brauche Infos: Feststellung sonderpäd. Förderbedarfs

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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shone
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brauche Infos: Feststellung sonderpäd. Förderbedarfs

Beitragvon shone » 14.10.2004, 11:39

Hallo Ihr Lieben,

ich war heute mit Dennis bei der Schulleitung unserer Regelschule, da wir von dieser angeschrieben wurden.
Diese hat mir empfohlen ein Verfahren zur Überprüfung und Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs zu eröffnen, da ich ursprünglich mit der Bitte der Zurückstellung um ein Jahr bei Ihr vorstellig wurde.
Nun möchte ich keinesfalls etwas falsch machen.
Ursprünglich dachte ich, es wäre wichtig für Dennis ein Jahr zurückgestellt zu werden (zur Erinnerung: er wird Januar 2005 bereits 6 Jahre alt, ist aber zur Zeit auf dem Stand eines ca. 3-4 Jahre alten Kindes, geht auch erst ein Jahr in den Kiga).
Dann wollte ich mir in Ruhe die Sonderschulen ansehen, da ich Grund zur Annahme habe, dass Dennis auf einer Regelschule völlig überfordert ist. Ich bin ja schon heilfroh, dass er es im Kiga so einigermassen schafft, das ist bei Dennis bereits ein kleines Wunder...
Nun sagte mir die Leiterin es wäre manches mal besser, das Kind frühzeitig in einer Sonderschule (eventuell Vorklasse) zu fördern. Das hört sich ja auch nicht ganz falsch an, ich kann mir Dennis halt von seinem ganzen Entwicklungsstand, seiner großen sozialen Probleme und seiner autistischen Verhaltensweisen überhaupt noch nicht nächstes Jahr in irgendeiner Schule vorstellen...

Daher meine Bitte an Euch: schreibt mir doch einmal Eure Erfahrungen dazu, schadet es, wenn ich den Antrag mit unterschreibe (das hatte mir die Leiterin empfohlen, ich will Dennis da aber nichts "verbauen"), ausserdem hatte sie eine Sprachheilschule oder Schule für Körperbehinderte oder Schule für Kranke empfohlen. Kann mir dazu jemand etwas sagen ?

Ich bin für alle Tips dankbar, leider muss ich den Antrag bis morgen früh 8 Uhr abgegeben haben, ansonsten stellt sie ihn als Schule alleine, da es zeitlich eng mit den Schulanmeldungen zusammenhängen müsste und nächste Woche ja Herbstferien sind.
Solch einen Zeitdruck zu haben mag ich gar nicht, daher muss ich mich heute ganz intensiv mit dem Thema beschäftigen.

Ich danke Euch fürs "zulesen" und sende liebe Grüße
Inci
(http://www.inci-auth.de - Mama von Dennis, geboren 28.01.1999;
komplexer Herzfehler (Shone-Komplex) mit Lungenhochdruck, Autismus mit Zwangsstörung, Thorakal-lumbal-Skoliose, Epilepsie mit fokalen Anfällen; unser "kleiner" Sonnenschein)

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silke
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Beitragvon silke » 14.10.2004, 12:23

Soweit ich weiß, können Kinder, bei denen ein so-päd. Förderbedarf wahrschenlich ist (und dann auch festgestellt würde) nicht zurückgestellt werden - mit dem Hintergrund, dass der Förderbedarf im darauffolg. Jahr auch bestünde und das Jahr besser zur Förderung an der So-schule (oder Vorklasse der So-schule) genutzt werden sollte.
Ob es da unterschiedl. Regelungen in den BL gibt, weiß ich nicht, aber hier in Niedersachsen ist es so und auch in Hessen.

LG silke

Margarete
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Beitragvon Margarete » 14.10.2004, 16:12

Hallo inci,

ich komme gerade aus der Schule und habe dort einer S-Lehrerin Deine Fragen vorgetragen.

Du kannst den Antrag mitunterschreiben. Es entsteht Dir kein Nachteil dadurch. Du sollst aber in den Antrag mit aufnehmen, dass Du das Kind zurückstellen lassen möchtest. Dennis wird dann im Laufe des nächsten Jahres überprüft. Wenn das Schulamt ihn dann nicht zurückstellt, z.B. aus den Gründen, die Silke genannt hat, kannst Du Widerspruch dagegen einlegen.

Wenn das sonderpäd. Gutachten erstellt ist, werden die Eltern ja auch beraten. Falls Deinem Wunsch auf Zurückstellung nicht entsprochen wird, würde ich Dennis Entwicklung aufzeigen. Also darlegen, dass es nicht klar ist, dass ein Jahr später auch noch sonderpäd. Förderbedarf besteht. Eine weitere Begründung wäre, dass Dennis erst seit 1 Jahr den Kiga besucht und aufgrund des Autismus lange Zeit braucht, um sich einzugewöhnen. Du möchtest ihn nicht gleich wieder aus seiner gewohnten Umgebung heraus reißen. Er soll im Kiga noch Stabilität gewinnen etc.

