Integration in den ersten Arbeitsmarkt

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Integration in den ersten Arbeitsmarkt

Beitragvon ehemalige Userin » 04.01.2012, 08:21

Hallo,

mein Sohn ( 17 J., frühk.Autist) beendet die Schule im Sommer 2012 und wir sind auf der Suche nach dem besten, zukünftigen Weg für ihn.

Noch stehen wir am Anfang der Suche, doch die ersten Probleme/Schwierigkeiten ließen nicht lange auf sich warten.

z.B.
- Aufgrund der Diagnose und SBA wird grundsätzlich immer erst in Richtung WfbM gedacht, ohne überhaupt auf meinen Sohn zu gucken. Ich bin geschockt, dass hier gleich die Schublade geöffnet wird.

- Lenke ich das Gespräch auf eine Ausbildung mit Arbeitsassistent, heißt es entweder zu teuer oder es herrscht Ahnungslosigkeit.

- Rehaberater befürwortet auch einen weiteren Schulbesuch, doch nennen konnte man keine geeignete.

Wer hat schon Erfahrungen gesammelt oder setzt sich auch grad mit dem Thema -Integration in den ersten Arbeitsmarkt- auseinander und kann darüber berichten? Ein Erfahrungsaustausch wäre sehr hilfreich.

Liebe Grüße Sabine

-

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Gixi
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Beitragvon Gixi » 04.01.2012, 08:58

hallo sabine,

wir haben auch einen sohn mit frühkindl. autismus. er ist 16 jahre alt und wird im sommer 2013 vorraussichtlich die schule beenden.

bei uns ist es auch so, dass man die schule nochmal für zwei oder drei jahre verlängern kann. dies muss aber von der klassenlehrerin begründet werden und vom schulamt auch genehmigt und für sinnvoll erachtet werden. ich finde aber, dass das nur eine art verzögerung ist, jedenfalls in unserem fall wäre es so. eine verlängerung der schulzeit kommt für mich nur in frage, falls wir einen gewissen zeitraum überbrücken müssen. denn zuhause lassen ist ja keine echte alternative.

wir möchten, dass unser sohn mit 18 in eine einrichtung kommt. wir sind schon seit jahren aktiv mit der suche beschäftigt, was geeignetes zu finden. bis jetzt stehen wir auf drei wartelisten, was eigentlich auch nichts heisst. naja, das suchen geht weiter.

bei uns hier in der stadt gibt es auch eine WfbM. letztes und dieses jahr machen die werkstufenschüler eine 14-tägiges praktikum dort. bei uns war es letztes jahr so, dass sie m. nirgendwo "gebrauchen" konnten und er eigentich mit seiner i-kraft eine woche lang in den fluren dort rumgelaufen ist. ich denke, dass das dieses jahr im märz auch nicht anders sein wird. für behinderte, die nicht in der werkstatt eingesetzt werden können, gibt es hier eine tafö. aber auch dort hat man uns schon gesagt, kann m. nicht hingehen, weil er auch da eine 1 zu 1 betreuung benötigt und dies der personalschlüssel dort nicht hergibt. tja zack und fertig ist die geschichte. mit anderen worten sollte das wohl heissen, dass unser sohn später dort nicht hingehen kann.

hat uns jetzt auch nicht wirklich geschockt, sondern wir wollen ja sowieso eine vollstat. unterbringung. wenn er in die werkstatt ginge, hiesse das ja im umkehrschluss für uns als eltern, dass er weiterhin abends, an den wochenenden und in den ferien zuhause wäre. das wäre ja nichts anderes, als das, was wir jetzt schon seit jahren haben.

für uns keine erbauende zukunftsperspektive. die jahre mit m. haben uns dermassen ausgezehrt, dass wir z.t. gesundheitlich auch schon angeschlagen sind.

ahnungsloskigkeit heisst für mich auch, dass man sich nicht wirklich mit der materie beschäftigt hat und auch nicht beschäftigen will. vielleicht kann man deinen sohn ja mit einer assistenz gut in einen arbeitsprozess mit einbinden. bei unserem sohn ist und wird das aller wahrscheinlichkeit nach schwierig werden.

aber schubladen haben wir doch hier zuhauf. von integration oder sogar inklusion sind wir doch welten entfernt. zumindest muss ich hier in unserem fall leider so eine aussage treffen.

also wirklich helfen kann ich dir nicht. aber die schwierigkeiten werden wohl nie aufhören, es werden nur andere schwierigkeiten.

ich wünsche dir viel kraft.

