CH-Hilflosenentschädigung

Zum Teil unterscheiden sich die rechtlichen und organisatorischen Strukturen zwischen Deutschland und den verschiedenen Nachbarländern erheblich. Hier in dieser Rubrik sammeln wir alle landesspezifischen Infos.

Moderator: Moderatorengruppe

Benutzeravatar
christinefä
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 978
Registriert: 07.11.2005, 13:18
Wohnort: Bern
Kontaktdaten:

CH-Hilflosenentschädigung

Beitragvon christinefä » 06.01.2006, 16:55

Hallo Schweizer Eltern,
am Montag kommt zu uns eine Frau von der IV um die Hilflosenentschädigung für Philipp festzulegen.

Habt ihr das schon hinter euch? Wie läuft das ab? Was fragt sie? Kann ich mich darauf vorbereiten?

Die Früherzieherin meinte, dass Philipp auf jeden Fall in die Stufe "mittel" eingeteilt werden sollte, weil er Gefahren nicht erkennen kann.

Und wenn ich dann hier von Deutschland und den Pflegestufen und Minutenrechunungen höre, wird mir ganz schlecht! Ein 10 Jahre altes behindertes Kind kann doch unmöglich mit einem 5jährigen Gesunden verglichen werden!!! So was Blödes!!! Und dann immer dieses Hinweise: ein gesundes Kind kann auch ein schlechter Esser sein!!! Hilfe, die scheinen überhaupt noch nie mit behinderten Kindern in Kontakt gekommen zu sein!

Hoffe nun ganz fest, dass es hier anders laufen wird. Ob ich mir zur Vorsicht vielleicht schon mal ein paar schlagfertige Antworten ausdenken soll???

LG Christine
Christine 64, F 65, C 92, A 95, O 96(Asperger Autist), J 98 & Philipp 01 (frühkindlicher Autismus, Sprachbeginn mit 4 1/2, noch immer 1-2 Wort Sätze, Microdeletion 22q13.33 Phelan Mc Dermid Syndrom)
unsere Vorstellung http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... ght=#73943

Werbung
 
AndreaR
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 331
Registriert: 27.06.2005, 11:26
Wohnort: CH-Winterthur

Beitragvon AndreaR » 06.01.2006, 19:18

Hallo Christine

Wir haben das hinter uns (für den Moment ?).
Den Fragebogen findest Du unter

http://www.ahv.ch/Home-D/allgemeines/fo ... 18267d.pdf

Für Dich als Mutter ist es gut wenn Du Dich ein bisschen vorbereitest.
Denn wir neigen ja im Allgemeinen dazu zu sagen: das geht schon ..., ja, ja, schon ein bisschen aufwändiger ..., nicht so schlimm.
Hier musst Du wirklich betonen (ohne allzufest zu übertreiben :wink: ), wie gross der Aufwand ist, dass auch Eure sozialen Kontakte eingeschränkt sind etc.

Viel Erfolg

Andrea mit Lucia

Benutzeravatar
MichaelK
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 14683
Registriert: 27.09.2005, 18:17
Wohnort: Zwickau (Sachsen)

Beitragvon MichaelK » 06.01.2006, 19:29

Hallo christine,

das wird ja in der Schweiz nich viel anders sein, es gibt immer Solche und Sone.
Das mit den Minuten müßt ihr einfach den Deutschen nachsehn. Der deutsche Beamte ist ohne das hilflos. Man muß halt was draus machen!! :) :)

LG Michael
Michael für den Liebling der Familie: Lars, geb 04/03 Lumbale Spina bifida mit HC (v-p-Ableitung), Arnold-Chiari-Malformation Typ 2
"Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach der Größe unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft und dem Maß unserer Menschlichkeit."
(Martin Luther King)

Benutzeravatar
christinefä
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 978
Registriert: 07.11.2005, 13:18
Wohnort: Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon christinefä » 06.01.2006, 21:44

Hallo Andrea, herzlichen Dank für den Link. Habe mir das Formular gleich ausgedruckt. Viel wird da ja aber nicht gefragt! Und wie machen sie es wohl bei einem Kleinkind? Die Fragen sind ja eindeutig für Erwachsene.

Soviel ich weiss, wird diese Erhebung dann jedes Jahr durchgeführt.

LG Christine
Christine 64, F 65, C 92, A 95, O 96(Asperger Autist), J 98 & Philipp 01 (frühkindlicher Autismus, Sprachbeginn mit 4 1/2, noch immer 1-2 Wort Sätze, Microdeletion 22q13.33 Phelan Mc Dermid Syndrom)

unsere Vorstellung http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... ght=#73943

AndreaR
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 331
Registriert: 27.06.2005, 11:26
Wohnort: CH-Winterthur

Beitragvon AndreaR » 07.01.2006, 11:06

Ich bin da leider auch noch nicht so erfahren (Lucia ist erst 18 Monate alt).

