Wie fit sind Kinder, die einen Heilpäd. Kiga besuchen?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Sabine
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Wie fit sind Kinder, die einen Heilpäd. Kiga besuchen?

Beitragvon Sabine » 05.11.2004, 17:16

Hallo zusammen!

Habe gerade mit einer Freundin telefoniert, deren 2,5 Jahre alter Sohn demnächst einen Heilpäd. Kiga besuchen soll. Der Kleine ist entwicklungsverzögert, wird gefüttert und gewickelt, keine Sprache, fängt jetzt gerade mit dem Krabbeln an. Verzögerte Wahrnehmung und verlangsamte Reaktionen.
Meine Freundin hat sich jetzt den einzigen Heilpäd. Kiga, der in Frage käme angeschaut und war nicht so begeistert. Die Kinder dort liefen alle, ihr eigenes Kind kam ihr am weitesten zurück vor. Sie fragte sich auch, wo in ihrer Umgebung denn wohl die schwerer behinderten Kinder in den Kiga gehen. Anscheinend musste auch kaum ein Kind ständig beaufsichtigt werden - alle liefen herum und spielten scheinbar. Weit und breit kein Rollikind zu sehen.
Tja, das fand ich dann auch etwas merkrwürdig. In JPs Gruppe sind auch Liegekinder, einige können ein bisschen krabbeln, laufen gar keins.
Meine Freundin würde ihren Sohn auch gerne in einen Waldorfkindergarten geben, dann müsste sie den Kleinen aber jeden Tag hinbringen und wieder abholen.
Sie will ihr Problem mit dem Heilpäd. Kiga auch noch mal mit einer Sozialarbeiterin besprechen. Was meint ihr dazu?

Lieben Gruß,
Sabine
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Beitragvon Nicolelendt » 05.11.2004, 17:26

Hallo Sabine!!

Bekommt das Kind von deiner Freundin Frühförderung?
Dann würde ich einfach mal die fragen. Bei uns ist es so . daß die Frühförderung sich mit einem die in frage kommenden KiGa anschaut und dann besprochen wird welcher für das Kind der richtige ist. Bei Leonie wird es noch dauern. Sie wird ja im Januar erst 2 Jahre.

Gruß Nicole + Leonie
Leonie, geb.06.01.2003, Nager-Syndrom,seit dem 06.02.2005 bei den Engeln.

Wenn du bei Nacht in den Himmel schaust,
wird es dir sein, als lachen alle Sterne.
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Beitragvon Rachael » 05.11.2004, 17:54

Hallo Sabine,

Florian ist in einem Integrationskindergarten. Seine Gruppe hat 15 Kinder, alle ca. 2 1/2 bis 3 1/2 Jahre und 5 davon sind Integrationskinder, wobei deren Besonderheiten ganz verschieden sind. Er ist der einzige in seiner Gruppe, der noch nicht sitzen, greifen, laufen etc. kann. (Dafür darf nur er in das Wäschekorb-Bällchenbad und auch noch die Bälle rauswerfen :wink: ). Die anderen haben Sprachprobleme oder können z. B. nicht richtig laufen. Aber weil er soviel Hilfe braucht hat seine Gruppe außer der regulären Mannschaft (ein Zivi und zwei Erzieherinnen) auch wieder eine Jahrepraktikantin. Es ist dann praktisch immer jemand für ihn alleine zuständig, jedenfalls bis zur Vesper nach dem Mittagsschlaf.

Jedenfalls hat es ihm total gutgetan, mit Gleichaltrigen zusammenzukommen, auch wenn die alle mehr können als er. Und wenn er mal nicht da ist, wird er von den anderen total vermisst.

Wenn ich an meine Erfahrungen mit dem Waldorfkindergarten denke (o.k., ist über dreißig Jahre her :roll: ) das wäre glaub ich für ihn noch nix. Irgendwie wurde da von den Kindern mehr Selbständigkeit erwartet, aber so genau kann ich mich natürlich nicht mehr erinnern.

Liebe Grüße, Rachael

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Beitragvon Sabine » 05.11.2004, 20:06

Hallo!

