Integration in den ersten Arbeitsmarkt

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Karin2
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Beitragvon Karin2 » 24.01.2012, 22:59

@Sabbi,
http://www.sghl.de/forum/index.php?page ... #post89279
Behindert-Was darf ich werden....
Guten Abend,

ich habe wie schon beschrieben im Beitrag Asperger/Beruf/Ausbildung ziemliche Probleme gehabt, und bin jetzt alles durch. Vom Eignungstest bis zur Unterstützten Beschäftigung. Im Grunde genommen bringt alles nichts. Die Maßnahmen gehen immer an Autisten vorbei, dort werden andere Defizite als die unserer Kinder gefördert. Eine Ausbildung der Sozialarbeiter erfolgt nicht, auch anlernen kann man den Leuten das nicht, oder sie möchten das auch nicht. Die Träger schicken sie auch nicht zu solchen Weiterbildungen, kostet ja Geld. Wir sind jetzt alles durch, und mein Sohn hat keinerlei Möglichkeiten mehr ausser Werkstatt. Mag sein das er die ganze Sache auch nie wirklich durchblickt hat, dennoch denke ich, das ist nicht das richigte für ihn. Einziger Vorteil ist, er ist abgesichert, denn auch ich werde nicht ewig leben und für ihn kämpfen können. Nach 20 Jahren bekommt er so wenigstens die volle Rente.

Aufgrund der wenigen Möglichkeiten habe ich mich dazu entschlossen mich an den Petionsausschuss zu wenden, denn wie der Name meines heutigen Beitrags schon aussagt, man darf nicht alles machen als Mensch der ein Handicap hat. Egal was man für einen Schulabschluss hat, die Agentur für Arbeit und der Staat schicken einen am liebsten gleich zu einer Werkstatt. Die gesamten Maßnahmen, welche man auch nur unter Druck erhält verlaufen im Sande, denn sie arbeiten nicht an den Defiziten unserer Kinder. Kompetente Maßnahmeträger sind nur für Förderschüler zu erhalten, für Kinder die normal auf eine Schule gingen, einen Abchluss gemacht haben, gibt es das nicht. Es ist eher so, entweder schaffen sie das selber, oder nix passiert mehr.

Ich möchte Euch bitten, wenn Ihr auch in einer solchen Situation seid, also so ein Aspie Kind habt, das nicht superintelligent, aber auch nicht dumm zu nennen ist, mich dabei zu unterstützen.

Erz. mir eure Erfahrungen, ich möchte ein Schreiben verfassen. Denn meiner Meinung nach läuft in unserem Land einiges schief in der Beziehung. All das möchte ich sammeln, und beim Petionsausschuss einreichen.

grüsse

TinuvielXY
LG Karin

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ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 26.01.2012, 10:40

Hallo Karin,

danke für den Hinweis.

LG Sabine

Ronja123
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Beitragvon Ronja123 » 24.03.2012, 19:44