Vielleicht ist hier noch jemand aus der Schweiz mit einem älteren Kind?
Oder sonst versuchs mal unter

www.dasanderekind.ch .

Da ist zwar nicht so viel los wie hier, aber da hat's sicher einige IV-Experten ... :wink:

LG

Andrea mit Lucia

Elisabeth S. G.
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 22
Registriert: 06.01.2006, 21:55
Wohnort: Neftenbach, Schweiz

Beitragvon Elisabeth S. G. » 08.01.2006, 14:59

Liebe Christine
Das haben wir bei unserem Sohn schon etwa 4 Mal mitgemacht. Wir sind auch Schweizer, unser Sohn ist jetzt 11 Jahre alt. Ich würde mich da sehr genau vorbereiten, das heisst schon jetzt für dich in Minuten notieren, wie hoch der Mehraufwand gegenüber einem gesunden gleichaltrigen Kind ist. Es wird mit den schwerbehinderten Kindern der Rehaklinik Affoltern am Albis verglichen, das finde ich sehr merkwürdig, denn das können auch krasse Gegensätze sein. Unser Sohn hat einen schweren Herzfehler, hypotone cerebrale Bewegungsstörungen und ist von der körperlichen Entwicklung her nicht altersentsprechend, geistig-intellektuell aber schon. Er besucht die normale Primarschule. Je nachdem kommt eine verständige, einfühlsame Person zu diesem Hausbesuch, die sich dann sehr für euch einsetzen wird, oder aber auch eine, die einen schikaniert. Wir haben da schon alles erlebt.

Nun konkret zu den Fragen:Es geht um den täglichen Mehraufwand gegenüber einem gleichaltrigen nichtbehinderten Kind: Punkt 1: Ankleiden/Auskleiden , Punkt 2: Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Punkt 3: Essen- Nahrung zerkleinern, zum Mund führen, Spezialnahrung, püriert,Sondennahrung, Punkt 4:Körperpflege: Waschen, Kämmen, Zähne putzen, Nägelschneiden, Baden/Duschen, Punkt 5: Verrichten der Notdurft, Ordnen der Kleider, Körperreinigung, Überprüfen der Reinlichkeit, unübliche Art der Verrichtung, Punkt 6: Fortbewegung in der Wohnung, im Freien, Pflege gesellschaftlicher Kontakte, Punkt 7: Dauernde Pflege (tägliche Verabreichung von Medikamenten, aber auch Physiotherapeutische Übungen zu Hause, Logopädie etc.), Punkt 8: Dauernde persönliche Überwachung. Du kannst auch die Begleitung zu Arzt- und Therapiestunden dazurechnen, auch Physiotherapie usw. und dann einfach umrechnen, was dich das pro Tag wieviel Zeit zusätzlich kostet.
So musst du auf mehr als 2 Stunden Mehraufwand pro Tag kommen, es können auch nur 5 Minuten darüber sein, damit ihr in den Genuss der Rückvergütung der Kosten für die Hauspflege kommt. Daraus resultiert dann der Pflegebeitrag, gering, mittel oder hoch.

Ich hoffe, dir mit diesen Angaben geholfen zu haben. Wenn du noch mehr wissen möchtest, schick mir doch eine E-mail oder wir können gerne auch telefonieren.

Ich wünsche euch alles Gute und drücke die Daumen. Ich weiss, dass so etwas viel Kraft braucht und oft auch eine dicke Haut nötig ist.

Viel Mut und liebe Grüsse, Elisabeth

Benutzeravatar
christinefä
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 978
Registriert: 07.11.2005, 13:18
Wohnort: Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon christinefä » 08.01.2006, 15:25

Danke Elisabeth!

Wenn ich nur die Zeiten rechne, wo ich derweil gar nicht anderes tun kann, also wicken, Kind säubern, frisch anziehen, ins Auto bringen für Therapie, dann komme ich auf 160 Minuten. Und nun kämen da noch die vielen "Piketstunden" dazu. Philipp kann ja eigentlich nie alleine gelassen werden. Manchmal muss ich mir sogar den Gang auf die Toilette organisieren. Ich werde ihr das auf jeden Fall so mitteilen. Eigentlich gibt er mir jetzt wesentlich mehr arbeit , wie als er noch 1 oder 2 Jahre alt war.

