Kennt jemand die ABA-Verhaltenstherapie?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Roswitha
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Beitragvon Roswitha » 12.02.2012, 20:52

Hallo Charlo,

wenn ich eines gelernt habe in den letzten Jahren, dann dies: dass es nicht DIE ABA-Therapie gibt ... und "Therapie" schon gar nicht (so lautete doch die Eingangsfrage)
Ich habe diese Erkenntnis in erster Linie meinen Kindern zu verdanken. Beide haben die Diagnose "Frühkindlicher Autismus". Was bei dem einen gut ist, bewirkt bei dem anderen das Gegenteil. Dazu brauche ich auch kein ABA, keine hohe Intelligenz, nur einen einigermaßen wachen Verstand und mein Bauchgefühl.

So wie es immer Eltern geben wird, die während sie ihr Kind schlagen zeitgleich rufen können "es ist nur zu Deinem Besten", so wird es immer auch Therapeuten/Ärzte/Heiler geben, die von sich behaupten es nur so geht und nicht anders. Die "Bilderbuch" Berichte/Romane/Biographien von "Heilung vom Autismus" oder gar DIE Wunderdiäten, die Wunderpille ....

Auch kenne ich inzwischen viele, die ein ganz anderes ABA praktizieren, wo sich mir beim näheren Hingucken die Nackenhaare sträuben und ich befürchte, dass es mit der ganzen AVT Kampagne in den nächsten Jahren noch viel schlimmer wird. Leider.

Ich würde allen Eltern trotzdem nur raten: wenn ihr auf jemanden trifft, der für ALLES eine Erklärung hat, der für ALLES eine Lösung hat, der DIE Verhaltenstherapie praktiziert, dann seid immer skeptisch (das betrifft genauso Berichte in Elternforen :wink:) Ich vertraue inzwischen nur den Ärzten/Therapeuten/ABA- und sonstigen Fachleuten die tagtäglich noch bereit sind dazu zu lernen, jenen denen unsere Kinder noch was beibringen dürfen, jenen die uns Eltern auch "Eltern sein dürfen" zulassen... und ich glaube, dass ich mit dieser Einstellung nichts falsch machen kann, auch wenn wir unsere beide Kinder nach ABA/VB fördern und nicht "hintergehen" :D Übrigens hat mir diese Einstellung im Leben immer schon geholfen und sie ist für jede "Gehirnwäsche" und jede sonstige Droge recht therapieresistent :lol:

liebe Grüße Roswitha
Annika (12/2002) frühkindl. Autismus, ohne Sprache - Sebastian (04/2006) frühkindl. Autismus (beginnt zu sprechen!)
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 13.02.2012, 12:33

Hallo

@Charlo (Danke!): Was Du schreibst, finde ich sehr traurig aber auch sehr spannend und es gibt mir einen Einblick in eine autistische Innenwelt, die mich auf meinem Weg mit meinem Sohn bestärkt (hatte für ihn auch immer ein besseres Gefühl mit Teacch usw.). Ich denke, wir müssen unseren Kindern vor allem helfen, in der Welt zurechtzukommen aber wir sollten uns hüten, ihnen den Autismus "austreiben" zu wollen, denn der gehört zu ihrer Persönlichkeit. Dass man sie aus ihrer teils recht abgeschlossenen Welt aktiv herauslocken muss, ist andererseits auch klar. Mit Respekt und guten Ideen/Konzepten.

Hinter das, was Roswitha schreibt, vor allem im letzten Absatz, kann ich mich auch zu 100% stellen, mit dem, was ich die letzten Jahre an und durch meinen Sohn gelernt habe.

Liebe Grüße, Ingrid
Engrid
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"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Ute K.
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Beitragvon Ute K. » 14.02.2012, 16:23

Ingrid089 hat geschrieben:Ich denke, wir müssen unseren Kindern vor allem helfen, in der Welt zurechtzukommen aber wir sollten uns hüten, ihnen den Autismus "austreiben" zu wollen, denn der gehört zu ihrer Persönlichkeit. Dass man sie aus ihrer teils recht abgeschlossenen Welt aktiv herauslocken muss, ist andererseits auch klar. Mit Respekt und guten Ideen/Konzepten


Hallo Ingrid,

wer ABA/VB als Fördermethode (es ist übrigens keine Therapie) wählt, versucht genau dies: dem Kind zu helfen, in der Welt zurecht zu kommen. Und zwar in einer Welt, die nicht so schön geordnet ist, wie bei TEACCH, wo alles seinen Platz hat, wo schön strukturiert gearbeitet wird etc. Aber sicher hat auch TEACCH, wenn man es vernünftig anwendet, seine Berechtigung. Ich will da gar nicht das eine gegen das andere ausspielen.