Hallo zusammen,
ich bn ganz neu hier in diesem Forum. Meine Tochter ist 12 und hat das Down Syndrom und sie gehört auch zu den nicht Superintelligenten aber auch nicht zu den Dummen. Sie geht in eine GB Förderschule, diese Schule war nicht meine Wahl, bei ihrer Einschulung gab es bei uns nicht einen einzigen integrativen Schulplatz für sie, außer in der Privatschule und da haben wir leider keinen Platz bekommen. Sie fühlte sich in der Schule überhaupt nicht wohl, machte nur Rückschritte, begann einzunässen und mir morgens vor die Füße zu würgen, sie ist sehr sensibel und hat Angst vor verhaltensauffälligen und aggressiven Kindern.
Ich gehöre heute einer Elterninitiative für inklusive Bildung an. Wir gehören zur "LAG Gemeinsam leben, gemeinsam lernen" Hessen. Jetzt beginne ich nach Alternativen zur WfbM zu suchen, die Schule konnte ich nicht verhndern, aber ich werde alles dafür tun, ihr die WfbM zu ersparen, sie wäre dann im gleichen Umfeld, in dem sie sich heute nicht wohl fühlt. Normalerweise würde es für sie mit der WfbM weitergehen :evil:
Die LAG blickt schon auf 10-jährige Erfahrungen mit sogenannten Integrationsfirmen zurück, rechtlich ist das jetzt mit dem persönlichen Budget abgesichert. Ich denke auch, dass viele Firmen, die heute Außenarbeitsplätze für die WfbM anbieten, interessiert sind, die AN direkt anzustellen. Anstatt, dass das Geld in die WfbM fließt, steht es dem Betroffenen direkt zu und er kann sich dafür Assistenz für die unterstützte Beschäftigung einholen. Es gilt jetzt im Sinne der UN Behindertenrechtskonvention darum, mehr Arbeitsplätze auf dem 1. Arbeitsmarkt zu schaffen um die Teilhabe zu ermöglichen.
Die WfbMs sind heute zu Produktionsstätten mutiert mit einer mächtigen Monopolstellung, daher befürworten sie auch das P. Budget nicht wirklich, würde es schließlich bedeuten, dass sie ihre "besten" Arbeitnehmer verlieren. Ihrem Auftrag zur Vermittlung in den 1. Arbeitsmarkt kommen sie derzeit mit einer Quote von sage und schreibe 1,1 % nach.
Das Persönliche Budget wird künftig in direkter Konkurrenz zur WfbM stehen. Die Kinder, die heute inklusiv beschult werden, wollen anschließend nicht in eine WfbM. Eine Petition die heute schon die Schaffung von Arbeitsplätzen fordert, würd ich gerne unterstützen.

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 24.03.2012, 20:01

Hallo Ronja,

bist du sicher, dass nur 1,1% Menschen vermittelt werden?
Ich kenne bundesweit wirklich etliche Werkstätten und Projekte, die mit dem 1. Arbeitsmarkt kooperieren und ihre Angestellten dann in die "richtige" Arbeitswelt"entlassen".
Es gibt mittlerweile auch Hotels und Servicebereiche, die extra Plätze für behinderte Menschen zur Verfügung stellen.

Ich bin übrigens froh über diese Werkstätten. Mein Sohn hätte auf dem 1. Arbeitsmarkt keine Chance. Er wäre komplett überfordert.
Unsere kompetente Werkstatt war unser Rettungsanker. Sie bietet abwechslungsreiche und anspruchsvolle Arbeiten an......NIX mit Schrauben montieren und Hölzchen schleifen.

Was meinst du eigentlich mit dumm?
Im Integrations- bzw. Inklusionsbreich finde ich es taktlos von dummen (geistig behinderten) Menschen zu sprechen.
Ich stoße mich an diesem Ausdruck......vor allem, wenn man damit geistig behinderte Menschen meint.

Du bist für Integration, schließt mit deinem Beitrag aber irgendwie verhaltenauffällige Menschen aus. Dein Beitrag klingt für mich in dieser Hinsicht abfällig.
Die Werkstätten werden NICHT von aggressiven und verhaltensauffälligen Menschen belagert.
Was geistern dir da nur für Bilder im Kopf herum?????

LG

Ronja123
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Beitragvon Ronja123 » 24.03.2012, 20:59

