Gott - glaubt ihr dran, wieso lässt er Behinderung zu?

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

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Dario
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Beitragvon Dario » 01.01.2014, 14:03

Ich halte natürlich auch nix von fernen paradisischen Belohnungen dafür,das man mit seinen Kindern liebevoll umgeht,außerdem ist das ja eigentlich auch gesetzlich verankert,wie Kinder zu behandeln sind.
Hallo Dagmar,

ich glaube, das sind zwei verschiedene Aspekte, die nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben. Gesetzlich verankert sind die erzieherischen und sozialrechtichen Rahmenbedingungen, was ja auch wichtig ist. Die sagen aber nichts darüber aus, ob ein Kind von seinen Eltern aufrichtig ("von Herzen") geliebt wird, ob es willkommen ist oder insgeheim als Belastung emfpunden wird.

Wer aufrichtig liebt, der braucht dafür ohnehin keine Aussicht auf "Belohnung" (egal ob im Diesseits oder im Jenseits), denn echte Liebe darf niemals zweckkgebunden und auf "Profit" aus sein. Die "Belohnung" könnte ich mir höchstens darin verstellen, dass man innerlich an einen Aufgaben wächst und reift, das man sich weiterentwickelt und seinen eigenen Horizont erweitert. Und natürlich darin, dass man die Liebe und Fürsorge, die man seinem Kind geschenkt hat, später als Erwachsener (wenn man alt und selbst hilfsbedürftig) zurückbekommt. Das ist aber ein Idealbild, dass bei behinderten Kindern wahrscheinlich auch nur eingeschränkt der Fall ist; abgesehen davon, dass sich das auch schon viel zu sehr nach "Tauschhandel" anhört, was bei echter Liebe nie der Fall sein sollte.

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Beitragvon ehemalige Userin » 01.01.2014, 14:21

Hallo Dario,

ich denke, es ist keine Frage der Religion, ob man mit Kindern positiv umgeht. Und wenn es eine Frage der "Auserwählung" wäre müssten es ja bei dieser Sichtweise alle Kinder die behindert sind wirklich gut bei ihren Müttern, bzw. Eltern haben. Ist das wirklich so? Ich denke die Antwort ist einfach. :wink:

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Marc6892
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Beitragvon Marc6892 » 01.01.2014, 14:43

Hallo Sabine,genau.
Und wenn ich mir vorstelle,das Kinder nur geliebt werden,weil irgendwo für die Mutter eine himmlische Belohnung wartet,ist das doch ziehmich traurig. L.G.
Wer aufrichtig liebt, der braucht dafür ohnehin keine Aussicht auf "Belohnung" (egal ob im Diesseits oder im Jenseits), denn echte Liebe darf niemals zweckkgebunden und auf "Profit" aus sein. Die "Belohnung" könnte ich mir höchstens darin verstellen, dass man innerlich an einen Aufgaben wächst und reift, das man sich weiterentwickelt und seinen eigenen Horizont erweitert. Und natürlich darin, dass man die Liebe und Fürsorge, die man seinem Kind geschenkt hat, später als Erwachsener (wenn man alt und selbst hilfsbedürftig) zurückbekommt. Das ist aber ein Idealbild, dass bei behinderten Kindern wahrscheinlich auch nur eingeschränkt der Fall ist; abgesehen davon, dass sich das auch schon viel zu sehr nach "Tauschhandel" anhört, was bei echter Liebe nie der Fall sein sollte.
Hallo Dagmar und Dario,

das scheint also mal ein Punkt, in dem wir absolut konform gehen. (Super Beitrag übrigens von dir Dario - sehr schön formuliert). Wer liebt, liebt selbstlos - sonst ist es ja keine Liebe (1. Kor. 13,5 siehe unten).
Also nicht wegen einer Belohnung oder wie ein Tauschhandel - wenn wir aufrichtig lieben nimmt Gott in das in jedem Fall zur Kenntnis und rechnet es uns an - ob das unsere Absicht war oder nicht (wohl eher nicht, sonst dreht man sich ja wieder im Kreis, weil es sonst nicht selbstlos ist). Deswegen hängt Liebe ja auch direkt mit der Geschichte um unseren "freien Willen" zusammen. Sie ist nur mit dem freien Willen möglich.

