapeutin nach dem Gespräch die Stunde anders gestalten kann und sie dadurch für Lucas wieder spannend wird. Wir machen schon sooo viele Therapien, die nicht so viel Spaß machen, da sollte das doch wenigstens ein Ausgleich sein. Vor allem, da er sich ja gerne körperlich anstrengt und sich spürt!

Ich habe keine Ahnung, warum sie das Pferd nicht longiert. Anfangs hatte sie wohl wirklich Angst, Lucas könnte fallen. Aber das ist ja inzwischen nicht mehr der Fall. Vor allem kann ich mir vorstellen, daß man evtl. Haltungsfehler aus der Entfernung besser sehen kann, als wenn man einen Meter entfernt daneben steht.

Das Pferd ist ein Leihpferd und auf ihrer Hompage steht als Qualifikation
"Reittherapeutin PIRT".

Viele Grüße

Petra

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Beitragvon sabine g » 29.01.2010, 22:20

Liebe Petra,

na da hab ich mal gegoogled. Unter www.pirt-reittherapie.de kann man nachlesen, welche Vorqualifikationen dort verlangt werden, um in einer zweijährigen Berufsbegleitenden Maßnahme (pro Jahr acht bis zehn Wochenendveranstaltungen) Reittherapeut PIRT zu werden. Es werden zwar Grundlagen im Reiten können verlangt (Reitabzeichen III für die offizielle Anerkennung), aber keinerlei Trainerlizenzen. Das heißt, die Absolventen können zwar halbwegs selber so reiten, dass sie ein Pferd durch die Prüfung bringen, aber das heißt nicht, das sie lehren können. Meist vermitteln selber reitende Menschen nur das, was ihnen bei einem bestimmten Pferd irgendwie Erfolg vermittelt hat, das muss nichts mit der korrekten Reit- und schon gar nichts mit der korrekten Voltigierlehre zu tun haben. So könnte sich auch erklären, dass wenig Kenntnisse über Spiele, Stundenaufbau, sportphysiologische Grundlagen und basale Trainingslehre in die Stunden einfließen. Longierkenntnisse, geschweige denn der Nachweis derselben, sind nicht erforderlich. Es wird erwartet, dass sich die Teilnehmer binnen ihrer Ausbildung mit Bodenarbeit (hierzu zählt max das Longieren am Westernrope, was aber einen zu kleinen Kreisdurchmesser und damit zuviel Fliehkraft für den Reiter ergibt) mit Pferden beschäftigen.

Mehr als alle Worte, die sich insb. in den Curriculi noch recht intensiv anhören, wenngleich etwas lastig in Bezug auf das Erlernen psychotherapeutischer Interventionen und alternativer Angehensweisen an den Partner Pferd, sprechen aber immer Bilder. Und da sehe ich Pferde, die am langen Seil am Halfter mit gehandicapten Leuten obendrauf geführt werden. Niemand!!!! trägt eine Kappe oder einen Kopfschutz. Die Ausführenden selber sind in Positionen abgebildet, die klar zeigen ,dass sie von Pferdekommunikation wenig verstehen (hoffentlich stecken sie noch im Lernprozeß und hoffentlich sind die Leute auf den Pferden nicht wirklich beeinträchtigt, so dass sie im Falle krasser Mißkommunikation sich selber sichern können). Schau einfach mal selbst auf die Page und mach dir ein Bild.

Wie war Eure Stunde heute?

Liebe Grüsse
Sabine

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Beitragvon PJL » 31.01.2010, 16:21

Liebe Sabine,

jetzt bin ich wirklich am zweifeln....
War gerade auch auf der Homepage und so langsam habe ich wirklich das Gefühl, daß wir die falsche Therapeutin haben !!! Leider isses aber auch nicht so leicht eine zu finden, die so arbeitet, wie man sich das vorstellt. Zumal mir ja die Kenntnisse dazu völlig fehlen. Ich hatte damals eine Liste mit Reittherapeuten bekommen und die dann durchtelefoniert, die nicht unbedingt 50 km von uns entfernt waren. Und dann blieb nur eine übrig, die kein Jahr Wartezeit hatte...