@Miriana1:
es sind die aktuellen Zahlen, die ich für 2009 ermitteln konnte! In der Zahl nicht enthalten sind die Außenarbeitsplätze, da sind die AN ja direkt der WfbM unterstellt. Ich wollte auch nicht sagen, dass alle WfbM schlecht sind, aber die wirkluch engagierten "guten" sind nicht die Norm. Auch wenn ihre Hochglanzprospekte anderes versprechen.
Für alle, die im 1. Arbeitsmarkt nicht bestehen können, sollen die WfbM ja auch erhalten bleiben, sie dürfen aber keine Blockade sein für die, die bestehen könnten. Ein sehr großes Problem dabei ist auch: wer einmal auf dem 1. Arbeitsmarkt bestanden hat, dem bleibt die Rückkehr in die WfbM verwehrt, der hat seinen Werkstattstatus verloren. Für den gibt es dann nur noch ALG2 und danach HartzIV, von Förderung ist dieser Mensch dann für immer und ewig ausgeschlossen. Das gilt es ebenfalls zu ändern.
Sorry, der Begriff "dumm" ist jetzt anders angekommen, hier habe ich mich auf den vorletzten Absatz des vorherigen Beitrags von Karin2 bezogen!
Ich schließe keine verhaltensauffälligen Menschen aus, das ist eine Unterstellung. Aber wie soll ich meinem selbst behindertem Kind, dass vor diesen Menschen panische Angst hat, die Angst nehmen? Ich fordere keinen Ausschluss von Gruppen sondern ein gesundes Miteinander von nicht Behinderten und leicht - mittel- und Schwerbehinderten.
Ja, was geistern mir für Bilder im Kopf rum: ich sehe unsere Förderschule, die Kinder werden nach Pflegeaufwand gruppiert, ob es nun passt oder nicht, auf Einzelne wird gar keine Rücksicht genommen, da werden gar Freunde getrennt. Die Schulleitung meint nur selbstverherrlichend "da muss das Kind durch". Der Unterricht in Kulturtechniken ist grottenschlecht. Ich wünsche mir einfach nur Besseres für die Zukunft meines Kindes

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 25.03.2012, 09:44

Hallo Ronja,

danke für deine Antwort.

Da habt ihr aber wahrlich eine schlechte Schule erwischt, aber glaube mir, nicht alle Schulen arbeiten so.

In der Schule meines Sohnes gab es dieses bunte Miteinander von leicht bis schwer gb und leicht bis schwer kb......bunt gemixt in einer Klasse.
Kinder, die so fit waren, die Kulturtechniken zu erlernen, wurden dreimal in der Woche in einer Kleingruppe klassenübergreifend unterrichtet.
Schwer verhaltensauffällige Kinder wurden innerhalb des Klassenverbandes 1:1 betreut.
Die fitteren Kinder haben sich mitunter auch an der Pflege der schwerstmehrfach behinderten Schüler beteiligt.......also gelebte Inklusion innerhalb der GB-Schule.
Es war nicht alles so rosig an der Schule meines Sohnes, aber eure Zustände gab es da mit Sicherheit nicht und ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Zustände in Deutschland durchgehend anzutreffen sind.

Ich wusste gar nicht, dass man den Werkstattstatus verlieren kann :shock:
Hast du passende Links zu diesem Thema? Das würde mich sehr interessieren.
Ja, wenn das so stimmt, wäre dringender Handlungsbedarf nötig.

LG

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Beitragvon Ronja123 » 25.03.2012, 11:36

Hallo Mirianna1,
ich hatte auch schon eine übergreifende Lerngruppe vorgeschlagen, bin aber nur auf taube Ohren gestossen, jetzt haben wir aber einen aktiven Schulelternbeirat und die fanden die Idee gut, vielleicht erreiche ich ja noch was. Die liebste Freundin meiner Tochter in der Klasse ist auch ein mehrfachschwerstbehindertes Mädchen, sie legt sich mit ihr hin, streichelt sie und schiebt immer ihre Rolli :D
Das mit dem Werkstattstatus ist leider so. Die Kinder in den Privatschulen verzichten teilweise bewusst auf einen qualifizierten Schulabschluss um damit nicht den Werkstattstatus zu verlieren und sie keine Chancen auf dem 1. Arbeitsmarkt sehen. Das ist ja auch das Todschlagargument der WfbM, dass sie sagen, wer in den 1. Arbeitsmarkt geht, verliert seinen Werkstattstatus und somit auch die soziale Absicherung. Google mal unter "Verlust Werkstattstatus" da gibt es aktuell viele Dokumente, wo es darum geht, wie das Persönliche Budget verwendet werden kann, ohne dass gleich ein Verlust des Werkstattstatus damit verbunden ist.
VG