Danke schon mal für eure Antworten.
Also bei uns war es sogar so, dass unsere Frühförderin den Kiga, den JP jetzt besucht, empfohlen hat. Der Kleine meiner Freundin bekommt auch Frühförderung, aber die Therapeutin ist - glaub ich - noch recht jung und hat nicht so die Erfahrung...
Ich werde meiner Freundin eure Antworten mal zukommen lassen. Vielleicht melden sich ja auch noch mehr zu Wort.

Lieben Gruß,
Sabine
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Beitragvon dieMeike » 05.11.2004, 20:31

Hallo Sabine,

besteht denn in diesem Kindergarten die Möglichkeit zur Hospitation? Wenn Deine Freundin ein ungutes Gefühl hat sollte sie sich den Tagesablauf im KiGa auf jeden Fall näher anschauen. Ich hab es in verschiedenen Einrichtungen wochenlang getan und bin dann zu dem Schluss gekommen das behinderte Kinder in den Integrativen Einrichtung, trotz Fachpersonal oft weniger Betreuung und Förderung bekommen als in Regelkindergärten. Das ist aber rein auf die Quantität bezogen.

Relativ neu ist das es jetzt einige Waldorfeinrichtungen gibt die Kinder mit Einschränkungen aufnehmen. Gerade für Kinder mit Wahrnehmungsstörungen gibt es dort sicherlich einige sehr gute Ansätze und die Lehre Steiners wird nicht mehr stur bis aufs Letzte umgesetzt. Auch die Waldorfpädagogik hat sich weiterentwickelt.

Gell, ich kann hier rumtönen...
Bei uns ist die Auswahl an Einrichtungen noch sehr hoch, viele Einrichtungen mit optimalen Öffnungszeiten usw., darüber bin ich auch froh.

Liebe Grüße und für Deine Freundin ein gutes Händchen bei der Auswahl

Meike und Bande
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der Große, an der Grenze zur leichten Schwerhörigkeit ADS und LRS

Der Kleine, Muskelhypoton,
unklare Genese, einseitiger HG Träger

"Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit genommen werden kann."

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Beitragvon Sabine » 06.11.2004, 10:29

Hallo Meike,

ich denke auch, dass ein integrativer Kiga für den Sohn meiner Freundin nicht in Frage käme. Das mit der Hospitanz ist eine gute Sache - das werde ich ihr mal vorschlagen.

Lieben Gruß,
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Beitragvon Ela74 » 06.11.2004, 14:49

na ich denke die Besetzung in einem Heilpädagogischen Kindergarte kann von Jahr zu Jahr wohl auch stark schwanken. Wenn es doch weit und breit der einzige Kidnergarten ist, wird sie ja nicht so viele Ausweichmöglichkeiten finden können. Hat sie denn über die Frühförderung nicht auch Kontakt zu anderen Familien? Da hört man ja dann ehr aus erster hand von den Erfahrungen, die z.B. die Kinder die evtl. ein jahr älter sind machen. Aber der Stand kann ja schon sehr untershciedlich sein, ist wohl selten aber ist doch durchaus möglich, daß im Einzugsgebiet in dem Alter im Moment kein Kind ist, was weiter zurück ist, als der Kleine deiner Freundin. Ich weiß noch als Marvin rein kam hatten die halbe, halbe Rolli und laufende Kinder, wobei marvin da ja auch zu den nicht laufenden gehörte. Ein Jahr später waren es glaube ich nur noch 2 Rollikinder, dafür ausschließlich nur noch Jungs. Im letzten Jahr gab es noch immer kein Mädchen da und es war wieder einigermaßen ausgeglcihen zwischen laufenden und nicht laufenden. Wenn ich das jetzt in seiner schule sehe, da ist er zum beispiel in seiner Klasse der einzige, der allein laufen kann, in der Vorstufenklasse über ihm mit mehr kindern sind es jede menge laufende und nur 2 liegende bzw. im Rolli. Ich halte es auch für das beste sie schaut sich das mal einen Tag an und sieht dann ob es der richtige Kiga ist oder nicht und irgendeiner ist halt nun mal leider derjenige der am weitesten hinterher hinkt
Ela (Bj.74) mit Marvin (09/97, CP, geistige Behinderung, fehlende Sprache, Epilepsie, Neurodermitis) und Felix (10/01 ADS?, Neurodermitis) und Gordian Andrin 10/09 und Aurelian 8/11

