Elternarbeit im integrativen Kindergarten

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Elternarbeit im integrativen Kindergarten

Beitragvon ehemalige Userin » 25.01.2006, 21:26

Hallo zusammen :pc5:

mein Jann geht jetzt im vierten Jahr in einen integrativen Kindergarten. Wir machen hauptsächlich positive Erfahrungen, was die Integration in der Gruppe angeht. Die gesunden Kinder gehen vollkommen unbefangen und natürlich mit den Förderkindern um, beide Seiten profitieren davon, so wie es eben sein soll. Ich will jetzt hier nicht alle Argumente aufzählen, weil das an anderer Stelle hier im Forum schon öfter geschehen ist.

Ich möchte an dieser Stelle einmal zum Ausdruck bringen, dass ich oft das Gefühl habe, dass die Integration bei den Kindern im Kindergarten zwar stattfindet, aber darüber hinaus dann eben nicht mehr. Ich habe oft das Gefühl, dass ein wirkliches Auseinandersetzen mit der Thematik bei den "normalen" Eltern nicht stattfindet, obwohl sie doch stolz sind, dass ihr gesundes Kind so besondere soziale Kompetenzen im Integrationskindergarten mitbekommt und das auch gern erzählen.
Als Mutter eines I-Kindes fühle ich mich oft bei den anderen Eltern nicht verstanden, manchmal sogar irgendwie exotisch und ich finde das sehr traurig.

Mich interessiert, ob ihr das auch so empfindet, oder ob es zu viel verlangt ist, dass die "anderen" Eltern auch am Integrationsprozess teilhaben.

Außerdem interessiert mich sehr, ob in euren Kindergärten speziell zu dieser Thematik Elternabende von Seiten des Kindergartenteams stattfinden, um für die Perspektive der Integrationskinder zu sensibilisieren. Und wenn ja, wie laufen diese Abende ab?

Viele liebe Grüße
Hope
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Kat
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Beitragvon Kat » 25.01.2006, 21:31

Hallo Hope,

unser Sohn geht als I Kind in einen Motessori Kindergarten. Die I Kinder dort (es sind insgesamt 15 von 55) sind unter den andren Kids nicht immer erkennbar, wenn sie nicht äußerlich "auffallender" sind als andre Kinder.

Was die Eltern betrifft, so ist es bei uns sehr unterschiedlich: es gib nach wie vor die Eltern der "normalen" Kids, die über "diese Kinder" reden wenn sie die I Kinder meinen, aber wir erfahren auch, dass das Spiel am Nachmittag unsren Sohn nicht ausgrenzt und er wie alle andren auch zum Kindergeburtstag eingeladen wird.

Spezielle Abende zum Thema gibt es nicht, aber ich finde dass das eine gute Anregung ist, bei uns wurde grad gefragt, was wir anders machen würden... grinst...

Montessori bietet hier auch die Schlugänge bis zur 10. Klasse an und wir würden unsren Sohn gern weiter als I Kind dorthin gehen lassen... das also nich dazu.

Liebe Grüße,

Katrin
Katrin (`75) mit L., 5/01 (ausgeprägte SI Störung, toxische Darmschädigung, SEV, Hyperaktivität und oppositionelle Verhaltensstörungen aufgrund hirnorganischer Schädigung)
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Beitragvon dieMeike » 25.01.2006, 22:07

Hallo Hope,

super das Du Dir die Gedanken machst.

Aber...
In vielen "normalen" Kindergärten finden sich kaum noch Eltern die aktiv Elternarbeit leisten.
Eigentlich müsste man denken das es in integrativen Einrichtungen engagiertere Eltern gibt, aber selbst da fehlt mir der Glaube. Viele Eltern geben ihre Kinder weniger wegen dem Integrationsgedanken in eine I-Einrichtung, sondern wegen des besseren Betreuungsschlüssels. :(

Bei Elternversammlungen oder Arbeitseinsätzen kann ich Dir die Namen der Eltern der letzten 5 Jahre sagen die immer dabei waren und diese immer wieder.

Wir haben Neis eben auch in eine Montessori-Einrichtung gegeben weil wir vom pädagogischen Konzept überzeugt sind. Aber es ist eine Regeleinrichtung mit deutlich schlechteren Betreuerschlüssel, aber engagierten Erzieherinnen. Und wir haben das Glück das Neis vollends integriert wird.

Die meisten Eltern kennen mich und meine beiden Kinder, :wink: kein Kunststück wenn Neis der einzige Rollifahrer in KiGa ist :wink:
Wir haben das Glück Integration erleben zu können...


@ Katrin bei Montessori bis zur 10. Klasse würde ich mir den A... abfreuen,wenn es das bei uns gäbe. Franz hat für dieses Jahr einen Schulplatz bekommen, eine gute Vorraussetzung das Neis in 1 oder 2 Jahren auch einen bekommt. :D
Allerdings haben wir im Moment nur eine Grundschule...

Ich wünsche Dir viel Glück für Dein Vorhaben !!!

Toi, Toi, Toi...
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Beitragvon ehemalige Userin » 25.01.2006, 22:43

[quote="Meike"]
Eigentlich müsste man denken das es in integrativen Einrichtungen engagiertere Eltern gibt, aber selbst da fehlt mir der Glaube. Viele Eltern geben ihre Kinder weniger wegen dem Integrationsgedanken in eine I-Einrichtung, sondern wegen des besseren Betreuungsschlüssels. :(

Liebe Meike,

ja, das denke ich auch immer öfter, aber ich weiß nicht, ob ich vielen damit nicht doch Unrecht tue und ich wage es nicht offen so auszusprechen.

Und wenn man sich entscheidet, es anzusprechen, dann WIE?
Drängt man sich damit auf? Stellt man sich damit zu sehr in den Mittelpunkt? Oder ist es doch ein berechtigter Ansatz, der in einer I-Gruppe zur Sprache kommen sollte? Sollte man nicht alle Eltern etwas in die Pflicht nehmen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, ihnen die Besonderheit dieser Gruppe näher bringen? Was kann man vom Kindergartenteam erwarten?

LG
Hope
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Beitragvon kachiya » 26.01.2006, 09:46

Hallo Hope,

mein Sohn ist in einer Regel-KITA in der Familiengruppe mit Kindern von 1 bis 4 Jahren. Ich bin Elternvertreterin und versuche eigentlich regelmäßig mit den anderen Eltern in Kontakt zu kommen, was aber nur teilweise gelingt. Ich habe bei vielen Eltern das Gefühl, dass die eigentlich gar kein Interesse an den anderen Kindern und deren Eltern haben. Diese Eltern wissen zum Teil nicht einmal die Namen der anderen Kinder, obwohl Fotos mit Namen und Geburtsdatum im Umkleideraum hängen. Elternabende werden mäßig bis schlecht besucht. Bei einer kürzlich durchgeführte Fragebogenaktion wurden 5 von 18 Fragebögen ausgefüllt zurückgegeben.
Ich finde es sehr schade, schließlich verbringen die Kinder viele Stunden des Tages dort. Diese Situation ist in einer I-KITA sicherlich genauso. Viele Eltern haben wenig Interesse, denen ist oft nur wichtig, dass die eigenen Kinder gut versorgt werden.

Liebe Grüße,

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Beitragvon Kat » 26.01.2006, 09:49

Hallo Meike,

ja, hier gibt es eine der einzigen Einrichtungen, die Montessori-Like bis zur 10 führen, von der Krabbelstube (da geht unsre Kleine hin) bis zum Kinderhaus, Grundschule und dann Gesamtschule. Ist eine tolle Sache und wir hoffen, dass das was wird!!!!!!!

Liebe Grüße,

Katrin
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Beitragvon Susann » 26.01.2006, 10:03

Montessori als Gesamtschule, klasse. Wir haben in Frankfurt auch hervorragende Einrichtung vom Kinderhaus bis zum Gymnasium, aber eben Gymnasium. Die Kinder die nicht gym-geeignet sind fallen nach der 4. Klasse wieder raus. Und das viele Eltern den I-Kindergarten die I-Schule als gute Alternative sehen, da dort zwei Lehrer stehen auf zwanzig Kinder und nicht ein Lehrer auf 35 Kinder das haben wir hier in Frankfurt auch. Und die soziale Integration lässt auch sehr zu wünschen übrig. Hier werden sogar Integrationsplätze gestrichen, angeblich keine Nachfrage und die besonderen Kinder dürfen wieder auf besondere Schulen gehen(Förderschulen). Es muss noch viel passieren! :icon_colors:
Die Ärzte gaben dir eine 70 % Quote einer Behinderung, die Sozialarbeiter meinten das auch. Du hast alle überzeugt und machst jeden Tag zum Geschenk. Unser Traum- Kind seit 2004 in unser Familie

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Beitragvon Alex und Max » 26.01.2006, 10:25

Hallo,

ein sehr interessantes Thema, das gerade bei uns auch sehr aktuell ist. Bei uns gibt es im März einen Elternabend in der I-Kita zum Thema Integration. Bei den "Regelkindern" ist unser Max sehr gut integriert nur die Erzieherinnen scheinen am Thema oft vorbei zu denken. Bei uns kracht es alle paar Wochen mal und dann erst läuft es erstmal wieder zu unserer Zufriedenheit. Ein Beispiel: Alle Kinder ziehen sich zum Mittagsschlaf im auf Stühlen um die im Kreis stehen, unser Max ist "nur" körperlich behindert (sitzt im Rolli) ansonsten superfit. Darum will mir nicht in den Kopf, dass er im Bad (also anderer Raum) auf dem Wickeltisch wie ein Baby (er ist 5!) umgezogen wird. Ist das Integration? Oder bin ich auf dem falschen Dampfer?

Gruss die Alex

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Beitragvon dieMeike » 26.01.2006, 11:02

Hallo,

@Alex wir haben in etwa das gleiche Behinderungsproblem. Neis kann sich zwar wenn er will selbst an- und ausziehen, bei Hosen über den Po gibt es Hilfestellung.
Aber er macht es genau wie alle Kinder im Gruppenraum. Beim Wickeltisch würde er wohl protestieren. :wink:
Wir haben so viele Kleine unter 2 Jahren in der Gruppe das die Erzieherinnen gar keine Zeit hätten. Deshalb hängen wir auch etwas mit dem Sauberwerden. Im Sommer starten wir wieder ein Intensivprogramm. Da seine Sprache eher leise ist hat er dann ein Glöckchen um sich bemerkbar zu machen.

Nochmal zu Elternarbeit...

Die meisten Träger der Einrichtungen sehen die Elternvertreter als lästiges Übel an das Forderungen stellt für die kein Geld vorhanden ist. Die Erzieherinnen sitzen zwischen den Fronten Eltern-Arbeitgeber und äußern sich eher zurückhaltend.

Beispiel:
vor einem Jahr sind wir in unser saniertes Haus eingezogen, nach einem Jahr Zwansaufenthalt in einer alten Schule.
Seit einem Jahr machen wir Erzieherinnen und den Träger auf diverse Sicherheitsmängel aufmerksam.

Fehlender Stossschutz an den Stahlbetonsäulen(Ecken) im Sportraum. Nach einem 3/4Jahr gab es dann endlich einen provisorischen Stossschutz, jetzt soll der engültige kommen und auch endlich, dank einer großen privaten Spende, die Hengstenberggeräte.
:D

De ehemals wunderschöne Garten der mit Mitteln des Fördervereins gestaltet wurde, ist seit der Sanierung platt. Oh, Rasen wurde im letzten Sommer gesät und die Kinder durften die Flächen wochenlang nicht betreten. Die Spielgeräte sind zum Teil beschädigt. Das dürfen die Eltern gern reparieren.

Zum Arbeitseinsatz durften die Eltern, die wenigen die da waren, die Fenster von innen putzen weil aussen zu gefährlich wäre. "Da kommt dann eine Firma..."
2 Wochen später kam die Firma und putzte innen und aussen. Da kam ich mir und auch andere Eltern echt veralbert vor.

Der neuste Streich ist, das der Träger unsere seit 7 Jahren existierende Elternzeitung neuerdings vor Erscheinen vorgelegt haben möchte. In den letzten beiden Ausgaben waren 2 Artikel von Elternvertretern als zu kritisch gegenüber dem Träger aufgefallen.
Das ist für mich Zensur!

Die wenigen Eltern die sich engagieren werden also noch vergrault.

Wir sollen gefälligst dankbar für das schöne Haus, die neuen Möbel, das neue Geschirr und das neue Besteck sein.

Sind wir auch aber nicht um jeden Preis... :wink:

Liebe Grüße
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Beitragvon Susann » 26.01.2006, 11:12

Hallo Meike, die fehlende Elternarbeit macht sich überall bemerkbar und wenn Eltern helfen werden Sie von übereifrigen Paragraphenreitern vergrault oder was auch immer. Erlebe dies selbst zu Zeit. Arbeite aus Interesse seit mittlerweile zehn Jahren an der ehemaligen Grundschule meines LS und habe gar keine Kinder mehr da. Die ersten Jahre habe ich die Bücherei mitgemacht, von Elternbeirat und Fördervereinvorstand mal abgesehen, jetzt arbeite ich seit drei Jahren an der Betreuung mit und soll jetzt meine Tochter nicht mehr mitbringen.(22 mon.) Hä, wie bitte? Ich hatte immer Tageskinder mit und hatte nie Probleme damit. Jetzt soll ich aufhören oder Kind nicht mehr mit, Versicherungsgründe. Haben uns jetzt erst mal quer gestellt, da ich die einzige bin die noch ehrenamtlich arbeitet und wir jeden Zuschuss an der Schule brauchen können. Mal sehen wie es weiter geht. Auch andere Mütter hatten immer mal Ihr kleinesres Kind mit ohne detaillierten Versicherungsschutz. Werden es mal genauer beleuchten was der Hintergrund ist. Ehrenamt wird immer weniger und Eltern die etwas bewegen werden boykottiert. "Das alles ist Deutschland"
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