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Beitragvon Michaela W. » 25.03.2012, 16:24

Hallo Ronja,
Erstmal willkommen im Forum. :D

Wenn sich die Schulzeit dem Ende zuneigt, geht der Schüler zur Rehaberufsberatung der zuständigen Arge. Und dort wird dann gemeinsam entschieden, wie es in den kommenden Jahren weitergeht. Oft werden auch noch ärztliche und psychologische Gutachten erstellt. So war es jedenfalls bei meinem Sohn.

Kevin ist derzeit im Berufsbildungsbereich einer WfbM. Diese Maßnahme wird im Rahmen der "Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben" finanziert. Es geht noch bis zum September 2013.
Kevin ist in der Verwaltung tätig und es macht ihm Spaß. In der Verwaltung sind nur Körperbehinderte, einige haben zusätzlich noch eine leichte Lernbehinderung.
Tja, doch was kommt danch?! Es wäre super, wenn er dann fit für den allgemeinen Arbeitsmarkt wäre. Aber was ist, wenn er dann keinen Arbeitgeber findet, der ihm eine Chance gibt? Kevin meinte bereits zu mir, bevor er den ganzen Tag zu Hause sitzt und Däumchen dreht, dann würde er lieber in der Werkstatt bleiben. (im Arbeitsbereich)
Arbeitsfähig zu sein, bedeutet ja leider nicht, dass man auch auf jeden Fall einen Job bekommt. :(
Na ja, zum Glück sind noch 1,5 Jahre Zeit.

LG von Michaela
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Beitragvon ehemalige Userin » 25.03.2012, 17:02

Hallo Michaela,

Auch behinderte Menschen mit qualifizierten Schulabschluss können in eine WfbM. Wenn sich die Schulzeit dem Ende zuneigt, geht der Schüler zur Rehaberufsberatung der zuständigen Arge. Und dort wird dann gemeinsam entschieden, wie es in den kommenden Jahren weitergeht.. Oft werden auch noch ärztliche und psychologische Gutachten erstellt


In der Phase befinden wir uns zur Zeit. Die Rehaberatung hat meinen Sohn zum psychologischen Gutachten angemeldet und je nach dem wie dieses ausfällt wird entschieden, ob eine Ausbildung z.B. im BBW möglich ist oder er in die WfbM geht. Mir wurde knallhart gesagt, dass dieses Gutachten über seine Zukunft bestimmt, da war leider nichts von gemeinsamer Entscheidung.

Ich werde dieses Gutachten wohl erstmal ablehnen, denn mein Sohn ist erst das letzte Schuljahr aufgeblüht, dank der Schulbegleitung und endgültiger Diagnose. Bin der Meinung, dass er zum heutigen Zeitpunkt den psychologischen Test nicht packt, aber sicherlich zum späteren Zeitpunkt, wenn die Entwicklung so weiter geht. Zu dieser Überlegung kam ich, da die Rehaberatung meinte, es gibt nur einen psych.Test, Wiederholung ausgeschlossen. Weiss nun auch noch nicht, ob das so stimmt.

Liebe Grüße Sabine

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Michaela W.
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Beitragvon Michaela W. » 25.03.2012, 17:19

Hallo Sabine,

da scheint Ihr ja eine nicht so nette Rehaberatung zu haben. Ich war bei den Gesprächen auch dabei und muß sagen, dass Kevin eine nette Rehaberaterin hat. Sie hat auch mehrmals gesagt, dass dieses Gutachten der IST Zustand ist. Und dass sich der Zustand später ja auch ändern kann.

LG von Michaela
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