Evtl. Schulwechsel, ich bin hin- und hergerissen - lang!

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Ulrike&Jan
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Evtl. Schulwechsel, ich bin hin- und hergerissen - lang!

Beitragvon Ulrike&Jan » 16.01.2006, 20:05

Heute hatte ich ein Gespräch mit Jans Lehrerin. Jan besucht eine kooperative Klasse d.h. er ist mit 5 weiteren Kindern in der C-Klasse, dazu gehören 22 Regelschulkinder der A-Klasse. Eigentlich war es so gedacht, dass Jan die kleine Klasse besucht und dort beschult wird. Einige Fächer, wie Musik, Sport werden grundsätzlich im großen Klassenverband, also mit 28 Kindern unterrichtet. Dabei sind dann immer die Grundschullehrerin und eine Erzieherin der Koop-Klasse sowie Jans offizielle Klassenlehrerin. Nun ist es aber so, dass Jan vom ersten Schultag an zu 90 % den Unterricht der Regelklasse besucht, immer in Begleitung seiner Lehrerin, gemeinsam mit noch zwei Kindern aus der Koop-Klasse. Nur zu den Pausen gehen sie dann rüber in den kleinen Klassenverband. Die anderen beiden Kinder sind lediglich körperbehindert, aber geistig vollkommen normal entwickelt. Bei Jan weiß man ja nun nicht genau was er hat. Sprachliche Probleme (er muss manchmal etwas länger überlegen um einen Satz zu bilden, Satzfehlbildung etc.), dann seine Unselbständigkeit (An- und Ausziehen, nach dem Stuhlgang braucht er Hilfe beim Abwischen) und seine sozialen Defizite (kann von sich nicht auf andere Kinder zugehen, spielt meist alleine) und noch so andere Kleinigkeiten.

Ausschlaggebend für diese Art der Beschulung waren u.a. die o.g. Dinge, aber auch zwei Intelligenztests mit dem Ergebnis Lernbehinderung. Nun ist er seit einem halben Jahr in der Schule, seine angebliche Lernbehinderung stellt sich im Moment so dar, dass er Klassenbester ist (22 Regelkinder plus 3 Koop-Kinder), er schreibt, er liest, er rechnet, seine Lehrerin hat große Mühe, ihn immer wieder mit neuem Stoff zu füttern, da er sich sonst langweilen würde. Hausaufgaben hat er noch nie bekommen. Auf meine Nachfrage sagte die Lehrerin nur, woher soll ich die noch nehmen, ich füttere ihn schon während des Unterrichts ununterbrochen mit Lernstoff. Sein Schriftbild ist zwar aufgrund seiner feinmotorischen Schwächen eine Katastrope, ansonsten ist er top im Unterricht und könnte ihrer Meinung nach eigentlich schon jetzt in die zweite Schulklasse bzw. in die Regelschule wechseln.

Nun das eigentliche Problem. Sie hat mich gebeten, einem erneuten Test zuzustimmen, da sie nicht möchte, dass er sich langweilt im Unterricht. Sie sieht aber durchaus die anderen Defizite und währe auch mit der Lösung auf eine Regelschule zu wechseln eigentlich eher unglücklich. Sollte der Test nämlich besser ausfallen, als die zwei davor, könnte es sein, dass die Schulleitung ihn in die Regelschule überwechseln läßt. Er hätte zwar weiterhin einen erhöhten Förderbedarf, aber die Stunden die für eine Schulbegleitung bewilligt werden sind ja eher gering.

Ich weiß jetzt wirklich nicht, was ich machen soll. Sicher möchte ich, dass er bestmögliche Chancen für seinen weiteren Lebensweg erhält. Ich habe der Lehrerin gesagt, dass ich einem Test zustimmen würde, wenn gewährleistet wäre, dass er wenigestens bis zum Ende der Grundschulzeit in diesem Klassenverband verbleiben kann. Denn dort hätte er die besten Chancen und dort fühlt er sich wohl.

Wer hat ähnliche Probleme oder hatte solche Probleme und kann mir davon berichten? Oder was würdet Ihr an meiner Stelle tun? Sicher muss man den Test erst einmal abwarten, aber ich wäre mit der Entscheidung eines Schulwechsels zum jetzigen Zeitpunkt mehr als unglücklich.
Liebe Grüße

Ulrike

mit Jan Philip (02/99), psychomotorische Entwicklungsstörung, auditive Wahrnehmungsstörung (GdB 80, G, B und H)

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Beitragvon Susann » 16.01.2006, 20:58

Wenn es zu verhindern ist, lass ihn auf der Schule wo er und auch du glücklich sind. Was soll eine Regelschule, die ihn nicht so annimmt wie er ist und was er auch braucht.

Wenn wie du schreibst auch die Lehrerin unglücklich ist mit der Lösung Regelschule, warum dann der Test. Könnt ihr doch am Ende der Grundschule immer noch nachziehen und dann überlegen wo er am besten aufgehoben ist.
So wie es sich anhört hat er ja Autismus mit recht hohem IQ, dann wird er auch nach der Grundschule noch seinen Weg finden. Überlegt es euch gut. :roll:
Die Ärzte gaben dir eine 70 % Quote einer Behinderung, die Sozialarbeiter meinten das auch. Du hast alle überzeugt und machst jeden Tag zum Geschenk. Unser Traum- Kind seit 2004 in unser Familie

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Beitragvon Ulrike&Jan » 16.01.2006, 21:21

Wenn das mal alles so einfach wäre. Nach den letzten zwei Tests hatte er einen IQ von 75, also kurz vorbeigeschrappt an geistiger Behinderung. Von daher wäre es natürlich schon interessant zu wissen, ob diese Tests ihm hätten erspart bleiben können. Ob er Autist ist, wissen wir nach wie vor nicht. Selbst das Autistenzentrum hier in Bremen war sich da nicht sicher. Er könnte eine leichte Form von Autismus haben, genauso aber ADS´ler sein, weil die Verhaltensmuster die er an den Tag legt, in beiden Krankheitsbildern identisch sind. An Autismus glaube ich persönlich eigentlich nicht mehr, allerdings auch nicht daran, dass er lernbehindert ist. Ich werde erst einmal abwarten, wenn ein positives Ergebnis eines Tests auch gleichzeitig die Umschulung auf die Regelschule bedeutet, dann verzichte ich wirklich drauf. Ich warte erst einmal ab, ich weiß nur, dass ich ihn nicht aus seinem gewohnten Umfeld reißen werde, dafür werde ich kämpfen.
Liebe Grüße



Ulrike



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Beitragvon Danie » 17.01.2006, 14:25

Hallo Ulrike :hand: ,

von einem solchen Fall wie Jan's habe ich noch nie gehört. Habe ich richtig verstanden, dass er lt. Testdiagnostik einen IQ im unteren LB-Bereich hat (75) und de facto Klassenbester im Gemeinsamen Unterricht ist (gemessen an Regelschulrichtlinien)?
Das hieße ja, dass er im IQ-Test weit unter seinen realen Fähigkeiten bleibt - aus welchen Gründen auch immer.

Nun ist es aber so, dass Jan vom ersten Schultag an zu 90 % den Unterricht der Regelklasse besucht, immer in Begleitung seiner Lehrerin, gemeinsam mit noch zwei Kindern aus der Koop-Klasse.


Wenn Jan bereits integrativ beschult wird, warum steht im Falle einer Neueinstufung als Regelschüler ein Schulwechsel zur Disposition? Wäre es nicht zunächst so, dass er vom Status eines Schülers der C-Klasse in die A-Klasse wechseln würde? Somit könnte er doch in seinem vetrauten Umfeld bleiben, was sicherlich für seine weitere Entwicklung von Vorteil ist.

Nun ist er seit einem halben Jahr in der Schule, seine angebliche Lernbehinderung stellt sich im Moment so dar, dass er Klassenbester ist (22 Regelkinder plus 3 Koop-Kinder), er schreibt, er liest, er rechnet, seine Lehrerin hat große Mühe, ihn immer wieder mit neuem Stoff zu füttern, da er sich sonst langweilen würde. Hausaufgaben hat er noch nie bekommen. Auf meine Nachfrage sagte die Lehrerin nur, woher soll ich die noch nehmen, ich füttere ihn schon während des Unterrichts ununterbrochen mit Lernstoff.


Diese Beschreibung hört sich nun wirklich nicht nach einem LB-Schüler an :? , eher nach sehr guter bis Hochbegabung.
Sicherlich ist eine neue testdiagnostische Abklärung nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig. Welche Testverfahren wurden denn bislang durchgeführt?
Ggf. könnte es auch hilfreich sein, einen Schulpsychologen beratend hinzuzuziehen. Sprich mal mit der Lehrerin darüber.
Eine derart große Diskrepanz zwischen Testleistungen und Schulleistungen ist schon ungewöhnlich und hat mit Sicherheit Ursachen, die es zunächst abzuklären gilt.
Liebe Grüße!
___________
Daniela (*1973, LKGS) mit Sohn (*2004, Neurodermitis, KISS und diverse
Nahrungsmittelallergien), Tochter (*2009) und unseren Zwillingssternchen (*2008/+ 2008) ganz tief im Herzen

Unsere Galerie: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_per ... er_id=3982 .

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Beitragvon Michi17 » 17.01.2006, 14:33

Hallo Ulrike!
Also wie ich das was du schreibst mit lernbehindert verbinden soll,weiß ich auch nicht :roll:
Ansonsten schließ ich mich da Danie an: Wenn er in der Schule,in der er jetzt ist, in die A-Klasse wechselt...ist er ja in einer Regelschule?! :)

Michaela
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Beitragvon Sabine » 17.01.2006, 14:42

Hallo Ulrike,

ich hatte es auch so verstanden, dass Jan bereits an einer Regelschule am normalen Unterricht teilnimmt. Also am "normalen" Deutsch- und Mathematikunterricht(?). Oder haben wir das hier alle falsch verstanden? Wenn Jan Probleme mit der Sprache und dem Satzbau hat, dafür aber excellent (vor)lesen und schreiben kann und auch das Mathepensum einer 1. Klasse spielend beherrscht, schließe ich mich Danies Meinung sofort an.

Lieben Gruß
Sabine
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