Wohn- und Arbeitsstätte - anthroposophisches Dorf?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

Moderator: Moderatorengruppe

LeanderS
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 28
Registriert: 18.02.2012, 17:25

Wohn- und Arbeitsstätte - anthroposophisches Dorf?

Beitragvon LeanderS » 20.02.2012, 22:26

Hallo.

Wer kann mir sagen, wo es ein anthropologisches Dorf gibt, in dem sowohl ein geistig behindertes, als auch ein lernbehindertes Mädchen gemeinsam leben und arbeiten können? Oder wer kann mir Alternativen empfehlen?

Es sind Zwillinge, heute 16 Jahre alt und ich als gesetzlicher Vormund muss mich langsam damit beschäftigen, wohin die beiden gehen können, wenn die Jugendhilfe mit 21 Jahren ausläuft.

Ausgangssitutation: Mädchen A hat einen IQ von 45, Mädchen B von 74 (wird aber auch nie alleine ohne Betreuung leben können). Ursache für die Behinderungen sind unbekannt. Ggf. durch Drogen- und Alkoholkonsum während der Schwangerschaft, Frühgeburt in der 28. SSW und sowohl körperliche als auch seelische Vernachlässigung durch die leibliche Mutter in den ersten 6 Lebensjahren.

Die Pflegemutter würde ein anthropologisches Dorf empfehlen, ich kenne mich damit nicht aus. Muss mich aber eben langsam damit beschäftigen, da mir gesagt wurde, dass man mit mehreren Jahren Wartezeit für einen Platz rechnen könne und die beiden Mädchen nach Möglichkeit zusammen bleiben sollen.

Und ich muss mich auch langsam mal einlesen, wer die Kosten tragen wird. Damit kenne ich mich auch nicht aus. Ich kenne mir nur mit Jugendhilfe aus. Diese wurde bis zum 21. LJ bewilligt. Für das Mädel mit der gB wird es wohl keine allzu große Probleme geben. Mehr Kopfzerbrechen bereitet mir das Mädel mit der LB. Sie kann aus vielerlei Gründen niemals alleine leben, aber das muss erstmal so von dem Ämtern akzeptiert werden :roll: . Da haben wir noch einen langen Weg vor uns glaub ich.

Also wer uns mit Tipps und Tricks helfen kann ... ich wäre dankbar!

LG
Mama von Leander
Vormund von Zwillingsmädels

Benutzeravatar
SophiaR
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 441
Registriert: 16.09.2009, 11:49

Beitragvon SophiaR » 21.02.2012, 00:24

Hallo,

hier

http://www.verband-anthro.de/index.php/cat/4/letter/C

findest Du eine Datenbank mit (allen?) anthroposophischen Einrichtungen in Deutschland.

Über "Suchfunktion der Datenbank" kannst Du nach Bundesländern, nach Art der Einrichtung usw. sortieren.

Viel Glück bei der Suche.

VG, *Sophia*
S. mit Sohn (*93, frühkindlicher Autismus, leichte Intelligenzminderung)
Fear not this night
You will not go astray
Though shadows fall
Still the stars find their way

Benutzeravatar
Karin2
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2191
Registriert: 29.09.2007, 08:42

Beitragvon Karin2 » 21.02.2012, 06:24

Welche Schulform besucht das Mädchen mit LB? Das sagt ja auch etwas über die kognitiven Möglichkeiten des Kindes aus.
LG Karin

chriz
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 409
Registriert: 20.06.2010, 19:45

Beitragvon chriz » 21.02.2012, 06:36


LeanderS
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 28
Registriert: 18.02.2012, 17:25

Beitragvon LeanderS » 21.02.2012, 11:05

Vielen lieben Dank für die Links. Ich werde mich mal durchsuchen.
Welche Schulform besucht das Mädchen mit LB? Das sagt ja auch etwas über die kognitiven Möglichkeiten des Kindes aus.
Sie besucht eine Waldorfschule für Lernbehinderte.