Ich habe am Freitag mit unserer Therapeutin gesprochen. Habe sie auf die Rumpfhypotonie nochmals aufmerksam gemacht und - das hat sie scheinbar sehr getroffen - erwähnt, daß Lucas die Stunden langweilig findet. Gut, sie war sofort bereit, den Ablauf zu ändern und auch "Wunschstunden" für Lucas einzuführen. Angeblich durfte Lucas auch schon mal an der Longe traben. Brauchte allerdings nach zwei bis drei Runden eine Pause.

Die Stunde hat ihm diesmal Spaß gemacht. Er durfte mit den Zügeln reiten, traben (allerdings sie wieder vorneweg, weil zugleich zwei weitere Pferde in der Halle waren) und sollte das Pferd (wieder mal) an vorher bestimmten Punkten zum Stehen bringen (wenn allerdings zwei andere Pferde mit HURRA durch die Halle düsen, dann isses für ihn recht schwierig, sich nicht ablenken zu lassen - und, dann kommt natürlich "ich will das auch machen").

Bin wirklich etwas ratlos, weil ich echte Bedenken habe, ob die viele Zeit die wir da investiert haben (von Geld reden wir mal gar nicht), bei der falschen Therapeuting gelandet ist.
Im Februar möchte ich die Fehlstunden aus den letzten Monaten nachholen. Also werden wir wohl jede Woche eine Stunde reiten - und ich werde mir JEDE anschauen - und dann entscheiden...

Gibt es ein Verzeichnis, wie welcher Therapeut arbeitet, welche Schwerpunkte er hat oder, was ihn besonders qualifiziert?

Viele Grüße

Petra

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Beitragvon sabine g » 31.01.2010, 22:45

Liebe Petra,

zunächst mal zu Deienr Hauptfrage:
Gibt es ein Verzeichnis, wie welcher Therapeut arbeitet, welche Schwerpunkte er hat oder, was ihn besonders qualifiziert?


So konkret meines Wissens nach nicht. Die generelle Unterteilung nach Hippotherapeuten, Heilpädagogisch Tätigen und Behindertenreitsportausbildern gibt es. "Leider" finden sich auch die psychotherapeutisch Tätigen ausbildungsbedingt falsch sortiert unter den Heilpädagogen wieder, wobei ich da noch vermuten würde, dass man über deren Arbeitskreis ein differenzierteres, eigenes Verzeichnis bekommen können müßte. Aber Du brauchst ja nunmal einen Heilpäd. Tätigen und da am liebsten einen, der sich neben der Pädagogik auch mit Grundlagen der Peanuts-Medizin, sprich was ist und wie wirkt sich eine Hypotonie aus, auskennt. Eigentlich ist das eine richtig gute Idee, ein Subverzeichnis nach Kenntnisschwerpunkten zu machen. Ich fürchte allerdings, dass die meisten Therapeuten selber daran nicht so ein Interesse haben würden, weil -nach meiner Erfahrung- fast jeder jede Kundenanfrage annimmt. Dass mal jemand jemanden ablehnt, weil er dabei ja zugeben müßte, dafür keine Kenntnisse zu besitzen, ist eher selten. Noch seltener ist dann ein Verweisen an einen dafür passenden Kollegen. Manchmal habe ich den Verdacht, dass Wartelisten auch nur vorgeschoben werden, um sich attraktiv zu machen... Diese Therapieform ist ja bekanntermaßen privat zu bezahlen und so hatte ich in all den Jahren NIE eine volle Auslastung!!!! (Und hier soll kein Neid überkommen, sondern eine ehrliche, interne Sicht der Dinge.) Und mir sind unendlich viele Therapiehöfe bekannt, die relativ flott wieder schließen mußten. Die, die tatsächlich ausgebucht sind, haben vermutlich ruinöse Preise und nehmen einfach jede Anfrage auf. Und so arbeitet dann der gelernte Erzieher plötzlich mit geistigbehinderten Erwachsenen und der Behindertenreitsportausbilder mit Grundberuf Bürokauffrau mit wahrnehmungsgestörten Kleinkindern usw usw...

