Welche Schule für autistischen Sohn?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Meni13
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Welche Schule für autistischen Sohn?

Beitragvon Meni13 » 26.12.2005, 18:40

Hallo Ihr Lieben!

Wie ich ja schonmal berichtet habe ist unser autistischer Sohn zurzeit in einer Tagesklinik Kinderpsychiatrie, um ihn schulfähig zu machen. Er hatte vorher große Probleme es woanderst überhaupt auszuhalten und war bis zu seinem 8. Lebensjahr nur zuhause außer einigen Versuchen ihn in den Kindergarten oder Schule zu integrieren.
Seit September ist er nun in der Tagesklinik und hat nun endlich gelernt es woanderst als zuhause auszuhalten und sich dabei auch wohlzufühlen. Er hat zwar immernoch große Probleme sich in eine Gruppe zu integrieren, aber er hält es in einer Kleingruppe aus, wenn man ihn auf sich zukommen lässt.
Nun soll eine Schule für ihn gefunden werden. in einer Praktisch Bildbare Schule ist er unterfordert , aber in einer Lernbehinderten Schule wäre er überfordert. Uns als Eltern ist es in erster Linie wichtig das er sich wohlfühlt, obwohl uns auch der schulische Aspekt wichtig ist. Die ärzte möchte aber schon auch das er schulisch richtig gefördert wird.
Was meint ihr welche Kriterien am wichtigsten sind?
Welche Schule im Raum Darmstadt-Dieburg wäre wohl geeignet?
Würde mich über ein paar Anregungen freuen!

Liebe Grüße Meni :P

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Danie
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Beitragvon Danie » 27.12.2005, 11:13

Hallo Meni,

ich kenne ähnliche Fälle aus meiner beruflichen Erfahrung und weiß, wie schwierig die Frage der Schulauswahl besonders bei autistischen Kindern ist.

Pauschal und ohne deinen Sohn zu kennen, ist es schwierig deine Frage umfassend zu beantworten. Da ich nicht aus deiner Region komme und darüber hinaus mit den länderspezifischen Bestimmungen von Hessen nicht vertraut bin, kann ich dir auch keine konkrete Schule nennen.

Vielleicht helfen dir jedoch folgende Hinweise ein wenig bei der Entscheidungsfindung:

Generell kommen für Leon sowohl die Schule für Praktisch Bildbare als auch die LB-Schule in Frage. Daneben gibt es auch noch die Möglichkeit einer integrativen Beschulung in Grundschulen.
Du schreibst, dass Leon gerade dabei ist, eine grundlegende Akzeptanz für den Aufenthalt in Kleingruppen zu entwickeln. Sowohl Schulen für Lernbehinderte als auch Grundschulklassen haben in der Regel hohe Gruppenstärken, d.h. es sind 17 und mehr Schüler in einer Klasse. Der Personalschlüssel in der LB-Schule sieht ebenfalls nur 1 Lehrer pro Klasse vor. In der Integration werden die Schüler in Kernzeiten von einem Sonderschullehrer gefördert, es gibt aber auch Unterricht im Gesamtgruppenverbund. Kognitiv gesehen, würde dein Kind hier evt. optimal gefördert, gleichzeitig müsste es neben einem hohen Maß an Selbstständigkeit aber auch in der Lage sein, reizintensive Situationen annehmen und verarbeiten zu können.
Hinzu kommt, dass das Sozialklima an LB-Schulen und auch an manchen Grundschulen oftmals sehr "rauh" ist.

Ich persönlich sehe in diesen Schulformen nur wenig bis gar keinen Rückzugsraum, den erfahrungsgemäß gerade autistische Schüler dringend benötigen. Es gibt mittlerweile in vielen Schulen für Praktisch Bildbare gute Angebotsstrukturen für autistische Schüler. So werden z.B. auch in unserer Schule (Förderschule für geistige Entwicklung in NRW) viele autistische Schüler (auch nichtsprechende mit Hilfe der FC-Methode) erfolgreich unterrichtet - und das auf einem ihrem ihren intellektuellen Möglichkeiten entsprechenden Niveau. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit, Schulpraktika an anderen Schulen zu machen. In einem Modellversuch in NRW konnten einige autistische Schüler sogar den Hauptschulabschluss erwerben.
Eine Schule für Praktisch Bildbare ermöglicht Leon eine Entwicklungsförderung in allen Lernbereichen. Er kann sowohl kognitiv angemessen gefördert werden, da diese Schulform über die entsprechenden räumlichen und personellen Möglichkeiten für Lernen in Klein- und ggf. auch Kleinstgruppen verfügt, als auch weiterhin individuelle Entwicklungsfortschritte im sozial-emotionalen Bereich erzielen und das in einem situativen Kontext, der dem der Tagesklinik halbwegs ähnlich ist.

Ich empfehle dir, verschiedene Schulen in eurer Region auf die Fördermöglichkeiten für autistische Schüler "abzuklopfen" und diese dann persönlich anzuschauen. Die meisten Schulen unterstützen die Hospitation von Eltern mit Schulanfängern und erfahrungsgemäß lassen sich so viele Bedenken im Vorfeld klären.
Liebe Grüße!
___________
Daniela (*1973, LKGS) mit Sohn (*2004, Neurodermitis, KISS und diverse
Nahrungsmittelallergien), Tochter (*2009) und unseren Zwillingssternchen (*2008/+ 2008) ganz tief im Herzen

Unsere Galerie: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_per ... er_id=3982 .

Judith
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Beitragvon Judith » 28.12.2005, 21:06

Hallo Meni und DAnie,

@ Meni: Kann Dir Deine Frage zwar nicht beantworten, aber mal kurze Grüße an meine alte Studienheimat (Dieburg)!! In zwei Jahren werde ich aber das gleiche Problem haben. Mein Sohn ist auch Autist, aber das Thema Schule ist noch rel. weit weg (erstes Kindergartenjahr). Allerdings wird mir bei dem Gedanken schon mulmig. Mir erzähle letztens eine Sonderschullehrerin von einer GB-Schule
(NRW), dass man das Kind besser auf eine GB-Schule geben könnte, als auf eine LB-Schule, selbst wenn das Kind das Leistungsniveau hierfür geeignet wäre, weil dort auch viele Kinder aus "sozial problematischen" Familien kommen mit äußerst aggressivem Potential... .
Das hat mich ziemlich geschockt, soweit hatte ich noch nciht gedacht.... da mein Sohn völlig aggressionslos (zumindest noch) ist :o((

Viele Grüße, Judith
Judith & Sohn (Schulkind mit frühkindl. Autismus & ADHS, evtl. HFA)

"Don´t limit yourself by a definition of yourself!"


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