LG Christine
Christine 64, F 65, C 92, A 95, O 96(Asperger Autist), J 98 & Philipp 01 (frühkindlicher Autismus, Sprachbeginn mit 4 1/2, noch immer 1-2 Wort Sätze, Microdeletion 22q13.33 Phelan Mc Dermid Syndrom)

unsere Vorstellung http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... ght=#73943

Elisabeth S. G.
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 22
Registriert: 06.01.2006, 21:55
Wohnort: Neftenbach, Schweiz

Beitragvon Elisabeth S. G. » 08.01.2006, 19:44

Liebe Christine

In eurem Fall wird das alles also sicher problemlos akzeptiert. Sprich ruhig alles an, was du mit Philipp zu tun hast, auch wenn nicht direkt danach gefragt wird.

Alles Gute und liebe Grüsse, Elisabeth.
Elisabeth, Mami von Gabriel, geb. 1994: komplexer Herzfehler, hypotone cerebrale Bewegungsstörung mit Beeinträchtigung der grob- und feinmotorischen Fähigkeiten, ausgeprägte Knicksenkfüsse, generell schwacher Muskeltonus

Benutzeravatar
christinefä
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 978
Registriert: 07.11.2005, 13:18
Wohnort: Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon christinefä » 09.01.2006, 21:36

Heute nun war die Frau von der IV da und wir sind positiv Überrascht !

Vielleicht auch, weil wir uns vorbereitet haben und wirklich gut überlegten, wie wir den Mehraufwand beschreiben können. Danke Elisabeth! :lol:

Wir liessen Philipp absichtlich noch wach vor dem Mittagsschlaf, damit sie sehen konnte, wie er sich benimmt. Er war dann auch ausnehmend wild und ungestüm.

Erst konnte ich erzählen, wie es mit ihm läuft und habe da natürlich nichts ausgelassen. Sie ermunterte uns auch immer, die Probleme genau zu beschreiben und immer wieder sagte sie: Sie haben es nicht einfach, es ist eine sehr schwierige Situation.

Eigentlich würde die persönliche Überwachung erst ab 6 Jahren gerechnet. Weil unsere Überwachung mehr als nur eine Präsenz darstellt, weil ich in dieser Zeit fast keinen Haushalt machen kann, wird es nun dennoch angerechnet.
Sie sagte, dass sie diesen Punkt begründen muss und wir erzählten noch etwas mehr von unseren alltäglichen Hürdenläufen.

Und zu Letzt meinte sie noch, dass sie bisher nur wenige Kinder getroffen hätte, die so viel Aufsicht benötigen; nicht einmal Downkinder wären so. Das hat mich dann doch etwas geschockt. Aber irgendwie bin ich auch froh, nun schwarz auf weiss zu haben, dass unser Philipp wirklich ein harter Brocken im Alltag ist.

Ach ja noch, auch die Autosteueren werden uns erlassen! Das finde ich ja das aller-allerbeste! Ich habe mir nämlich noch gar nie überlegt, dass wir ja mit den Therapiefahrten wirklich auf das Auto angewiesen sind. Dachte bisher immer, dass nur "nicht Fussgänger" anrecht auf Steuerbefreiung hätten.

Gelassen blicken wir nun in die Zukunft und freuen uns wieder an den Fortschritten von Philipp. Er beginnt nachzusprechen, so schön :lol:
Christine 64, F 65, C 92, A 95, O 96(Asperger Autist), J 98 & Philipp 01 (frühkindlicher Autismus, Sprachbeginn mit 4 1/2, noch immer 1-2 Wort Sätze, Microdeletion 22q13.33 Phelan Mc Dermid Syndrom)

unsere Vorstellung http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... ght=#73943

Werbung
 
Elisabeth S. G.
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 22
Registriert: 06.01.2006, 21:55
Wohnort: Neftenbach, Schweiz

Beitragvon Elisabeth S. G. » 09.01.2006, 21:52

Liebe Christine

Schön, dass ihr mit diesem Besuch von der IV so gute Erfahrungen gemacht habt. Ich habe an euch gedacht und erinnere mich, wie mir jeweils vor und während dieses Besuches zumute war. Das Kind muss ja anwesend sein, man weiss nie so genau, wie es sich benimmt, was es macht, die Gespräche können auch lange dauern und man ist doch sehr angespannt. Auf jeden Fall freue ich mich für euch und hoffe, dass sich Philipp weiterhin zu eurer Zufriedenheit entwickelt.

Liebe Grüsse, Elisabeth. : :P


Zurück zu „Österreich, Schweiz und Nachbarländer“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste