Mein Kind wird bald eingeschult- was muss ich beachten?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Gast

Beitragvon Gast » 24.11.2004, 07:54

Hallo Andrea,
vielen Dank für Deinen positiven Bericht. Das freut mich sehr zu hören, dass es anscheinend doch mit der Integration so gut klappen kann, und sich Dein Kind dadurch wohlfühlt.
Eine Frage hätte ich noch: Warst Du direkt sicher, Dein Kind integrativ beschulen zu lassen?
Ich schwanke selbst immer hin und her, ob mein Sohn vielleicht nicht doch besser auf einer Sonderschule aufgehoben wäre. Hat Dich da auch der Sonderpädagoge beraten?
Mit dem Fördern und fordern versuche ich mir größte Mühe zu geben. Manches klappt auf Anhieb sehr gut, aber wenn er z.B. etwas basteln soll, dann ist er noch soo hilflos. Es ist manchmal nicht so einfach für mich, diese Geduld aufzubringen und das "richtige" Maß zu finden.
liebe Grüße
Christina

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Maja

Beitragvon Maja » 24.11.2004, 13:20

Thomas hat geschrieben:
Förderschule für das Sehen (Sehbehinderte und Blinde)
Förderschule für das Hören (Hörbeeinträchtigte)
Förderschule für die Sprache (bisher Sprachheilschule)
Förderschule für Kranke
Förderschule für die körperliche und motorische Entwicklung (Körperbehinderten Schule)
Förderschule für die geistige Entwicklung (G-Schule)
Förderschule für das Lernen (L-Schule)



Wir haben zwar noch etwas Zeit,

aber was ist, wenn ein Kind, körperlich, geistig und sprachliche Defizite hat? In welche Schule kommt es dann?
Ist vielleicht eine blöde Frage von mir, aber das kam mir sofort in den Sinn.
Denn das alles trifft auf Luca zu und ich denke nicht mehr, das er irgendwann mal in einem dieser Bereiche altergemäß entwickelt sein wird

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Skylar
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Beitragvon Skylar » 24.11.2004, 13:41

Hallo Maja!

Ich denke, daß für Luca (sofern er deutliche geistige Defizite hat) die Förderschule für geistige Entwicklung die erste Wahl wäre, weiß aber auch, daß es an den Förderschulen für das Sehen und Hören oftmals Abteilungen für Schüler mit Lernhilfe Niveau und teilweise für geistig behinderte Kinder gibt.
Evtl. gibt es solche Klassen auch an Sprachheilschulen?! Damit kenne ich mich leider nicht genug aus!
Was die körperlichen Defizite angeht denke ich, daß eine reine Schule für körperlich Eingeschränkte nicht das richtige wäre, weil er da in zu vielen anderen Bereichen nicht ausreichend gefördert werden könnte.

Also, entweder eine Förderschule für die geistige Entwicklung oder eine Förderschule für die Sprache mit integrierter Abteilung für geistig Behinderte oder Lernbehinderte (Weiß ja nicht so genau wo Luca steht!?)


Natürlich nur meine meinung dazu und vielleicht widerspricht mir ja jemand... :wink:

Liebe Grüße,
Tina
gesetzliche Betreuung für Kevin (* 12.03.91) ICP in Form einer Spastischen Tetraparese, Epilepsie, geistige Behinderung, Z.n. Versteifung der HWS, Kommunikation nur über "Ja" und "Nein"

Margarete
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Beitragvon Margarete » 24.11.2004, 16:24

Hallo Maja,

in der Regel unterrichten die Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung sowie die Förderschule für Sprache zielgleich mit den Grundschulen. D.h. der Unterrichtsstoff ist dem der Grundschule angepasst. Das Ziel der Förderschule für Sprache ist ebenso, die Kinder möglichst nach dem 3. Schulbesuchsjahr in die Regelschule zu entlassen. Dementsprechend muss die geistige Entwicklung eines Kindes in etwa auf dem Stand eines "normalen" Grundschulkindes sein, um im Unterricht mit zu kommen.

Wir haben an unserer Förderschule für die geistige Entwicklung eine große Anzahl Schüler/innen, die körperliche sowie auch sprachliche Schwierigkeiten haben. In meiner 1. Grundstufenklasse spricht z.B. kein einziges Kind. Zwei Kinder sind so sehr körperlich eingeschränkt, dass sie sich nicht selbst fortbewegen, drehen, aufrichten etc. können. Eines dieser beiden Kinder ist zudem noch blind.

LG

Margarete

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Isolde
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Beitragvon Isolde » 24.11.2004, 20:18

Hallo Maja,

genau dieses Problem haben wir jetzt auch.
Jonathan, der im nächsten Jahr in die Schule kommt, hat genau dieses Problem - geistige Behinderung, Sprachbehinderung und körperliche Behinderung.
Er wird ganz klar in eine Schule für Geistige Behinderung kommen, denn für die Sprachschule oder die körperbehinderten Schule müsste er geistig viel fiter sein. Und somit ist es ganz klar, auch wenn ich sicher die Jahre über noch auf anderes gehofft habe.

