WG mit Betreuung über Nacht - ist das möglich?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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gelöschter User

WG mit Betreuung über Nacht - ist das möglich?

Beitragvon gelöschter User » 12.11.2011, 10:59

Hallo,

mein Sohn denkt zwar noch nicht ans Ausziehen, aber es schadet ja nicht, sich schon kundig zu machen.

Für die Zukunft stellen wir uns eine betreute WG vor, in der Selbstbestimmung an erster Stelle steht.
Einerseits ist er recht selbstständig, andererseits braucht er viel Hilfestellungen.
So würde er morgens niemals pünktlich aufstehen und zur Werkstatt gehen. Abends würde er nicht von alleine den Weg ins Bett finden, um morgens pünktlich ausgeruht und ausgeschlafen zu sein.
Wenn er in der Nacht aufwachen würde und kein Betreuer anwesend wäre, würde er diese Tatsache voll ausnutzen, sich vor den Fernseher setzen und es sich gemütlich machen.
Da braucht er zuverlässige Hilfestellungen.
Außerdem hat er eine Epilepsie, die zwar gut eingestellt ist, aber man weiß ja nie.

Normalerweise sind in einer betreuten WG die Betreuer ab nachmittags bis ca. 20.00 Uhr anwesend.
Das wäre für unseren Sohn aber aus den oben genannten Gründen nicht ausreichend.
Nun bekam ich die Aussage, dass KEIN Kostenträger eine betreute WG mit Betreuung über Nacht finanziert.......zu teuer.
Das gäbe es nur in einer vollstationären Wohnheimunterbringung.
Eine Wohnheimunterbringung kommt für unseren Sohn auf gar KEINEN Fall in Frage.

Werden tatsächlich WGs mit Betreuung über Nacht nicht finanziert?
Ist man hier schon wieder bei der Lebensplanung und Selbstbestimmung auf die Kostenträger angewiesen?

Ich kann ja verstehen, dass unser favorisiertes Modell kostenintensiver ist, aber damit will ich mich einfach nicht abfinden.
Es muss doch eine (finanzielle) Möglichkeit geben.

LG

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Beitragvon Vivien und Jette » 12.11.2011, 11:30

Hallo,

Mein Mann arbeitet als Dauernachtwache in einer WG. Er betreut dort zwar schwer kranke Patienten, aber ich glaube das das Modell WG im Moment sehr am Aufbau ist.
LG Vivien

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Beitragvon Susannwe » 12.11.2011, 11:46

Hallo Mirianna,

ich glaube eher, dass dies umgekehrt ist. Früher gab es noch mehr WG mit Nachtbetreuung, jedoch geht die Ambulantisierung immer weiter in die Richtung, dass behinderte Menschen soweit es geht nur noch mit Unterstützung in den WGs wohnen, da fällt die nachtbetreuung nicht drunter.
Es war damals schon schwer, für Sina, die ja in der Nacht genauso lebt wie am Tage, eine WG zu finden, die nicht nur Nachtbereitschaft, sondern wirklich Nachtdienst hatte.
Für Deinen Sohn würde ja auch die Nachtbereitschaft ja reichen, wenn er nicht jede Nacht wach ist?

LG
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Susann 51 , T. 28 J.; Sina 27 J. tuberöse Sklerose, autoaggressiv, autistische Züge, schwermehrfachbehindert; L. 16 J.: Frühchen 31 W 1T, Herzklappenfehler(erledigt)

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 12.11.2011, 11:58

Hallo Susanne,

für meinen Sohn wäre eine Nachtbereitschaft völlig ausreichend. Ohne würde es aber niemals gehen.
Er ist in der Nacht nicht wach, aber wenn er alleine wäre, würde er diesen Umstand halt komplett ausnutzen.

Nach meinen Informationen wird aber auch keine Nachtbereitschaft finanziert. Ausnahmen: sehr schwerstbehinderte Menschen, die eine vollstationäre Unterbringung benötigen.

Hmmmm....wie immer.....wir sitzen zwischen den Stühlen und passen nirgendwo hin......wir fallen durch jedes Raster.

