Zeitungsartikel: Wegen Schlägen kein Heimplatz

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Beitragvon ehemalige Userin » 19.11.2011, 22:29

Hallo Mirianna,

es ist ja so, dass bei beruflicher Eingliederung nur dann eine Assistenz bezahlt wird, wenn ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Es ist sicher auch für Körperbehinderte sehr schwierig und hängt vom Einzelfall ab. Beim Wohnen ist es ebenso.
Ob hier eine echte Benachteiligung entsteht, kann ich nicht beurteilen. Aber es kommt auch bei KB auf den Einzelfall an . Und es gibt mit Sicherheit sehr viele Leute, denen dann nichts anderes bleibt, als zu Hause zu wohnen oder in eine Einrichtung zu gehen.
Ich weiss auch, dass Menschen mit leichten geistigen Behinderungen ambulant betreut wohnen. Manchmal sogar eher, als jemand der körperlich gar nichts oder kaum etwas machen kann.

Wer bekommt auf Reisen eine Assistenz bezahlt? Es ist doch eigentlich immer so, dass man die aus der Verhinderungspflege oder priv. bezahlen muss .

Zitat Mirianna:

Ist der körperbehinderte Mensch förderungswürdiger????

Persönlich denke ich , ist das nicht so, weil die Förderung vom Einzelfall abhängt.
Und irgendwo ist es auch sinnlos Förderung oder einzelne Hilfen aufzurechnen. Jeder braucht was anderes. Egal, ob nun GB oder KB. Und eine Einrichtung ist mit Sicherheit nun nicht die günstigere Variante. Von demher kann man die Förderung so oder so nicht vergleichen oder gegenüberstellen. Man kann sich aufregen, wenn das Wohnen wie man es hat einfach keine Lösung ist. Aber andere Betroffene können dafür nix.
Und manche Körperbehinderte wünschen sich auch was anderes als das Wohnen im Randbezirk, weil es das Günstigste ist.


Ansonsten gibt es die Möglichkeit, die Ausgaben für eine Begleitperson im Urlaub Z.T. beim Finanzamt geltend zu machen.

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Beitragvon anitaworks » 20.11.2011, 08:58

Hallo zusammen,

der Artikel ist gruselig.

Auch mir ist als erstes der Gedanke an

- Personalmangel
- Zeitmangel
- Geldmangel

durch den Kopf "geschossen".

Und zu diesen 3 Grundübeln kommt dann wahrscheinlich noch mangelnde fachliche Qualifikation dazu. Oder die entsprechende Reife der betreuenden Personen.

Wenn ich da an unsere Erfahrung mit der KJP denke, wird mir direkt wieder anders. Nur 3 von ca. 20 Betreuern waren über 30Jahre. Die restlichen wirkten wie 22- 25 Jahre. Da wurde auch immer direkt mit der Medikation "gewunken", weil sie

a) nicht mitbekamen, wenn sich Spannung aufbaute

und

b) nicht in der Lage waren, adäquat zu handeln.

Und hier sprechen wir von einem Altersspektrum von 6 - 18 Jahren.

nachdenkliche Grüße
Anita
*1996 Sohn F84.5G (2010) HB
*1998 Tochter F84.5G (2013), Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter F84.1G(2014), F90G (2011), HB, Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn F84.5G, F90G, F83, HB (2012)
Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!
#NoABA #FragtWarum

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Beitragvon ehemalige Userin » 20.11.2011, 10:34

Zitat aus dem Link:

Ein Problem besteht darin, dass ihn derzeit keines der auf den Umgang mit "geistig Behinderten mit Auffälligkeiten" spezialisierten Heime mehr aufnehmen will. Als zu unberechenbar und zu gefährlich werden seine seit der frühen Kindheit immer wieder beschriebenen Impulsdurchbrüche eingeschätzt. Der Schutz von Mitbewohnern und Personal geht den Einrichtungen vor.


Hallo,

ich finde es auch sehr schwierig.
Ich habe keine Ahnung, ob es möglich ist, hier wirkllich therapeuthisch so entgegenzuwirken, dass andere keiner Gefahr ausgesetzt sind, ist ein Argument.
Ich würde auch sagen zweischneidig.



Zitat:
Wenn ich da an unsere Erfahrung mit der KJP denke, wird mir direkt wieder anders. Nur 3 von ca. 20 Betreuern waren über 30Jahre. Die restlichen wirkten wie 22- 25 Jahre. Da wurde auch immer direkt mit der Medikation "gewunken",


Hallo Anita,

Pflegepersonal darf doch ohne ärztliche Verordnung / Zustimmung keine stärkeren Medikamente verabreichen oder?

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Beitragvon anitaworks » 20.11.2011, 10:56

Hallo Esthe,

aber pflegerisches Personal kann entsprechenden Einfluss auf die Ärzte nehmen. Leider!!

LG Anita
*1996 Sohn F84.5G (2010) HB

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*2007 Sohn F84.5G, F90G, F83, HB (2012)

Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!

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Beitragvon ehemalige Userin » 20.11.2011, 11:19

Hallo Anita,
ich kann nun nicht beurteilen, was in dieser KJP los war. Und bin auch nicht dafür, dass man unnötog Medikamente gibt.

Aber es ist sicher auch eine große Herausforderung für Pflegepersonal.

Grundsätzlich dürfen andere durch Wutausbrüche oder Aggressionen nicht gefährdet werden.

Die Diskussion über Medikamente hatten wir ja schon mal. M.E. wird viel zu oft zu Medikamenten gegriffen, ohne einen Therapieplan aufzustellen.
Bzw. werden erst mal Medikamente eingesetzt.

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Beitragvon BettinaDA » 22.11.2011, 17:01

anitaworks hat geschrieben:aber pflegerisches Personal kann entsprechenden Einfluss auf die Ärzte nehmen. Leider!!


Allerdings, und das nicht zu knapp, denn ich spreche aus eigener (und leidvoller) Erfahrung. Die hatten damals wohl fast eine Standleitung zum ärztlichen Dienst, nur mein eigener Eindruck, der zählte nicht :( Das Problem der Gruppendynamik ist aber auch nicht zu unterschätzen, denn in der häuslichen Umgebung verhalten sich viele Menschen wesentlich ausgeglichener als unter lauter fremden Menschen.

Aber um nochmals auf diesen armen jungen Menschen zurückzukommen.... ich bin sicher, sein Leben wäre ganz anders verlaufen, hätte man ihn rechtzeitig auf Autismus getestet. Wenn ich nur wüsste, wie man einen dieser Verantwortlichen erreichen kann......... Hat jemand von Euch eine Idee?

Viele Grüße
Bettina
Sohn 8/90 atpischer Autismus, Hypogonadismus.

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Beitragvon Gixi » 22.11.2011, 18:02

hallo bettina,

wir wissen heute schon, dass unser sohn (frühkindl. autist) nur in eine spezialeinrichtung untergebracht werden kann. alles andere wäre für alle beteiligten stress pur.

ständig würde das telefon klingeln und er wäre wahrscheinlich öfters in der psychiatrie als im heim. wir haben uns schon viele einrichtungen angesehen. eigentlich kommt bis jetzt nur eine in frage.

dort kostet der platz runde 9.000,00 euro. das muss man erstmal bei den ämtern durchkriegen. da wird doch erstmal versucht, die betroffenen in billigere einrichtungen unterzukriegen, so nach dem motto "vielleicht klappt es ja".

obwohl das personal dort wirklich top war und jeder bewohner eine 1 zu 1 betreuung hatte, kam mir auf der nachhausefahrt von dort der gedanke, wie unser sohn wohl die anderen stark betroffenen wahrnimmt. zuhause bei uns ist alles auf die bedürfnisse von moritz abgestimmt. relativ reizarm, damit meine ich vor allem die geräuschkulisse. da die anderen bewohner aber auch ihre defizite haben und z.t. unheimlich laut waren, kamen da bei mir zweifel, ob sich unser sohn dort überhaupt wohlfühlen könnte. er ist nämlich unheimlich geräuschempfindlich. doch ich denke, da müssen die betroffenen dann durch.

mein mann meinte letztens, so gut wie jetzt wird es unser sohn nie wieder haben und mich beschleicht immer mehr das gefühl, dass er verdammt nochmal recht damit hat.


lg
gixi

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BettinaDA
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Beitragvon BettinaDA » 03.12.2011, 14:14

Gixi hat geschrieben:mein mann meinte letztens, so gut wie jetzt wird es unser sohn nie wieder haben und mich beschleicht immer mehr das gefühl, dass er verdammt nochmal recht damit hat.


Hallo Gixi,
Deinen Beitrag habe ich eben erst gesehen, irgendwie zeigt mir die Technik in allen Rubriken die ungelesenen Beiträge an, nur in dieser nicht. :?

So wie Dein Mann es beschreibt, kommt es mir auch immer öfter vor. Aber andererseits...... man ist ja selbst auch noch ein Mensch mit Bedürfnissen. Mein Sohn ist der netteste und liebste junge Mann, den man sich vorstellen kann - nur wenn es nicht nach seinen Vorstellungen geht, dann erkennt man ihn kaum noch wieder. Hier hatte ich die Begebenheit mit dem Geburtstagskuchen aufgeführt, solche Problem könnte (bzw. kann) man zu Hause natürlich vortrefflich lösen. Aber in einer Wohngruppe mit 7 solcher Kandidaten? Was sollen die Betreuer denn tun, wenn den einen das Geräusch von der Spülmaschine, den zweiten die Farbe seines neuen Pullovers und den dritten der falsche Geburtstagskuchen seiner Mutter nahe an den emotionalen Zusammenbruch bringt?

Aber da müssen sie tatsächlich irgendwie durch, man kann sie ja nicht ewig zu Hause lassen........... :?

Viele Grüße
Bettina
Sohn 8/90 atpischer Autismus, Hypogonadismus.


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