Daseinsberechtigung?

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

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RenateT
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Beitrag von RenateT »

Manuela

da bin ich aber froh.

Was deine Bekannte betrifft; als Christ hast du ja die gewaltige Möglichkeit, um für sie zu beten.
Ich erkenne immer mehr, was es heisst, Sorgen und Lasten und Probleme in die guten Hände Gottes zu legen und sie dann dort auch zu lassen. Man könnte ja manchmal verzweifeln an all den Nöten der Menschen um einem herum, man könnte nächtelang wach liegen und grübeln und Lösungen suchen....und doch steht in Gottes Wort: "Alle eure Sorgen WERFET auf IHn, denn er sorgt für euch" oder diese gewaltigen Verse in Philipper 4,6-7, wo steht, dass der Friede Gottes unsere Herzen regieren wird, wenn wir alles bei ihm abladen.
Irgendwie will man ja alles selber in der Hand haben(jedenfalls ich) und ich bin immer wieder überrascht, wie Gott schon so gewaltig tolle Lösungen bereit liegen hat, wenn ich bereit bin, eine Sache aus meinen Händen in seine zu geben. Aber immer geht da ein innerer Kampf voraus :oops:
Dies nur um dir Mut zu machen, deine Bekannte an Gott "abzugeben" :D

Lieben Gruss und viel Kraft in deiner, wie du schreibst, schwierigen Situation

Renate
Mutter von drei nichtbehinderten Kindern und von Tikvah: schwere Entwicklungsstörung des Gehirns, Epilepsie, frühzeitige Pubertät

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Birgit1980
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Beitrag von Birgit1980 »

"Es wäre besser für sie und ihre Familie gewesen, wenn sie einfach eingeschlafen wäre..."

Dieser Satz hat für mich nichts mit "Daseinsberechtigung" und auch nicht damit dass die Menschen die sowas äußern ein besonders Kind nicht lieben und umsorgen würden, wenn sie eins hätten.

Ich versuchs mal aus meiner persönlichen Sicht, Erfahrung oder wie auch immer man das nennen will zu erklären.

Ich denke auch dass es besser wäre, wäre ich gar nicht erst geboren. Und dieser Meinung war ich schon als kleines Kind. Würde es mich nicht geben, würde mein Vater (er hat sich das Leben genommen als meine Mutter schwanger mit mir war) vermutlich noch leben, wäre mir viel Leid erpart geblieben und ich müsste mich nicht mit meinen blöden Krankheiten herumquälen. Ich habe viel erreicht und mein läuft seit einigen Jahren gut, aber ich werde vieles niemals verarbeiten können.
Ich werde niemals glücklich sein. Wäre es da nicht besser für mich, einfach gar nicht da zu sein?
Jennifer (1995) still geboren
Luca (2002) hyperkinetische Störung, Psychoemotionale Entwicklungsstörung, kognitiv überdurchschn. Begabung, Isolierte Rechtschreibstörung, Neurodermitis, Minderwuchs
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Marc6892
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Beitrag von Marc6892 »

Liebe Birgit1980,

das ist wirklich erschütternd, was du schon in deinen jungen Jahren mitmachen musstest.
Ich weiss nicht, wie ich es ausdrücken soll, das es nicht falsch verstanden wird.
Ich denke dein Vater war sehr krank. Wer sich selbst umbringt ist denke ich sehr krank. Sei es z.B. durch schwere Depression, seelische Störung, psychischer Druck. Da hattest du als ungeborenes Kind nicht den geringsten Einfluss drauf. Das war schon weit vor deiner Zeit. Bitte löse dich von dem Gedanken, dass du da Einfluss hattest.

Ausserdem denke ich auch, - da ich gläubig bin - dass Gott dich sehr wertvoll findet. Wir sind ihm alle wertvoll - das drückt er sehr schön in Psalm 27,10 aus:

10 Denn hätten mein Vater und meine Mutter mich verlassen, so nähme doch Jahwe mich auf. (Aus Elberfelder unrevidiert).


Auch erklärt uns die Bibel warum es Leid auf der Erde gibt. (Wäre aber zu lang für einen einzelnen Post).

Interessant ist, dass die Bibel klar sagt, dass der Umfang des Leides, das einen trifft nicht unbedingt mit einem persönlich zu tun hat. Also keine Strafe für eine Sünde und auch keine besondere Bestimmung.
"Zeit und unvorhergesehenes trifft sie alle" heisst es im Prediger.

Ich weiss nicht, ob du eine Bibel hast, oder dir vorstellen kannst, dass es einen Gott gibt.
In seinem Wort verspricht er uns, dass wir echten Frieden finden können.
(Z. B. Jesaja 48,17+18).

Kannst du dir das vorstellen? Dort steht sinngemäss geschrieben:
Wenn du ihm (Gott) bzw. seinen Geboten/Worten Aufmerksamkeit schenkst, kann dein Frieden werden wie ein Strom (Fluss) und wie die Meereswellen. Gefällt dir dieser Gedanke??

Du hast geschrieben, du hast viel erreicht. Und deine Kinder lieben dich sicher auch und finden dich unersetzlich. Das zeigt ebenfalls schon, wie gut es ist, dass du da bist.
"Das Tolle daran, die einzige zwischen richtig und falsch unterscheidende Art zu sein, ist, daß wir uns immer genau die Regeln ausdenken können, die uns gerade in den Kram passen. - Die letzten ihrer Art, Douglas Adams

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RenateT
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Beitrag von RenateT »

Liebe Birgit

mich haben deine Worte gestern Abend auch sehr bewegt, aber ich war zu müde, um zu antworten.

Ich finde auch, dass der Eingangssatz nicht unbedingt negativ verstanden werden muss. Gerade Aussenstehende meinen es oft nur gut, wenn sie so etwas sagen. Weil sie eben nur das Leid sehen. Und ich denke, manchmal ist es wirklich auch ein Segen, wenn ein Mensch sterben kann.

Was Marc zu deiner Situation schreibt, sehe ich auch so. Es ist wirklich nicht deine Schuld, dass dein Vater nicht mehr leben wollte. du kannst wirklich nichts dafür. Du darfst leben!!!!

Ich muss gerade auch an einen Bibelvers denken.

Ehe denn ich dich im Mutterleibe bildete, kannte ich dich,

Das sagte Gott zu einem Mann namens Jeremia, aber die Grundwahrheit gilt auch für uns.

Jesus sagt
Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu verderben; ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es im Überfluß haben

Aber du bist nicht allein mit diesen Gedanken. Auch in der Bibel gibt es Menschen, die Phasen hatten, in denen sie sterben wollten, in denen sie nicht mehr konnten. Ich glaube, es war Hiob, der auch gesagt hat: wenn ich doch nur niemals geboren worden wâre.

Und dann sehen wir, dass Gott selber diese Menschen wieder aufrichtet und ihnen gibt, was sie brauchen, um weitergehen zu können.
Das wünsche ich dir auch von ganzem Herzen.

Renate
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Theas
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Beitrag von Theas »

"Die einzige Entschuldigung für Gott ist, dass es ihn nicht gibt."
Heinrich Heine

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RenateT
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Beitrag von RenateT »

Hallo Theas

du hast schon öfters was in der Art geschrieben. Ich will das nicht negieren, weiss aber auch nicht recht, wie antworten ohne zu diskutieren oder zu predigen :cry:
Jedenfalls tut mir Heine leid.

LG Renate
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Birgit1980
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Beitrag von Birgit1980 »

Hallo,

ich möchte mich entschuldigen, dass ich gestern so emotional reagiert habe. Ich wollte den Thread auch nicht in eine andere Richtung lenken oder ne neue Diskussion auslösen.

Ich wollte damit nur ausdrücken, dass der Satz von Manus Bekannter nicht unbedingt böse oder negativ gemeint sein muss und auch nicht nur besondere Kinder betrifft. Für mich beinhaltet er vielmehr die Frage ob die Eltern jetzt vielleicht ein "zu schwieriges" Leben haben und ob das Kind ein glücklicher, zufriedener Mensch ist und sein wird. Sorry ich kanns nicht besser beschreiben aber ich hoffe ihr wisst was ich meine.
Jennifer (1995) still geboren
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Marc6892
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Beitrag von Marc6892 »

Hallo Birgit,
du musst dich doch nicht entschuldigen, deine Emotionen zum Thema hier zu äussern.
Ich finde auch, dass du es gut triffst hier.
Du hast recht, wenn du meinst, dass ein Gesunder Mensch durch Umstände seines Lebens letztlich genauso oder noch unglücklicher sein kann. Mein Sohn z.B. ist vor allem geistig behindert. Abgesehen von ein paar Allergien und motorischen Störungen oder Einschränkungen ist er körperlich recht fit.
Ich denke, dass er oft glückliche Momente empfindet. Er lacht auch sehr viel. Und manchmal mag er es sich fein anzuziehen und ist dann stolz. Den Stress auf der Arbeit, den unsereins im Büro empfindet, bekommt er in dem Masse dafür nicht mit.
Alles sind Gottes Kinder. Die gesunden und die besonderen. Auch wenn es im Moment für uns erst mal nicht so aussieht, haben Sie alle die gleiche Chance - denn Gott ist gerecht.

