Welche Fähigkeiten sollte ein I-Kind für den Kiga haben?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Tomas
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Welche Fähigkeiten sollte ein I-Kind für den Kiga haben?

Beitragvon Tomas » 11.01.2006, 13:51

Hallo,

mal ne Frage. Ab wann ist ein Kind Kindergarten tauglich? Also ich meine was meint ihr muß es "können" beziehungsweise was für soziale Fähigkeiten sollte es haben?
Ich gehe von einem Intergrativen KG aus.

Grüsse
Thomas

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Sabine
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Beitragvon Sabine » 11.01.2006, 14:26

Hallo Thomas,

ich glaube, dass kann man so pauschal nicht sagen, denn die Behinderungen der einzelnen Kinder sind dazu einfach zu vielfältig. Aus meiner Sicht wäre aber ein schwer mehrfach behindertes Kind wie unser Jan-Paul in einem I-Kindergarten völlig fehl am Platze. Ein Dreijähriger, der nicht läuft, nicht spricht, gefüttert werden muss, Windelträger ist und extreme Wahrnehmungsstörungen hat, braucht eine intensive Betreuung, die in einem I-Kindergarten so nicht gegeben wäre.

Lieben Gruß
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Beitragvon Tomas » 11.01.2006, 14:32

Danke fürs verschieben und umbenennen ;)

Du hast natürlich recht das man das nicht pauschal sagen kann. Ich dachte an so sachen wie "sich bemerkbar machen zu können" wegen essen trinken usw.

LG
Thomas
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Beitragvon Sabine » 11.01.2006, 14:44

Hallo Thomas,

also in den I-Gruppen in JPs Kindergarten (er besucht die Sondergruppe) sind die Kinder zumindest alle mobil, können laufen und sind sicher fitter als die mehrfach behinderten Kinder in JPs Gruppe, die alle nicht laufen können, gewickelt und gefüttert werden müssen und starke geistige Defizite haben. Ein geistig fittes Rollikind könnte ich mir zum Beispiel auch gut in einer I-Gruppe vorstellen - das hätte in einer Sondergruppe sicher nichts verloren, würde sich langweilen und wäre unterfordert. Da muss man einfach variieren und aufs Kind gucken.

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Beitragvon Tomas » 11.01.2006, 14:53

Danke Sabine das ist schonmal eine interessante Aussage.

LG
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Beitragvon Ela74 » 11.01.2006, 15:14

Hallo Tomas,

ich kros jetzt auch mal in der Erinnerung. In Marvins Kiga war in der integrativen Gruppe ein schwerstbehindertes Kind, was nicht laufen, nicht sitzen, nicht sprechen, toilette gehen usw. konnte. Der war eigentlich der Mittelpunkt der Gruppe, weil er halt ständig Hilfe brauchte, hat sich aber offensichtlich in dem Gewühl wohl gefühlt.
In Marvins Heilpädagogischer Gruppe waren dagegen mehrere fittere Kinder, die aber mit der Kinderanzahl in der I-Gruppe sicher nicht klar gekommen wären.
Für Marvin hätte ich mir auch keine I-Gruppe vorstellen können, da wäre er Sang- und Klanglos untergegangen und sicher vor lauter Beobachterei nicht dazu gekommen, sich selber auch mal irgendwomit zu beschäftigen und später, als er fitter, aber auch immer unruhiger und verhaltensauffälliger wurde, war er sicher in der kleinen Gruppe besser im Zaum zu halten. Ich denke auch, das hängt ganz individuell vom Kind ab, aber auch ein Stück weit, von der Zusammensetzung der Gruppe.

LG
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Beitragvon Rachael » 11.01.2006, 18:02

Hallo Tomas,

Florian läuft nicht, spricht nicht, ist Windelträger und muss gefüttert werden. Er hat sicher auch Wahrnehmungsdefizite, kann aber doch auch kommunizieren. Er macht z. B. sehr deutlich, wenn ihm etwas nicht passt, allerdings kann er nicht mitteilen, was ihm fehlt, da muss man dann probieren. Den neuen Praktikanten versucht er auch immer mal wieder auf der Nase rumzutanzen. Wenn er aber tatsächlich eine Auszeit braucht, bekommt er sie auch.

Er ist in seiner Gruppe das Kind was am schwersten behindert ist, was aber die Erzieherinnen nicht davon abhält, dass er alles mitmcht, was die Gruppe so macht. Z. B. führt ihm dann halt jemand die Hand beim Malen. So ein bisschen ist er auch der König in seiner Gruppe und alle kümmern sich ganz rührend um ihn und passen auf ihn auf.

Zwischendurch habe ich immer leise Zweifel, ob ein HP-Kindergarten nicht doch besser wäre, aber die vergehen dann auch schnell wieder.

Ach so, Florian ist seitdem er 1 1/2 ist in einer I-Kita, 15 Kinder, davon 5 I-Kinder sind in einer Gruppe. Alle Kinder in einer Gruppe haben ungefähr das gleiche Alter. Insgesamt gibt es 6 Gruppen.

Liebe Grüße, Rachael
Florian (*04/2002): Pitt Hopkins Syndrom; ein fröhliches Schulkind mit dem Schalk im Nacken :D, Felix (*6/2008).

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Beitragvon Sabine2 » 11.01.2006, 20:09

Hallo,

Stella geht als Einzelintegration in einen normalen Regelkiga. Würde man sie rein defizit-orientiert betrachten, könnte man sagen: Sie kann nicht laufen, nicht sprechen, ist Windelträgerin und hat noch dazu Schwierigkeiten beim Essen und Trinken. Ach ja, ich vergaß die Defizite in der Feinmotorik;-))

Aber: Stella ist überall dabei, sei es im Turnraum, im Außengelände oder im Spielkreis. Und mit dabei meine ich, dass sie wirklich versucht, alles mitzumachen. Ihre körperlichen Defizite halten sie zum Beispiel nicht davon ab, trotzdem einen Kasten hoch zu klettern und zu rutschen oder bei den Singspielen mit ihren Händen mitzumachen. Sie erzählt mit Fotos, die ich am Wochenende schieße, ausdrucke und laminiere, was sie am Wochenende erlebt hat. Sie hat einen FSJler, der sie dabei unterstützt.

Stella liebt viele Kinder und bisher kamen die meisten Kinder mit ihr gut klar. Sie wird angeblich bei Kreisspielen genauso oft ausgewählt wie andere.

Ich würde also nicht so auf das Nicht-Können einzelner Fähigkeiten schauen, sondern ob ein Kind sich sozial irgendwie einbringen kann, ob es ein chaotisches Gruppenleben abkann, ob es damit zurecht kommt, dass eine Erzieherin mal krank ist, dass es mal umgerannt wird und ob es Spaß in dem Kindergarten hat. Und für sich als Eltern innerlich darauf vorbereiten, dass man nach einem halben Jahr vielleicht auch einen anderen Weg gehen muss.

Leicht habe ich mir die Entscheidung nicht gemacht, aber ich bin sehr zufrieden mit der augenblicklichen Situation.
Liebe Grüße
Sabine mit Stella (06/2002, fröhliches Rollikind, globale Entwicklungsverzögerung unbekannter Ursache, spricht nicht, hat aber ein gutes Sprachverständnis, Schluckstörung)

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Beitragvon marianne » 11.01.2006, 21:49

Hallo Tomas, du merkst hier an den Anworten: Es kommt auf die einzelne Einrichtung und das einzelne Kind an. Die I-Gruppe kann genau richtig und genau falsch sein und leider kannst du es vorher oft nicht wissen. Das gleiche gilt auch für eine heilpädagogische Einrichtung, denke ich.

Wir haben Janosch (5 Jahre alt und global entwicklungsverzögert ca 2 Jahre) nach gut einem Jahr aus seiner I-Gruppe herausgenommen, und er besucht nun eine heilpädagogische Einrichtung. Nach unseren Erfahrungen würde ich sagen, dass seine I-Gruppe für leicht entwicklungsverzögerte Kinder, leicht lernbehinderte, leicht körperbehinderte und leicht verhaltensauffällige Kinder sehr gut ist, aber es gab keinen individuellen Förderplan für die Kinder auf den HP-Plätzen und nur einmal wöchentlich individuelle Frühförderung. Sonst liefen die Kinder halt in einer kleineren Gruppe als normal und mit einer dritten Erzieherin, wovon aber keine eine heilpädagogische Fachkraft war, mit. Die Erziehrerinnen waren super motiviert und engagiert, aber waren weder zeitlich noch fachlich in der Lage, auf Janoschs besondere Bedürfnisse nach reizarmen Ecken und Stunden und nach Einzelförderung einzugehen.

Janosch ist kognitiv derzeit ein Grenzkind zwischen geistiger Behinderung und Lernbehinderung und ist damit WEIT den Kindern in seiner HPT-Gruppe kognitiv voraus. Darum bin ich froh, dass wir unsere Erfahrungen mit der I-Gruppe haben, denn sonst hätte ich immer gefragt, ob wir da nicht Janosch Chancen verschlossen haben. Er konnte in der I-Gruppe aber nicht von den Stärkeren profitieren in dem Alltag dort. Aber durch die professionellen Heilpädagoginnen nun in der HPT und dadurch, dass sein Leistungsselbstvertrauen jetzt mal so richtig auftanken kann zwischen "Schwächeren" profitiert er z.Zt. davon, weiter zu sein. Mal sehen, wie es weiter geht. Auf jeden Fall wären die Kinder in seiner früheren I-Gruppe, die weniger entwicklungsverzögert waren als er, auf keinen Fall in seiner HPT richtig. Für Grenzkinder gibt es eigentlich nicht so recht viel.

Unterm Strich also: Bei uns in der I-Gruppe liefen besondere Kinder im Regelproramm mit und wenn sie dazu mit etwas Unterstützung, aber ohne Einzelförderung nicht in der Lage waren, denke ich, war die Gruppe falsch.

Lieber Gruß!

Marianne

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Beitragvon Nellie » 11.01.2006, 21:54

Hallo!

Linn war schon in einem I-KiGa, in dem sie als einziges schwerbehindertes Kind eine Einzelintegrationskraft hatte. Da geht sie aber nicht mehr hin, weil sie keine Erfahrung mit Kindern mit Kanüle haben. Ab September geht sie aber dann auch wieder in einen anderen. Da sind mehrere schwer behinderte Kinder, die auch sondiert werden, nicht sitzen, laufen, drehen, greifen können, regelmäßig auch krampfen. Alle schwärmen von dem Kindergarten. Linn wird dort auch eine 1:1-Kraft brauchen, weil sie ja jederzeit abgesuagt werden müssen. Das alles mit gesunden Kindern in eine schönen Villa... wir sind gespannt!
Um nochmal genau auf die Frage zu antworten:
Linn kann eigentlich nichts. Alle Bedürfnisse muss man erraten, bzw, uns abgucken, was was bedeuten könnte.

LG
Nellie
Linn *2004, schwerste Mehrfachbehinderung durch pontocerebelläre Hypoplasie Typ 2a (PCH 2a), Button, Epilepsie, Tracheostoma, nachts beatmet
A. *2009
Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann. (Richard von Weizsäcker)
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