Übrigens in Bayern heißt die Schule für Geistig Behinderte - "Schule zur indivuduellen Lebensbewältigung" - auch ein sehr vielsagender Begriff.

Ich versuche aber Jonathan erstmal auf eine Privatschule zu bekommen, d.h. Waldorf-Schule, Montessori-Schule oder die Schule bei der Lebenshilfe bevor er in die zu seinem Wohngebiet gehörende öffentliche Schule geht.
Denn ich stehe ein bisschen auf dem Standpunkt, dass sich die privaten Schulen durch die Schulgeldzahlung (bis 170,-- Euro/ Monat) doch ein bisschen mehr Mühe geben mit den Kindern, weil auch die Eltern einen ganz anderen Einblick dann haben und auch haben sollen. Und hier in München geht eben der Rest, der privat nicht mehr untergekommen ist auf diese staatliche Schule, weil am Ende Schulpflicht für die Kinder besteht.

Was dabei dann an Unterrichtsqualität herauskommt, werde ich dann feststellen, wenn mich dieses Los trifft.
Allerdings werde ich versuchen, zumindest bei den Waldörflern Jahr für Jahr neu anzuheuern. Für mein Empfinden liegt mir dieses System doch sehr.

Nächste Woche ist im Kindergarten Elternabend und diese staatliche Schule wird vorgestellt. Einen Hospitationstag kann man auch an allen Schulen genießen um zu sehen, wie sie mit den Kindern arbeiten. Auch das werde ich alles tun, habe dann schon einige Tage vor mir, München ist groß.

Einen lieben Gruß
Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

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Benja

Beitragvon Benja » 25.11.2004, 11:01

Hallo Christina!
Bei Jendrik haben wir uns irgendwie gar nicht die Frage gestellt ob er auf einer Sonderschule besser aufgehoben wäre! :wink:
Er ist fast 2 Jahre in einer integrativen Kindergartengruppe gewesen, dh. 15 Kinder davon 5 mit sonderpädagogischem Förderbedarf, und ist dort sehr gut klar gekommen. :wink:
Nebenbei habe ich durch das ganze Anmeldeprozedere mir ja auch die Sonderschule ansehen können und was ich da gesehen habe war echt nicht meine Welt. (Das betrifft jetzt echt nur die betreffende Schule!!!) :(
Jendrik ist ein Kind welches den Kontakt zu "normalen" Kindern braucht, weil er sich vieles abguckt. In der Förderschule wäre er ausschließlich mit Kindern zusammen gewesen die im Endeffekt die gleichen Probleme haben wie er. Das hätte mit sicherheit bedeutet das seine Entwicklung stagniert hätte. :?
Eine regelrechte Beratung von Sonderschulpädagogen haben wir nicht erhalten, aber wir waren zu diesem Zeitpunkt schon sehr gut informiert und konnten ihm unseren Standpunkt sehr klar verdeutlichen.
Er fand unsere Argumentation auch sehr gut, vielleicht auch weil er selber in einer Grundschule fördert und nur sehr wenig in der Sonderschule arbeitet.
Wir haben aber trotzdem einen recht steinigen Weg hinter uns gebracht, denn man ist permanent am kämpfen um seine Wünsche durch zu bekommen. :(
Unser zuständiger Grundschulleiter war z.B. der Meinung:
"Geben Sie ihr Kind in die Sonderschule denn wir können es hier nicht fördern! Und außerdem ist meine Tochter dort Lehrerin und ich weiß wie toll diese Schule ist!"
Bei diesem Satz ist mir echt die Kinnlade runter gefallen und ich bin heute froh das mein Sohn dort nicht eingeschult wurde.
In Jendriks Klasse ist es echt prima und was ich ganz besonders gut finde ist, daß niemand mitbekommt welches Kind denn nun den Förderbedarf hat! :wink:
Die Kinder sind so gut integriert das sie überhaupt nicht auffallen und auch die Kinder wo der Förderbedarf "sichtbar" ist ( Wir haben ein gehörloses und ein blindes Kind auf der Schule) gibt es überhaupt keine Probleme.
Ich würde diesen Schritt immer wieder gehen und ich glaube Jendrik auch!
LG Andrea

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Isolde
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Beitragvon Isolde » 25.11.2004, 12:46

Hallo, liebe Andrea,

das Problem ist aber noch, dass nicht jedes Kind integrierbar ist in einer Regelschule.
Und dann kommt es auf die Lehrer ganz ganz viel drauf an, ob sie sich damit befassen wollen oder nicht.

Für Jonathan müsste ein eigenes Konzept erstellt werden, damit er einen Tag in der Schule irgendwie aushält.
Auch er ging in einen integrativen Kindergarten für 2 Jahre und das war eine super Sache. Aber es war hier der Kindergarten - und somit konnte noch manches durchrutschen.

Aber in einer Regelschule wäre er überfordert.
Und deshalb ist dann eben doch die Frage - welche Schule ist die passende ???, um allen Seiten gerecht zu werden.
Das ist keine einfache Frage.

Bei Kindern, bei denen es möglich ist würde ich auch die Integration klar unterstützen in der Regelschule. Und wenn diese integrierten Kinder gar nicht mehr unter den anderen auffallen, dann ist die Integration gelungen.
Schön, dass Ihr die Chance dazu hattet - für Euer Kind sicher auch der bessere Weg.

Alles Gute darauf weiterhin
Isolde
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Benja

Beitragvon Benja » 26.11.2004, 07:16

Hallo Isolde!
Ich gebe dir absolut Recht das die Frage der Beschulung mit Sicherheit keine einfache ist und die Entscheidung unendlich schwer ist.
Ich denke mal das keiner von uns seinem Kind zusätzlich "Steine in den Weg" legen möchte und so ein ganz bischen sind wir im Herzen doch bestrebt unseren Kindern einen möglichst erfolgreichen Schul- und Berufsweg zu ebnen. :wink:
Meiner Meinung nach ist es immer schwer irgendwelche Tipps zu geben, wenn man das Kind nicht kennt und auch nicht einschätzen kann.
Ich spreche mich daher auch nur von der integrativen Beschulung für meinen Sohn aus und nicht für "alle" Kinder die einen Förderbedarf haben.
Was mich allerdings immer fürchterlich nervt ist das man meistens nicht ordentlich von der Schulbehörde informiert wird und das zumindestens ich irgendwie immer das Gefühl hatte die Sonderschulen bzw. Förderzentren gehen massiv auf "Schülerfang" um ihre "Daseinsberechtigung" nicht zu verlieren! :?
Ich denke da "hängt" unser Schulsystem und auch die Ansichten nichtbetroffener ganz massiv, denn integration sollte eine Selbstverständlichkeit sein und sich nicht auf Ausnahmen beschränken. :roll:
Gerade aber dieser Informationsmangel macht es uns Eltern so schwer sich richtig zu entscheiden. :(
Wie geschrieben kommt Jendrik in der Schule super klar. Man muß aber bedenken das er nur leichte Einschränkungen im Bereich der Feinmotorik hat und sich seine Wahrnehmungsstörungen sich so langsam in Luft auflösen. Er ist zwar etwas langsamer als die Regelschüler in seiner Klasse aber das war es denn auch schon.
Die Prognose das er in absehbarer Zeit "regelbeschulbar" ist ist daher sehr gut und von uns ja auch angestrebt.
Wenn man ein evtl. schwerstbehindertes Kind hat sieht die Sache schon ganz anders aus.
LG Andrea

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Beitragvon Isolde » 26.11.2004, 14:38

Hallo Andrea,

"Integration sollte eine Selbstverständlichkeit sein .......!", sagtest Du.
Wie wahr, wie wahr - nur zwischen Theorie und Praxis liegen Welten.

An anderer Stelle im User-Café werde ich am Wochenende mal eine Geschichte zur Integration erzählen. Eine Geschichte, die vielleicht noch ein Happy End hat oder eben auch nicht.

Ich freue mich für Euch, dass Euer Jendrik so integrierbar ist. Und das sollte man in jedem Falle nutzen. Zu dem Rest Schulthema werde ich wohl beginnen, mir langsam die verschiedenen Seiten zu betrachten. Am 2.12. ist der 1. Elternabend in Jonathans Kindergarten, in Bezug auf die hiesige öffentl. Geistig behinderten Schule. Die werden mal ihr Programm sicher gut verkaufen. Und im Januar folgt der Elternabend in der Waldorfschule.

Ich würde mir auch wünschen, ich könnte Jonathan nur irgendwie integrieren. Aber leider ist dieses bei uns nicht machbar - egal wie ich hin und her überlege, aber nur deshalb nicht machbar, weil sich keiner die Mühe macht, und weil alles soviel Geld kostet und Umstände bereitet.
Es wäre viel machbar in Bezug Integration, wenns nicht am GEld angeblich scheitern würde.

Lieben Gruß
Isolde
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Beitragvon Moni » 27.11.2004, 23:34

Zitat: "in der Regel unterrichten die Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung sowie die Förderschule für Sprache zielgleich mit den Grundschulen. D.h. der Unterrichtsstoff ist dem der Grundschule angepasst."

Das trifft für die Schule zur Sprachförderung (und auch die Schule zur Erziehungshilfe zu). Bei den Schulen für Körperbehinderte ist es unterschiedlich. Es gibt Schulen für Körperbehinderte, die nach den Lehrplänen der Regelschulen unterrichten, die meisten allerdings nehmen auch Kinder auf, bei denen die Körperbehinderung mit weiteren Beeinträchtigungen verbunden ist und unterrichten nach verschiedenen Lehrplänen.

Viele Grüße
Monika


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