Die Liebe sollte also immer unser erster Antrieb sein und unser Motor.
Genau das ist es eigentlich auch, was mir Gottes Wort sagt:

(1. Korinther 13,2-5) 2 Und wenn ich die Gabe des Prophezeiens habe und mit allen heiligen Geheimnissen und aller Erkenntnis vertraut bin und wenn ich allen Glauben habe, um Berge zu versetzen, aber nicht Liebe habe, so bin ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe austeile, um andere zu speisen, und wenn ich meinen Leib hingebe, um mich zu rühmen, aber nicht Liebe habe, so nützt es mir nichts.

4 Die Liebe ist langmütig und gütig. Die Liebe ist nicht eifersüchtig, sie prahlt nicht, bläht sich nicht auf, 5 benimmt sich nicht unanständig, blickt nicht nach ihren eigenen Interessen aus, läßt sich nicht aufreizen. Sie rechnet das Böse nicht an. 

...

Es lohnt übrigens das Kapitel 13 aus dem 1. Korintherbrief komplett zu lesen (auch für, die sonst nicht so gerne die Bibel zur Hand nehmen). Es ist eine wirklich gute Definition der Liebe und auch gut geeignet, um sich selbst dementsprechend zu hinterfragen.

Die Liebe ist übrigens auch unser grösstes und erstes Gebot - eben genau deswegen. (Vergleiche auch Mat. 22, 35-40 und 1. Joh. 4,16). Das das erstrebenswert ist, da sind wir uns schon mal einig.

Ein schönes Wort zum Jahresbeginn, oder? :-)

Grüsse aus der Schweiz
"Das Tolle daran, die einzige zwischen richtig und falsch unterscheidende Art zu sein, ist, daß wir uns immer genau die Regeln ausdenken können, die uns gerade in den Kram passen. - Die letzten ihrer Art, Douglas Adams

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Beitragvon ehemalige Userin » 01.01.2014, 14:58

das scheint also mal ein Punkt, in dem wir absolut konform gehen.

Hallo Marc,

wie kommt es aber dass beispielsweise Dagmar ohne Bibel ganz akzeptable sozialverträgliche Ansichten vertritt? Und auch viel Liebe für ihre Kinder hat,Solche Fragen werden ja so gut wie nie wirklich beantwortet. Es wurde auch nicht dahingehend argumentiert, dass der Glaube nicht auch etwas Gutes bewirken, bzw. unterstützen kann. Es geht um unterschiedliche Ansichten. Und es wird einmal mehr deutlich, dass Liebe für ein behindertes oder auch nichtbehindertes Kind nicht darauf beruht, dass man die Bibel liest :wink:

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Beitragvon Juler » 01.01.2014, 15:03

Ich habe eure Diskussion durchaus nicht ganz verfolgt, aber ich habe dazu auch noch ein ganz nettes Beispiel. Ich bin ja selbst die Behinderte bei uns in der Family, mein Papa Agnostiker meine Mama einigermaßen gläubige Protestantin. Mein Papa akzeptiert mich einfach so wie ich bin, meine Mama hat ihrerseits nur um Gottes Segen für mich gebeten. Aber ich selbst empfinde die Liebe meiner Eltern sehr als gleichwertig, obwohl sie zwei unterschiedliche Gottesansichten haben.

LG Juler
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Beitragvon Dario » 01.01.2014, 15:18

Hallo Juler,

das interessante daran finde ich, dass eine Ehe zwischen einem Agnostiker und einer gläubigen Christin anscheinend auch gut gehen kann. Hängt wohl vom Grad der gegenseitigen Toleranz ab und davon, inwieweit man seine eigenen Ansichten verabsolutiert. Wenn ich mir z. B. vorstelle, mit einer fundamentalistischen Christin verheiratet zu sein (z. B. aus evangelikalen Kreisen), das ginge gar nicht, da wären die Gegensätze viel zu groß.

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Beitragvon Ullaskids » 01.01.2014, 15:29

Hallo Dario,
Wenn ich mir z. B. vorstelle, mit einer fundamentalistischen Christin verheiratet zu sein (z. B. aus evangelikalen Kreisen), das ginge gar nicht, da wären die Gegensätze viel zu groß.
das funktioniert schon deshalb nicht, weil evangelikal oder fundamentalistisch in den meisten Fällen einen Missionsanspruch beinhaltet, und "Mission" und "Toleranz" sind in Bezug auf die Weltanschauung so ziemliche Gegensätze.

