Erziehungsmaßnahmen bei geistiger Behinderung?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Beitragvon marianne » 07.02.2006, 19:04

Hallo Christine, ich kenne das auch, sich abwenden zu müssen, weil man schon lachen muss. Zum Beispiel imitiert mich Janosch immer häufiger, wenn wir Streit miteinander haben. Neulich z.B., als ihm laut zu verstehen gab, dass er mich nicht anschreien darf, was ja nicht gerade logisch ist, wenn ich dabei selber fast schreie. Da streckte er den Finger energisch in meine Richtung aus und brüllte: "STOP", womit er mir nicht nur das Wort aus dem Mund nahm, sondern auch noch zeigte, dass ich am besten auch mal leiser schimpfe und selber mein Temperament bezähme. Früher reagierte Janosch aufgrund von Wahrnehmungsstörungen gar nicht auf leise und sanfte Reaktionen, aber mittlerweile schon und ist dazu wie seine Mama temperamentvoll und aufbrausend. Nun muss ich mich also auch noch in dem Punkt zügeln :roll: und ein Vorbild sein.


Lieber Gruß!

Marianne

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Beitragvon Nicole&Kevin » 07.02.2006, 20:21

Hallo!

Kevin soll auch geistig behindert sein, aber er bekommt doch schon alles mit. Daher behandel ich ihn wie ein normales gesundes Kind auch! Er versucht auch uns auszutesten vorallem immoment wenn es um das einschlafen geht, oder mit seinem meckern, wenn er sich auch mal alleine beschäftigen soll.

Liebe Grüße

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Beitragvon janaquinn » 09.02.2006, 08:54

Hallo Zusammen, ja das Grenzen austesten kann unser Yannic auch sehr sehr gut und treibt vorallem mich damit z.Z. teilweise in denWahnsinn. Seit er im November ein Schwesterchen bekommen hat, ist er ein richtig kleines Teufelchen :twisted: .Er war vorher ein recht "pflegeleichtes" Kind und hat auch ein "Nein" akzeptiert, aber seitd 3 Monaten ist bei uns Hölle pur.Weder hilft er beim anziehen, was er früher gemacht hat, soweit er es konnte, noch hört er in irgendeiner Art und Weise. Er stellt einfach auf stur.Wir hätten nie gedacht, daß er so empfindlich auf seine Schwester reagiert, denn wir haben ihn eigentlich versucht klar zu machen, daß er bald eine kleine Schwester bekommt und er dann ein "großer Bruder" ist. Er schien sich auch darauf zu freuen, aber jetzt gleicht jeder Tag einem Kampf und ich kann die beiden nicht zusammen in einen Raum haben. Dann ist direkt krieg. Trotzdem oder gerade deshalb bekommt er klare Grenzen gesetzt, wenn er es übertreibt, muß er für 10 min bzw. bis er sich wieder abgeregt hat in sein Zimmer zum spielen. Anders geht es nicht :? !Wir haben aber die Hoffnung, daß es besser wird, wenn er wieder in den KIGA geht und einen geregelten Tagesablauf hat.Ich kann meinen Sohn ja auch irgendwie verstehen, er war 5 Jahre der "König und Kronprinz", wurde gerade von Papa und Omi verhätschhelt und jetzt ist er nur noch einer von 2en.Mein Mann hat auch nicht viel Zeit, da er in der Spitzenhotelerie arbeitet, meist um 5.00 Uhr aus dem Haus geht und erst gegen 20.00 Uhr wieder daheim ist. Teilweise wird es noch später!!!:( . So ist daß Familienleben auf 1-2 Tage die Woche begrenzt und er hat einfach das Gefühl zu kurz zukommen.Ich habe Tage, da zweifel ich wirklich an unserer Entscheidung für ein 2. Kind und würde am liebsten alles hinschmeissen und davon laufen!Vorallem an Tagen wie gestern, wo das Auto kaputt geht und ich 2 schreiende und übermüdete Kinder im Auto habe. Aber das sind nur Phasen, denn sonst bin ich schon glücklich mit meinen beiden Mäusen.
LG Jana mit KIDs
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Behinderte Kinder sind wie Engel, die uns die Augen öffnen für den Sinn des Lebens

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Beitragvon ehemalige Userin » 09.02.2006, 10:40

Hallo zusammen :pc5:

ja, wie könnte es anders sein, bei uns ist das Thema zur Zeit auch sehr aktuell.

