WG mit Betreuung über Nacht - ist das möglich?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 12.11.2011, 13:11

Hallo Susanne,

bin nur mal kurz drübergeflogen. Lese gleich noch gründlicher.
Ja, so in etwa stelle ich mir das vor, aber hier schließt ambulantes Wohnen eine Nachtbereitschaft aus. :?

Kann und darf das in Deutschland sooooo unterschiedlich geregelt sein????????

LG

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Inge
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Beitragvon Inge » 12.11.2011, 14:46

Hallo Mirianna,

wenn ich mich mit den vorhandenen Gegebenheiten zufrieden geben würde, dann hätte ich die "Wahl" zwischen einem Wohnheim mit 24 ausschließlich schwerstbehinderten Bewohnern, die keinen zweiten Lebensbereich (Förderstätte) besuchen dürfen und als "Alternative" das Warten auf die zweite 24-er Einrichtung mit ausschließlich schwerstbehinderten Bewohnern, die vielleicht für eine gewisse Zeit eine Förderstätte besuchen dürfen.
Diese Förderstätte wird in den nächsten Jahren jedoch auch durch Schulabgänger, die noch im Elternhaus leben, gefüllt, wodurch der Förderstättenbesuch von Heimbewohnern wieder sehr fraglich wird.

Falls Du im Hamburger Raum wohnst, dann frag doch mal bei LMBHH nach. Die haben viele Angebote fürs Wohnen. Schau Dir mal die einzelnen Links und Wohnangebote durch.

Und am nächsten Wochenende gibt es eine Veranstaltung Was kommt nach uns? Wie geht es ohne uns?

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

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Inge

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Beitragvon Inge » 12.11.2011, 14:49

Hallo Mirianna,
@Inge.....wir würden auch gerne selbst tätig werden, aber leider wurde mir von allen Seiten hier der Wind aus den Segeln genommen, da eben eine Nachtbereitschaft in einer WG aus Kostengründen NICHT finanziert werden würde.
wenn man eine WG plant, sollte man auch mit einer gerichtlichen Auseinandersetzung bezüglich der Finanzierung rechnen. Ich gehe hier bei uns auch davon aus. Das ist leider so :roll:

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Inge

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 12.11.2011, 15:49

Hallo Inge,

wir haben ja nun schon viel mit dem Rechtsanwalt durchgeboxt.
Ich habe echt keine Lust auf weitere Auseinandersetzungen :?
Aber klar, was sein muss, muss sein.

In diesem Land gibt es doch nun zig tausend behinderte Menschen plus Angehörige.
Sind denn unsere Gedankengänge zum Thema Wohnen wirklich noch sooo neu?????
Ich kann es kaum glauben, dass Angehörige sich anscheinend so selten für die optimale Wohnform, die auch die Selbsbestimmung mit beinhaltet, einsetzen.
Sonst wären doch schon flächendeckend solche Angebote auf dem Markt, oder?

Es sollte doch jeder Mensch selbst entscheiden können, wie und wo er wohnt......so wie jeder andere Mensch eben auch.
Ich hätte ja nun auch keine Ambitionen, mich freiwillig in ein Wohnheim zu begeben und mich dem dortigen Personal und Animationsprogramm zu unterwerfen (etwas übertrieben dargestellt).
Mich darf niemand zwingen, aber mein behinderter Sohn hat diese Auswahlmöglichkeit leider nicht......und nur, weil er behindert ist und dem Staat mit der" fixen" Idee der Selbstbestimmung zuviel Geld kostet :?

Wie es ausschaut, muss ich zu gegebener Zeit wohl wieder meine Hörner ausfahren :icon_rendeer:

LG

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Beitragvon AnjaH » 12.11.2011, 16:54

Hallo Mirianna,

Das ganz alleine ist vermutlich der ganze Knackpunkt in der Geschichte. Mir schwebt sowas wie du suchst für Felix auch vor. Inklusive Nachtdienst also jemand der wirklich parat steht wenn er wach wird. Nur das Geld ist wieder die Frage. Viele würden sowas sicher begrüßen nur den meisten fehlt eben das Geld das zu bezahlen und der Staat macht es nun mal nicht.

Müssen wir uns doch nur die Unterbringung der Alten anschauen.. :roll:
nd dem Staat mit der" fixen" Idee der Selbstbestimmung zuviel Geld kostet Confused
LG
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24.3.04 frühkindlicher Autismus mit v.a Intelligenzminderung ,bronchial Astma, Infekt Krämpfe,hypoton aber ein Sonnenschein
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Beitragvon Karenjappy » 13.11.2011, 21:19

