Wir können unser Kind nur schwer einschätzen

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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RaHaDa
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Wir können unser Kind nur schwer einschätzen

Beitragvon RaHaDa » 04.01.2006, 21:35

Hallo,
ich möchte eine frage loswerden denn ich bin sehr gespannt wie andere eine solche Situation in den griff bekommen bzw sich da verhalten.
Ramon ist 7, durch eine Schädigung am gehirn ist er zu 60€ Behindert, ich habe nicht untersuchen lassen welche Regionen geschädigt sind.
Bei ihm wechselt es oft von seinem zustand das er ein super gedächtnis hat und sachen macht das wir Eltern nur staunen.Im nächsten moment kann er nichts mehr, bekommt nichts auf die reihe und anweisungen versteht er gar nicht mehr oder nur wenn man sie x mal wiederholt.Da kann eine anweisung wie "hol bitte die Bürste" schon zu viel sein.
Dieses das Kind überhaupt nicht einschätzen können, diese ungewissheit wie die nächste Situation sich zeigen wird macht mich echt krank, ich könnte manchmal durchdrehen weil er soooooo groß ist und im nächsten augenblick soooooo klein.
Wie bekommt ihr das hin? Vielleicht bin ich zu ungeduldig, oder ich habe mich noch nicht wirklich damit abgefunden das er so ist oder ich weiß es nicht.
Wie erlebt ihr eine solche situation???
Liebe Grüße
Christine

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AnjaD
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Beitragvon AnjaD » 05.01.2006, 00:44

Hallo Christina,

ich kann gut verstehen, dass diese Situation für dich nicht einfach ist.
Meine Tochter hat nach einem vorgeburtlichen Schlaganfall auch eine Hirmschädigung und eine Hemiparese. Ihre Krankengymnastin hat mir mal erklärt, dass diese Halbseitenlähmung dazu führt, dass sie sowohl körperlich als auch seelisch "keine Mitte" hat. Es ist bei ihr nicht so heftig, wie Du es bei Ramon beschreibst, bei ihr bezieht es sich eher nur auf die Stimmungen. Das heißt, sie kennt nur zwei Extreme: entweder sie ist super-gut gelaunt oder eben genau das Gegenteil (da fällt mir jetzt spontan kein vernünftiges Wort für ein!!! :wink: ). Entweder sie ist ziemlich überdreht oder sie hat völlige Wutausbrüche, schreit und tobt, wirft Sachen durch die Gegend usw.
Mich macht das zeitweise auch fast verrückt, insbesondere weil sie immer dann ihre Wutanfälle bekommt, wenn es gerade überhaupt nicht paßt (Termindruck, Wartezimmer.........).
Mir hat diese Erklärung der KG aber ein Stückchen weitergeholfen, weil ich dadurch einfach verstehen konnte, WARUM sie so ist. Seitdem kann ich etwas gelassener damit umgehen (meistens ... :oops: ), weil ich weiß, sie kann einfach nichts dafür, sie macht es nicht mit Absicht um mich zu tyrannisieren.

Da hilft wahrscheinlich wirklich nur gaaaaaaanz viiiel Geduld und Verständnis.

GLG AnjaD
Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal, wie es ausgeht.
Vaclav Havel

Anja (*1969)mit F. und D. (*1998), D.: ADHS, L. (*2001) vorgeburtl. Schlaganfall, Hemiparese, Epi, GB und Y. (*2004) V.a. ADHS

Manu7
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Beitragvon Manu7 » 05.01.2006, 09:24

Hallo Christina

Bei meiner Tochter sind Ähnlichkeiten vorhanden.

zB.: Sie konnte ne ganze weile das N ganz gut schreiben, und da kann eine Zeit
da konnte sie das nicht mehr.

Oder wenn ich sie frage was habt ihr heute in der Schule gemacht, da zuckt sie nur mit der Schulter und sagt weiß nicht.
Fragt ein anderer sie, dann erzählt sie schon mal was.

