Mein Kind wird bald eingeschult- was muss ich beachten?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Gast

Mein Kind wird bald eingeschult- was muss ich beachten?

Beitragvon Gast » 09.10.2004, 22:28

Hallo an alle,
dieses Jahr wurde unser gesundes Kind eingeschult, und es fand wie folgt statt:
1. Schuluntersuchung beim Gesundheitsamt mit Durchführung des Schuleignungstests.
2. Aufnahmegespräch mit der zuständigen Grundschule.
3. Einschulung

Die Diskussion, die zur Zeit um die Schwierigkeiten bei der Schulwahl mit einem DS-Kind läuft, hat mich ganz verunsichert.
Es muss doch auch möglich sein, bei behinderten oder entwicklungsauffälligen Kindern einen "Normweg" aufzuführen, d.h. welche Tests werden wann durchgeführt, oder wann tritt man in Kontakt mit Sonderschulen oder Regelschulen.
Hier im Forum sind doch schon viele diesen Weg gegangen.
Könnt ihr mir helfen?
Liebe Grüße
Christina

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Beitragvon Sabine » 09.10.2004, 22:37

Hallo Christina,

also bei Jan-Paul ist jetzt schon mit drei Jahren klar, dass er ganz sicher keine Regelschule besuchen wird - auch nicht als I-Kind. Wenn´s in drei bis vier Jahren soweit ist, werde ich ihn hier im Dorf an der Regelschule zwar anmelden müssen (das ist wohl so Vorschrift - anscheinend eine Formsache), aber er kommt dann hier zur Körper- und Geistig-Behinderten-Schule. Die hiesige hat auch einen ganz guten Ruf - steht oft was in der Zeitung drin.
Genaueres weiß ich aber auch nicht, hoffe du bekommst einige gute Infos.

Lieben Gruß,
Sabine
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Margarete
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Beitragvon Margarete » 10.10.2004, 09:01

Hallo Christina,

das habe ich schon befürchtet, dass diese Diskussion hier den einen oder anderen verunsichert.

Schulrecht ist Länderrecht und jedes Bundesland hat da möglicherweise andere Vorgehensweisen. Wie die Einschulungsuntersuchungen bei Euch ablaufen, kannst Du bei Eurer zuständigen Grundschule erfahren oder beim entsprechenden Schulamt. Das gesamte Schulrecht kannst Du im Internet auf der Seite des Kultusministeriums nachlesen.

Bei uns in Hessen ist es so: Jedes Kind wird zunächst einmal an der zuständigen Grundschule angemeldet. Der Grund dafür ist, dass alle schulpflichtigen Kinder, die zum Einzugsgebiet der Schule gehören, dort erfasst sind. Es findet dann eine Gesundheitsuntersuchung statt, ob in der Schule oder beim Gesundheitsamt ist anscheinend unterschiedlich. Der eigentliche Schuleignungstest findet an der Grundschule statt.

Falls nun die Grundschulleitung bei dem Kind einen sonderpäd. Förderbedarf vermutet, meldet sie dies an die zuständige S-Schule, bzw. an das Schulamt weiter. Dann wird der Bedarf an sonderpäd. Förderung überprüft. Bei uns an der Schule wird es so gehandhabt, dass eine Lehrkraft das Kind dann im Kindergarten besucht, sich mit dem Kind vertraut macht, es im Spiel beobachtet und sich mit den Erzieherinnen austauscht. Dann wird das Kind in die Schule eingeladen. Hier findet dann die eigentliche Überprüfung statt. Es werden Tests gemacht. Welchen Test die jeweilige Schule benutzt, bleibt ihr überlassen. Es muss sich aber immer um einen standardisierten Test handeln. Wir haben Kinder, die zunächst an einer L-Schule überprüft wurden und dann an die G-Schule überwiesen wurden. Es ist also nicht automatisch so, dass Kinder auf der G-Schule landen. Nach meiner Erfahrung wird das schon sehr genau geprüft. Weiterhin finden Gespräche mit den Eltern statt.