lg
gixi

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 04.01.2012, 10:09

Hallo Sabbi,
ich hab auch einen SBA (100 GdB) und arbeite seit 1994 auf dem 1. Arbeitsmarkt.
Ich hab 2 Jahre bevor ich das Gymnasium nach der 10. Klasse (freiwillig) beenden wollte, mich bei der Berufsberatung beraten lassen. Ich hatte das große Glück, dass ich damals eine tolle Beraterin hatte. Sie hat als erstes gesagt, dass ich erst mal nen Test beim Psychologischen Dienst machen solle um zu sehen in welche Richtung wir suchen sollten. Gut das hab ich gemacht auch wenn bei dem Test nur das raus kam was ich schon wußte.
Wir haben dann aufgrund meiner Behinderung in dem Bereich von Büroarbeiten gesucht. Mein Traum wäre zwar MTA, PTA oder Chemielaborantin gewesen. Aber die Beraterin hat mir gleich davon abgeraten auch von dem Beruf Technische Zeichnerin hat sie mir aufgrund meines Hydrocephaluses abgeraten.
Sie hat mir aber auch gesagt, dass wenn es mit den normalen Ausbildungsstellen nicht klappen sollte ich noch die Möglichkeit hätte eine Ausbildung beim BBW zu machen - was aber dann nicht der 1. Arbeitsmarkt wäre. Werkstatt hat sie bei mir gleich ausgeschlossen, da ich für die überqualifiziert wäre.
Habe mich damals gut 20-30x beworben. Einige Tests gemacht - aber letzt endlich hätte ich nur bei 3 Stellen anfangen können. Bei einer war schon sicher dass ich nach der Ausbildung nicht übernommen werde, die 2. Stelle war damals für mich nur mit großem Zeitaufwand erreichbar gewesen (da ich keinen Führerschein zu der zeit hatte) und so blieb mir nur eine Stelle im öffentlichen Dienst über - wo ich auch heute leider noch arbeite. Mein Traum war und ist es nicht - weil mein Arbeitgeber auch nicht sehr behindertenfreundlich ist (was ich aber zu der Zeit meiner Ausbildung nicht wußte). Aber ich komm nicht mehr weg - obwohl ich es jetzt eigentlich sollte, da ich nun schon zum 2. mal dick im Mobbing stecke.
Die Ausbildung war schon sehr hart - musste zur Berufsschule (Blockunterricht) täglich nach Heilbronn pendeln. dazu noch 5 Lehrgänge während der 3 Jahre (einer in Oberursel, 4 in Aalen), dazu noch diverse Arbeitsgemeinschaften und dann 2 schriftliche Abschlussprüfungen (in der Berufsschule und bei meinem Betrieb) und dann noch eine mündliche.

Es waren keine leichten 3 Jahre - aber ich hab es geschafft und darüber bin ich froh.

Wenn ich heute könnte würde ich nochmal eine Ausbildung machen - aber mir fehlen die Finanziellen Mittel.

Ich find ein Versuch ist es alle mal wert. Und die Aussage, dass eine Arbeitsassistenz teuer ist find ich nicht in Ordnung. Gut es entstehen Kosten aber na und - dafür wird versucht einen Behinderten zu integrieren. Jeder Arbeitgeber muss ja auch eine Behinderten-Quote erfüllen, an behinderten Arbeitnehmern.

Mein Arbeitgeber hat 2011 auch einen schwerst-mehrfachbehinderten Auszubildenden eingestellt, der von Beginn seiner Ausbildung an eine Arbeitsassistenz zur Verfügung gestellt bekommt.

Ich drück euch die Daumen, dass man für deinen Sohn eine Lösung findet.

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Beitragvon Jaqueline » 04.01.2012, 10:37

Hallo Sabine,

welchen Schulabschluss hat dein Sohn denn? Würde auch eine Ausbildung in einem Berufsbildungswerk in Frage kommen? Das wäre zwar erstmal nicht der 1. Arbeitsmarkt, aber danach kann man sich ganz normal bewerben. Ansonsten würde ich um die Assistenz weiter kämpfen und mal anführen, dass ein Platz in der WfB genauso Geld kostet und das auch nicht wenig. Das ist für mich kein Grund.

Hallo Gixi,

zu den WfBs gibt es auch Wohnheime.
Man muss da nicht jeden Tag wieder nach Hause.
LG Jaqueline
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Beitragvon SophiaR » 04.01.2012, 11:16

Hallo Sabine,

ich bin im Moment selbst dabei mich ein wenig kundig zu machen.
Seit dem 30.11.2011 gibt es ein Urteil des Bundessozialgerichtes, dass man auch ein persönliches Budget für Werkstattleistungen nutzen kann.
Schau mal hier:
http://www.budget.paritaet.org/index.ph ... &tx_ttnews[tt_news]=6191&tx_ttnews[backPid]=2288&cHash=001d66444f0e0a04caadd07aae99cb0e

Vielleicht eröffnet das ja auch neue Wege ein persönliches Budget für eine Ausbildung/Arbeitsplatzfindung zu nutzen. Das ist dann zwar auch nicht direkt eine Integration auf dem 1. Arbeitsmarkt, aber vielleicht kommt dann über diesen Umweg dazu.

Anderer Fall, muss aber erwähnt werden: Unsere Arbeitsagentur weigert sich strikt eine 1:1 Betreuung im Eingangsverfahren einer Werkstatt zu finanzieren (mehrere Klagen z. T. in zweiter Instanz sind schon anhängig, das ist u. U. auch unser nächster Weg).

Soviel zu "jeder Mensch hat das Recht auf Teilhabe am Arbeitsleben...."

Etwas frustrierte Grüße

*Sophia*

PS: In welchem Bundesland wohnst Du denn?
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Beitragvon Gixi » 04.01.2012, 12:32

hi jaqueline,

ja ich weiss. auch bei uns gibt es wohnheime nache der werkstatt. ist von unserem wohnort ca. 8 km entfernt, also ein katzensprung.

unser sohn wird von den förderstätten 10 wochenstunden nach der schule betreut. das ganze läuft über die eingliederungshilfe. daher kennen wir die wohnstätte, weil m. da zweimal in der woche zu mittag ißt und manchmal auch die räumlichkeiten dort vor ort (z.b. snoozle-raum) nutzt.

der leiter der förderstätten hat jetzt unterschwellig in einem gespräch mitgeteilt, dass er sich nicht vorstellen kann, dass unser sohn dort bei ihnen gut aufgehoben wäre. die betreuung von m. ist doch zu intensiv und meistens wohnen dort eben nicht die ganz schweren fälle. zumindest sieht man z.b. beim einkaufen, dass immer einige behinderte mit ihren betreuern ebenalls einkaufen. schwer behinderte oder im rollstuhl sitzende personen habe ich noch keine gesehen.

ausserdem denken wir, dass unser sohn in eine einrichtung kommen sollte, in der man sich mit der problematik des frühkindl. autismus auskennt.

vor einigen wochen habe ich hier in unserer tageszeitung einen bericht gelesen, wo es um einen jungen mann geht, der an einer muskeldystrophie erkrankt ist. mittlerweile sitzt die betreffende person im rollstuhl und absolviert nun eine ausbildung zum bürokaufmann. dieser junge mann hat einen assistenten an seiner seite, der ihm hilfestellung gibt, wenn nötig. also möglich ist das, man muss halt wie immer hartnäckig dran bleiben und sich nicht abweisen lassen, was die ämter ja mit vorliebe tun.

lg
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Beitragvon Jaqueline » 04.01.2012, 12:35

Hallo Gixi,

kontaktiere doch mal Annette.
Deren Sohn ist Asperger und besucht eine Einrichtung für Autisten.
Allerdings in Braunschweig.

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... ght=#94418
LG Jaqueline
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Beitragvon SophiaR » 04.01.2012, 14:04

Hallo,

die Einrichtung in Braunschweig kenne ich von der Internetseite:

http://www.lavie-reha.de/start.shtml

VG, *Sophia*
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Beitragvon Annette Schmidt » 04.01.2012, 14:41

Hallo!

Jaqueline hat geschrieben:kontaktiere doch mal Annette.


Annette hätte sich ohnehin gemeldet, was sie hiermit tut, aber manchmal hat sie auch noch was anderes zu tun, als hier zu sein. :wink:

Z.B. beschäftige ich mich gerade hiermit http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 68#1514568 letzter Satz

und hiermit http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 25#1513225

In eigener Sache habe ich gerade 2 Klageverfahren auf die Weg gebracht, der Rest ist Aufgabe meines Rechtsanwaltes.

Deren Sohn ist Asperger und besucht eine Einrichtung für Autisten.
Allerdings in Braunschweig.


SophiaR hat geschrieben:die Einrichtung in Braunschweig kenne ich von der Internetseite:

http://www.lavie-reha.de/start.shtml


Lavie ist in Wolfenbüttel, in Braunschweig ist die Wohngruppe.

Ich bin mal faul  8) und verlinke, u.a., wie das bei uns lief/läuft. (viel tippen strengt mich u.a. wegen meiner krankheitsbedingten Schreibstörung sehr an und das Korrigieren dauert immer ewig :roll: )

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 29#1121829
erste Hälfte des Beitrags

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 33#1315933 (der Anhang)

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 55#1467555

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 14#1467714

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 54#1475754

http://www.deruli.de/content/images/Uli ... eugnis.jpg

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 15#1336415

Liebe Grüße

Annette
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom

Bitte keine PN-Anfragen, danke.

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Beitragvon SophiaR » 04.01.2012, 15:20

Annette Schmidt hat geschrieben:Hallo!
...
SophiaR hat geschrieben:die Einrichtung in Braunschweig kenne ich von der Internetseite:

http://www.lavie-reha.de/start.shtml


Lavie ist in Wolfenbüttel, in Braunschweig ist die Wohngruppe.

...
Liebe Grüße

Annette


Hallo zusammen,

sorry, ich hatte nur noch im Kopf wie die Einrichtung heisst und habe nicht noch extra nach dem Ort geschaut.

VG, *Sophia*
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