Zeitungsartikel: Wegen Schlägen kein Heimplatz

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

Moderator: Moderatorengruppe

anjajura
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1491
Registriert: 22.09.2007, 20:26

Zeitungsartikel: Wegen Schlägen kein Heimplatz

Beitragvon anjajura » 10.11.2011, 18:50

HALLO;
Habe ich eben gelesen und hoffe für uns alle, dass es mit unseren Kindern nicht so auf uns zukommt.....

http://www.badische-zeitung.de/rheinfel ... igen-haben


VG

Anja
Sohn*92 keine Genese, zwischen Gb u. L., ADHS- Symptome, autistische Züge.

Werbung
 
BettinaDA
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 829
Registriert: 18.02.2011, 16:19

Beitragvon BettinaDA » 15.11.2011, 20:08

Dies ist mit Sicherheit kein Einzelfall, es spricht nur kaum einer darüber. Wer mag, liest sich mal durch meine letzten Beiträge, beispielsweise diesen :cry:

Bei uns ist es zwar nicht ganz so extrem wie in Deinem Beispiel, denn mein Sohn ist durchaus mit Worten zu beruhigen. Nur müssen es eben die richtigen Worte sein und nicht irgendwelche Vorwürfe oder gar Schimpftiraden. Ich bin schon seit knapp einem Jahr am Kämpfen, daß man meinen Sohn nicht in die Psychiatrie einweist, denn genau das hätte das Wohnheim gerne incl. der medikamentösen Therapie.

Dein Artikel, liebe Anja, hat mir soeben die Bestätigung gegeben, daß ich bisher aus gutem Grund gekämpft habe. Mein Sohn ist übrigens seit heute wieder zu Hause und wenn sich der zuständige Kostenträger nicht schnellstmöglich etwas einfallen läßt, also beispielsweise eine neue Wohnform, der dann wird mein Sohn dorthin niemals mehr zurückkehren.

Und möglicherweise gibt es dann sogar einen zweiten Artikel ähnlicher Art, nur eben in unserer örtlichen Zeitung. :twisted:

Viele Grüße
Bettina
Sohn 8/90 atpischer Autismus, Hypogonadismus.

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 16.11.2011, 15:25

hallo

in einem wohnheim wo ich gearbeitet habe gab es auch so einen fall,jetzt ist der junge mann in einem wohnheim wo nur männer arbeiten!!!

lg

Gixi
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 454
Registriert: 18.08.2007, 09:01
Wohnort: Bebra

Beitragvon Gixi » 16.11.2011, 16:25

hallo anja,

ich denke bettina hat recht. dies wird defintiv kein einzelfall sein.

ich arbeite in einem seniorenzentrum und dort ist es sehr oft der fall, dass alte menschen, die herausfordernde verhaltensweisen zeigen, nach kurzer zeit sofort einem psychiater vorgestellt werden oder bei besonders grassen fällen eine einweisung in eine psychiatrie veranlasst wird.

meist ist es so, dass wir die personen dann völlig "zugedröhnt" wieder bekommen. sie sind dann zwar ruhiger und zugänglicher, aber leider auch von ihrer persönlichkeit her total verändert. sie sind schläfrig und dann leider infolge der überdosierten medis hochgradig sturzgefährdet.

gerade diesen sommer habe ich miterlebt, dass eine neue bewohnerin, die sehr umtriebig und verhaltensauffällig war, plötzlich durch die medikamente nicht mehr laufen konnte und nun meist im bett liegt oder im pflegerollstuhl sitzt. ich finde es sehr grausam, denn das einzige was in unserer psychiatrie gemacht wird ist, dass man die leute absolut abschiesst.

ich habe grosse angst davor, dass es unserem sohn mal genauso geht, wenn er nicht mehr hier zuhause wohnt. entweder man hat glück und man bekommt einen platz in einem heim, wo man mit diesen verhaltensweisen umgehen kann oder die heimbewohner werden dauergäste in diversen psychiatrien - schreckliche - vorstellung. aber leider erlebe ich es tagtäglich.

lg
gixi

Anton_D
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 17
Registriert: 04.11.2011, 13:32

Beitragvon Anton_D » 16.11.2011, 17:13

Ja, das ist immer ein zweischneidiges Schwert - man kann einerseits die Betroffenen verstehen, dass sie zu Gewalt neigende Personen nicht im Heim haben wollen. Andererseits können diese nichts dafür und wollen auch untergebracht werden.

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 16.11.2011, 18:46

Hallo,

ich denke, dass das pädagogische Personal oftmals in vielen Bereichen einfach nicht genügend ausgebildet wurde, um mit herausfordernden und aggressiven Verhaltensweisen umzugehen.
Ich glaube ganz fest daran, dass mit entsprechend ausgebildetem Personal, welches auch ausreichend zur Verfügung gestellt werden muss, viel "Schadensbegrenzung" erreicht werden kann.
Gut ausgebildetes Personal ist teuer und arbeitet nicht für ein Appel und ein Ei.
Oft kann schon mit Deeskalationsstrategien viel erreicht werden, aber scheinbar gibt es viel zu wenig Personal, welches Deeskalationsstrategien beherrscht - sei es im Kindergarten, Schule, Werkstatt oder eben in Wohn- und Altenheimen.

