Umgang mit behinderten Menschen in der DDR

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Sahramarie
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Umgang mit behinderten Menschen in der DDR

Beitrag von Sahramarie »

Ich selbst in der DDR groß geworden(1967) ,habe eine Frage an Alle aus den "neuen" Bundesländern.
Ein Bekannter erzählte mir, das Eltern die ein behindertes Kind bekommen haben inder DDR massiv bedrängt worden sind dieses in ein Heim zu geben. Das hat mich doch sehr erschreckt. Eine Frau aus unserer SHG hat völlig andere Erfahrungen(viel Unterstützung durch den Staat), aber vielleicht gibt es ja beides.
Ich habe sehr wohl die Behindertenfeindlichkeit in der DDR erlebt- habe mit 18 Jahrenbegonnen in der Diakonie mit Erwachsenen zu arbeiten.Aber wie es den Eltern erging weiß ich nicht...
Ich würde mich freuen von euren Erfahrungen zu hören.
Danke Annegret
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katrinchen
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Beitrag von katrinchen »

Hallo Annegret,

hab erst gestern eine HP von einer Mutter mit Rett- Zwillingen hier gefunden.
Für diese Mutter muss es ganz furchtbar gewesen sein!

http://www.rettkind.de/index.html

LG Katrin
Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
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KerstinM.
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Beitrag von KerstinM. »

Hallo, ich kenne eine Familie (Thüringen) die ein Kind (1960 geb) haben, dass von Geburt eine geistige Behinderung hatte. Das Kind hat immer zu Hause gelebt und ging in eine Tageseinrichtung. Später ging sie dann (auch schon zu DDR-Zeiten) in eine Werkstatt und hat dort in einer Küche gearbeitet. Noch heute ist sie dort gern und mi Liebe zum Beruf tätig.

Eine weitere Familie, die neben uns wohnte, hatte ein Kind mit Down-Syndrom. Das Kind ging tagsüber auch in eine Tagesstätte und lebte bei der Familie.

Sicher war es von Ort zu Ort anders und von der Behinderung abhängig.

Gruß Kerstin
Kerstin mit Markus(*97), Hydrocephalus mit schwerem Verlauf,Epilepsie
PK (*14)spastische Tetraparese, gesetzl. blind, Entwicklungsverzögerung, Epilepsie, kleiner Sonnenschein
Ein behindertes Kind ist wie ein krummer Baum - du kannst ihn nicht gerade biegen, aber du kannst ihm helfen, Früchte zu tragen.
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NeleN
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Beitrag von NeleN »

Hallo!

Also meine Mutter hatte das Problem nicht, dass sie mich ins Heim geben sollte. Im Gegenteil, SIE hätte es gewollt, aber meine Oma war dagegen. So bin ich also auch zu Hause aufgewachsen, in eine Behindertenschule gegangen, und sonst war alles normal!

LG
Nele
LG
Nele

Paraplegie mit Spastik unkl. Ursache, Bewegungseinschränkung in den Armen, Tendovaginitis, CTS, Feinmotorikstörung, Sehbehinderung, Lordose, chr. Schmerzen, RLS, chr. kompl. PTBS, Angststörung, Depression, disso. Störungen, Schluckstörung, Allergien, Reflux, Asthma
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SandraHe
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Beitrag von SandraHe »

Hallo,

auch wenn ich nicht schwerst betroffen bin, möchte ich hier kurz meine eigene Erfahrung mitteilen. Geboren und aufgewachsen bin ich in Thüringen.

Für meine Mutter stand das Thema, mich in ein Heim zu geben, auch nicht. Ich bin zu Hause aufgewachsen, habe einen "normalen" Kindergarten besucht, wo ich eine engagierte Kindergärtnerin hatte, die mir u. a. beigebracht hat, Messer und Gabel zum Essen zu benutzen, auch wenn es "anders" aussieht :). Auch bin ich in eine "normale" Schule gegangen. Die Lehrer wußten von Anfang an Bescheid. In der Schule wurde ich auch nicht gehänselt oder so etwas.

Allerdings hatte ich als Kind und Jugendliche keinerlei Therapien. Deswegen habe ich heute Folgeschäden.

LG Sandra
ICP, Hemiparese, Spastik links
Anan
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Registriert: 24.06.2005, 17:15

Beitrag von Anan »

Hallo,

mein Urgroßonkel mit Down-Syndrom kam nach dem Tod meiner Ururgroßmutter mit Mitte 50 in irgendein Heim. Das war Ende der 1950er Jahre, irgendwo in der DDR.

Zuvor hatten meine Ururgroßeltern ein Leben lang für einen späteren Aufenthalt in Bethel gespart und wohl auch regelmäßig Geld dort eingezahlt (?). Das ging dann natürlich nicht mehr. Mein Urgroßonkel hatte zuvor recht selbstständig im Hause seiner Mutter gelebt, übernahm dort anfallende Haus- und Gartenarbeiten und ging für seine Mutter und sich einkaufen.

Im Heim hat meine Großmutter mit ihrer Familie ihren Onkel noch zweimal besucht, dann hat sie die DDR verlassen und der Onkel starb unvorhergesehenerweise ziemlich bald. Meine Großmutter sagt, das Heim sei eine schlimme Verwahranstalt gewesen, in der der Onkel eingegangen sei. Die Bewohner seien dort mehr oder weniger zusammengepfercht gewesen; es muss Menschen mit Mehrfachbehinderung gegeben haben, die ihr Bett nicht verlassen haben. Richtig raus kamen aber auch Menschen wie der eigentlich ja recht selbstständige Urgroßonkel nicht.

Dass die Zustände im Westen zu dieser Zeit sehr viel besser gewesen sind, wage ich aber zu bezweifeln.

Gruß
Anan.
ManuelaH85
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Beitrag von ManuelaH85 »

Hallo
Dass die Zustände im Westen zu dieser Zeit sehr viel besser gewesen sind, wage ich aber zu bezweifeln.

Das ist genau die Sache über die viele gerne schweigen.
Ich arbeite ja selbst in einen Heim für Erwachsene
und das was mir so manche älteren Kollegen erzählen geht heute so gar nicht mehr.
Eltern sind gar nicht in die Staionen gelassen worden bekamen ihr Kind in einen Besucherraum gesetz.
Zimmer die heute mit zwei Leuten bewohnt werden waren da noch gerne mal mit 4 Personen belegt.
Und viele unsere Bewohner die bei mir auf der Gruppe leben sind zu 90 % hospitalisiert.
Natürlich ist das schlimm und bei weiten nicht so wie wir das je wieder haben wollen. Aber für viele besser als den Zustand in dem sie vorher leben mussten.
Gruselige Aufnahmebögen in Akten hab ich schon viel zu viele gelesen.

Dagen gab es natürlich auch zu der Zeit auch Eltern die sich sehr gut um ihre Kinder gekümmert haben und sie ihnen entzogen worden sind.

Also ich bin der Meinung das werder in der DDR noch in der BRD alles rosig war aber auch nicht alles schlecht
Und wir können alle foh sein heute mit den Unterstüzungen für besondere Menschen sorgen zu können. Ob im Heim oder Zuhause

LG
Manuela
Ich Erzieherin in einer WG für Erwachsene, selbst als Kind kleine Start Schwierigkeiten mit Zwillingsbruder durch O² Mangel eine Sonderedition zum liebhaben.
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