Sind die Eltern sich darüber im Klaren, dass sie ihr Kind grundsätzlich nur an einer G-Schule einschulen wollen, können sie auf das sonderpäd. Gutachten verzichten. (wenn ein Kind sehr starke Behinderungen hat)

Gegen das erstellte sonderpäd. Gutachten können die Eltern Einspruch erheben, dann muss erneut überprüft werden.

Falls Du Dein Kind an die Regelschule schicken möchtest, würde ich Dir empfehlen schon jetzt Kontakt mit dieser auf zu nehmen. Es bleibt nämlich der Schulleitung überlassen, ob sie ein Kind mit sonderpäd. Förderbedarf an die Schule aufnimmt oder nicht. Dann wirst Du nämlich sehen, wie sie zu einer evtl. Integration steht und kannst längerfristig darauf hin arbeiten. Im hessischen Schulgesetz steht nämlich, dass die räumliche, personelle und sächliche Ausstattung vorhanden sein muss, um eine Integration durch zu führen.

Ich denke, dass es immer sinnvoll ist, zunächst einmal wohlwollend an die Schulleitung heran zu treten. Dann erreicht man mehr, als mit der Holzhammermethode.

Gut wäre auch, wenn Du einmal an der Grundschule hospitieren könntest, damit Du Dir ein Bild davon machen kannst, ob Dein Kind da zurecht kommen könnte. Ebenso würde ich mir die infrage kommende S-Schule anschauen.

Ich hoffe, ich konnte Dir etwas helfen

LG

Margarete

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Beitragvon Thomas » 10.10.2004, 10:21

Hallo,

mal für alle, die so ungebildet sind wie ich und nicht wissen, was die einzelnen Abkürzungen genau bedeuten: ;)

S-Schule = Sonderschule
L-Schule = Lernbehindertenschule
G-Schule = Geistigbehindertenschule

Allerdings sind das alles umgangsprachliche Bezeichnungen. In Hessen hieß die G-Schule bisher Schule für Praktisch Bildbare.

Seit kurzem gibt es allerdings neue Bezeichnungen:

Alle Schulen heißen jetzt Förderschulen. (Beschluss der Kultusministerkonferenz)

Also:
Förderschule für das Sehen (Sehbehinderte und Blinde)
Förderschule für das Hören (Hörbeeinträchtigte)
Förderschule für die Sprache (bisher Sprachheilschule)
Förderschule für Kranke
Förderschule für die körperliche und motorische Entwicklung (Körperbehinderten Schule)
Förderschule für die geistige Entwicklung (G-Schule)
Förderschule für das Lernen (L-Schule)

(Dank an Margarete für die Erläuterung per PN) :roll:


Schönen Gruß
Thomas
Zuletzt geändert von Thomas am 10.10.2004, 10:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Gast » 10.10.2004, 10:23

Hallo Margarete,
vielen Dank für Deine Antwort.
So, wie Du den "Weg" beschreibst, so habe ich es mir auch in etwa vorgestellt.
Bisher haben wir unser Kind nur einmal mit 3 Jahren testen lassen und ich hatte jetzt den Eindruck, ich habe vielleicht in Hinblick auf Testungen etwas versäumt.
Ich denke auch, dass für uns eine Integration nur an einer Grundschule in Frage kommt, die unser Kind freudig aufnehmen möchte.
Von "unserer" Grundschule weiß ich auch nicht, ob sie das machen. Und wenn er das einzige Integrationskind in einer Klasse wäre, hätte ich auch schon wieder Bedenken, dass er sich als nicht gleichwertig gegenüber den gesunden Kindern empfindet. Aber in einem Nachbarort wird wohl Integration schon seit einigen Jahren erfolgreich praktiziert.