Zu der Frage der Schulform: Die, von der Schulleiterin erwähnten S-Schulen unterrichten zielgleich mit der Grundschule. D.h. sie würden Dennis nur nehmen, wenn er von seinen Fähigkeiten her in der Lage ist die Ziele einer Grundschule zu erreichen.

Die S-Leherin, die mir die Auskunft gab, hat ihren Pflegesohn (Autist) ein Jahr früher in die Förderschule für geistige Entwicklung (praktisch bildbar) einschulen lassen. Sie meinte, dass diese Schule ihm mehr Orientierung und angemessene Lernangebote geben kann. Er ist jetzt im 2. Schulbesuchsjahr und es scheint ihm sehr gut damit zu gehen.

ich hoffe das hilft Dir weiter!

Gruß

Margarete

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shone
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Beitragvon shone » 16.10.2004, 22:51

Hallo Margarethe,
vielen lieben Dank für Deine prompte Unterstützung, ist sehr lieb von Dir, dass Du gleich nachgefragt hast.

Ich habe zwischenzeitlich noch mal alles genau durchdacht und bin zu folgendem Entschluss gekommen (den ich auch beim Schulamt so vertreten werde):
Trotz der Möglichkeit einer frühen Förderung durch eine Sonderschule ist es meiner Meinung nach wichtig für Dennis ein Jahr zurückgestellt zu werden (zur Erinnerung: er wird Januar 2005 bereits 6 Jahre alt, ist aber zur Zeit auf dem Stand eines ca. 3-4 Jahre alten Kindes, spricht erst seit einem Jahr und geht auch erst ein Jahr in den Kiga; sein ungleichmäßiges Entwicklungsmuster spiegelt das übliche Autismusprofil wider).

Übereinstimmend mit der Schulleitung der Mauerfeldschule ist Dennis für das Schuljahr 2005 auf einer Regelschule völlig überfordert .
Leider liegt die Diagnosse Autismus erst seit 5 Monaten vor. Daher konnte eine gezielte und geeignete Förderung erst vor 3 Monaten begonnen werden. Diese Förderung (nach dem TEACCH Ansatz) ist für Dennis sehr wichtig und zeigt bereits erste Erfolge.

Für das Jahr 2005 ist ein Eintritt in die Schulpflicht (auch einer Sonderschule) zu früh für Dennis. Er braucht Zeit um gefördert zu werden und sich entsprechend zu stabilisieren.
Schliesslich entwicklet er sich nun, seit im Juli 2004 die geeignete Therapeutin gefunden wurde, sehr positiv, aber man kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, wie sich Dennis weiterentwickeln kann, er macht ja gerade jetzt erstmalig seine Fortschritte.
Das erste mal in seinem Leben, dass sich eine gute Entwicklung ganz deutlich abzeichnet und es keine Rückschritte gibt. Es nicht klar, ob bei Dennis für 2006 auch noch sonderpäd. Förderbedarf besteht, da er ja erst seit wenigen Monaten eine gezielte Förderung bekommt.

Noch vor einem Jahr war man froh, dass er es im Kiga so einigermassen schafft ohne jeden Tag eine Krise zu haben. Durch die Diagnose Autismus verbunden mit der Förderung nach dem TEACCH Ansatz hat sich die Lage eindringlich verändert. Seine Panikattacken sind deutlich weniger geworden und ebenso sein soziales Verständnis profitiert von der Umgebung des Kindergartens. DIe Förderung nach TEACCH ist hierbei das ergänzende Element.

Als autistisches Kind benötigt Dennis geregelte Strukturen. Ausserdem braucht er aufgrund des Autismus lange Zeit, um sich einzugewöhnen. Ich möchte ihn nicht gleich wieder aus seiner gewohnten Umgebung heraus reißen.

Er kann im Kiga seine Stabilität gut ausbauen und ist daher auch offen für weitere Förderung. Daher ist es wichtig für ihn, dass er noch zwei Jahre im Kiga bleibt, weil er dort nach TEACCH gefördet wird und seine stabile Umgebung hat die er zu dieser Förderung braucht !
Immerhin ist er dann ja auch nur insgesamt 3 jahre ein Kindergartenkind und von daher seiner Entwicklungsgeschichte angemessen.

Sicher ist es manches mal besser, ein behindertes Kind frühzeitig in einer Sonderschule (eventuell Vorklasse) zu fördern. Jedoch ist Dennis von seinem Entwicklungsstand (siehe ausführlicher Entwicklungstest mit Diagnostik durch Fr. Dr. Häußler), seiner großen sozialen Probleme mit seinen autistischen Verhaltensweisen noch nicht dazu in der Lage zu zeigen WAS er wriklich kann.

Er ist nicht so wie die anderen und wird es auch nie sein. Er braucht die besondere Foerderung, kleine Gruppen, die Geduld und das Verstaendnis, das spezielle Material und die individuelle Aufbereitung seiner Umwelt, sonst ist er verloren!

Auch bedingt durch seine vielen Krankenhausaufenthalte ist er innerlich noch nicht stabil genug und braucht große Unterstützung um zu zeigen was in ihm steckt. Dafür braucht er vor allem eines: Zeit.
Bedenkt man wieviel Entwicklungs-Zeit ihm durch seinen Herzfehler "genommen wurde" so verwundert es nicht, dass er diese Zeit noch benötigt. Hinzu kommt das Problem des Autismus und die leider erst späte Diagnose dessen.

Geht man aber vom Schuljahr 2006 aus, dann hat er diese Möglichkeit sich in einem gewohnten und für ihn emotional stabilen Umfeld des Kigas weiterzuentwicklen. Dennis ist sicher dann auch viel besser in der Lage eine Schule zu besuchen und zu zeigen welche Schulform die geeignete ist.

Nicht unberücksichtig bleiben dürfen auch die Gefahren die ein zu früher Schulbesuch für Dennis mit sich bringen kann: siehe http://www.autismus-freiburg.de/autismus/berichte/a_kinder.htm

Ich werde mir dennoch die Schulen hier ansehen und mal schauen - vielleicht finde ich ja einen sehr engagierten Leher oder doch Gehör beim zuständigen Schulamt und er kann doch bis 2006 zurückgestellt werden.

Schönes Wochenende und
Liebe Grüße Inci
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Beitragvon Heidi Os. » 06.11.2004, 18:27

Hallo Inci,

habe Deinen Beitrag heute erst gesehen, aber vielleicht können Dir meine Infos ja auch jetzt noch ganz nützlich sein.

Bei Dominik wurde die Überprüfung auf sonderpädagogischen Förderbedarf im letzten Frühling durchgeführt, da er in diesem Jahr schulpflichtig geworden ist.

Mein Mann und ich waren auch der Meinung, dass er überhaupt noch nicht reif ist, welche Schule auch immer zu besuchen und haben einen Antrag auf Rückstellung gestellt. Die Sonderschullehrerin, die die Tests mit Dominik durchgeführt hat, vertrat dann in ihrem Gutachten auch die Meinung, das Dominik diesen Förderbedarf hat und wollte ihn auf jeden Fall in der L-Schule, in der sie tätig ist, einschulen lassen. Für unsere Argumente, die eine Rückstellung untermauern sollten, war sie in keiner Weise zugänglich und ebenso wenig kooperations-oder kompromißbereit. Außerdem meinte sie auch, dass Dominik aufgrund ihres Gutachtens auf keinen Fall zurückgestellt wird, was sie uns mit einem boshaften Lächeln auf den Lippen mitteilte... ( von der Seite war also schon mal keine Hilfe zu erwarten) Genau das gleiche sagte mir die Schulärztin bei der Schuleignungsuntersuchung, auf die sich jetzt meine ganze Hoffnung konzentriert hatte- und wieder nichts mit Unterstützung. Der einzige, der, wie wir, der gleichen Meinung war, dass man Dominik dieses Jahr noch erlassen soll, um seine Defizite zu kompensieren, war der Rektor der Schule, wo wir Dominik im Schul-Kiga angemeldet haben. Die letzte Entscheidung, die ewig auf sich warten ließ, hatte ein Herr bei der Bezirksregierung zu fällen und - das war ein echtes Wunder für uns- er bewilligte die Rückstellung, weil auch er der Ansicht war, das alles, was diese Sonderschullehreruin in Ihrem Gutachten als Lernschwäche interpretierte, einfach Zeichen dafür sind, dass unser Kind einfach noch nicht schulreif ist.

Ich habe mal wieder einen kleinen Roman geschrieben, aber was ich Dir damit zeigen möchte ist, dass der Weg zur Bewilligung der Rückstellung sehr steinig sein kann, weil da so viele Menschen Dein Kind "begutachten", die wirklich nur Momentaufnahmen von Deinem Kind sehen ( wenn es an dem Tag schlecht drauf ist oder einfach keine Lust hat, hat man schon verloren...), anhand derer sie über den weiteren Werdegang entscheiden.

Wichtig ist, sich im Vorfeld schon mal Unterstützung zu holen, z.B. bei behandelnden Ärzten, die in einem Bericht belegen, dass Dein Kind noch nicht schulreif ist oder Berichte von behandelnden Therapeuten. Der Entwicklungsbericht des Kigas sollte eine solche Empfehlung enthalten. Je mehr Du Deinen Wunsch durch Berichte untermauern kannst, desto besser!

Du hattest erwähnt, das Dein Sohn dann bis 2006 weiter seinen Kiga besuchen soll. Ich weiß nicht, wie das bei Euch ist, aber bei uns müssen die Kids den heilpädagog. Kiga verlassen, sobald sie schulpflichtig werden, weil so viele Kinder auf der Warteliste stehen. Deshalb hat Dominik in den Schul-Kiga gewechselt.

Liebe Grüße
Heidi
Heidi (09.67), Uwe (01.61) und Dominik (04.98) LKGS-Spalte, entwicklungsverzögert, KISS-Syndrom


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