Gott - glaubt ihr dran, wieso lässt er Behinderung zu?

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

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Skye
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Gott - glaubt ihr dran, wieso lässt er Behinderung zu?

Beitragvon Skye » 06.05.2012, 00:49

Hey :)

Ich habe mich neulich mit meiner Tante unterhalten, die ein Kind mit ADHS hat ... wir sind dann auf das Thema Gott gekommen und hatten völlig unterschiedliche Meinungen.
Glaubt ihr an Gott, so wie er in der Bibel beschrieben wird?
Ich habe schon oft darüber nachgedacht, vor allem seit ich mit Noah schwanger bin. Mittlerweile sehe ich ihn nicht mehr wie eine Strafe, aber ich weiß, dass ich irgendwann vielleicht mal anders darüber denken werde, wenn sich das ganze Ausmaß seiner Behinderung zeigen wird (er hat Spina Bifida) und da denke ich: Wenn es diesen Gott, wie er in der Bibel beschrieben wird, wirklich gibt, warum gibt es dann Behinderungen? Will er mich für irgendetwas bestrafen?
Es sind vielleicht blöde Gedanken, aber sie schwirren die ganze in meinem Kopf.
Meine Tante ist da ganz anderer Meinung, sie sieht es als Geschenk.
Aber wie kann das bitte ein Geschenk sein???
Es würde mich wirklich sehr interessieren was ihr davon haltet???

Lg Skye
Mama Skye *1/5/92
Würmchen Noah Matthew *30/5/12, Spina Bifida, Th11/12

A person's a person, no matter how small.
~Dr. Seuss

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Michi104
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Beitragvon Michi104 » 06.05.2012, 04:31

Hallo Skye

Ich glaube, das Gott sich etwas dabei gedacht hat, warum ich das alles habe und durch machen muss. Ja ich glaube an Gott.

Manchmal merkt man erst viele Jahre später warum man etwas machen / lernen sollte obwohl man damals keinen Sinn gesehen hat. Auch kann es sein, das ich es NIE verstehen werde, was Gott sich dabei gedacht hat warum dieses jetzt so und so läuft. aber Ich muss das auch nicht verstehen ER (GOTT) weis warum er etwas Tut. Wir sind Menschen wir können nicht alles verstehen, was Gott sich dabei denkt.

Hier ein bsp.
Ein Junger Mensch (19 Jahre mit Autoführerschein) wird immer wieder dazu aufgefordert, doch mal kurze Zeit das Auto von der Beifahrerseite aus zu lenken (in der Spur zu halten) erst in Schrittgeschwindigkeit, dann wird langsam das Tempo gesteigert. 5 Jahre später sitzt der selbe Junge Mensch im Auto wieder auf der Beifahrer Seite. Der Fahrer des PKW bricht auf einmal an Steuer mit auf der Autobahn zusammen. Der Beifahrergreift vorsichtig ins Lenkrad und bringt das Auto auf dem Seitenstreifen zum stehen. GUT das er wusste wie sachte man ein Auto von der Beifahrerseite aus lenken muss. Denn es hätte viel passieren können.
Dieses ist nur ein beispiel welches mir gerade so einfällt.

Vieleicht ist das, was mir Zufall nennen, die Logik Gottes.

Auch die Frage: ob Jemand Glücklich ist, kann man nicht am Gesundheitszustand fest machen. Ein Körperlich Gesundermensch kann durch andere Ursachen Total Unglücklich sein obwohl man nicht verstehet warum.
Ein Mensch mit starken Einschränkungen, kann sehr Glücklich sein, wenn man Ihm die Möglichkeit gibt nach Seinem Möglichkeiten zu leben.

Auch können Menschen mit und ohne Behinderung, gegenseitig viel voneinander lernen.

Grüße Michi

Vanessa167
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Beitragvon Vanessa167 » 06.05.2012, 04:32

hallo

ich glaube das man immer wieder geboren wird und das karma des letzten lebens abarbeiten muss,also was gut machen soll!!!

lg

p.s. hat übrigens ein heilpraktiker/handaufleger gesagt
mein großer *07/09: deletion chromosom 17;
globale entwicklungsverzögerung;Epilepsie;
psychomotorische Entwicklungsverzögerung;schlafstörung;Gehirnschaden nach
sauerstoffmangel;Hirnblutungen(1grad) und Muskelhypotonie
meine kleine*03/12 kern gesund

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RenateT
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Beitragvon RenateT » 06.05.2012, 07:48

Liebe Skye

das ist eine gute Frage.
Ich aus meiner Sicht kann sage: ja, ich glaube an Gott so wie er in der Bibel beschrieben steht. Und nein, ich glaube nicht, dass Gott mich strafen wollte, als er die Behinderung meiner Tochter zuliess.

Eigentlich gibt das Wissen, dass Gott über der ganzen Sache steht, mir grossen Frieden.
Hast du schon mal unseren Bericht auf www.prenat.ch gelesen? Unter Erlebnisberichte unddann unter "Tikvah".

