Was kommt nach der Schule für Körperbehinderte?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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BineBe
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Was kommt nach der Schule für Körperbehinderte?

Beitragvon BineBe » 03.02.2006, 22:46

Hallo,
meine Freundin und ich haben unsere Kinder auf eine Förderschule mit dem Schwerpunkt motorische Entwicklung gegeben. Die Kinder fühlen sich wohl dort und alle engagieren sich dort wirklich.Nach 3 Schuljahren hat die Tochter meiner Freundin den Stoff der 2.Klasse geschafft...mein Kleiner kann nach 1 1/2 Jahren nochimmer nicht alle Buchstaben und rechnet mit Mühe im Zehnerübergang(wird im April 9 Jahre!)
Nun steht für das Mädchen im Sommer die Rückführung auf eine Regel Grundschule mit zusätzlichen Förderstunden an. Habt ihr hier Erfahrungen mit Rückschulungen? Wann fanden die so statt?

Danke für Eure Antworten.

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Catherine
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Beitragvon Catherine » 04.02.2006, 12:51

Hallo

Bei uns ist es so. Rückintegration in eine Regelschule ist theoretisch immer möglich. Aber - so sagte man mir - objektiv bis nach der zweiten Klasse. Dann können die Schüler das ABC - Rechnen etc. In einer HPS oder gerade in einer Körperbehindertenschule geht alles langsamer und und das ABC etc. ist zB. aufgrund der Motorischen Schwierigkeiten noch nicht ganz erarbeitet. (Alles geht länger). Also wer bis Ende zweiter Klasse nicht rückintegriert wird - wird es später wahrscheinlich auch nicht mehr können - da die Schere des Lernstoffes grösser wird.

Dies ist eine Regel aber es gibt immer Ausnahmen.

Lg Catherien
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Danie
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Beitragvon Danie » 04.02.2006, 13:59

Hallo Bine,

Rückführungen in die Regelschule sind ein immanenter Auftrag jeder sonderpädagogischen Förderung auf schulischer Ebene, d.h. grundsätzlich ist die Durchlässigkeit nach "oben" jederzeit gegeben.

Allerdings sollten nur Schüler zur Rückführung vorgeschlagen werden, die in jeder Hinsicht über die notwendigen Voraussetzungen verfügen und insofern aller Wahrscheinlichkeit nach den Wechsel erfolgreich meistern werden. Dies bezieht sich nicht nur auf kognitive Leistungsfähigkeit, sondern auch auf eine Vielzahl anderer Teilfähigkeiten, wie z.B. Selbstständigkeit und sozial-emotionale Kompetenzen. Auch muss die aufnehmende Schule über die notwendigen Rahmenbedingungen (z.B. räumlich-mediale und personelle Aussattung) verfügen.
Wird eine Integration in Sek I-II Schulen angestrebt, ist es -soweit ich weiß - in der Regel unabdingbare Voraussetzung, dass das Kind lernzielgleich unterrichtet werden kann. Lernzieldifferente Integration gibt es im Sek-Bereich bislang nur als Modellversuch.

Erfahrungsgemäß ist eine gescheiterte Rückschulung im Hinblick auf die Auswirkungen für das Kind und sein Umfeld jedoch weitaus "schlimmer" als die Tatsache, ein Kind weiterhin in der Sonderschule zu belassen.
Wichtig ist doch in erster Linie, dass das Kind in einer Einrichtung beschult wird, die seinem individuellen Förderbedarf gerecht werden kann.
Liebe Grüße!
___________
Daniela (*1973, LKGS) mit Sohn (*2004, Neurodermitis, KISS und diverse
Nahrungsmittelallergien), Tochter (*2009) und unseren Zwillingssternchen (*2008/+ 2008) ganz tief im Herzen

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dana68
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Beitragvon dana68 » 04.02.2006, 16:02

Hallo,

wir sind gerade bei der umgekehrten Version.
Meine Pflegetochter(wird im Juni 9 Jahre alt), besucht die Regelgrundschule mit 2 Stunden Integration in der Woche.
Sie kann kurze Texte mit Mühe lesen, meist jedoch ohne sie zu verstehen.
Das Rechnen im Zehnerraum bereitet ihr trotz Hilfsmittel Schwierigkeiten.
Abgesehen davon, dass sie wenig vom Unterricht mitbekommt und ihre
Zeit mehr oder weniger absitzt, stört sie die anderen Kinder.
Dadurch, dass sie im Kindergarten gut integriert war und mit ihren Freundinnen eingeschult werden wollte, wagten wir den Versuch.
Mittlerweile ist die Schere noch mehr auseinander und auch die Freundschaften sind keine mehr.
Wir tun ihr keinen Gefallen damit, wenn wir sie weiter dort belassen.
2 Stunden Förderung in der Woche sind einfach zu wenig.
Momentan läuft die Diagnostik, anschl. suchen wir eine passende Schule.
Eine Rückschulung würde ich an der Stelle deiner Freundin wirklich genau
überlegen. Wenn die Kleine jetzt noch Defizite hat, kommt sie als eine "Neue" und ist wahrscheinlich die schlechteste in der Klasse.
Es kann gut gehen, wenn sie engagierte Lehrer und in eine kleine Klasse
kommt. Die Realität die ich kenne sieht leider anders aus.
LG Dana
S. geb. 09 (Atyp. Autismus und ADHS)
J. geb. 10 ( ADHS)

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Beitragvon BineBe » 04.02.2006, 21:28

Hallo Danie,
heißt das dann dass unser sohn immer auf der Schule bleiben muss, Hege die heimliche Hoffnung ihn nach Abschlauß der 4.(bzw.5.) Klasse in eine normale 5. Klasse bspw. auf einer Gesamtschule einzuschulen. Du meinst, das klappt schon nicht mehr ? ??
Gruss BineBe

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Beitragvon Monja » 05.02.2006, 09:48

Hallo zusammen,
unsere Jacqueline geht auch in der 2 Klasse einer Regelschule!In Mathematik hat sie einige Probleme aber alles andere klappt gut.Dennoch überlegen wir jetzt schon, sie nach dem Wechsel in einer Integrationsklasse einer Gesamtschule unter zubringen.Da sie motorische Probleme hat, kann sie mit den anderen Kinder nicht mithalten.Sie ist das schwächste Glied in der Klasse.Beim Sportunterricht regen sich Kinder auf ,wenn sie wegen unsere Tochter verlieren :evil: .Der Lehrer versucht sie in der Klasse so gut es geht zu integrieren,aber was hinter seinem Rücken abläuft bekommt er nicht mit!Kinder können so grausam sein!


Gruß Monja
Jacqueline geb.10/97. Gendefekt auf FILAMIN A,periventrikuläre noduläre Heterotopie,Epilepsie, Zöliakie,Intoleranzen,tertiären Morbus Addison,Aorteninsuffizenz-Aortenektasie,GÖR,EDS,Dysganglionose,Ileostoma,Thrombozytenfunktionsstörung,Hirnaneurysmen u. mehr

Leon :Kiss,ADHS

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Beitragvon Danie » 07.02.2006, 15:23

Hallo Bine,

Du schreibst:
Hege die heimliche Hoffnung ihn nach Abschluß der 4.(bzw.5.) Klasse in eine normale 5. Klasse bspw. auf einer Gesamtschule einzuschulen. Du meinst, das klappt schon nicht mehr ? ??


Das kann man so nicht sagen..... Ich kenne deinen Sohn nicht, also kann ich nur ein paar allgemeine Hinweise geben.

Grundsätzlich ist ein Wechsel - wie schon gesagt - jederzeit möglich. Im Sek I Bereich ist es allerdings oftmals entscheidend, ob ein Kind lernzielgleich gefördert werden kann. Kann dein Sohn also minimal nach Hauptschulrichtlinien gefördert werden, dürfte ein Wechsel zur Gesamtschule kein Problem darstellen. Weitere Einzelheiten (z.B. besonderer Förderbedarf, Selbstständigkeit etc.) wären mit der aufnehmenden Schule abzuklären.
Ist dies nicht der Fall, müsstet ihr euch nach Gesamtschulen umschauen, die evt. auf Modellprojektebene auch Schüler mit Förderbedarf jenseits der Hauptschulrichtlinien aufnehmen.
Am besten erkundigt ihr euch bei eurem zuständigen Schulamt.

Hast du denn schon mal mit dem/ der Lehrer(in) deines Sohnes über euren Wunsch gesprochen?
Liebe Grüße!

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Beitragvon BineBe » 09.02.2006, 14:39

Hallo Danie,
mit jenseits der Hauptschulrichtlinien meinst du das er deutlich schlechter als Hauptschule ist?! Nun das will ich mal auschließen. Momentan steht für ihn keine Umschulung an, ich denke er wird noch mind. ein jahr brauchen. Er fühlt sich auch wohl dort und es macht ihm Sorge das andere aus seiner Lerngruppe jetzt an LB Schulen wechselten.Dauerhaft wird er an der KB Schule sicher nicht bleiben.

Könnte sich der festgestellte sond.Förderbed. nachteilig hinsichtlich der Schulwahl auswirken? Werden wir sofort von jeder Liste gestrichen??????????
Gruss BineBe

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Beitragvon Danie » 09.02.2006, 20:16

Hallo BineBe,

Könnte sich der festgestellte sond.Förderbed. nachteilig hinsichtlich der Schulwahl auswirken? Werden wir sofort von jeder Liste gestrichen??????????


Nein, ein Förderbedarf im Bereich KB allein ist mit Sicherheit kein Kriterium. Ich würde dir allerdings raten, die Frage eines potentiellen Schulwechsels zunächst mal mit der jetzigen Schule zu klären. Die dort tätigen Pädagogen und Therapeuten werden die Entwicklung deines Sohnes, seinen individuellen Förderbedarf sowie seine Chancen auf einen erfolgreichen Wechsel am besten einschätzen können.
Liebe Grüße!

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Michael Lütten
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Ausbildungsplätze für Körperbehinderte

Beitragvon Michael Lütten » 13.02.2006, 13:24

Hallo!
Mein Name ist M. Lütten. Mir kam spontan die Idee, Euch von mir und meiner Ausbildung zu erzählen:
Trotz meiner Behinderung (Rolli) absolvierte ich eine betriebliche Ausbildung zum Bürokaufmann mit IHK-Abschluss, auf dem 1.Arbeitsmarkt! Ich führe ein selbstständiges Leben mit Unterstützung meiner Helfer ohne Heimunterbringung. Nur durch die Hilfe des ASB RV Ulm gelang es mir, überhaupt, die Ausbildung zu machen und dabei selbstständig leben zu können.
Der ASB bietet für Schwerbehinderte die Ausbildung zum Bürokaufmann an, darüber hinaus auch Praktika, Möglichkeiten zur Arbeitserprobung, Begleitung während des Studiums und plant die Einrichtung von behindertengerechten Arbeitsplätzen danach. Schaff dir eine Perspektive! Das lohnt sich!
Infos bekommst Du bei: Herr Ralf Kinzler, Tel.: 0731/93771-152 oder
ralf.kinzler@asb-ulm.org


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