Was wünscht ihr euch von einer Inklusion?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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kati543
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Beitragvon kati543 » 28.09.2018, 08:41

Hallo,
meine Kinder sind, bis auf das Vorschuljahr meines Ältesten, immer inklusiv beschult gewesen in nunmehr 3 verschiedenen Schulen wegen Umzug bzw. Wechsel auf die weiterführende Schule.
Ich schreibe einfach mal auf, was mir an den Schulen gefallen hat:
- kleine Klassenstärke (maximal 20 Kinder, besser jedoch maximal 15)
- durchgehend doppelte Besetzung der Lehrer
- behinderte Kinder erhalten in inklusiver Beschulung relativ leicht eine I-Kraft; eine Förderschule hat manchmal schlechtere Voraussetzungen und das Kind erhält keine Hilfe
- ich würde mir jedoch wünschen, dass die Bürokratie etwas einfacher wäre und die Ämter nach Genehmigung nicht erst noch monatelang über eigentlich feststehende Sätze verhandeln müssen mit den Trägern
- genügend Platz im Klassenzimmer (da muss noch Platz sein damit die Kinder mal außerhalb der Tische etwas machen können)
- ein extra Nebenraum für jedes Klassenzimmer zum entspannen für die Kinder
- Tiere: ich kann nur sagen in allen Schulen hatten wir Hunde, die Kinder sind sehr viel ruhiger geworden; jetzt haben wir noch Hühner, Kaninchen und Pferde - die Kinder kümmern sich klassenstufenweise um die Tiere, das beruhigt die Kinder ungemein
- Therapie: alle 3 Therapien sollten in der Schule angeboten werden während der Schulzeit
- zusätzliche „Fächer“ für behinderte Kinder können genutzt werden, um der Stammklasse die Möglichkeit zu geben, eine Arbeit zu schreiben (mein Jüngster hatte z.B. donnerstags grundsätzlich 2 Stunden Alltagspraktische Fähigkeiten und 1 Stunde Psychomotorik. Jedes Kind der Schule, welches nicht lernzielgleich beschult wurde, war in einem solchen Fach zu der Zeit.)
- die Bereitschaft JEDE Schule barrierefrei auszustatten bzw jede weitere neue Schule barrierefrei zu bauen
- für JEDES Kind: differenzierter Unterricht in jedem Fach nach den Fähigkeiten eines jeden Kindes
- Wahlpflichtfächer für jedes Kind - mein Ältester war in Lego, Orchester, Posaune, Kochen, NaWi-Werkstatt, Kreativ und mein Jüngster macht derzeit Glück und Yoga.
- alle Kinder machen prinzipiell immer alles mit (Klassenfahrt, Präsentation, ...); wer etwas nicht kann, dem wird geholfen
- geschulte und sensibilisierte Lehrer, die problematische Situationen erkennen können (Mobbing,...)
- großer Aussenbereich der Schule und lange Pausen auf dem Schulhof
- viel Projektarbeit
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 28.09.2018, 09:40

ich wünsche mir von der Inklusion, dass keiner zu kurz kommt, egal ob man da innerhalb wieder etwas differenzierter arbeiten muss....

ich wünsche mir, dass die Kinder geräuscharme Umgebungen vorfinden, ohne ständige Reizüberflutung, dass in der ersten Zeit - also die ersten 8 Schuljahre keine Arbeiten über Internet angeboten werden, - Computer als Hilfsmittel können auch ohne Internet laufen! -

- der PC sollte sehr sparsam eingesetzt werden, die Kinder sollen dazu gebracht werden selbständig zu denken, es sollte keine Einheitsschemata geben, keine Zentralmatura, die Talente der einzelnen Kinder sollten mehr gefördert werden, individueller Unterricht... aber primär ist es schon wichtig, dass die Grundfertigkeiten vermittelt werden!- Rechnen, schreiben, lesen, die Alltagskompetenzen - in dem Rahmen, wie die Kinder das schaffen...

Dort wo es geht, findet der Unterricht miteinander statt, wo aber die Qualität immens leiden würde, auch mal nebeneinander...

bei Bedarf auch mal nur 4 Schüler in der Klasse...

Auch ich sehe das so, dass in einer Klasse von mehr als 18 Schülern einfach ein gewisser Geräuschpegel da ist...

Ich wünsche mir sehr wohl auch spezielle Lehrkräfte, sei es Werklehrer oder Sonderpädagogen, die sich sehr wohl noch mit Gebärdensprache auseinandersetzen und mehr...