Ich habe auch mal so gedacht, ob es nicht besser wäre, wenn man gar nicht da wäre bzw. wozu man da ist. Durch die Bibel konnte ich jedoch verstehen, warum es momentan NOCH Leid auf der Erde gibt, und kann es so viel gelassener mit Hoffnung auf bessere Zeiten betrachten.

@Renate: Nimm diesen Text von Heine nicht so ernst.
Paulus hat in Römer 1:20 und 25 doch schon vorhergesagt, dass es auch Menschen geben wird, die gar nicht mehr an Gott sondern eher an Theorien wie Evolution glauben werden. Anhand der Beweise für die Schöpfung bezeichnet er es auch als "unentschuldbar". Immerhin diesen Begriff hat er da mit Heine gemeinsam gewählt :lol: :lol: .
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RenateT
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Beitrag von RenateT »

Guten Morgen Birgit

ich weiss nicht, was Manuela denkt, aber ich fand, dass dein Beitrag gut hier reinpasste.

Vieles hängt ja auch von der Sichtweise ab.

Es gibt ein Lied hier, das heisst:
Tel u zegeningen, één voor één,
tel ze allen en vergeet er geen,
tel ze allen, noem ze een voor een,
en je ziet Gods liefde dan door allen heen.

Also übersetzt reimt es sich halt nicht mehr, aber es heisst:
Zähle deine Segnungen
Eine nach der anderen
Zähle sie alle und vergiss keine davon
Zähle sie alle, summe sie auf, eine nach der anderen,
und dann wirst du Gottes Liebe durch das alles hindurchsehen.

Es ist im gleichen Sinn wie der Spruch:
Danken schützt vor Wanken, Loben zieht nach oben.

Sowohl das Lied als der Vers haben mir schon oft geholfen, um in dunklen Stunden bewust wegzuschauen von allem negativen, schweren, leidvollen und wirklich bewust aufzuzählen, wofür ich danken kann. Und das gibt dann wieder Kraft und Freude und bestätigt auf jeden Fall: Ich darf sein!!!!


@Marc, was Heine betrifft, dachte ich eher an Psalm 53, 2 :D

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klhobbitmanuela
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passt schon..

Beitrag von klhobbitmanuela »

Hallo Birgit,

ich gebe Marc und Renate vollkommen Recht.
Natürlich passt dein Beitrag hier rein....

Und ich finde auch nicht, dass du dich für deine Emotionalität entschuldigen mußt. Wir bestehen doch aus unseren Gefühlen und sie machen uns aus....

Ich habe dir ja schon geschrieben, dass ich immer in meinem Glauben die Hoffnung fand, die ich brauchte.
Auch in dem Punkt kann ich Renate und Marc nur zustimmen.

Wie schön ist es, wenn wir unsere Kinder einfach nur mal glücklich sehen.
Hört sich jetzt vielleicht blöd an, aber ich denke auch, dass unsere Kinder noch die Gabe haben, alles so hinzunehmen, wie es kommt und das Beste draus zu machen...

Ich jedenfalls bin froh, dass du dich hier geäussert hast und einigen Menschen vielleicht Denkanstösse gibst....



Hallo Theas,
schade, dass du Heine so ernst nimmst. Ich glaube, er war Zeit seines Lebens auf der Suche nach "Glauben". Selbst als getaufter Jude hatte er damit dann auch keinen Erfolg.
Ein christliches Leben hat er ebenfalls nicht geführt und ziemlichen Krach mit seinen Zeitgenossen gehabt. Keine Frage, er war einer der besten Romantiker.
Überblick man seine Biografie und die Zeit, in der er lebte, kann man schon verstehen, dass er ein verbittert Mensch war. Schade nur, dass er nicht an einem Glauben festgehalten hat.
Aber ich frage dich, wieso hat er sich so viel mit Gott beschäftigt, wenn es ihn angeblich nicht gibt?????



liebe Grüße und vielen Dank für eure lieben und aufmunternden Worte....
Manuela
Manuela mit J. (*Okt.08): TGA mit VSD, geswicht, IVH III°,posthämmorrhagischer Hydrocephalus internus Klumfuß linksseitig, Sichelfuß rechtsseitig, kongenitale Patellaluxation rechtsseitig, Verdacht auf CATCH 22, SBA 50%G mit Papa T. und Bruder L. (*Mai´04): Osteomyelitis (durchgestanden und Coxitis fugax (hoffentlich durchgestanden)

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