LG

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Beitragvon Susannwe » 12.11.2011, 12:07

Hallo,
als hier gibt es nette Häuser, die selbstständige WGs auf den Etagen haben. Einige mit sehr fitten Menschen, andere Gruppen mit schwerstmehrfachbehinderten Menschen.
Die teilen sich dann eine Nachtbereitschaft.
Mir war das mit Sina zu gefährlich, wenn die Betreuuer nachts dann auf verschiedenen Etagen sind und nicht sofort reagieren könnten, andererseits wird es später eh keine bessere Betreuung für sie mehr geben... deshalb habe ich sie ja auch imemr noch Zuhause.

Ich kann mir schon vorstellen, dass Dein Sohn dann in eine Wohngruppe gehen müsste, in der auch schwerstbehinderte Menschen leben. Solche gemischten Gruppen sind auch nicht selten, da es praktisch ist, wenn einige von den Bewohnern selbstständig sind und weder vollständig gepflegt, noch geschoben werden müssen bei Aktivitäten.


Was ist denn der Unterschied zwischen Wohngruppen und Heimunterbringung?
Heime gibt es für erwachsene behinderte Menschen doch gar nicht mehr. Eine Wohngruppe ist doch im Grunde auch vollstationär?

LG
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Beitragvon Inge » 12.11.2011, 12:26

Hallo zusammen,

in den so genannten "Wohnpflegeheimen" für schwerstbehinderte Menschen gibt es Nachtwachen, die nicht schlafen dürfen, sondern komplett Dienst (Arbeitszeit) haben.
Wenn man allerdings bedenkt, dass diese meistens auf mehreren Stockwerken für 24 oder mehr Menschen zuständig sind, relativiert sich die "Sicherheit" ganz schnell.
Ich möchte für Annika lieber eine kleine heterogene WG mit 4-6 Bewohnern und einer Nachtbereitschaft. Eine Nachtbereitschaft darf schlafen, diese Zeit wird zum Teil auf die Arbeitszeit angerechnet. Sobald sie nachts tätig wird, zählt das als volle Arbeitszeit.
Solche WGs gibt es bereits - siehe Alternative Wohnformen
Wenn man selbst etwas in Bewegung setzen will, kann man schauen, ob es in der Region bereits solche Angebote gibt. Ansonsten muss man selbst tätig werden. Ich fange gerade an :?

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

'Sommerkind' von Wortfront


Viele Grüße
Inge

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Beitragvon Susannwe » 12.11.2011, 12:30

Aber Sina war auch in einer WG mit Nachtwache....ich kenne solche Heime nur von früher!
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gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 12.11.2011, 12:38

Hallo,

@Susanne.....hier gibt es eben KEIN gemischtes Wohnen. Es dürfen in einer WG keine Klienten mit unterschiedlichen Bedarfen leben......also keine Mischung von ambulant und stationär.
Eine betreute WG OHNE Nachtbereitschaft gilt als ambulant und eine Einrichtung mit Nachtbereitschaft gilt als stationär und es gibt nur ein entweder/ oder.
Eine WG ist hier nach meinen Informationen immer ambulant. ES gibt keine stationäre Einrichtung, die sich WG nennt. Das sind hier nur die Wohnheime.

@Inge.....wir würden auch gerne selbst tätig werden, aber leider wurde mir von allen Seiten hier der Wind aus den Segeln genommen, da eben eine Nachtbereitschaft in einer WG aus Kostengründen NICHT finanziert werden würde.
Ich habe nun auch mit mehreren engagierten Trägern gesprochen......alle geben mir dieselbe Auskunft :?
Und wir leben hier nicht auf dem Dorf, sondern in einer Großstadt.
Unser Modell gibt es einfach nicht.

LG

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 12.11.2011, 12:45

Ach Susanne,

es gibt für sehr schwerstbehinderte Menschen WGs und für therapieresistente Epileptiker, aber mein Sohn gehört nicht in diese Gruppen.

LG

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Beitragvon Susannwe » 12.11.2011, 12:49

Also Sina war hier http://www.pestalozzi-hamburg.de/diestel.html - lies mal unter Konzept. Dort waren auch Menschen mit nicht so schweren Behinderungen.
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