Im Internet habe ich schon sehr viel über Schulrecht allgemein und über Sonderschulen gelesen. Ich finde es aber sehr schwer herauszufinden, was für meinen Sohn da die passende Schulform wäre. Und dann benennen die unterschiedlichen Bundesländer ihre Sonderschulen noch anders. und da wir in Rheinland-Pfalz wohnen, aber nicht weit weg von NRW kämen für uns vielleicht diese Schulen auch noch in Frage.
ALso, ich finde, dass ist ein sehr komplexes Gebiet.
Aber es wird dennoch zu lösen sein (Du hast mir Mut gemacht) und hoffentlich so, dass wir als Eltern und unser Kind an einer Schule glücklich sein werden.

Liebe Grüße
Christina

Margarete
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Beitragvon Margarete » 10.10.2004, 10:43

Hallo Thomas,

ich habe noch die L-Schule vergessen! Sie heißt jetzt Förderschule für das Lernen!

Christina, ich sehe das auch so! Integration ist gut und wichtig! Es sollte jedoch immer das einzelne Kind angeschaut werden und ebenso die Rahmenbedingungen. Schließlich geht es ja um das Lebensglück eines Menschen! Nichtgelungene Integration, aus welchen Gründen auch immer, kann ein Kind in seiner Persönlichkeitsentwicklung enorm "behindern." Es ist Aufgabe der Eltern, sich zu fragen: Bringt es mein Kind weiter, wenn es immer hinter anderen her hinkt? Wenn es sich über das Maß anstrengen muss, um einigermaßen Anschluss zu halten? (Siehe die Postings von Jörg, hier an anderer Stelle)

Bei allem was ich in meiner Arbeit tue, stelle ich mir die Frage: "Will das dieser Mensch überhaupt? Ist es in seinem Sinne? Und ich überlege auch, wollte ich das so, wenn ich eine Einschränkung oder Behinderung hätte? Da fällt mir schon manche Entscheidung leichter.

Integration ist wichtig und gut, aber nicht um der Integration willen, sondern immer im Hinblick auf das Wohl des Kindes. Ich vermute einmal, dass manche Eltern zu sehr auf das Recht auf Integration beharren und ihr Kind dabei aus dem Blickfeld verlieren.

Ich wünsche Dir, liebe Christina, dass Du bei allen Verwirrungen, die ja immer einmal entstehen können, nicht den Blick für Dein Kind verlierst. Schau es an, als Mensch, der vor Dir steht. Schau es mit all Deiner Liebe an und Du wirst richtig entscheiden.

Liebe Grüße

Margarete

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Beitragvon Sabine » 10.10.2004, 11:23

Hallo!

Wir wissen schon jetzt, welche Schule Jan-Paul nach dem Kindergarten besuchen soll. Die hat hier im Kreis einen guten Ruf und steht auch oft in der Zeitung. Ich bin ganz froh, dass ich mir darüber keine großen Gedanken machen muss und das ganze wird sicher auch recht glatt über die Bühne laufen.
Danke noch mal an Margarete für ihre Ausführungen.

Lieben Gruß,
Sabine
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Beitragvon Gast » 10.10.2004, 12:28

Hallo Sabine,
sei nicht zu schnell mit Deiner Entscheidung.... :D
Mit 2,5 Jahre hätte ich auch gewusst, welche Schule für unseren Sohn in Frage kommt. Und dann hat er auf einmal von heute auf morgen von Null Worten an angefangen in ganzen Sätzen zu sprechen. Damit hat er sämtlichen Prognosen widersprochen.
Diese Taktik hat er auch in anderen Bereichen verfolgt, z.B. Sauber werden.
Ich durfte ihn nie auf das Töpfchen setzen. Vor einem halben Jahr hat er es sich selbst geholt und war dann Tag und Nacht trocken.
Also, man weiss nie, was in den Kindern so drinnen steckt. Und deshalb ist wohl bei uns auch die Schulfrage noch bis zum Schluss offen.
Liebe Grüße
Christina

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Beitragvon Sabine » 10.10.2004, 15:29

Hallo Christina,

ja, wir warten natürlich auch erst mal ab. Jan-Paul hat ja nun auch erst mal vier Jahre Kindergarten vor sich. Vielleicht können die Erzieherinnen und Erzieher, Therapeuten etc. ja ein bisschen "zaubern" und noch so einige Entwicklungsschübe auf den Weg bringen.
Es ist nur schon mal gut zu wissen, was in Frage käme und an wen man sich wenden kann.
Danke auch noch mal für deine lieben Worte!