Jann ist frech, ungeduldig, unausgeglichen und aggressiv. Er zieht anderen an den Haaren, kneift und singt in den höchsten Tönen, wenn er nichts von uns hören will. Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass er sehr gut versteht, dass er das alles nicht soll. Und mir ist auch klar, dass man konsequent sein muss, so wie weiter oben schon geschrieben. Die Idee mit dem "ein paar Minuten auf dem Stuhl sitzen" oder "vom Mittagstisch einige Minuten ausgeschlossen zu sein" haben wir alles schon praktiziert. Nur manchmal denke ich, dass er das dann erst recht noch lustig findet. Die Idee mit den Belohnungssmarties muss ich mal ausprobieren...  8)

Was mich bei dem ganzen Thema oft traurig macht ist der Gedanke, dass er selbst ja eigentlich gar nicht böse ist und es auch nicht zu anderen wirklich sein will, sondern dass es aus einer Unzufriedenheit heraus kommt. Sicher ist er gefrustet, dass er sich nicht verbal äußern kann, dass er sich so schwer dabei tut, wenn er sich mitteilen will und dann auch nicht immer verstanden wird. Er ist genervt, dass ständig jemand an ihm herum fummeln muss, um ihn an- oder auszuziehen, zu wickeln usw. Und ich bin mir sicher, dass er immer deutlicher spürt, dass er "anders" ist, das Bewusstsein kommt, weniger zu können als andere Kinder.
Das macht mich oft sehr traurig....

Liebe Grüße
Hope
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Beitragvon Brigitte 1953 » 09.02.2006, 10:42

@Hallo Jana,

beziehst Du denn Yannic in die Pflege und Betreuung seiner kleinen Schwester mit ein?

Bittest Du ihn, Dir mit der Versorgung der kleinen Schwester zu helfen?

Gibst Du ihm beim Einkaufen die Verantwortung, an die Dinge zu denken, die für seine Schwester benötigt werden?

Und hat er feste Zeiten, zu denen Du nur für ihn da bist? So richtig feste Zeiten, auf die er sich verlassen kann?

Er ist wirklich entthront und eifersüchtig, vielleicht bekommst Du es ja so hin, wenn er für seine Schwester mit verantwortlich gemacht wird, vor allem, braucht er jetzt sehr viel Lob für alles, was er gut und richtig macht.

Viel Erfolg und lieben Guss

Brigitte :D

Brigitte

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Beitragvon Ulrike&Jan » 09.02.2006, 10:59

Hallo Sylke,

genauso wie es Dein Sohn versteht, dich zum Wahnsinn zu treiben, genauso wird er Regeln lernen. Immer auf dem Stand, wo er sich gerade befindet. Ein Kind mit einer geistigen Behinderung ist in meinen Augen deshalb nicht dumm d.h. es wird früher oder später schon verstehen, dass es Regeln gibt, die es einhalten muss. Kurze klare Ansagen mit einer angedrohten Konsequenz. Hilft das nicht, konsequent die angedrohte Strafe durchziehen. Wenn Dein Sohn vielleicht auch nicht unbedingt die Worte versteht, wird er sicher lernen, dass, wenn er auf ein Nein nicht reagiert, etwas passiert, was ihm nicht gefällt. Und das wird er sich merken. Das macht auch eine Bekannte von mir so, Ihr Sohn ist Autist mit einer geistigen Behinderung. Und auch dieser Junge hat es verstanden, dass er nicht alles darf. Die Kinder werden größer und kräftiger. Was willst Du machen, wenn du jetzt nicht hart durchgreifst und er später größer und kräftiger ist als du. Dann erst hast Du richtige Probleme. Regeln sind für KInder in meinen Augen etwas, an denen sie sich orientieren können, die ihnen zeigen, was im Leben eben geht und was nicht. Und gerade für besondere Kinder finde ich das besonders wichtig.