Ich wünsche mir von einer Inklusionsschule, dass auch Eltern Lehrgänge angeboten werden - bei Bedarf, ob das eine Auffrischung ist - z. B. Schwimmabzeichen, oder auch mal Webkurse auch für Eltern... -

Webstühle sollten - z. B. in Schulen wieder mehr eingesetzt werden, mehr Handwerk und eine andere Form von Unterricht - wo auch mal vielleicht so etwas wie längerfristige Konzentration erforderlich ist... und sichtbare Erfolgserlebnisse, Dinge, die man auch in die Hand nehmen kann!

Natürlich auch das Anbieten von Gebärdensprache, auch für Eltern, damit diese ihre Kinder verstehen können - oder auch GUK - bei Kindern mit besonderen Bedürfnissen...

Eigentlich sollte Schule eine Art Dorf sein... mit Schulgarten, wo auch Obst und Gemüse wachsen dürfen... - und Kinder sich hier austoben dürfen... einer Schulküche, wo vielleicht auch die Mütter sich einbringen dürfen, sei es gesunde Jause, oder auch Mittag essen kochen... - Das fände ich überhaupt interessant, kultureller Austausch schon zwischen den Müttern in der Schule...



Da sprechen immer alle von Schulpartnerschaft, doch gerade sind meist die Eltern von Kindern mit Zeichen von Verwahrlosung überhaupt nie in der Schule zu finden...

Es muss auch gewährleistet sein, dass kein Kind länger als 6 Stunden in der Schule bleiben muss, aber es sehr wohl die Möglichkeit gibt, dass Schule auch 24 Stunden vorhanden ist... so können auch Krankenschwestern 24-Stunden Dienste verrichten...

Damit sind auch Erzieher notwendig, Schlafräume und mehr...

Es muss auch gewährleistet sein, dass die örtlichen Vereine weiterhin mit den Kindern in Kontakt sind, egal ob es um Erstkommunion, Musik, Turnen, Theaterverein, oder auch die Lundjugend geht...

Natürlich ist auch damit verbunden, dass es ein besser ausgebautes Netz von Verkehrsmitteln gibt, damit die Kinder auch mobiler sein können...

Und das Vermieten von Schulräumen fällt dann auch eher weg... - weil ja die Schule dann wirklich mehr frequentiert wird...


- Aber, wenn man eine gewisse Form wählt, dann gilt das auch für ein Jahr... (Todesfälle, Arbeitsverlust der Eltern, Umzüge deshalb sind davon ausgeschlossen)


Dafür muss aber auch der Staat gewährleisten, dass genug Personal vorhanden ist - Lehrkräfte, Therapeuten, Erzieher, Krankenschwestern, Arzt, auch Personen für die Administration und mehr...


Und: es muss eine wirklich funktionierende Sprengeldispens geben, so dass wirklich kein Schüler eine große Distanz zu seiner Schule hat...


In dieser Schulstadt gibt es natürlich verschiedene Bereiche und nicht jeder darf überall hin... -

Es sollte genug Zeit sein, damit Lehrinhalte so lange wiederholt werden können und dürfen, wie es erfoderlich ist, damit die Schüler auch wirklich sattelfest in den Grundlagen sind... natürlich erfordert dass dann auch eine gewisse Durchlässigkeit, da die Lerngeschwindigkeit unterschiedlich ist...


aber auch heute ist es möglich für das, was da in 8 Jahren unterrichtet wird, zwischen 6 und 10 Jahre zu benötigen... - es gibt bereits heute eine gewisse Durchlässigkeit... -


Was aber schon sein muss, dass eine gewisse Qualitätskontrolle vorhanden ist und Prüfungen, Noten etc. sehr wohl eingesetzt werden um zu zeigen, wo der Schüler unterwegs ist... - man kann es ja dann differnzieren:

Deutsch Grundwissen - 8. Schulstufe... Mathematik vertieft - 10. Schulstufe

oder ähnlich...

Zu viel sollten die Eltern allerdings nicht mit den Kindern gemeinsam in der Schule machen, denn auch die Kinder brauchen "ihre" Welt und nicht ständige Kontrolle durch Eltern...

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 28.09.2018, 09:56

Liebe Silvia,

genau das, was Du hier suchst bietet die Waldorfschule in sehr großem Umfang jetzt schon.

Diese Art von Inklusion würde aber bei meinem autistischen Kind allergrößte Probleme bereiten. Wir bräuchten eher solide wiederkehrende und verlässliche Abläufe und nicht so viel Flexibilität, keine Tiere - eher sterile Bedingungen, gerade keine Bewegung in der Klasse, sondern fixe Plätze - das ist wohl nicht bei allen autistischen Kindern so. Aber uner Bedarf und Euer Bedarf liegen in diesem Modell so weit aueinander, dass Inklusion sich sehr anstrengen müsste.

Liebe Grüße
Heike

Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 28.09.2018, 11:33

Liebe Heike,

warum denn?