Natürlich ist der Zeitfaktor auch wichtig, denn wer einfach mal eben so abgefertigt wird, reagiert wahrscheinlich auch eher mit Agressionen.
Wenn man keine Zeit hat, angemessen auf die Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Bewohner einzugehen, muss man sich nicht wundern, dass sich Verhaltensauffälligkeiten und Aggressionen potenzieren können.

Die Psychiatrie ist für das Personal die einfachste Alternative. Sie ist wahrscheinlich auch für die Träger die kostengünstigste Variante, da an Personal gespart werden kann, wenn die Klienten zugedröhnt werden, sodass sie möglichst angepasst, ruhig, und in "Scheißegal-Stimmung" in die Abläufe des Personals gepresst werden können.

Ja, ich verstehe auch das Personal, das sich natürlich schützen will, aber viele Angestellte tolerieren ihre Arbeitsbedingungen stillschweigend, anstatt den Mund weit aufzureißen.

Leute, mir wird echt schwindelig, wenn ich solche Berichte lese.
Und ja......dieses Thema ist ein großes Tabu.

LG

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 16.11.2011, 21:08

ich weiß aus eigener erfahrung das es auch viel mit unerfahrenheit zu tun hat bzw wissenslücken was darf und was nicht!!!!

lg

B.Elisabeth
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 895
Registriert: 31.10.2004, 16:09

Beitragvon B.Elisabeth » 17.11.2011, 08:48

Hallo zusammen,
gerade gestern habe ich im Kino den Film :
http://www.critic.de/film/ihr-name-ist-sabine-1491/
gesehen und meine Angst vor der Zukunft meines Sohnes ist gewachsen(wenn das überhaupt möglich war)..................

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 18.11.2011, 12:40

Hallo,

ich arbeite bei meinem Sohn auf ein selbstbestimmtes Leben hin, doch das klappt auf keinen Fall bei den schwer mehrfach behinderten Jugendlichen.

Manchmal denke ich, es klappt dann nur, wenn die Eltern sich zusammen tun und das etwas in privater Regie erfolgt, nur wie soll das allein durch pers. Budget und den möglichen Beiträgen, die man selber leisten kann erfolgen?

Ich habe beim besten Willen keine Ahnung, wie es sich zukünftig entwickelt, greift dann irgendwann die Inklusion auch in diesen Bereichen?

Kein Mensch darf wegen seiner Behinderung abgelehnt werden? Würde es bedeuten, dass es demnächst vielleicht Stellen gibt, die nicht nur pflegen, sondern auch weiterhin eine Förderung übernehmen, die lebensbegleitend sein muss?

Theoretisch müsste es eigentlich rein rechtlich so sein, oder?

LG Marion

Werbung
 
gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 19.11.2011, 21:54

Hallo,

ja Marion, theoretisch müsste es Assistenz-Stellen geben, die im Alltag nicht nur pflegen, sondern auch assistieren und Lebensbegleitung anbieten.

In diesem Bereich werden Menschen mit einer geistigen Behinderung wieder mal benachteiligt.
Körperbehinderten Menschen steht oftmals eine Assistenz zur Seite......auf Reisen, im Alltag und im Beruf.
Im GB- Bereich ist das schon schwieriger.

Ich wollte im letzten Sommer eine Reisebegleitung für meinen Sohn, damit auch er mal das Gefühl hat, auf Reisen selbstständig und ohne uns Eltern zu sein.
Er will aber absolut keine Gruppenreisen von der Lebenshilfe und co.
Nö, es gibt einfach keine Assistenz. Er könnte ja schließlich von der Verhinderungspflege an einer Gruppenreise teilnehmen. Nur dass ich die Verhinderungspflege über das Jahr verteilt dringend für die Betreuung meines Sohnes benötige, wenn ich arbeiten muss und er krank ist, oder wir als Familie am Wochenende mal durchschnaufen müssen.
Im KB- Bereich habe ich nun schon öfters gehört und gelesen, dass es Reiseassistenzen gibt.

Im Wohnbereich ist es ähnlich. Ein körperbehinderter Mensch erhält oftmals Assistenz, damit ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung möglich wird. Ein geistigbehinderter Mensch muss ins Wohnheim, wenn er nicht selbstständig genug ist und über Nacht alleine bleiben kann, um ins Betreute Wohnen zu gehen .......jedenfalls hier bei uns.
Wie war das?????? Kein Mensch darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden!?!?
Ist der körperbehinderte Mensch förderungswürdiger????

Ich krieg hier schon wieder Herzbumpern :twisted:

WO BITTE BLEIBT HIER DIE INKLUSION UND GLEICHBERECHTIGUNG :?: :?: :?: :?:


LG


Zurück zu „Erwachsen werden: Leben, Arbeit, Wohnen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste