Gerade 18 und das JA stellt die Zahlungen an Wohngruppe ein

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Lisa38
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Gerade 18 und das JA stellt die Zahlungen an Wohngruppe ein

Beitragvon Lisa38 » 30.08.2011, 21:15

Hallo,
ich habe folgendes Problem und vielleicht könnt ihr weiterhelfen.

Mein Tochter ist gerade 18 geworden, lebt seit 2 Jahren auf Grund vieler psychosomatischer Problematiken in einer heilpädagogischen Einrichtung und dort seit einem Jahr im betreuten Wohnen in einem Appartment und die Maßnahme sollte vom JA noch bis 31.10.2011 laufen. Danach wollte und sollte sie in eine eigene Wohnung ziehen und Betreuungsstunden bekommen. Die Maßnahme könnte auch angeblich trotz Problemen nicht verlängert werden

Sie hat letztes Jahr ihren Hauptschulabnschluß gemacht und danach auf Grund von extremer Schulangst und einer sozialen Phobie die öffentliche Schule nicht mehr besucht, obwohl sie noch schulpflichtig ist und den Realschulabschluß machen wollte. Es begann eine ambulante Therapie.

Zum Schuljahresbeginn 2011 wollte sie zur BBS schafft es aber nicht und möchte jetzt eine stationäre Therapie machen. Ich habe alles in die Wege geleitet und hoffe, dass sie zeitnah aufgenommen werden kann.

Nun möchte das JA die Maßnahme sofort einstellen, da S. nicht zur Schule geht und z.Zt die Einzelgespräche mit der Erzieherin ablehnt.

Nun meine Frage:
Kann ein JA die Maßnahme einstellen, obwohl S. dann sozusagen auf der Straße stehen würde und sie dringend weiterhin Betreuung benötigt?
Natürlich kann sie erstmal bei uns einziehen, aber sie ist ja nicht vor zwei Jahren bei uns ausgezogen weil alles so harmonisch war sondern weil es hier gar nicht mehr ging... :cry:

Vielleicht wisst ihr einen Rat und habt Tipps wie man mit dem JA umgehen muss.
Liebe Grüße
Lisa 45 & H. 55, mit Tochter 08/93 partielle Tetrasomie 22(q11), schweres ADHS, Ängste, Z.n Myokarditis (Herzmuskelentzündung) 04/2006, HK 04/2006 und noch einige andere Baustellen.

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Alicia2010
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Beitragvon Alicia2010 » 30.08.2011, 21:34

Hallo
Wirklich eine schwierige Situation. Ich kenne mich da leider auch nicht so aus.Die Kosten werden jetzt anders verteilt. Mit der Volljährigkeit ist das Amt raus, und die Arge wäre zuständig.Ich weiß nicht ob die Nachbetreung also die Stunden Kulanz vom Amt sind.Das müsste man mal klären.Ansonsten weiß ich nicht in weit die Arge versucht die Kosten zu schieben. Ich glaube die Kids sollten bis 25 Jahre zu Hause wohnen.Nur in Ausnahmefällen oder weil die Situation nicht tragbar ist gewähren die die Kosten auf eine Wohnung.Also da auch mal schlau machen, und in naher Zukunft eine Wohnung suchen. ich finde es übrigens unverantwortlich junge Menschen einfach so fallen zu lassen.Es ist ja nur noch ein begrenzter Zeitpunkt.ich kann verstehen das deine Tochter keinen Gesprächsbedarf hat. Aber trotzdem sollte man versuchen die Zähne aufeinander zu beißen um die Sache irgendwie abzuschließen.Einen sauberen Abschluß hinzubekommen. Gerade für junge Menschen die von der Psyche ein wenig angeschlagen sind, ist es wichtig das sie wissen wo sie dran sind, und nicht so alleine gelassen sind.Leider ist unser Rechtssystem so.Schrecklich nicht wahr.Ich wünsche dir und deiner Tochter alles Gute.
A. 12/09 schwere peripartale Asphyxie apgar 0/0/3 ph 6,7

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Re: Gerade 18 und das JA stellt die Zahlungen an Wohngruppe

Beitragvon Annette Schmidt » 30.08.2011, 21:42

Hallo Lisa!

Lisa38 hat geschrieben:Kann ein JA die Maßnahme einstellen, obwohl S. dann sozusagen auf der Straße stehen würde und sie dringend weiterhin Betreuung benötigt?
Natürlich kann sie erstmal bei uns einziehen, aber sie ist ja nicht vor zwei Jahren bei uns ausgezogen weil alles so harmonisch war sondern weil es hier gar nicht mehr ging... :cry:

Vielleicht wisst ihr einen Rat und habt Tipps wie man mit dem JA umgehen muss.


Die dürfen das nicht einfach einstellen,sondern müssen einen Bescheid erteilen, dass die Leistung nicht mehr gewährt wird.

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_10/__39.html Absatz 2

Verlangt einen schriftlichen Bescheid und lege dagegen Widerspruch ein! Du kannst damit argumentieren, dass es den Erfolg der bisherigen Maßnahme gefährdet und Deine Tochter Rückschritte machen wird, wenn sie wieder bei Euch einzieht.

Wenn das Kind 18 wird, heißt das nicht automatisch, dass das JA die Leistungen einstellen darf. Mein Sohn ist 19 und die Wohngruppe wird immer noch vom Jugendamt finanziert, nach § 41 SGB VIII, Hilfe für junge Volljährige. Das kommt bei Maßnahmen zum Tragen, die bereits vor der Volljährigkeit begonnen wurden.

Bei uns das überhaupt kein Problem, das JA rät uns sogar davon ab, zum Sozialamt zu wechseln, weil es da Probleme mit der Bewilligung geben könne.

In Eurem Fall könnte die Trägerschaft durchaus ans Sozialamt wechseln, aber das darf nicht auf Eurem Rücken ausgetragen werden.

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9/__14.html

Du könntest z.B. schreiben:


Sehr geehrte....,

Sie teilten mit mit, dass die Eingliederungsmaßnahme meiner Tochter....., geb. am.... nicht mehr verlängert werden könne.
Die würde bedeuten, dass meine Tochter wieder bei uns einzioehen müsste.
Wenn dies geschieht und .... keine entsprechende sozialpädagogische Betreuung mehr hat, wäre sie wieder in der gleichen Situation, wegen der sie die Eingliederungshilfe erhielt und es ist zu erwarten, dass sich ihr Zustand erheblich verschlechtern wird, wodurch der bisherige Erfolg der Maßnahme gefährdet wäre.


Konkret begründen,warum.



Nach SGB VIII 41 ist auch Hilfe für junge
Volljährige möglich.

"§ 41 Hilfe für junge Volljährige, Nachbetreuung
(1) Einem jungen Volljährigen soll Hilfe für die Persönlichkeitsentwicklung und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung gewährt werden, wenn und solange die Hilfe aufgrund der individuellen Situation des jungen Menschen notwendig ist. Die Hilfe wird in der Regel nur bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gewährt; in begründeten Einzelfällen soll sie für einen begrenzten Zeitraum darüber hinaus fortgesetzt werden.
.....
(3) Der junge Volljährige soll auch nach Beendigung der Hilfe bei der Verselbständigung im notwendigen Umfang beraten und unterstützt werden."

Dies trifft im Fall meiner Tochter zu, deshalb bin ich der Meinung, dass sie weiterhin ein Anrecht auf Eingliederungshilfe durch Ihre Behörde hat.

Sollten Sie die Eingliederungsmaßnahme dennoch beenden wollen, bitte ich um einen entsprechenden schriftlichen rechtsmittelfähigen Bescheid.

Mit freundlichen Grüßen


Liebe Grüße

Annette
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom

Bitte keine PN-Anfragen, danke.

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Beitragvon Lisa38 » 30.08.2011, 22:37

Hallo Annette,

wow 1000 Dank!!!
Liebe Grüße

Lisa 45 & H. 55, mit Tochter 08/93 partielle Tetrasomie 22(q11), schweres ADHS, Ängste, Z.n Myokarditis (Herzmuskelentzündung) 04/2006, HK 04/2006 und noch einige andere Baustellen.

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Beitragvon Annette Schmidt » 31.08.2011, 00:31

Hallo!

Alicia2010 hat geschrieben:Mit der Volljährigkeit ist das Amt raus, und die Arge wäre zuständig.


Das stimmt so nicht, siehe mein voriger Beitrag. Und die Arge ist nicht für Eingliederungshilfe zuständig, wenn nicht mehr Jugendamt, wäre das Sozialamt zuständig.

@ Lisa: Ich hoffe, es geht positiv aus. Ich bin so froh, dass unser Jugendamt nicht rumzickt, und das obwohl die Stiftung, in der mein Sohn lebt, fast doppelt so teuer ist wie andere Einrichtungen. Aber der Erfolg ist sehr deutlich, worüber ich sehr froh bin. Ich könnte das aufgrund eigener Krankheit und Schwerbehinderung gar nicht mehr leisten.

Liebe Grüße

Annette
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom



Bitte keine PN-Anfragen, danke.


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