Wogegen ich mich aber wehre, ist die Behauptung, wir wollten - weil wir unser Kind mit ABA/VB fördern - den Autismus "austreiben". Wenn wir Menschen mit anderen Behinderungen anschauen, dann fördern wir sie doch auch in den Bereichen, in denen ihre Behinderung liegt, ohne diese gleich "austreiben" zu wollen. Was ist verkehrt daran, einem Menschen mit einer Sehbehinderung beizubringen, sich mit Sehhilfen fortzubewegen anstatt zu warten, bis derjenige selbst auf die Idee kommt (oder irgendwie von alleine so weit ist). Was ist verkehrt daran, einem Menschen mit einer Gehbehinderung den richtigen Umgang mit einem Rolli beizubringen?

Charlotte, du hast geschrieben:
sie fühlt sich seit dem vogelfrei. sie muss nicht mehr etwas von uns einfordern, nein wir sind wir und sie ist wieder sie selbst

"Vogelfrei" ist von seinem Ursprung her sehr negativ. Martin Luther wurde z.B. mal als "vogelfrei" erklärt, das heißt er war ungeschützt. Jeder, der wollte, konnte ihn töten, ohne dass er dafür belangt wurde. Ich möchte nicht, dass mein Kind in diesem Sinne "vogelfrei" ist, d.h. seiner Umwelt ausgeliefert ist und sich nicht wehren kann, wenn es von Mitmenschen schlecht behandelt wird. Ich möchte, dass es lernt, in dieser Welt klar zu kommen und sogar den Spaß daran zu entdecken, mit anderen Menschen zu interagieren.
ich hoffe, dass sich die gesellschaft mehr und mehr auf einander abstimmt und nicht immer verlangt wird, dass die , die "anders" sind und denken, sich unter z,t. schmerzhaften umständen abstimmen müssen.
Wenn wir darauf warten, dass sich die Umwelt so ändert, wie du es hier hoffst, dann reden wir uns da auch aus unserer Verantwortung als Erziehungsberechtigte heraus.

Im Übrigen: ich verstehe nicht, warum du als Mutter dir von deiner 11-jährigen Tochter, die plötzlich von sich aus anfängt zu reden, auf ein Gymnasium geht, sich für Ägyptologie, Science fiction und die Herkunft der Sprache interessiert, vorhalten lässt, du hättest sie "geknebelt" und "kaputt gemacht". Das klingt irgendwie ein wenig schräg. Sorry, wenn ich das so direkt sage. Warum lässt du dir da ein schlechtes Gewissen einreden? Ich würde Halleluja rufen, wenn mein Sohn mit frühkindlichem Autismus sich so entwickeln würde, würde ihn in den Arm nehmen (wenn er es zulassen würde) und mit ihm die Welt entdecken (von mir aus auch Ägypten oder die Welt der Sprache). Aber ich hätte deshalb nicht im Nachhinein ein schlechtes Gewissen, weil ich mein Kind in der Vergangenheit mit viel Liebe und Engagement gefördert habe. Wir tun doch immer das, was wir in der aktuellen Situation als richtig empfinden. Wenn mein Sohn es später nicht mehr braucht, umso besser!

Ich werde jedenfalls nicht einfach die Hände in den Schoß legen und warten, bis er irgendwann einmal zu mir kommt und sagt: "Mama, was ich dir schon immer mal sagen wollte..." Das ist mir doch zu riskant! Da ist dann die Wahrscheinlichkeit doch höher, dass er irgendwann einmal in eine Einrichtung gehen muss, weil er zuhause nicht mehr betreut werden kann, weil wir als Eltern zu alt sind und weil sein Verhalten zuhause nicht mehr händelbar ist. Ich kenne leider genügend solcher Fälle, wo die Eltern irgendwann mal am Ende ihrer Kräfte sind und ihre inzwischen erwachsenen Kinder sich eben nicht "mal eben so" zu einem Savant entwickelt haben. Oder die autistischen Erwachsenen sind vielleicht sogar tatsächlich Savants, aber nicht in der Lage, sich alleine zu versorgen oder auto- und fremdaggressiv. Was dann? Dann gehe ich doch lieber jetzt das Risiko ein, auch mal Fehler in der Erziehung zu machen.

Im Übrigen haben wir von ABA-Eltern e.V. zu solchen Argumentationen, die man ja in regelmäßigen Abständen auch hier bei den REHAkids lesen kann, eine Gegendarstellung aus Elternperspektive geschrieben, die ihr hier: http://www.aba-eltern.de/images/stories/ABA%20aus%20Elternperspektive.pdf findet.
LG Ute mit N. (2004),Tuberöse Sklerose, Epilepsie, epilepsiechirurg. Operation im Januar 05 und August 07, sprachl. und motor. Entwicklungsverzögerung u. autistisch.

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Beitragvon Engrid » 14.02.2012, 23:12

Hallo Ute,

Du hast mich mißverstanden; ich habe ABA nicht mit "Autismus austreiben" gleichgesetzt.
Ich meine, dass wir alle, welche Methoden, Techniken, Therapien wir auch gutheissen oder ablehnen, den Autismus als Teil der Persönlichkeit akzeptieren sollen. Natürlich müssen wir gleichzeitig unseren Kindern sensibel und energisch helfen, ihre Blockaden loszuwerden. Es ist sehr sehr kompliziert, wir alle wünschen uns oft, in die Köpfe unserer Kinder "hineinschauen" zu können. Es gibt eben keinen Königsweg.

(Übrigens, der Witz an Teacch ist ja grade, dass es dem Autisten hilft, die chaotische Umwelt selbst mit den erlernten Techniken zu ordnen, erst durch Hilfe, dann zunehmend alleine. Also ihn unabhängiger und selbständiger macht. Das nur am Rande).

Liebe Grüße, Ingrid
Engrid
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Beitragvon Roswitha » 29.02.2012, 22:32

Hallo Ihr :D

Natürlich müssen wir gleichzeitig unseren Kindern sensibel und energisch helfen, ihre Blockaden loszuwerden.


... aber vor allem: es ist zu schaffen!!!!

Siehe dazu den aktueller Filmbeitrag über uns. Der Beitrag ist ultrakurz aber er soll einfach nur ermutigen!!!!

http://www.rbb-online.de/zibb/archiv/in ... nnika.html

liebe Grüße Roswitha
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Beitragvon Roy1969 » 29.02.2012, 22:41

Hallo Roswitha,

hab s mir grade angesehen, schwer was los bei euch :D

Der Schlußsatz ist auch mein Motto: Hauptsache glückliche Kinder :!:

Liebe Grüße

Roswitha
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D. HB mit ADS (ADS seit Februar 11 lt SPZ nicht mehr), A. seit 12/2010 Diagnose frühkindlicher Autismus
Alle mit Talent zum Glücklichsein :-)

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Beitragvon anitaworks » 01.03.2012, 10:19

Hallo Roswitha,

Ihr wirkt richtig glücklich. :D

LG Anita
*1996 Sohn F84.5G (2010) HB
*1998 Tochter F84.5G (2013), Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter F84.1G(2014), F90G (2011), HB, Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn F84.5G, F90G, F83, HB (2012)
Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!
#NoABA #FragtWarum

Susanne 61
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Beitragvon Susanne 61 » 01.03.2012, 20:48

Hallo Roswitha,
ich würde mir auch so gerne euren Film ansehen, aber es klappt nicht! Was mache ich falsch?
Liebe Grüße,
Susanne
Susanne mit Dorothea, 17 Jahre, frühkindlicher Autismus und drei gesunden Geschwistern 25, 28 und 29 Jahre

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Beitragvon Roswitha » 01.03.2012, 21:08

Hallo Ihr :D

danke für Euer Feedback. Ja, wir sind keine Familie, die den Kopf in den Sand steckt! Aber genauso gehören auch die Stunden/Tage dazu, wo uns die Hilflosigkeit übermannt. Da hilft auch nur die Hoffnung, dass es auch weiterhin so sein wird, dass es für jedes Problem irgendwann immer eine Lösung gibt. Wir können inzwischen sogar behaupten, dass wir mit jeder Sorge mehr gewachsen sind und auch stärker geworden sind. Hoffentlich überträgt sich das auch auf die Kinder.

@Susanne: Hmm, wahrscheinlich blockiert Dein PC...irgendein Filter/Sicherheitseinstellung oder, oder...Tut mir leid, dass ich nicht weiterhelfen kann :(
liebe Grüße zurück
Roswitha
Annika (12/2002) frühkindl. Autismus, ohne Sprache - Sebastian (04/2006) frühkindl. Autismus (beginnt zu sprechen!)

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Maria_t
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Beitragvon Maria_t » 11.04.2012, 09:39

Euch ist klar, dass Charlo die mit Aba ihre Tochter "fast kaputt gemacht" hätte ein Fake ist, oder?

LG

Maria
Mit Barbara (06) frühkindliche Autistin, Angelos (09) Autismusspektrumsstörung


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