Gruß,
Sabine
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Benja

Beitragvon Benja » 24.11.2004, 06:56

Hallo Christina!
Mein Sohn Jendrik ist in diesem Jahr integrativ an einer Grundschule eingeschult worden.
Bei uns, wir leben in Schleswig-Holstein, lief das Prozedere folgendermaßen ab.
Zuerst die "normale" Anmeldung bei der zuständigen Grundschule, weil dort eben alle Kinder erfasst werden. Da Jendrik ja nun schon als Integrationskind im Kindergarten war habe ich zeitgleich einen Antrag auf integrative Beschulung gestellt. Im Januar fand dann die Einschulungsuntersuchung statt, wo dann auch festgestellt wurde das er nicht schulreif ist. :(
Einen Monat später kam dann der Sonderschulpädagoge in den Kindergarten um das Gutachten zu erstellen. Er hat sich dafür 4 Tage Zeit genommen und wir haben das Gutachten dann auch recht schnell bekommen.
Bei Jendrik ist dann ein "L" rausgekommen (also Förderbedarf im Bereich Lernen).
Was mir sehr geholfen hat ist das es hier eine Selbsthilfegruppe gibt die sich mit der integrativen Beschulung befasst. ( Initative "Gemeinsam leben, gemeinsam lernen") Durch diese Infoabende hatte ich schon verschiedenste Kontakte zu Schulleitern, Lehrern und Eltern die sich mit dieser Form der Beschulung auskennen. Bei dem Sonderschulpädagogen haben wir dann den 2. Antrag gestellt. :wink:
Anschließend tat sich lange Zeit gar nix, da die letzten Gutachten erst im Mai (!) geschrieben wurden und anschließend vom Förderzentrum gebündelt wurden. Ich muß gestehen, daß ich ordentlich "genervt" habe! :lol:
Die Wartezeit habe ich genutzt um mir verschiedene Grundschulen anzusehen und Kontakte zu knüpfen. Bei uns gibt es 5 Grundschulen am Ort die vom Gesetz her ja verpflichtet sind integrativ zu beschulen.
Ich habe dann auf sehr konkrete Weise den Leiter des Förderzentrums darauf hingewiesen welche Grundschule ich gerne für meinen Sohn möchte :lol: und schlußendlich hat er sich auch gefügt. 8)
Jendrik wurde am 12.08.04 dort eingeschult und meine anfänglichen Bedenken haben sich weitestgehend in Luft aufgelöst. Glücklicherweise kenne ich seine Sonderpädagogin privat gut und auch mit den anderen Lehrkräften kommen wir gut klar. Letztens hatte ich ein Elterngespräch mit der Förderlehrerin und zu meiner Freude sagte sie mir das Jendrik total unauffällig wäre. Die feinmotorischen Probleme sind zwar da, aber es gibt einige "Regelkinder" in der Klasse die auffälliger sind als er.
Was eure Kinder betrifft kann ich euch nur Raten keine Zukunftsprognosen frühzeitig zu stellen. :wink:
Jendrik konnte mit 4,5 Jahren maximal 10 Worte sprechen, keinen Stift halten und war auch sonst total aus der Spur.
Heute, er ist ja erst am 29.06.04 sechs Jahre alt geworden) kann er schreiben, lesen, rechnen und der Entwicklungsrückstand hat sich auf ein minimum reduziert. :D
Wichtig für die Einschulung finde ich das man wirklich guckt was für das Kind das beste ist. Fördern heißt bei mir auch fordern! Immer einen kleinen Schritt mehr als wie geschafft wird. Das richtige Maß dafür zu finden ist die Kunst bei der Sache und mit sicherheit auch das schwierigste daran. :roll:
LG Andrea


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