Viel Glück, du wirst es schaffen Deinen Süßen zu bändigen, da bin ich mir ganz sicher :)
Liebe Grüße

Ulrike

mit Jan Philip (02/99), psychomotorische Entwicklungsstörung, auditive Wahrnehmungsstörung (GdB 80, G, B und H)

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Beitragvon janaquinn » 09.02.2006, 12:09

Hallo Brigitte, ich versuche Yannic soweit wie möglich miteinzubeziehen, allerdings ist dies auf Grund seiner geistigen und körperlichen schwerbehinderung nicht immer möglich. Da Yannic auf dem Entwicklungsstand eines ca. 1 jährigen Kindes ist, habe ich praktisch 2 Kleinstkinder zuhause, welche gewickelt, gefüttert werden müssen. Ich versuche auch, soweit es mir möglich ist, Zeit ganz allein für ihn zu reservieren, leider klappt es nicht immer und dann habe ich natürlich ein dementsprechend schlechtes Gewissen meinem Schatz gegenüber. :( Wie gesag, eigentlich ist er ein sehr lieber kleiner Junge, aber im Augenblick gibt es Tage, wo ich BEIDE Kinder am liebsten als Bild an der Wand sehen würde und mir viele Sachen einfach über den Kopf wachsen.Aber wahrscheinlich bin ich aufgrund der letzten 3 schlaflosen Monate einfach nur total überreizt und total kaputt. Und das bemerkt er natürlich auch, ist ja klar. Wie gesagt, ich hoffe, daß es sich in den nächsten Monaten einrenkt und die beiden sich zusammenraufen, spätestens wenn die Kleine krabbeln kann und er mehr mit ihr anfangen kann.
Trotzdem vielen Dank für die lieben Tips.
Liebe Grüße Jana +Kids :D
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Beitragvon christinefä » 09.02.2006, 21:10

Hope hat geschrieben:


Jann ist frech, ungeduldig, unausgeglichen und aggressiv. Er zieht anderen an den Haaren, kneift und singt in den höchsten Tönen, wenn er nichts von uns hören will. .... Die Idee mit dem "ein paar Minuten auf dem Stuhl sitzen" oder "vom Mittagstisch einige Minuten ausgeschlossen zu sein" haben wir alles schon praktiziert. Nur manchmal denke ich, dass er das dann erst recht noch lustig findet.

Hope
:icon_flower:



Es ist laut Früherzieherin normal, dass es zuerst lustiger wird und das unangenehme Verhalten noch verstärkt wird.
Deshalb haben wir ja auch lange den Fehler gemacht, sein Verhalten dann zu ignorieren, weil wir es doch nicht noch fördern wollten.

Aber auf Dauer kann das ja nicht die Lösung sein, oder?

Ich mache mir jetzt Striche(für jede "schlechte" Mahlzeit) um mich dann selbst zu bemitleiden, wie anstrengend es ist, Philipp zu erziehen. :wink:
Und du glaubst es nicht.... noch sind es nicht einmal 10 Striche. :evil:

Seit wir alle, auch die Geschwister, peinlich genau darauf achten, ob er was wirft, ist es schon viel weniger geworden. Noch vor zwei Wochen hätte ich das für unmöglich gehalten.

Und mir scheint, wir hätten nun viel bessere Tage miteinander. Und das nicht nur am Tisch, sondern auch sonst akzepiert er ein "nein" viel besser.

Wichtig ist aber, sich nicht zuviele "Baustellen" aufs Mal vorzunehmen, sondern immer nur eine.
Wir haben das Vorgehen dann auch gleich schriftlich festgehalten. Alle die hier mit Philipp zu tun haben, müssen sich nun daran halten.

Ich drücke dir die Daumen, dass ihr den Erfolg eurer Behmühungen bald einmal ernten könnt.

Noch etwas: Auch wenn du Verständnis hast für sein Handeln, toleriere es nicht, wenn es das Zusammenleben erschwert.

LG Christine
Christine 64, F 65, C 92, A 95, O 96(Asperger Autist), J 98 & Philipp 01 (frühkindlicher Autismus, Sprachbeginn mit 4 1/2, noch immer 1-2 Wort Sätze, Microdeletion 22q13.33 Phelan Mc Dermid Syndrom)
unsere Vorstellung http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... ght=#73943


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