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Beitragvon Heidi Os. » 06.11.2004, 15:32

Hallo Sabine!

mein Sohn Dominik hat drei Jahre einen heilpädagog. Kiga besucht. Dort waren Kinder mit den verschiedensten Behinderungen. Von Entwicklungsverzögerung bis hin zur Schwerst-Mehrfachbehinderung. Die Kinder wurden dort optimal gefördert und haben alle irgendwie voneinander profitiert. Die "leicht behinderten" lernen, mit schwer behinderten Kindern ganz normal umzugehen (damit haben Regel-Kiga Kinder teilweise arge Probleme) und die schwerer behinderten Kids können sich sehr viel von den anderen "abgucken" und dadurch lernen. Außerdem werden viele Therapien, wie KG, Sprachtherapie u.s.w. im Kiga durchgeführt. Das war sehr praktisch. Ich würde mich jederzeit wieder für diesen Kiga entscheiden und Dominik hat dort (fast) jeden Tag genossen. :)

In manchen Einrichtungen gibt es doch die Möglichkeit, dass die Kids probeweise mal eine Woche in den Kiga gehen, um schon mal einen ersten Eindruck zu bekommen. Vielleicht wird so eine "Schnupperwoche" in dem Kiga, den Deine Freundin sich angeschaut hat, auch angeboten. Das wäre doch eine Möglichkeit für sie und ihren Sohn, alles genauer kennenzulernen als beim ersten Besuch.

Liebe Grüße,
Heidi

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Beitragvon annette » 06.11.2004, 15:49

Hallo Heidi,
also ich finde nich, dass "Regel-Kiga Kinder" Probleme damit haben, mit schwerer behinderten Kindern umzugehen. Ganz im Gegenteil.

Unsere Tochter hat eine integrative Einrichtung besucht. Es waren zwei Gruppen mit jeweils 10 "nichtbehinderten" Kindern und 5 "behinderten" Kindern. Julia war in ihrer ganzen Kiga-Zeit (drei Jahre) das einzige schwerstbehinderte Kind. In den ersten beiden Jahren saß sie noch in ihrem Reha-Buggy und im letzten Jahr hatte sie einen Rolli.

Wir hätten sie damals lieber in einem Kindergarten mit mehr schwerstbehinderten Kindern gesehen, waren aber im Nachhinein froh über die "Notlösung" (wir wohnen ländlich, und da gibt es nicht viel "Auswahl").

Also, Julia wurde jedenfalls auch von allen "gesunden" Kindern voll integriert. Sie war beliebt und die Kinder kam untereinander super klar. Alle wollten ihr eigentlich ständig "helfen" und sie hat sich super wohl gefühlt.

Viele Grüße
Annette
Mama von Kevin 14 J., Julia 10 J., seit 8 J. schwerstbeh.,vermutl. nach Impfung, keine Diagnose, heute Tetraspastik, undeutl. Sprache,
sehr gutes Sprachverständnis, und Léonie 5 J.,

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Beitragvon Heidi Os. » 06.11.2004, 16:42

Hallo Annette!

Ich meinte Regel-Kiga-Kinder, die während ihrer Kiga-Zeit nie Kontakt haben zu behinderten Kindern!

Im I-Kiga werden die gesunden Kids auch damit konfrontiert, dass es auch Kinder gibt, die halt anders sind als sie selbst und lernen so, Behinderungen zu akzeptieren und damit ganz normal umzugehen. Aber solche Einrichtungen gibt es leider noch viel zu selten. Ich habe damals auch versucht, einen I-Platz für Döminik zu bekommen, aber bei uns in der Gegend gab es nur eine I-Gruppe und dort standen schon viele Kinder auf der Warteliste. Und dann hat er den Platz im heilpädagog. Kiga bekommen.

Liebe Grüße
Heidi


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