Angeblich durfte Lucas auch schon mal an der Longe traben. Brauchte allerdings nach zwei bis drei Runden eine Pause.


Hmm, zwei bis drei Runden an der Longe in "einem Stück"? Das wäre wirklich schon sehr lange. Ein Spiel, bei dem man immer mal wieder eine viertel oder halbe Runde trabt zu Beginn, wäre besser. Sportlehre... Trainingseffekt durch kurze Reprisen mit Wiederholungen! Nicht bis zur Erschöpfung durchhalten.

Er durfte mit den Zügeln reiten, traben ... und sollte das Pferd (wieder mal) an vorher bestimmten Punkten zum Stehen bringen


Ähem, ich hoffe die Zügel sind schonend in einem Halfter eingeschnallt??? Und nicht etwa an einem im Maul liegenden Gebisstück?? Wieso müssen Kinder lernen, ein Pferd über Ziehen am Zügel anzuhalten? Anhalten reitet man durch eine kleine Gegenbewegung, quasi ein "Festhalten" der unteren Bauchmuskulatur gegen die Pferdebewegung für einen kurzen Moment, man kann auch einfach ausatmen aber ohne zusammenzusacken dabei. Ich hatte, als Du das mit dem Anhalten erstmals schriebst, gedacht es handele sich dabei um ein Kommunikationsspiel: Wahrnehmen, wann das Pferd die Schrittzahl gemacht hat, mitzählen und fühlen und dem Therapeuten rechtzeitig "Halt" ansagen. Selber dem Pferd (un-)reiterliche Kommandos zu geben, finde ich für´s Pferd unschön. Und auch für ein so junges Kind therapeutisch unsinnig. Außer, man sieht einen psychologischen Effekt im Einflussnehmen auf so ein großes Tier.

Positiver Effekt des "Mit-Zügeln-Reitens" wäre allerdings, dass die Hände sich nicht mehr spontan irgendwo festhalten können, der Rumpf aufrecht bleiben muss und nun auch noch das Gewicht der Hände vor sich ausbalancieren muss. Wenn allerdings mit Gurt mit Griffen dran geritten wird, dann sind diese Griffe dem richtigen Zügelhalten meist im Weg.

Nochmal zur Übersichtlichkeit von Reittherapeuten-Qualifikationen: Die meisten haben heutzutage eine eigene Homepage. Dort sollte man die Qualifikationen nachlesen können, ggf. auch Arbeitsschwerpunkte (so zB Spezialisten für autistische Kinder, Spezialisten für ADHS-Therapien, Spezialisten für Drogentherapien etc) auffinden können. Manche Pages sind recht esotherisch, manche schreiben seitenweise ihre Lebensgeschichte bis ins Private, manche stellen den Hof und die Pferde super vor aber vergessen sich selber zu erwähnen, manche sind wirklich informativ, aber ich denke, jeder sucht und findet so auch, was ihn anspricht oder abtörnt.

Liebe Grüße
Sabine

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MarkB
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Beitragvon MarkB » 28.02.2010, 15:26

Hallo Frau G.

An dieser Stelle möchten wir 3, der Kleine Julian aus Castrop-Rauxel und seine Eltern, einen ganz lieben Gruß hier hinterlassen.

Julian geht es gut und wenn es wieder warm wird würden wir gerne wieder mal bei ihnen zum Reiten kommen.

An alle anderen kann ich nur sagen:
Wenn ihr zur Frau G mit euren Kindern reiten geht, sind sie sehr gut aufgehoben.
Julian ist immer sehr gerne hingegangen, einzig die Enterfernung von 130KM hindert uns daran regelmäßig dorthinzufahren.Er ist auch auf kein anderes Pferd gestiegen, nur bei Frau G, weil er ihr vertraut. Sein ehemaliger Kindergarten hat es mal bei einem anderen Therapeuten versucht, da hat er vor lauter Angst den ganzen Stall zusammen geschrien, wir waren dabei.

Viele Grüße aus Castrop-Rauxel
Julian, frühkindlicher Autismus, lacht sehr gerne, macht viel Unfug und spendet soviel mehr Wärme und Liebe als man es für ihn möglich halten kann.
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