Hallo Juler,
wird bei dir zuhause denn manchmal darüber diskutiert? Und wo stehst du, wenn du es verraten magst?
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

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Beitragvon dagmar neo frea » 01.01.2014, 15:32

Dario hat geschrieben: ich glaube, das sind zwei verschiedene Aspekte, die nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben. Gesetzlich verankert sind die erzieherischen und sozialrechtichen Rahmenbedingungen, was ja auch wichtig ist. Die sagen aber nichts darüber aus, ob ein Kind von seinen Eltern aufrichtig ("von Herzen") geliebt wird, ob es willkommen ist oder insgeheim als Belastung emfpunden wird


Hallo Dario

Als ich Dein Posting gelesen habe,habe ich auf den ersten Blick erstmal zugestimmt,auf den zweiten dann doch nicht mehr.
Ich würde jetzt mal davon ausgehen,das bestimmte Rahmenbedingungen durchaus dem ,was man auch als Liebe vorfindet,entnommen sind.
Ich weiß nicht,ob Du was davon mitgekriegt hast,das die Sekte der 7 Stämme nunmehr dafür plediert,die Prügelstrafe für Kinder zu legitimieren.
Ich gehe wirklich davon aus,das die Leute Ihre Kinder irgendwie lieben,aber die sind dermaßen religiös verblendet,das die Liebe nicht mehr handlungsfähig ist.
Ist das dann noch Liebe oder ist das nur noch religiöser Fanatismus?
Also,von daher finde ich die gesetzlichen Richtlinien irgendwie durchaus zur Orientierung relevant.
Jedenfalls mehr als Korinter 13.,meine ich :wink:

Du hast geschrieben: Die "Belohnung" könnte ich mir höchstens darin verstellen, dass man innerlich an einen Aufgaben wächst und reift, das man sich weiterentwickelt und seinen eigenen Horizont erweitert.

Ja,durchaus auch :wink:
Ich find ja auch immer die Belohnung,schlafenden Kindern zuzugucken,was sind Sie da entzückend und ruhig :lol:

L.G.
Dagmar *1962,Robert *1965,Frea Jakobine *1985, T21,operierter AV- Kanal,Neo Leander*2004, HFA

http://www.institut-fuer-menschenrechte ... rpd_de.pdf
https://www.youtube.com/watch?v=dVrX7Gqjzs0

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Beitragvon Engrid » 01.01.2014, 15:37

Hallo,

Ich kenne mehrere Partnerschaften, wo die religiöse Einstellung beider recht unterschiedlich ist. Meine gehört auch dazu. Das funktioniert ganz gut, denn es zählen ja die gemeinsam gelebten Werte - und zu denen gehört bei einer funktionierenden Zweierbeziehung auch obendrein noch die Toleranz und der Respekt, auch gegenüber einer Meinung, die man nicht teilt. :wink: (was mir in diesem Thread mit Lagerbildung schon teilweise gefehlt hat *hüstel*)

Viele Grüße,
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon Marc6892 » 01.01.2014, 15:54

das die Liebe nicht mehr handlungsfähig ist.
Ist das dann noch Liebe oder ist das nur noch religiöser Fanatismus?
Also,von daher finde ich die gesetzlichen Richtlinien irgendwie durchaus zur Orientierung relevant.
Jedenfalls mehr als Korinter 13.,meine ich :wink:

Ja,durchaus auch :wink:
Ich find ja auch immer die Belohnung,schlafenden Kindern zuzugucken,was sind Sie da entzückend und ruhig :lol: L.G.
Hallo Dagmar,
die Antwort hast du dir doch schon selbst gegeben.
Wenn Liebe nicht mehr handlungsfähig ist ... haben wir das Dilemma...

Wenn jeder vollkommen lieben würde, müssten wir uns dann noch mit 1000den von Paragraphen regulieren? Das ist doch die Frage?

Wer denkt, dass Menschengesetze da besser greifen als Kor. 13 - der braucht zumindest nicht mehr fragen, warum wir Leid auf der Erde haben und warum Gott das zulässt, wenn man eh nicht will, das Gott eingreift.

Dein letzter Satz dagegen gefällt mir wiederum sehr.

@Esthe - was spricht dagegen? Nur weil wir verschiedene Dinge glauben, so sind wir doch mit grundlegenden Eigenschaften geschaffen, und daher gibt es auch Gemeinsamkeiten. In manchem mehr in manchem weniger.
Wird z. B. auch in Mat. 7, 9ff angedeutet.
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