Schönen Sonntag

Renate
Mutter von drei nichtbehinderten Kindern und von Tikvah: schwere Entwicklungsstörung des Gehirns, Epilepsie, frühzeitige Pubertät

"Mut ist Angst die gebetet hat." Corrie ten Boom

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 06.05.2012, 08:11

Hallo Skye,

Wenn es diesen Gott, wie er in der Bibel beschrieben wird, wirklich gibt, warum gibt es dann Behinderungen?

Warum gibt es Kinder, die verhungern müssen, bevor sie mit dem Leben beginnen, oder an Durchfall sterben, weil kein Trinkwasser da ist - millionenfach? Warum lässt Gott es zu, dass gesunde und fröhliche Kinder zu Eltern geboren werden, bei denen sie mißhandelt und mißachtet werden? Warum gibt es soviel Leid, Unrecht, Elend auf der Welt, mehr als man messen kann?

Schon jetzt bist Du nicht mehr die, die Du warst, bevor Du von Noah und seiner Spina wusstest, Du wirst mit Deinem Kind leben und eine andere sein/werden, als Du ohne es gewesen wärst. Sicher liegt auch darin ein Geschenk. Vielleicht auch darin, eine andere, kompliziertere Beziehung zu Gott aufzubauen.
In der Sekunde, in der er geboren wird, wirst Du es einfach wissen: Er ist ein Geschenk.

Und Du freust Dich ja jetzt schon drauf :wink:

Liebe Grüße, Ingrid
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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sunshinesteffi
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Beitragvon sunshinesteffi » 06.05.2012, 08:18

Halo Skye,

ich bin religiös erzogen worden. Und für mich gibt es sicher auch etwas übernatürliches was über uns wacht, was kann ich nicht genau definieren.

Aber einen Gott und dann auch noch so wie er in der Bibel beschrieben steht...

Den gibt es für mich tatsächlich seit der Geburt von Hannes für mich nicht mehr, denn würde es solch ein Wesen geben, gäbe es auf der Welt sicher nicht so schwer kranke Kinder und Eltern die vor ganz schwierige Aufgaben und Entscheidungen gestellt werden würden.

Und kann ich ein so schwer krankes Kind wie meinen Sohn als "Geschenk" ansehen?
Ich liebe ihn über alles und habe mich in der Schwangerschaft für ihn entschieden, obwohl ich von seiner Behinderung wusste und würde das jetzt immer wieder so entscheiden.

Aber nicht mit der Hilfe von Gott, denn der sitzt hier nicht in schweren Nächten und passt auf´s Kind auf, damit ich den nötigen Schlaf kriege!

Und auch diese tollen Geschichten von wegen Italien oder Holland oder die besondere Mutter, das hilft ns wohl unser Schicksal zu ertragen, ja aber den Alltag leben wir tagtäglich wieder.

Also ich kann deine Zweifel verstehen und ein "Gottesbild" wandelt sich in solchen Schicksalssituationen, das ist völlig normal.

Lg Steffi
Steffi *84, Maik*83, Hannes*12.04.10 †06.03.13, unkl. dysmorphie-Retardierunssyndrom
Hannes für immer in meinem Herzen
Wenn Liebe den Weg zum Himmel fände und Erinnerungen Stufen hätten, dann würde ich hinaufsteigen und Dich wieder zurück holen...

TaMaHa
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Beitragvon TaMaHa » 06.05.2012, 08:24

Hallo Skye,

ob es Gott gibt oder nicht, weiß ich nicht. Ich weiß, dass es die Liebe gibt. Dies ist etwas Göttliches. Und Leben mit einem behinderten Kind kann verdammt schwer sein, aber die Liebe, die man von diesen Kindern erhält, ist tatsächlich ein Geschenk. Man erfährt durch diese Kinder, wieviel Stärke in einem selbst steckt, wieviel Liebe man selbst in sich trägt. Und das hilft einem, dieses Leid zu ertragen und sein Leben zu meistern. Man erfährt durch diese Kinder, wie nah man doch am Leben ist, was wirklich tatächlich wichtig und was nicht. Auch das ist ein Geschenk, ein besonders großes sogar.

Man vergisst tatsächlich, dass Krankheiten, wie auch Behinderungen "leider" zum Leben dazugehören, wir wüssten sonst ja nicht, was Gesundheit ist. So habe ich das für mich geklärt. Natürlich wünschen wir uns alle, dass wir gesund bleiben. Aber das Schicksal meint es manchesmal leider anders mit uns. Und welcher Sinn dahinter steckt? Das muss jeder für sich selbst entdecken.

Gott - wenn es ihn gibt - kann da nix dafür, "glaube ich" :?: Und bestrafen will Dich bestimmt auch niemand.

Ich bin in einer "erzkatholischen" Familie im schlechten Sinne aufgewachsen und habe viel an mir arbeiten müssen, um mich von solchen Sätzen wie "Bestrafung" zu befreien.

Ich habe letztens im Fernsehen eine Talkshow mit der Kallwass, Geißler und einigen Kirchenvertretern gesehen. Da ging es auch u. a. um die Beichte.

Geißler fragte dann einen dieser Glaubensvertreter, warum man denn dauernd beichten müsse. Er fragte ihn, ober er noch weiß, welche Sünden er in den letzten 10 Tagen begangen habe.