Soll sie mal was holen, was sie auch kennt, keine Reaktion, so als wenn sie es nicht gehört hat. Wenn mein Sohneman was zu ihr sagt, hol mir mal das, macht sie es.

Manchmal könnte ich echt durchdrehen, bisher habe ich immer die Ruhe behalten.

Weiß mir oft selber keinen Rat.

Eine Lehrerin meinte zu mir, das wäre normal, das wär bei anderen Kindern auch so!!

Gruß

Theo mit Manu7 und Jenni

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Beitragvon Steffi28 » 05.01.2006, 09:56

Hallo Christina
Ich kann dich gut verstehen unser Sohn hatte im alter von 5 Jahren eine Herpes Enziphalietis und mußte nach dem Drei wöchigem Koma alles neu erlernen eigentlich sollte er laut der Ärtzte nie mehr laufen spechen ja gar nichts mehr können. Sie hatten in einem Punkt recht er ist dadurch zu 100% GB (die linke Gehirnhälfte wurde komplett von den Vieren zerfressen und die rechte zu einem guten viertel) und sehr starker schlecht einstellbarer Epileptiker. Aber er kann an guten Tagen selber essen und die Zähne putzen, er kann laufen und eigentlich sieht mann ihm nichts an. Aber es gibt Tage da kann er nichts gar nichts nur laufen nicht ohne das ich den Arm führe essen nicht anziehen gar nichts und er merkt das und weiß das etwas nicht stimmt das macht ihn dann sehr agressiv. Es ist wie bei dir im einen Moment weiß er sogar wo er wohnt oder kann sogar ein kleines Puzzel (das ist für uns sehr viel da er gar nicht spielen kann)und im nächsten kann er nichts mehr. Ich habe gelernt mich auf jeden Momennt neu einzustellen obwohl ich oftmals auch platzen könnte wenn so einfache dinge nicht mehr Funktionieren.Ich würde mal nachschauen lassen welche Bereiche angegriffen sind das macht es vieleicht etwas leichter für euch und verständlicher. Ich kann euch nur ganz viel Kraft wünschen und ads ihr nie aufgeben werdet. ich habe leider die Kraft nicht mehr gehabt und habe meinen Sohn in eine Einrichtung geben müssen,dort hat er eine 1 zu 1 Betreuung die er braucht. Mein Sohn verbringt die Wochenenden und Ferien daheim eigentlich immer wenn ich kann.
Also dann erfreut euch jeden Tag aufs neue für das was er leistet und versucht die Rückschläge euch nicht so zu Herzen zu nehmen freut euch auf den Moment wo er es wieder schaft euch zu ÜBERRASCHEN!!!!!
Alles liebe Steff :D
6 Kinder 1994 100% Gb starke Epilepsie nach einer Herpes Enzephalities , 1996 ADHS
2mal 1997 gesund,2000 Lernbehindert Grenze zu GB, 2001gesund.

Petra B
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Beitragvon Petra B » 05.01.2006, 10:37

Hallo Manu7,

Oder wenn ich sie frage was habt ihr heute in der Schule gemacht, da zuckt sie nur mit der Schulter und sagt weiß nicht.
Fragt ein anderer sie, dann erzählt sie schon mal was.

Soll sie mal was holen, was sie auch kennt, keine Reaktion, so als wenn sie es nicht gehört hat. Wenn mein Sohneman was zu ihr sagt, hol mir mal das, macht sie es.


Eine Lehrerin meinte zu mir, das wäre normal, das wär bei anderen Kindern auch so!!



Da kann ich der Lehrerin nur voll und ganz zustimmen.

Das ist ganz normal. Wenn es nach den Fragen geht, was habt ihr in der Schule macht, dürfte meine gesunde Tochter, Gymnasium, in der Schule nur rum sitzen und mit ihren Freundinnen und Freunden quatschen.

Viele Grüße
Petra B


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