Noch ein Jahr Schule oder Werkstatt?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Betty1205
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Noch ein Jahr Schule oder Werkstatt?

Beitragvon Betty1205 » 21.03.2012, 12:16

Hallo zusammen,

am 27.03. haben wir ein Gespräch mit der Direktoren und dem Klassenlehrer,
ob Fabian weiter zur Schule geht oder in die Werkstatt.

Wir sehen ihn noch nicht in der Werkstatt und würden ihm gerne noch ein Jahr Schule
ermöglichen.

Fabian wird dieses Jahr 18 und es wäre auch für dieses Jahr ein Platz in der Werkstatt
frei in der es ihm gut gefallen hat. Aber ich denke, dass Fabian noch nicht so weit ist.

Er hat immer noch Schwierigkeiten sich auf eine Arbeit zu konzentrieren und dabei zu
bleiben. Obwohl wir das seit längerer Zeit üben und es ist auch schon besser geworden.
Wenn ich meinen Sohn so beobachte, wäre er mit eine täglichen kontinuierlichen
Arbeit überfordert.

Irgendwie habe ich Angst, dass die Schule einfach bestimmt, dass er in die Werkstatt
kommt. Haben wir da ein Mitspracherecht oder ist dieses Gespräch am 27.03. nur eine
Farce?

Liebe Grüße
Petra
Sohn geb. 94, Fragiles X, 100 % SBA, Epilepsie

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Kaja
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Beitragvon Kaja » 23.03.2012, 22:14

Hallo Petra,

du musst in den schulrechtlichen Regelungen nachschauen, unter welchen rechtlichen Voraussetzungen ein weiterer Verbleib in der jetzigen Schule möglich ist. Liegen diese Voraussetzungen vor, kannst du einen weiteren Verbleib durchsetzen. Ansonsten wird dies im Ermessen der Schule stehen und du bist eher vom Wohlwollen der Schule abhängig.

Viele Grüße Kaja

Betty1205
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Beitragvon Betty1205 » 24.03.2012, 07:41

Hallo Kaja,

das dachte ich mir schon, aber ich hoffte .... Naja, wir werden sehen. Vielleicht lassen
sie sich überzeugen. Es wäre einfach noch zu früh für Fabian und ein Jahr länger Schule
kann da schon einiges in der Entwicklung bewirken.

Vielen Dank für Deine Antwort :wink: .

Liebe Grüße
Petra
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KerstinM.
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Beitragvon KerstinM. » 24.03.2012, 10:28

Hallo Petra, hier ist es so, dass es 12 Jahre "normale" Schulzeit in der Förderschule gibt. Danach kann man drei Jahre jeweils pro Schuljahr verlängern, wenn es nötig ist. Hierzu sollte man sich an einen Tisch setzen. Die Schulverlängerung muss dann beim Schulamt beantragt werden. Dieses entscheidet dann.

An unserer Schule kenne ich kein Kind, wo dem Antrag nicht entsprochen wurde.Auch hier steht der Elternwille , mit 18 ja dann Betreuer, vornan.

Gruß Kerstin
Kerstin mit Markus(*97), Hydrocephalus mit schwerem Verlauf,Epilepsie
PK (*14)spastische Tetraparese, gesetzl. blind, Entwicklungsverzögerung, Epilepsie, kleiner Sonnenschein
Ein behindertes Kind ist wie ein krummer Baum - du kannst ihn nicht gerade biegen, aber du kannst ihm helfen, Früchte zu tragen.

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Beitragvon KerstinM. » 24.03.2012, 10:30

Hallo Petra, welches Bundesland seid ihr denn? Hast du mal durch das Förderschulgesetz gestöbert?

Gruß Kerstin
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gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 24.03.2012, 10:40

Hallo,

wir standen auch vor der Frage "Schule oder Werkstatt?".

Da bei unserem Sohn keine weiteren relevanten Fortschritte in der Schule zu erwarten waren, haben wir uns für die Werkstatt entschieden.

Wir entschieden das alleine. Die Schule war bei den Beratungen dabei und tat ihre Meinung kundt, aber wir hatten mit unserem Sohn das alleinige Recht auf Entscheidung.

LG

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Beitragvon angela » 24.03.2012, 11:02

Hallo Petra,

wir haben gemeinsam mit den Lehrern von Eric überlegt OB es Sinn macht eine Schulzeitverlängerung zu beantragen.
Beide waren wir der Meinung das es durchaus Sinn macht und ich hatte den kleinsten Part an der Sache, da ich nur formlos ein Schreiben aufsetzen mußte und um die Verlängerung gebeten hatte. Der Lehrer hat ein paar mehr Seiten geschrieben, warum er dafür ist. Das ganze geht hier in Sachsen zum Regionalschulamt und die entscheiden ob oder ob nicht. Wobei man bei Ablehnung die üblichen rechtlichen Schritte weitergehen kann.