Und jetzt frage ich Dich, wer tut schon so was Böses, dass er derart bestraft werden soll? Das ist m. Meinung nach wirklich großer Unsinn.

Ich wünsch Dir viel Glück auf Deiner Suche nach dem inneren Frieden.

TaMaHa
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Beitragvon TimsMama2009 » 06.05.2012, 09:11

Hmmm eine sehr schwere Frage - und ja ich habe nach Tim´s Geburt mit "dem da oben" sehr gehadert.

Für MICH sehe ich Tim mit all seinen Besonderheiten nicht als Strafe an, ABER für TIM sehe ich sein Leiden, dass er mitunter tagtäglich aushalten muss schon als Strafe - das hat niemand verdient und schon gar nicht ein unschuldiges Kind, welches noch keine Sünde begangen haben kann!

Wenn ICH für etwas bestraft werden sollte, dann bitte auf eine andere Art und Weise.

Ich mache mir ehrlich gesagt über Gott keine Gedanken mehr. Habe aber bei meinen letzten Begegnungen in der Kirche festgestellt, dass ich früher die Gebete einfach so mit "runter gerattert" habe und heute spüre ich, dass Groll in mir hochkommt, wenn es darum geht dem Allmächtigen und ach so tollen Herrn für alles dankbar zu sein.

Und spätestens dann, wenn unsere Kirche es ablehnen sollte, meinen Sohn wegen seiner Behinderung zur Kommunion zuzulassen, kriegen sie den Satz "man soll die Kinder annehmen, wie Gott sie uns schenkt" mehr als zu spüren.

Ich bin wegen meines Sohnes oder unserer Lebenssituation in keinster Weise verbittert, aber ich weiß, dass WIR diesen Zustand geschaffen/erreicht haben und niemand anderer sonst! Ich habe in meinem Leben schon einige sehr unschöne Prüfungen bestehen müssen - nach einem meiner Vorschreiber muss ich im früheren Leben ein sehr schlechter Mensch gewesen sein, das ich soooo viel abzuarbeiten habe! :roll:

LG
Nicole
Grüße von Nicole (*72) und Tim (*09), Lissenzephalie, Balkenagenesie, Erweiterung der Seitenventrikel, seit Febr. 2010 West-Syndrom (nicht anfallsfrei mit auffälligem EEG) und seit Nov. 2013 PEG - kann nicht sprechen, nicht laufen, nicht sitzen, nicht krabbeln - ABER unser Li-La-Launebär
unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 66#1229866
- Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiss wie Wolken schmecken -

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Beitragvon PapaBernhard » 06.05.2012, 10:43

Es ist ein schwieriges Thema, dass hier auch schon oft angesprochen wurde. Ich bin eigentlich auch gläubig erzogen worden, habe aber sehr oft Zweifel. Vor allem, wenn ich von verhungernden Kindern in der Welt höre, von mißhandelten, mißbrauchten oder getöteten Kindern. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass Gott den Tätern näher steht als den Kindern.

Auch wenn von Schutzengeln die Rede ist, frage ich mich, wo Dominiks Schutzengel bei seiner Geburt war. Er wird an diesem Tag wohl pünktlich Feierabend gemacht haben...

Zu diesem Thema gibt es auch viele Abhandlungen. Die bekannteste ist das sogenannte Theodizee:
im übertragenen Sinne:
Gott sieht das Leid der Welt:

Er kann es ändern, tut es aber nicht. Dann ist er nicht gut.
Oder er will es ändern, kann es aber nicht. Dann ist er nicht allmächtig.

Oder man orientiert sich am alttestamentarischen Gott, der für Sünden die Nachkommen bis in die 4. (!) Generation bestraft hat...

Liebe Grüsse
Bernhard
Bernhard *69, Christiane *70
Dominik *15.10.07 Asphyxie bei Geburt, Entwicklungsverzögerung, Epi, Pflegestufe 2
Adoptivschwester *2006
Leon 2005 (+10SSW) Björn 2004 (+15SSW)

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KathrinSHA
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Beitragvon KathrinSHA » 06.05.2012, 10:50

Hallo!

Gott in der Bibel... ein schönes Märchenbuch! Allein die Tatsache, daß es zwei Gründungsgeschichten gibt, sollte einem zu denken geben. Die Bibel steckt voller Widersprüche. Ein Beispiel: Gott erschuf Adam und Eva. Die bekamen Kain und Abel (später noch Seth). Kain erschlug Abel und wurde verbannt. Dort nahm er sich eine Frau. Woher kam die, wenn Adam und Eva doch die ersten Menschen waren? Die Bibel schreibt Geschichten, wie es gerade am besten passt. Ich persönlich finde, wenn es Gott gibt, ist er ein sadistisches A.... Es lässt so viel Leid zu... lässt zu, daß Kriege in seinem Namen geführt werden...

Doch der Glaube an IHN hilft auch vielen Menschen. Er gibt Kraft. Wobei viel mehr an eine übernatürliche Kraft glauben, als an Gott selbst. Für mich gibt es den Gott der Bibel schon ewig nicht mehr.

LG...

Kathrin


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