Was wünscht ihr euch von einer Inklusion?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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BiancaT
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Beitragvon BiancaT » 09.09.2012, 13:20

Hallo ihr Lieben,

ich wünsche mir für die Inklusion

-kleinere Klassen (max. 12 "gesunde" Kinder, und je nach stärke der Behinderung 2-4 Kinder) aber bitte kein einzelnes I-Kind.

-Doppelbesetzung aus Förderlehrer/in und Lehrer/in wenn nötig I-Helfer, Erzieher

-Ruheräume in ausreichender Größe und Zahl

-Barierefreie Schulgebäude und Turnhallen

-ein Lernfeld, in dem jeder so schnell lernen darf wie er kann

- für alle, entweder ein Ziffernzeugnis oder eine Beurteilung.

-alle nötigen Hilfsmittel die die Kinder/Jugendlichen brauchen

LG

Bianca
Bianca mit Lina *14.01.02, entwicklungsverzögert, Lernbehinderung, Zystenniere, KISS,alpha-1- antitrypsin-mangel PIMZ, Skoliose, Muskelhypoton

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BirgittaM
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Re: Was wünscht ihr euch von einer Inklusion?

Beitragvon BirgittaM » 09.09.2012, 15:49

Reginas Family hat geschrieben:Vor kurzem habe ich von einer Lehrkraft die Frage gestellt bekommen, was wir Eltern uns von Inklusion wünschen. Wie wir uns sie vorstellen.

Ich habe schon einige Eltern gefragt und sammle noch Antworten, da die Lehrerin in einem Arbeitskreis in der bayrischen Regierung ist, wünsche ich mir eine breitgefächerte Antwort.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir helfen könntet, damit ich dies weiterleiten kann - natürlich ohne Namen.

Viele Grüße

Regina


Hallo, Regina!

Inklusion für Kinder mit wirklichen Behinderungen (und nicht nur leichten Einschränkungen) macht nur dann Sinn, wenn:

- die Klassen klein sind.

- auch den schwerstbehinderten Kindern ein adäquates, an ihren Möglichkeiten orientiertes Bildungsangebot gemacht wird, das mehr ist als reines "Dabeisein"!!!

- pro Klasse ständig (!) zwei Lehrkräfte zur Verfügung stehen, plus Betreuer, die sich um praktische Belange sowie um Begleitung in den Pausen kümmern).
- pro Klasse mindestens zwei Räume zur Verfügung stehen.
- ein Kind mit Behinderung nicht der "Exot" unter lauter normal entwickelten Kindern sein muss, sondern sowohl behinderte als auch nichtbehinderte Mitschüler hat.
- kein Kind zu Hause bleiben muss, weil die Schulbegleitung kurzfristig ausfällt.
- Therapien in der Schule stattfinden können (entsprechendes Raumangebot!)
- alle Angebote (einschließlich Nachmittags- und Ferienbetreuung) für ALLE Kinder offen sind.

Das, was momentan unter "Inklusion" läuft, verdient die Bezeichnung nicht. LG, Birgitta

togram
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Beitragvon togram » 09.09.2012, 16:02

Hallo,

ich schliesse mich Birgitta´s Worte an gerade die Inklusion von Schwerstmehrfachbehinderte Kinder sollte gut durch dacht sein....
Das Kind sollte nicht nur "Dabeisein" sondern an ihren Möglichkeiten gefördert werden.
Ich wünsche mir das auch Eltern von gesunden Kindern lernen ,das ihre Kinder auch von behinderten Kindern lernen können....das es auch andere Sachen gibt wie der Leistungsdruck und das die Kinder etwas verpassen können.....denn auch das Miteinader,untereinader Helfen das fehlt mir gerade in der Gesellschaft.....diese Ich Gesellschaft....

LG Togram
Selina geb. 06,Frühchen 26 SSW,entwicklungstörung, cerebrale Bewegungsstörung,op. Herzfehler,1. Krampfanfall Dez.2013,Schulkind seit Sept.2013 in einer GB und KB Schule und PT geb. 11 entwicklungsverzögert
Eine Kämpferin mit einem ausgeprägten Trotzkopf!!

"Lebe heute,denke an morgen!Die Sorgen der Vergangenheit vergiss!"

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 09.09.2012, 17:50

Hallo !

@Sabine: schwerst mehrfachbehinderte Kinder haben auch schon ein Inklusionsproblem in einer Förderschule !
Im GB-Bereich gibt es immer Bestrebungen der weniger körperlich behinderten Menschen, als gleichwertig mit den Betreuern angesehen zu werden. Leider imitieren sie auch häufig (schlechte) Verhaltensweisen von ihnen...

Mir ist besonders vor einigen Monaten klargeworden, was man eigentlich von leicht geistig behinderten Menschen im Vergleich zu nicht behinderten Kindern erwartet: ein schwer geistig behinderter Junge, der in der GB-Klasse von den Kindern von Bekannten war, ist nachts erstickt, weil er einen Anfall hatte.
Der Junge unserer Bekannten ist vollkommen verstört nach Hause gekommen; er konnte das gar nicht verarbeiten.

Solche Erfahrungen "erspart" man nicht-behinderten Kindern, die packt man lieber in rosarote Lillifee-Bettwäsche...
Genauso wie in einer integrativen Disco auch schon mal Menschen kurzfristig auf dem Boden liegen wegen eines Anfalls, die anderen Besucher sind nur leicht verstört weil es irgendwie zur Normalität gehört - nicht-behinderte Menschen werden da hysterisch...

Ich denke, dass sich bei einem inklusiven Schulsytem dennoch Grüppchen bilden; es wird nicht so sein, dass alle miteinander können.
Aber lieber ein gesundes Nebeneinander als gar nichts voneinander wissen.
Man kann die Bereicherung, die einem ein anderer Menschen gibt nicht immer in Worte fassen - dennoch ist sie da...
Bitte nicht mißverstehen, aber: selbst eine andersfarbige Tapete verändert die Atmosphäre, wie sollte ein schwerstmehrfach behinderter Mensch dann keinen Einfluss haben ???

Ich finde es wichtig, dass die Kinder mit Mehrfachbehinderung zumindest nicht weniger Aufmerksamkeit/Förderung in einer inklusiven Schule bekommen als jetzt in einer Förderschule. Ich denke, dass ist die große Angst, oder ?!

Bei uns ist in der Nähe ein Fabrikverkauf entstanden; Timo brauchte neue Schuhe also ab in einen neues Geschäft. Timo war natürlich sofort von der Rolle, ich war bereits nach einer Minute schweißgebadet. Der Verkäufer sah schon so gestylt aus, wie Verkäufer, die viel Umsatz bringen sol, auszusehen hat :oops: - oje...
Aber ich habe mich getäuscht: in Sekundenschnelle hat er mir die passenden Schuhe herausgesucht, er wußte, worauf Timo achtet...
Als wir bezahlt haben, sagte er mit einem Lächeln: "Sie brauchen mir nichts zu erklären; ich komme aus Bremen, da gibt es Inklusion schon lange. Ein Mitschüler war Autist"

Das wünsche ich mir immer so !!! :wink:

Gruß
Kirsten

SusannNa
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Beitragvon SusannNa » 17.09.2018, 10:48

Ich wünsche mir, dass es keine Diskriminierung gibt!


Denn das scheint bei Ginos Schule ganz oben zu stehen!
Sohn Hypoplastisches Linksherzsyndrom mit Sprach-, Seh-, Schluck,- Wahrnehmungs-und Gleichgewichtsstörung und Halbseitenlähmung rechts und links leichte Feinmotorikstörung

Karin2308
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Beitragvon Karin2308 » 17.09.2018, 11:26

Erstmal müsste das dreigliedrige Schulsystem abgeschafft werden, hin zu einer Gemeinschaftsschule mit verschiedenen Leveln an der alle Kinder lernen. Dann werden auch Kinder mit Behinderungen im Alltag für alle sichtbar. Bis das nicht geschieht, wird es vermutlich keine vernünftige Inklusion geben.

LovisAnnaLarsMama
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Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 17.09.2018, 13:10

Hallo,
meine Großen besuchen eine Grundschule und sind durch Zufall in den Inklusionsklassen ihres Jahrgangs gelandet. Dort sind viele von den Wünsche schon umgesetzt: mehr Lehrer in der Klasse, zwei Räume... Die Schule hat auch in jedem Jahrgang einige I- Schüler.
aber: Kind 1 findet Inklusion schlecht, weil er meint immer zu viel Rücksicht nehmen zu müssen, er fühlt sich ausgebremst. Als Mutter wünsche ich mir auch mehr Transparenz, wie soll ich meinem Kind erklären, was bei seinen Mitschüler nicht stimmt, wenn ich nicht weiß wo überhaupt das Problem ist.
Umgekehrt sehe ich für meinen Kleinsten der einige Probleme mitbekommen hat gerade eher eine spezielle Schule, die geziehlter
an die Probleme herangehen kann. Bis zur Entscheidung für eine Schule sind es zum Glück noch drei Jahre, da kann sich noch einiges ändern.
Lg LovisAnnaLarsMama
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

LarissaD
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Beitragvon LarissaD » 17.09.2018, 14:30

Ich wünsche mir neben vielen, was Ihr schon oben geschrieben habt, dass im Rahmen der Inklusion nicht auf die starken Schüler gesetzt wird, um den schwâcheren zu helfen, sondern, dass ausreichend Fachpersonal da ist.
Das würde auch die Akzeptanz bei den Eltern der Stärkeren erhöhen. Und im Gegensatz zu anderen hier meine ich, dass auch die Normalkinder an Ihr Leistungsmaximum rankommen können sollten. Die lernen nämlich zT. Bei weitem nicht so viel, wenn sie dauernd als Hilfslehrer eingesetzt werden. Mein Sohn hat darunter ziemlich gelitten und mochte dann irgendwann in der Pause nur noch mit Nichtbehinderten spielen.

Für meine Tochter wünsche ich mir, dass die Informationen über Besonderheiten zuverlässig bei allen Betreuern und Lehrern ankommen, das sich intensiv ausgetauscht wird, damit weniger schief geht. Ich finde es so ermüdend, immer wieder dieselben Sachen anzusprechen..
Viele Grüße, LarissaD

IlonaN
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Beitragvon IlonaN » 18.09.2018, 10:12

Ich wünsche mir Inklusion so das kein Kind auf der strecke bleibt und nicht nur das Kind mit Handycap, sondern alle Kinder der Klasse nicht zurückstecken müssen. So wie das bisher läuft, geht das auch zu Lasten der NT Kinder einer Klasse, die mangels Personal zu wenig Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommen und durch massive Störungen dem Unterricht kaum noch folgen können.
Aber das alles sind Wunschträume, solange wie wiedermal bei den schwächsten der Gesellschaft gesparrt wird, unseren Kindern.-grr- und das nur, weil es wie immer um Geld geht. Wie soll ein Lehrer mit über 20 Kindern und einem oder mehren besonderen Kindern das bewerkstelligen.???
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

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AgnesH
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Beitragvon AgnesH » 18.09.2018, 10:48

Auch behinderte Eltern von behinderten Kindern sollten auch inkludiert werden. Somit haben viele gehörlose Eltern hart zu kämpfen, dass Schulamt die eine oder andere Kosten übernimmt.


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