Zum Glück hat das Regionalschulamt FÜR Eric entschieden. :wink:
Er kann nicht wirklich noch Kulturtechniken erlernen bzw. festigen, bei ihm ist es auch mehr die Konzentrationssache und da ist er momentan so gut dran das zu erarbeiten, das die Verlängerung da auch durchging.

Viel Glück!

LG - Angela
unsere Vorstellung: hier
Angela mit Eric (*93) und Franz (*98);
beide Dravet-Syndrom

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Beitragvon katrinchen » 24.03.2012, 13:30

Hallo Petra,

so wie ich es aus der Praxis kennen, ist man schon offen für Argumente.
Es wird eben ein Für und Wider abgewägt, manchmal hält man die Argumente auch für einen Antrag als nicht stichhaltig genug und rechnet von vornherein mit einer Ablehnung.

Für mich hört sich "Förderung der Konzentration zur Werkstattfähigkeit" nach einem sehr sinnvollen und tragfähigen Argument statt, dem nach meiner Erfahrung auch stattgegeben wird.

Viel Erfolg für euer Gespräch!
LG Katrin
Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

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Beitragvon Betty1205 » 24.03.2012, 14:40

Hallo Kerstin,

wir wohnen in Berlin. Nee, gestöbert habe ich noch nicht :oops: . Hier in Berlin sind
es 10 Schuljahre, dann kann man 2 x verlängern. Da wir letztes Jahr verlängert
haben ist Fabian jetzt in der 11. Klasse. Ein Jahr hätten wir also noch.


Katrin,

ich hoffe, dass auch sie unsere Argumente für "sinnvoll und tragfähig" halten.

Vielen Dank für alle Eure Antworten. Mir ist schon nicht mehr ganz so mulmig :) .

Liebe Grüße
Petra
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Beitragvon Betty1205 » 01.04.2012, 08:22

Hallo zusammen,

wollte Euch endlich das Ergebnis des Gespräches mitteilen. Vielleicht interessiert es ja.

Wir hatten noch nicht mal Platz genommen, da schilderte uns die Direktorin schon ihre
mißliche Lage :x . Ihre Schule sei überfüllt und sie platzen aus allen Nähten, was dieses
Jahr bei den vielen neuen Anmeldungen nicht besser wird. Und deshalb sollten wir uns
überlegen, ob es für Fabian nicht besser wäre, wenn er in die Werkstatt geht.

Natürlich wurden von den beiden auch "sinnvolle" Gründe genannt, die wir allerdings nicht
so teilten. Unser Sohn wurde bei dem Gespräch als Person, als Mensch irgendwo gar
nicht gesehen. Es ging offensichtlich nur darum, ihn in die Werkstatt zu geben um Platz
zu schaffen.

Lange Rede, kurzer Sinn, wir haben uns auf ein etwas verlängertes Praktikum geeinigt, was jetzt
im Mai anfängt. Es wird in der Werkstatt sein in der er ganz gut zurecht kam. Danach sollen wir dann
entscheiden, ob Verlängerung oder nicht.

Ich bin nicht so glücklich mit der Lösung. Fabian braucht immer einige Zeit um sich umzugewöhnen.
Die 3 - 4 Wochen Werkstatt sagen doch noch nichts über eine lebenslange Werkstatt Tauglichkeit
aus. Aber genau so wird es kommen. Irgenwie hatte ich das Gefühl (mein Mann natürlich nicht :roll: ),
dass schon alles abgesprochen war zwischen Direktorin und Lehrer und das für sie alles nach Plan lief.

Ich will niemanden etwas unterstellen. Warten wir also ab, wie es laufen wird. Ich denke, wir werden
nach diesem Praktikum trotzdem eine Verlängerung für Fabian beantragen. Einfach weil es für seine
Entwicklung wichtig ist. Natürlich wird es auch im nächsten Jahr eine große Umstellung für ihn, aber er ist
dann ein Jahr älter und wir haben noch genug Zeit ihn darauf vorzubereiten.

Ist etwas lang geworden. ´tschuldigung :oops:

Liebe Grüße
Petra
Sohn geb. 94, Fragiles X, 100 % SBA, Epilepsie


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