Es wird doch - sagen wir - 6 Monate davor der Bedarf festgestellt - und wenn ich eben 4 oder mehr Kinder habe, die den Bedarf der Kleinklasse haben, dann wird eine solche geöffnet... - nur, man muss insofern durchlässig sein, dass der Bedarf nach 2 Jahren z. B. nicht mehr da ist, da sich vielleicht Verhaltensauffälligkeiten, die man in der Kleingruppe bearbeitet hat, oder auch z. B. Sprachdefizite, so weit gebessert haben, dass man jetzt diesen Schüler in eine größere Gruppe überstellen kann...

- und sehr weit entwickelte Schüler, die sehr eigenständig und verantwortungsvoll arbeiten können (statistisch gesehen etwa 10 %) die dürfen sich ihre Module selbst zusammen stellen (hier kommt dann der Montessori-Ansatz) aber natürlich steckt auch eine gewisse Abstufung hier, damit die, die sich gut orientiern können, schon mit 16 die Abiturreife haben, aber diejenigen, die eben Defizite haben, vielleicht erst Schulstufe 3 - bis partiell Schulstufe 5 haben... -

Natürlich steckt da ein großer Aufwand dahinter, da natürlich ein Kind, welches mit 14 Jahren immer noch im Zahlenraum 10 unterwegs ist, nicht mit 6-jährigen in die Klasse geht... - sondern, mit älteren... - hier dann vielleicht so Modelle für Altersgruppe 6 - 9, Altersgruppe ab 9 - 12, Altersgruppe 13 und älter... meist sind da auch eher fließende Übergänge zu finden...

und ganz ohne Wechsel wird es auch nicht gehen... :roll: Umzüge, Todesfälle, neue Lehrkräfte... davor ist man nicht gefeit...

Aber täglich in der Früh, die erste halbe Stunde, gibt es ein Treffen in der Aula, wo alle gemeinsam sind - und sich dann in die einzelnen Räume begeben... - bzw. auch mal gemeinsam einen Wandertag gestalten...

Projekttage... - wo man auch mal Jahrgangskollegen aus der anderen Abteilung (ich denke da primär an jene, die man als basal bezeichnet) mitnimmt (es müssen hier aber beide mitmachen, damit dann weder die einen noch die anderen wirklich darunter leiden...) - Es gibt eben Kinder, die kann ich aus gewissen Gründen nicht in eine Gruppe geben, wo 20 und mehr Personen da sind... - anderen macht das gar nichts aus, die freuen sich, wenn ihr Tag einmal etwas anders verläuft, als sonst... und auch die anderen Kinder lernen, dass diese Menschen nicht "aussätzig" sind... aber eben nur 4 Tage im Jahr... - damit der eigentliche Unterricht sehr wohl statt findet und nicht permanent gestört wird...

Es ist jetzt nicht das Ziel, dass da jetzt Freundschaften entstehen, zwischen Kindern, die miteinander einfach nichts anfangen können, aber es soll ein Toleranz, Akzeptanz und gegenseitiges Helfen forciert werden... das man eben nicht wegschaut und ausweicht, weil man Berührungsängste hat...

Ich erwarte mir jetzt nicht, dass 12-jährige Mädels einmal die Woche ihre Zeit einem Liegekind widmen und sich mit diesem beschäftigen, aber ich erwarte, dass man nicht davon läuft, wenn man solchen Menschen in "freier" Wildbahn begegnet...


ach ja, und noch etwas - es sollte auch möglich sein, dass hier ALLE Kinder bis zu ihrem 18. Lebensjahr beschult werden können, bzw. betreut!

LG
Silvia


und was ich mir noch wünsche, dass die Familie erhalten und geschützt wird, Frauen zu Hause bleiben dürfen und nicht gezwungen werden arbeiten zu gehen, weil die Wirtschaft das so will...

Auch das ist eine Forderung an die Inklusion, dass es auch in Zukunft möglich sein muss, die Kinder zu Hause groß werden zu lassen, dass die Kinder gesunde Wurzeln entwickeln dürfen, nicht schon im Alter von unter 6 Jahren bereits unzählige verschiedene Bezugspersonen hatten... - Da müssten doch 1 Mutter, 1 Vater, 1 Oma, 1 Opa, vielleicht auch noch 1 Tante und 1 Onkel vollkommen ausreichen neben einer Kindergartenpädagogin...

Es werken viel zu viele Personen an den Kindern... - da der Therapeut, dort ein Psychologe, da eine Tagesmutter, dort noch eine zusätzliche I-Kraft...

Die Kinder erhalten bereits da so viel Input, das können sie gar nicht wirklich verarbeiten...


Daher: zurück zu kleinen Strukturen mit weniger Menschen... nicht Unmengen an Personen, die einen nur verunsichern und nicht helfen und ständig wechseln!!!
Liebe Grüße

Silvia

Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein

Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört


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