Betreuer wechseln

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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S.H.
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Betreuer wechseln

Beitragvon S.H. » 02.02.2012, 17:28

Hallo,
mein (Ex) Mann und ich sind als Betreuer unseres Sohnes eingetragen, nun lassen wir uns scheiden und ich würde gerne meinen neuen Partner als Betreuer eintragen lassen.
Geht das problemlos?

LG S.H.
Jan *1993, 31 SSW, Tetrasastik, Epilepsie, PEG, jetzt stolze 55 kg schwer

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Püppimelli
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Beitragvon Püppimelli » 02.02.2012, 17:44

Du kannst einen Antrag auf Betreuerwechsel stellen. Allerdings stellt sich mir die Frage, warum dein Ex-Mann nicht Betreuer bleiben darf? Dein Sohn wird doch bestimmt auch öfter mal seinen Umgang mit ihm haben und dann kann es doch auch dazu kommen, dass er für euren Sohn unterschreiben muss, Behördengänge erledigt ect. Ich vermute mal, dass ihr alle Aufgabenkreise für Jan habt. Ich persönlich kann überhaupt nicht verstehen, warum der neue Partner die Betreuung für Jan übernehmen sollte. Warum sollte dein neuer Partner Jan´s Behördenangelegenheiten regeln, warum über das Vermögen bestimmen ect? Und beim nächsten Partner, dann der nächste wechsel?

Du solltest dochmal drüber nachdenken. Und wenn es irgendwelche Bedenken geben sollte, warum dein Ex-Mann nun nicht mehr als Betreuer handeln soll, dann solltest du die Betreuung alleine führen.

Ich habe ja nun einige Jahre im Betreuungsgericht gearbeitet und ich kann dir sagen, dass diese Idee vermutlich nicht gut ankommen wird, weil es scheint, als würdest du deinen Frust (Wut, Kränkung) nun an deinem Ex-Mann auslassen. Was würdest du denn dazu sagen, wenn dein Ex-Mann so einen Antrag stellen würde? :wink:
Liebe Grüße

Melli

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Marianne56
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Beitragvon Marianne56 » 05.02.2012, 15:29

Hallo S.H.,

ich möchte mich der Argumentation der anderen Userin anschliessen.

Wir erleben es immer wieder in der Wohnpflegeeinrichtung unseres Sohnes mit einem Mitbewohner. Dessen Eltern haben sich ebenfalls getrennt und erscheinen nur noch jeweils einzeln in der Gruppe, um ihren sohn zu besuchen. Auch bei evtl. Festivitäten, Angehörigentreffen etc..

Den jungen Mann belastet das so, dass er nach jedem Aufenthalt bei einem Elternteil nicht mehr in der Lage ist, sich dem Gruppengeschehen anzuschliessen geschweige denn, seinen Platz in der Gruppe zu finden.

Was bitteschön geht denn in einem solchen Elternteil vor, dass er seinem Sohn/Tochter so was antun will?

Ich bin der Ansicht, dass unsere so schwerstbehinderten Kinder so stark mit ihrem Schicksal zu kämpfen haben, dass es purer Egoismus ist, ihnen dermaßen belastende Situationen auch noch aufzubürden.

Es wird mir wohl jeder vernünftig denkende Mensch recht geben, dass es für Otto Normalverbraucher schon schwer genug ist, sich mit der Situation eines geschiedenen Ehepaares zu arrangieren, wenn es sich in seinem Bekanntenkreis befindet. Erst recht dann bei unseren so schwer behinderten Kindern.

Sei mir bitte nicht böse, aber das muss mal gesagt werden.

VG

Marianne
Marianne, 59, Alois,64, mit Florian, 32, schwere perinatale Asphyxie, weitreichender Hirnschaden, Tetraspastik, Anfallsleiden, geistige Behinderung,seit Dezember 2003 stationär in Wohpflege, Wolfgang, 30, gesund und munter

Die Menschen, denen wir eine Stütze sind, geben uns den Halt im Leben.

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Beitragvon S.H. » 05.02.2012, 18:34

hi,
ich bin niemand böse. leider kennt ihr meine geschichte nicht.
mein mann nimmt seine sohn nur alle zwei wochen für 2 stunden. tut ihn nicht füttern bzw. sondieren, wickeln oder ihn aus dem rolli nehmen. jetzt wo es um unterhalt geht ist er der meinung, das jan nicht von mir betreut werden muss, sondern in eine einrichtung gehen kann. so kann ich vollzeit arbeiten gehen und er muss nicht zahlen. das ist für mich kein vater der sein kind liebt und nur das beste für ihn will. wir haben es mit kurzzeitpflege schon ausprobiert. das ist gründlich in die hose gegangen. jan das ganze wochenende komplett durchgebrüllt. er weiß also das das für jan keine lösung ist.

LG S.H
Jan *1993, 31 SSW, Tetrasastik, Epilepsie, PEG, jetzt stolze 55 kg schwer

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Beitragvon Püppimelli » 05.02.2012, 19:31

Aber die ganzen Probleme haben doch mit dem Betreuungsverfahren nichts zu tun. Wenn er nur 2 Stunden Umgang hat, weil er überfordert ist, dann zeig ihm wie er die ganzen Sachen von dir erlernen kann (damit Jan auch mal länger bleiben kann). Wenn er sich dann dagegen verschliesst, dann ist das zwar nicht schön, aber besser als gar kein Umgang. Wie du Jan ansonsten pflegst oder unterbringst ist doch egal. Der Unterhalt wird nach seinem Einkommen nach der Düsseldorfer Tabelle errechnet und da Jan behindert ist, hört das auch nicht mit dem 25 Lebensjahr bzw mit Ende der Ausbildung auf. Recht gebe ich dir nun allerdings in der Hinsicht, dass dein Ex-Mann vermutlich keinerlei Dinge im Aufgabenkreis der Betreuung erledigen wird, da Jan nur 2 Stunden bei ihm ist. Wie wurde denn die Betreuung eingerichtet (mit welchen Aufgabenkreisen und seid ihr beide zu Einzelbetreuern bestellt worden)?
Liebe Grüße



Melli

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Beitragvon S.H. » 06.02.2012, 06:59

hi,
mein mann muss das nicht lernen, er kann es , will aber nicht. das hat nichts mit überfoderung zu tun. er hat auch in den letzten 18 jahren wo wir noch zusammen waren keine pflege von jan übernommen.
unterhalt muss er keinen mehr zahlen da jan 18 jahre ist und die grundsicherung bekommt. da geht es um unterhalt für mich.
wir haben alle aufgabenbereiche und sind gleichberechtigte betreuer.
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Beitragvon Püppimelli » 06.02.2012, 17:36

Und warum möchtest du nicht, dass er weiterhin Betreuer bleibt? Glaubst du, dass dein Mann etwas machen würde, was nicht in Ordnung wäre?
Liebe Grüße



Melli

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Beitragvon S.H. » 06.02.2012, 19:44

naja würde eher sagen er macht nichts. er hat aber durch die betreuung auch mit das aufenthaltsbestimmungsrecht. ich habe angst das er wie schon von seiner anwältin angekündigt, jan in ein wohnheim abschiebt. das will ich auf keinen fall.
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Beitragvon Püppimelli » 06.02.2012, 20:06

Das sollte natürlich nicht dafür ausgenutzt werden. Wenn du Jan versorgen kannst, dann kann und sollte er auch zuhause bleiben. Dann bitte um ein Gespräch mit dem Richter und spreche deine ängste an.
Liebe Grüße



Melli


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