Hallo Mirianna,

ich fürchte Du wirst nicht drum herum kommen, dich selber für die Belange Deines Sohnes stark zu machen. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass gerade die alteingesessenen Träger große Schwierigkeiten mit neuen Wohnformen haben. Die Denkstrukturen sind einfach noch nicht aufgebrochen. Dabei sind durch die Behindertenrechtskonvention eigentlich schon alle Wege für uns bereitet. Jetzt liegt es an den Eltern (die bekanntlich eh schon alle auf dem Zahnfleisch kriechen) ein selbstbestimmtes Leben für die Kinder einzufordern. Es darf einfach nicht mehr danach gehen, welche Möglichkeiten gibt es für unsere Kindern sondern es muss danach gehen, was benötigen unsere Kinder. Ein langer und schwerer Weg, aber es wird sich lohnen, da bin ich mir ganz sicher.
Vielleicht findet sich ja doch noch ein Träger, der an ein selbstbestimmtes Wohnen glaubt und mit Euch diesen Weg gehen mag. Ich drücke Euch ganz feste die Daumen!
Karen (*67) mit Johanna (*93), Anton (*94, 1p36 Deletion (www.anton-1p36.jimdo.com), schwerstmehrfachbehindert, Seh- und Hörbehinderung, operierte Skoliose, keine Sprache, 01/2010 bis 02/2011 Wohnheim, jetzt zu Hause) und Paulina (*98)

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Beitragvon Annette Schmidt » 13.11.2011, 21:36

Hallo Mirianna!
Nun bekam ich die Aussage, dass KEIN Kostenträger eine betreute WG mit Betreuung über Nacht finanziert.......zu teuer.
Das gäbe es nur in einer vollstationären Wohnheimunterbringung.
Eine Wohnheimunterbringung kommt für unseren Sohn auf gar KEINEN Fall in Frage.
Mein Sohn lebt in vollstationärer Betreuung, wo rund um die Uhr jemand da ist (nachts ist immer einer der BetreuerInnen als Nachtwache da), aber das ist trotzdem kein Wohnheim in dem Sinn, wie man es sich üblicherweise vorstellt.

Die WG ist in einer großen Stadtvilla untergebracht und es gibt nur diese eine Gruppe dort, aufgeteilt auf eine Etage mit 5 und eine mit 3 Bewohner/innen .

http://www.mansfeld-loebbecke.de/stando ... chweig.htm

Es ist teuer, derzeit monatlich 6742 €, aber unser Jugendamt zahlt das. Und der Erfolg spricht für sich.

Die Stiftung hat noch mehr solcher Objekte, wo jeweils eine Gruppe ein eigenes Haus hat. Der Sohn von Heike Neumann z.B. lebt in einer WG für Autisten der gleichen Stiftung, die ein großes Einfamilienhaus mit Garten bewohnt. Auch die anderen Wohngruppen haben mit einem Heim im eigentliche Sinn nicht viel gemeinsam.

http://www.mansfeld-loebbecke.de/index-start.html

Liebe Grüße

Annette
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom

Bitte keine PN-Anfragen, danke.

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Beitragvon anjajura » 13.11.2011, 21:43

Hallo

Bei uns gibt es über die Lebenshilfe organisiert, gemischte WGs. D.h Studis und Menschen mit Behinderung leben zusammen und die Studis haben gegen einen tüchtigen Mietnachlass, zu bestimmte Zeiten aber Anwesenheitspflicht.
Außerdem gebt es dann zu den "Stoßzeiten".noch stundenweise professionelle Betreuung.

Scheint recht gut zu funktionieren, aber wir wohnen hier auch in einer Studentenhochburg und Zimmer sind knapp und teuer.
Ich habe schon den Eindruck, dass die Studis relativ oft wechseln.


VG

Anja
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Beitragvon MartinaSoPäd » 13.11.2011, 22:01

Huhu!

Was ist denn mit 24 Stunden Assistenz?

Ich arbeite zur Zeit bei einem Schwerst mehrfachbehinderten jungen Mann, wo wir Nachtdienst haben. Wir können schlafen, im gleichen Zimmer, solang der junge Mann friedlich und gleichmäßig atmet und schläft. Beim kleinsten Mucks stehen wir parat. Bezahlt wird da jede Stunde ganz normal, wie Tagdienst. Manchmal ist man auch soviel wach wie im Tagdienst ;-)

Eine andere Klientin hat auch 24 Stunden Assistenz bekommen (geistig fit), wegen der Pflege nachts (umlagern und Inkontinenzversorgung).

Beide wohnten dabei bei den Eltern im Haus.

Das MUSS doch auch irgendwie gehen, wenn die ausziehen! Meine eine Klientin, geistig fit, hat auch ne bewilligte 24 Stunden Assistenz, die wohnt komplett allein (Abdeckung der Dienste ist ein anderes Thema..). Aber wieso geht das nicht in ner WG? Wenns allein-wohnend geht UND bei den Eltern wohnend geht?

Such doch mal in Richtung Wohnassistenz. Wir zwar meistens bei geistig fitten Menschen gemacht, aber geht ja ganz offensichtlich auch bei geistig schwerstbehinderten.

Gruß

Martina
Martina (*81)
Zur Zeit in Elternzeit
Selber Reizdarm, V.a. Asperger
Tochter R. (*05.15) (Medulloblastom 5.19 entfernt, Bestrahlung ab 6.19)
Sohn C. (*29.8.18)

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Beitragvon anjajura » 13.11.2011, 22:20

Hallo Martina,

wirst du übers persönliche Buget bezahlt/finanziert?

VG


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