Rein von ihren kognitiven Fähigkeiten her könnte sie alleine leben, wenn sie einen Betreuer bzw. Hilfe bei Dingen wie Finanzen, Behördengängen, etc. hätte. Essen organisieren, einen Haushalt halbwegs vernünftig führen, das könnte sie. Durch ihre schlimme Vorgeschichte (Vernachlässigung, Missbrauch und viele andere Dinge) in den ersten 6 Lebensjahren liegt jedoch auch eine seelische Behinderung vor. Sie hat derart große Probleme, dass ein alleine leben einfach nicht gehen würde. Sie braucht auf jeden Fall eine "Rundum-Betreuung", sonst geht sie unter.

Hier ist allerdings noch nicht klar, wie das finanziert werden soll. Zur Zeit versuchen wir eine Einigung über Versorgungsamt und Arbeitsamt zu finden. Aber das ist alles nicht so leicht. Zahlen und Geld sind halt wichtiger als das Wohlergehen des Menschen... :(

SonjaUSA
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 308
Registriert: 07.01.2010, 20:24
Wohnort: Bayern

Beitragvon SonjaUSA » 22.02.2012, 05:45

Guten Morgen,
schau mal, den Hof haben wir mal mit der Frühförderung besucht:

http://www.muenzinghof.de/

Es war toll und das Konzept des gemeinsamen Lebens und Arbeitens hat mir gut gefallen.

Gruß
Sonja
J. 5/09 LCA-> sehbehindert; H.04/05 und M. 07/02 gesund

Benutzeravatar
IrisB
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1612
Registriert: 28.04.2009, 13:41
Wohnort: Berlin

Beitragvon IrisB » 22.02.2012, 06:54

Eine Liste der Camphill-Einrichtungen in Deutschland gibt es hier:
http://www.freundeskreis-camphill.de/ei ... #erwachsen
(und die Leute heißen Anthroposophen, nicht Anthropologen ;-) )

LG Iris
Iris mit Johannes (Herbst 2003), Asperger Syndrom, und Konstantin (Frühling 2006), HFA
Vorstellung

Benutzeravatar
Inga
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7268
Registriert: 18.03.2005, 20:14
Wohnort: RLP

Re: Wohn- und Arbeitsstätte - anthroposophisches Dorf?

Beitragvon Inga » 22.02.2012, 08:17

Ursache für die Behinderungen sind unbekannt. Ggf. durch Drogen- und Alkoholkonsum während der Schwangerschaft,

Hallo!

Ich würde als erstes eine qualifizierte FAS-Testung vorschlagen. Mit dieser Diagnose ist es beim Amt manchmal einfacher eine Kostenzusage für eine Einrichtung zu bekommen. Zumal wenn man einen detailierten Arztbrief bekommt wo die Seelische Behinderung und die emotionalen Unzulänglichkeiten ausführlich inkl. ihrer Auswirkungen beschrieben stehen.

Könnte mir sehr gut vorstellen, daß dies fürs Amt überzeugender ist, als auf die Vernachlässigung der ersten Jahre zu verweisen, sowas ist für viele Leute einfach nicht greifbar. Ich erlebe immer wieder wie von Jugendämtern die Auswirkungen von Vernachlässigung heruntergespielt wird. :?

Viel Erfolg bei der Suche!
Gruß, Inga

P.S.: Bist du Amtsvormund oder "Privater"? Wenn Amtsvormund, dann ein großes Lob, bisher ist mir noch kein Amtsvormund begegnet, der wirklich mal aktiv wurde. :?
Michelle 02 Apert-Syndrom & Epi
Josephine 05 Albinismus
Emma 07
Nico 09 ADHS,...
"Joshua" 14 Epi, Hemi, Blind
Joleen 16 Schinzel-Giedion-Syndrom

Betreuer von Danielo '96 und Steven '98

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html
Unsere Galerie: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_per ... er_id=1278

LeanderS
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 28
Registriert: 18.02.2012, 17:25

Beitragvon LeanderS » 25.02.2012, 08:29

Hallo ihr Lieben.

Sorry, komme leider erst heute zum antworten, da mein Kleiner sehr krank war / ist.

Also: vielen Dank für die super Links! Ich habe jetzt schon einige Einrichtungen gefunden und auch schon angerufen. Die meisten verlangen eine schriftliche Bewerbung per Email, das werde ich nächste Woche in Angriff nehmen.

Fetales Alkoholsyndrom: vielen Dank für den Tipp! Ich habe das gestern Abend der Pflegemutter erzählt. Sie wird die Kinderpsychologin darauf ansprechen. Die Mädels sind bei ihr in Therapie. Vielleicht kann sie das testen oder uns sagen, an wen wir uns da wenden können.

@ Inga: nein, ich bin privater Vormund. Und ich muss dir leider zustimmen: ich habe in den letzten 11 Jahren auch noch keinen Amtsvormund erlebt, der sich eingesetzt hätte. Allerdings muss man auch eine Lanze für die brechen, denn die können einfach nicht so viel Zeit investieren. Überlege allein mal folgende Idiotie: ein JA-Mitarbeiter darf bis zu max. 50 Mündel haben. Jeder Müdel muss jedoch mindestens 1 Mal im Monat besucht werden. Diese Rechnung kann ja schon überhaupt nicht aufgehen. Die sind einfach total überfordert. Da bleibt keine Zeit mehr, sich noch in irgendeiner Form zu kümmern. Leider :cry:

@ Iris: sorry für den Verschreiber. Ich werde es mir merken :lol: : Hab ja gesagt ich kenne mich damit nicht aus und ehrlich gesagt, ist mir persönlich das alles auch etwas suspekt. Die Pflegemutter schwört jedoch auf das Konzept und ich vertraue ihr da voll und ganz, dass das für die Mädels das Richtige sein wird.

LG
Mama von Leander

Benutzeravatar
Inga
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7268
Registriert: 18.03.2005, 20:14
Wohnort: RLP

Beitragvon Inga » 25.02.2012, 08:52

Hallo Leandermama!

Ne, die Regelung mit den 1x im Monat besuchen gibt es ja erst seit einem Jahr (?) und war die ganze Zeit noch als Übergang "freiwillig".
Bisher kenne ich kein Mündel, was 1x im Monat von seinem Amtsvormund besucht wurde / wird. :?
Wobei ich das "nicht-besuchen" noch nicht mal am schlimmsten finde. Schlimmer finde ich, daß Amtvormünder manche Untersuchungen oder Maßnahmen nicht unterschreiben / beantragen, weil dies dann Kosten für ihr JA bedeuten könnte. :shock: Ich habe schon von einigen Amtvormündern gehört, die z.B. eine Autismusdiagnostik verweigern, da ansonsten das JA anschließend die Autismustherapie bezalhen müßte und / oder die Kosten einer I-Kraft. :?

FAS kann man in Münster, Essen und Berlin testen. Es gibt noch mehr Stellen, aber das sind die bekanntesten (und somit anerkanntesten).

http://www.franz-sales-haus.de/wohnen/g ... tturm.html
http://www.fetales-alkoholsyndrom.de/adressen.html
http://fasd-zentrum.blogspot.com/2011/1 ... ewiss.html
http://www.fasworld.de/doctorsJuli2010.pdf

Von Münster und Essen weiß ich, daß man (zumindest auf Wunsch) sehr ausführliche Arztbriefe bekommt, wo nicht nur die Diagnose drin steht, sondern auch die Auswirkungen.

Gruß, Inga
Michelle 02 Apert-Syndrom & Epi
Josephine 05 Albinismus
Emma 07
Nico 09 ADHS,...
"Joshua" 14 Epi, Hemi, Blind
Joleen 16 Schinzel-Giedion-Syndrom

Betreuer von Danielo '96 und Steven '98

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html
Unsere Galerie: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_per ... er_id=1278


Zurück zu „Erwachsen werden: Leben, Arbeit, Wohnen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: ManuelaH85, Regina Limberger und 6 Gäste