Welche Schule bei spastischer Diplegie?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Petra-Maria

Welche Schule bei spastischer Diplegie?

Beitragvon Petra-Maria » 19.12.2005, 21:46

Hallo! Mein Sohn ( 5 Jahre ) hatte eine Hirnblutung GradII mit Ventrikelerweiterung, bekam daraufhin eine spastische Diplegie. -Eine leichte Entwicklungsverzögerung liegt vor.-
Nun sagt mir der behandelte Neurologe es sei besser meinen Sohn in eine KB - Schule anzumelden.
Nun suche ich ähnlich betroffene Eltern die mir ihre Erfahungen mitteilen können. Besteht wohl die Möglichkeit Kids mit Entwicklungsstöungen in eine Regelschule zu integrieren??
Grüße Petra-Maria

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Irene
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Beitragvon Irene » 20.12.2005, 12:15

Hallo Petra-Maria,


darf ich fragen, wie sich die Diplegie bei deinem Sohn bemerkbar macht?



Viele Grüße

Irene
Sonja (11/91), Stefan (07/94): spastische Hemiparese rechts

Petra-Maria

Beitragvon Petra-Maria » 20.12.2005, 20:21

Hallo Irene!

Freue mich das Du antowortest: also mein Simon läuft auf den Spitzen (mal mehr, mal weniger) - ist Orthesenträger und wird mit Botox behandelt. Dann, wie soll ich es ausdrücken... er ist im Denken etwas langsamer als reifgeborene Kinder - auch etwas langsamer als seine Zwillingsschwester. Hat teilweise Probleme bei Spielen selstständig Lösungswege zu finden.
Hoffe Du kannst mir etwas weiterhelfen! bin zur Zeit etwas ratlos - habe Angst meinem Sohn mit dem Gang zu einer KB -Schule eine "vernünftige" Schulbildung zu verbauen...

Viele Grüße

Petra

Irene
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Beitragvon Irene » 20.12.2005, 21:56

Hallo Petra,


ich kann leider nur aus unserer Position sprechen.

Ich war einmal mit meinem Stefan in Augsburg in einer körperbehinderten Schule bei einem Arzt. Der untersuchte ihn auf "seltsame" Weise und meinte lapidar: "Der landet sowieso mal bei uns". Da ich aber sehr egoistisch bin und mein Kind nicht hergeben wollte :D , wollte ich natürlich das vermeiden. Stefan wurde normal eingeschult und hat bis jetzt auch die Schulzeit gut gemeistert. Er ist im September auf ein Gymnasium übergetreten. Allerdings ist er geistig auch absolut fit. Bei ihm bezieht es sich einfach auf das körperliche. Und ich hätte und werde alle Hebel in Bewegung setzen, ihn einen "normalen" Schulweg zu ermöglichen. Eine meiner größten Ängste war immer, ihn auf eine Förderschule geben zu müssen, weil er körperlich nicht so gut dran ist. Allerdings gibt es auch bei uns in der Nähe meines Wissens keine KB-Schule.

Ich glaube, ich würde immer erst mal eine Regelschule ausprobieren. Wenn das nicht gut geht, könnte man immer noch die Schule wechseln. Allerdings sehe ich das Problem anders rum dann doch als das größere an.

Wie ist der Unterschied einer KB-Schule im Vergleich zu einer Regelschule vom Unterrichtsstoff her? Habt Ihr eine solche in Eurer Nähe? Und was sagen Deine Zwillingskinder denn dazu, wenn Ihr sie trennt?

Viele Grüße

Irene
Sonja (11/91), Stefan (07/94): spastische Hemiparese rechts

Chelly

Beitragvon Chelly » 21.12.2005, 13:40

Hallo Petra,
also, mein Sohn ist 14 und besucht eine KB Schule und fühlt sich dort pudelwohl. Ich muß aber dazu sagen, daß er zu seiner spatischen Diplegie auch noch ne leichtere Lernbehinderung hat. (Die wurde aber erst vor 1 Jahr festgestellt.)
Egal ob KB Schule oder Integration, beide Schulzweige haben ihre Vor-und Nachteile.

Gruß von
Chelly :D

sandramitjulian
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Beitragvon sandramitjulian » 21.12.2005, 17:15

:) Hallo Petra-Maria,

so heute antworte ich mal nicht ganz als Mutter, den mein Sohn ist geistigbehindert und daher auf einer GB-Schule.
Aber ich arbeite ja auch in einem heilpäd. Kiga und werde von Eltern auch gefragt, welche Schule für ihr Kind.

Wie Chelly schreibt, haben beide Schulformen ihre Vor- und Nachteile.

Das beste ist, ruf bei allen zuständigen Schulen (Regelschule mit I-Klassen, sowie KB-Schule) an und vereinbare einen Termin, zu dem Du (am besten Deinem Mann) die Schule angucken und sogar bei einer Unterrichtsstunde hospitieren könnt.

Ich weiß nicht, wie Eure KB-Schulen sind. Die zwei, die ich in Hamburg kenne, sind toll. Und die gucken auch, das sie die Kinder die das "lerntechnisch" können, im Laufe der ersten Jahre in Regelschulen überwechseln lassen und dort integrieren. D.h. einige ihrer Kinder wechseln z.B. nach der 4. Klasse auf Gymnasium, Gesamtschule, Realschule, Hauptschule.

Vorteil dieser KB-Schulen ist, die KG und Ergo-therapie ist im Schulablauf eingebaut, d.h. die Kinder müssen nach der Schule nicht nochmal los. Oft sind diese Therapeuten auch im Klassenalltag, um den Lehrern Tips zu geben, wie welches Kind am besten sitzt usw..
Die KB-Schulen die ich sah, haben integrierte Therapie-Schwimmbäder, was spastischen Kindern ja gut tut.
Auf Wunsch können Eltern zusammen mit den Therapeuten die Hilfsmittelversorgungsgespräche mit den Rehatechniker in der Schule machen und von deren Erfahrungen mitprofitieren.

Nachteil, diese Schule sind meist Ganztagsschulen und dauern bis in den Nachmittag 15 / 16 Uhr, aber da ist dann eben Therapie + Mittagessen mit drin.

Vorteil, kleine Klassen. Vorteil, das körperbehinderte Kind kann sein Selbstbewußtsein stärken, da es gleichschwache und schwächere Schulkameraden hat und nicht der Klassengemeinschaft immer hinterherhinkt.

Bei einer Regelschule mit I-Klassen, macht Euch schlau, wieviele Kinder mit erhöhtem Bedarf werden für eine Klasse im kommenden Schuljahr erwartet. Denn danach errechnet sich die Anzahl der Stunden in den sie gezielten Förderunterricht wöchentlich erhalten. Ist permanent eine 2te Kraft in der Klasse, die ggfs. helfen kann. Wie groß ist die Klasse, wie ablenkbar ist Simon? Wie sind die Räumlichkeiten der Schule, viele Treppen, wie gut kann Simon die Wege alleine bewältigen. Ist es möglich für Simon eine Schulbegleitung zu beantragen (z.B. ein Zivi, der täglich an seiner Seite ist).

Und wenn Du und Dein Mann einen ersten Eindruck bekommen habt, von den verschiedenen Schulen, bietet doch Simon an, sich beide mal anzugucken und fragt ihn, wo er glaubt sich wohler zu fühlen.

So, hoffe ich konnte Dir bei der schweren Entscheidung ein paar Hilfestellungen geben.

Mit weihnachtlichem Gruß

Sandra
Sandra (1971), Julian (4 / 1991) schwerstmehrfachbehindert, Sitzschalenrolli, Pflegest. 3, zu 90 % fröhlich und am Lachen, Mama seit 2001 im heilpäd. & integrativen Kiga tätig


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