wie erkläre ich Geschwisterkind, dass Bruder behindert ist?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Nicole Kern
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wie erkläre ich Geschwisterkind, dass Bruder behindert ist?

Beitragvon Nicole Kern » 12.03.2011, 10:38

hallo

Meine Tochter sagte grad zu mir Maximilian ist Behindert.
das hat sie vorher noch nie gesagt.

Ich darauf wo hast du das her? vom Kindergarten sagte sie darauf.
Ich und das ist doch nix schlimmes maximilian ist behinder und doch ganz lieb oder?

Ich hab ihr versucht behindert zu erklären aber das ist mir glaube ich nicht so geglückt, sie hat es wohl nicht verstanden.

Ich habe mich schon lange vor dem Tag geängstigt und war jetzt ziemlich geschockt als es so unsvorbereitet aus ihrem Mund kam.

sie hat heute gebutstag und wird 4 Jahre alt.

Helft mir wie kann ich es ihr erklären wie soll ich eure Meinung darauf reagieren.

wie sind eure Erfahrungen

Vielen Dank im vorraus

Ah sorry Maximilian ist geistig Behindert
Maximilian 9.2003 Myopie, Pendelnystagmus und Strabismus bds. Muskuläre Hypotonie, Störng der Grobmotorik und der Koordination, Expressive Sprachstörung, Schwere globale Entwicklungsstörung im sinne einer mittelgradigen geistigen Behinderung

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Claudi-BaWü
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Beitragvon Claudi-BaWü » 12.03.2011, 11:06

Hallo Nicole,

Dominik hat zwar kein Geschwisterkind aber eine Cousine (12 J.) und zwei Cousin (4J + 1,5 J). Da wir in der gleichen Stadt wohnen sehen sich die Kinder sehr oft.

Meine Nichte ist 2 Jahre älter als Dominik ihr hat man einfach damals als sie gefragt hat erklärt das Dominik krank ist und vieles nicht so gut kann wie sie. Damit was das Thema vom Tisch.
Mein Neffe (4J.) hat noch nie gefragt und für meinen Neffen (1,5 J.) ist Dominik im Moment noch ganz normal.

Also wenn er fragt werde ich ihm einfach erklären, daß er krank ist und einfach das alles nicht kann was er kann......und dann sehen wir weiter.

Ich denke ein Kind kann mit dem Wort "Behindert" nichs anfangen. Deshalb erklären wir es bisher immer mit krank.

Wünsche Deiner Tochter einen schönen Geburtstag.
lg claudi
D. 12/2000 Tetraspastik, ICP, keine Sprache, Autistische Züge, Entwicklungsverzögert, Rollstuhlfahrer, seit 24.05.2005 Pohlig US-Orthesen, 10/2011 Hüft OP li. und 04/2017 und 06/2017 beide Knie/Füsse OP in Aschau.

Die Zukunft sollte man nicht voraussagen wollen,
sondern möglich machen (Antoine de Saint Exepury)

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Ela74
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Beitragvon Ela74 » 12.03.2011, 11:32

Hallo Nicole,

ich glaub so schrecklich viel mußt Du da gernicht erklären. Sie wächst ja mit ihm auf und hat ja sicherlich längst mitbekommen, dass er anders ist. Dieses "anders sein" hat jetzt nur durch den neu gelernten Begriff "behindert" für sie einen neuen Namen bekommen.

Mein eigenes Kind hatte zumindest nie viele Fragen dazu. Klar hab ich ihm irgendwann erklärt, warum sein Bruder so wenig lernt (Löcher im Gehirn war da eine ziemlich bildliche Erklärung) und warum er immer umfällt (Epilepsie). Aber das er irgendwie nicht gesund ist, war ihm sehr früh klar und er hat automatisch angefangen ihn mit zu umsorgen. Also konnte er ihn ja nicht als normalen großen Bruder sehen, wie das eben in anderen Familien so war.
Ich weiß nicht mehr genau wie alt er war, ich glaub aber noch unter 3, als er mir das erste mal sagte, dass er weiß, das der große krank ist.

Und jetzt hab ich ja nochmal ein Kleinkind. Ich glaub, auch bei ihm ist schon angekommen, dass der große anders ist (ist knapp 1,5). Er verhält sich ihm gegenüber ganz anders, als bei den anderen Geschwistern. Will ihn immer wieder füttern, steht Gewehr bei Fuß wenn ich den großen wickel und bringt dann immer die Windel in den Müll. Zwischendurch geht er immer wieder hin und streichelt dem großen über den Kopf oder bekuschelt ihn.
Mit dem gesunden Bruder gibt es dagegen Kampf um Spielsachen, Essbarem usw. Da ist er alles andere als kuschelig :roll:

Fremde Kinder hat es dagegen immer sehr beschäftigt, ob "behindert" denn für immer bleibt und was er denn macht, wenn er Hunger hat oder spielen will, weil er doch garnichts sagen kann.

LG Ela

PS: Herzlichen Glückwunsch an die Kleine
Ela (Bj.74) mit Marvin (09/97, CP, geistige Behinderung, fehlende Sprache, Epilepsie, Neurodermitis) und Felix (10/01 ADS?, Neurodermitis) und Gordian Andrin 10/09 und Aurelian 8/11

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Beitragvon ehemaliger User » 12.03.2011, 11:43

Hallo Nicole,
wir haben das Wort "behindert" weder ersetzt durch krank noch ausgeblendet. Eine Behinderung HINDERT den Menschen etwas zu tun: Blinde können nicht sehen, Rollstuhlfahrer nicht laufen und Nils autistischer Bruder schafft zuviel "Trubel" nicht durch seine Wahnehmungsprobleme (alles mit Riechen, Schmecken, Hören & Fühlen wunderbar und einmalig erklären können). Sehr süß wie er es jetzt seinen Kumpels erklärt. Nur Mut!
Tina

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Beitragvon DenisemitMaya » 12.03.2011, 11:46

Hallo!

Bei uns ist das so....

Alice (4) weiss das die Maya krank ist,sie geht sehr liebevoll mit ihrer kleinen Schwester um.
Der grosse versteht es schon mehr und hat grosse Angst um seine Schwester,er weiss das sie behindert ist,für ihn ist es schlimm nicht zu wissen was kommt,wie sie sich entwickeln kann und wird.
Er liebt sie auch über alles und hat Angst das sie später keine Freunde haben wird zum spielen.
Dann sag ich ihm das wir doch alle mit ihr spielen können und das es halt auch behinderte KInder gibt die Freunde haben,wie halt sein Freund der auch behindert ist,wo er es nicht wusste.

Ich frage mich oft,ob ein gespäch mit einem Arzt oder Phychologen,manchmal besser wäre?
Liebe Grüsse Denise


Maya ist nun ein Engel *21.03.2010 † 04.01.2014

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Beitragvon HeikoK » 12.03.2011, 15:24

Hallo Nicole,

schau Dir mal das Bilderbuch "Florian lässt sich Zeit" von Adele Sansone. Vielleicht hilft Euch dieses, wirklich schöne Buch weiter. Es geht zwar ums Down-Syndrom, aber vielleicht gibt es ja doch genug das auch auf Eure Situation zutrifft.

Viel Glück
Heiko :wink:
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Beitragvon Sabine » 12.03.2011, 15:50

Tina+Lars hat geschrieben:wir haben das Wort "behindert" weder ersetzt durch krank noch ausgeblendet. Eine Behinderung HINDERT den Menschen etwas zu tun: Blinde können nicht sehen, Rollstuhlfahrer nicht laufen


Hallo,

so haben wir es auch erklärt. Tim benutzt daher auch das Wort "behindert" in Zusammenhang mit seinem Bruder. Zudem haben wir ihm die Bezeichnung "Mehrfachbehinderung" erklärt, die er nun ebenfalls kennt und nutzt.

LG
Sabine
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Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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Beitragvon Martha74 » 12.03.2011, 16:32

Hallo Nicole,

war das bei Euch vorher nie Thema, dass der Bruder behindert ist? das finde ich irgendwie, hm, seltsam.

Unser 5-jähriger weiss sehr genau, dass der kleine Bruder behindert ist und fragt auch unbefangen nach.
Ebenso erkläre ich das, wenn Kinder zu Besuch sind. Dass der Kleine behindert ist, dass er dadurch manches nicht so schnell lernt wie andere Kinder, dass man mit ihm geduldig sein muss, dass man aber auch klar sagen darf, wenn er einen nervt.

Ich glaube, ein unbeschwerter, offener Umgang erleichtert das Zusammenleben ungemein. So erleben wir es zumindest. In anderen Familien mag das anders sein ;)

LG
Martha
mit Sohn 05
und Sohn 08, frühkindl. Autismus (HF)
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Beitragvon Nici2905 » 14.03.2011, 10:25

Hallo Nicole,
Leandro hat zwar (noch) kein geschwister kind aber eine cousine die genauso alt ist wie er. Die kleine ist damit aufgewachsen das Leandro manches nicht kann was sie aber schon konnte sie hat dann gefragt und meine schwägerin hat es ihr auch so erklärt das der Leandro Krank ist und manche dinge die sie kann halt nicht kann und für sie war das bisher immer vollkommen in ordnung. Sie geht mit leandro genauso um wie mit ihren anderen cousinen und cousins also das find ich wirklich gut. Ich finde bei so kleinen kindern kann man einfach noch nicht behindert sagen weil die kinder das einfach nicht so gut verstehen als wenn man sagt er ist krank und kann dies und das noch nicht.

Lg Nici
Nicole mit Leandro, 27 SSW., Operativer Ductusverschluss, Hirnblutung III - IV Grad, Infantile Cerebralparese, Links- und Beinbetonte Tetraspastik, Statomotorische Entwicklungsverzögerung

Schau nach vorn und nicht zurück denn in der Zukunft liegt das Glück

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Beitragvon RosaD » 14.03.2011, 10:36

Hallo Nicole,
ich finde je offener man damit umgeht, desto einfacher wird es......
wir haben sehr früh über Behinderung gesprochen....,
für die Laura ist ihre Schwester behindert aber nicht krank....
lg
rosa
Rosa(1966)mit Anne(11.2000) ICP, Mikrocephalie, Epilepsie, Skoliose eine glückliche Maus seit 7.07 PEG gest. 28.2.2016
und Laura(6. 2003) gesund


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