Erziehung unserer besonderen Kinder

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Nicole&Kevin
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Beitragvon Nicole&Kevin » 16.01.2006, 20:28

Hallo Anja!

Sicherlch muß man auch wenn unsere Kinder krank sind schimpfen. Denn sie testen auch aus, wie weit sie gehen können, wie jedes normale andere Kind auch. Mein Sohn hat damals auch immer gerne an den Haaren anderer Kinder gezogen, aber erst unbewust und dann als ich merkte er kann schon was verstehen, fing ich mit dem schimpfen an und sagte immer nur ei machen und ganz vorsichtig. Er reagiert sehr auf die Tonlage. Habe immer und immer wieder seine Handfläschen aufgemacht, da er zum zudrücken damals neigte, und siehe da, es klappte nach sehr langer Zeit. Geh einfach ganz normal mit ihm um,

Liebe Grüße

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Beitragvon Aspiemama » 21.01.2006, 07:21

Hallo zusammen,

Sebastian zu erziehen ist sehr anstrengend, das gilt glaube´ich für alle Asperger. Einmal nachgegeben, habe ich verloren, wenn sich einmal ein Fehler eingeschlichen hat, ist es fast unmöglich, den wieder raus zu bekommen.
Wie bestrafen? Er beschäftigt sich ja eh meist mit sich selbst, es interessiert ihn nicht.
Ich bin eine recht strenge Mama, damit sich kein Fehler einschleicht, fällt mir manchmal ganz schön schwer.

Liebe Grüsse
Ulrike

marianne
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Beitragvon marianne » 21.01.2006, 08:27

Ja, die Erziehung ist schwer und sehr anstrengend, wird aber allmählich einfacher. Unser 5jähriger Janosch testet viel Grenzen aus, ist auch vom Typ her sehr temperamentvoll und gleichzeitig stur und extrem ablenkbar. Also schon das morgendliche Sich-Anziehen bei Janosch ist eine Anstrengung für mich. Das normale kindliche Trödelverhalten kombiniert mit Provokationsversuchen und ständigem Abgelenktsein macht mich innerlich oft auch schon ganz konfus. Äußerlich muss ich aber eine fast übermenschliche Ausgeglichenheit und Beharrlichkeit an den Tag legen, damit es mit der Selbständigkeit vorwärts geht, was es auch tut, aber nur mit viel viel Einsatz und Nervenkraft. Gut, dass jetzt seine HPT da auch sehr gut mitfördert.

Außerdem muss ich mir immer passende Konsequenzen ausdenken, denn wenn Janosch z.B, keine Lust mehr hat, länger am Esstisch zu sitzten, spekuliert er drauf, durch Störverhalten als Konsequenz in sein Zimmer geschickt zu werden. Also muss er dann 5 Minuten "strafsitzen" auf einem Stuhl mitten im Zimmer ohne irgend ein Spielzeug in der Nähe. Fernsehverbot ist immer schnell ein Eigentor, wenn er mich dann in der Zeit nervt, die er nicht gucken darf.

Aber es wird dadurch einfacher, dass Janosch sich mittlerweile immer länger alleine in seinem Zimmer beschäftigen kann, vorher war es auch ein Eigentor, ihn in sein Zimmer zu schicken bei dem Theater, das dann folgte.Und es wird einfacher dadurch, dass er auch immer verständiger ist und auch erreichbarer. Wenn er z.B. versucht, einen Kleinkind-Trotzschreianfall hinzulegen, sage ich nur ganz ruhig: "Wenn du dich wie ein Baby benimmst, musst du auch wie ein Baby ins Bett." Schon stoppt er. Oder als neulich, als er bei meinem Mann beim Anziehen das Baby spielte mein Mann sagte: "Babys dürfen nicht auf den Schlittenberg." Schon zog Janosch sich selbständig in Windeseile an.

Nur, wann testet Janosch mal nicht mehr fast täglich immer in denselben Situationen aus? Er weiss doch seit Jahren, dass er damit nicht durchkommt. Das ist echt anstrengend, aber da benimmt er sich in der HPT anscheinend auch nicht anders.

Besuch von Verwandten/Bekannten und Erziehung ist auch nicht einfach. Denn ich kann nicht aus Gastfreundlichkeit von Tag zu Tag die Regeln ändern, weil unsere Gäste z.B. Ausflüge planen und deshalb später oder früher essen möchten. Auch wenn ich mit Janosch gerade beim Anziehen oder Essen bin, setzen sich Verwandte ja gerne dazu, aber dann klappt nichts mehr, weil Janosch dann komplett durcheinander ist. Ihn kann man auch nicht einfach mal so mitlaufen lassen so nach dem Moto: "Jetzt bist du mal nicht dran. Das müssen alle Kinder lernen." Dann wird er so laut und störend, das geht gar nicht. Darum war für mich der Kontakt in Mutter-Kind-Gruppen auch immer so schwer.

Wenn mein Mann und ich etwas besprechen wollen, mag er das auch gar nicht, nicht im Mittelpunkt zu stehen. Aber das ist etwas anderes. Dann bestehen wir streng darauf, dass er nun mal Ruhe gibt. Sobald da aber Fremde dabei sind, klappt das schlechter.

Sehr anstrengend fand ich in den ersten Jahren, nie mal so sein zu dürfen in der Erziehung wie ich bin. Ich bin selber temperamentvoll und ungeduldig. Wenn ich das aber gegenüber Janosch war, eskalierte es. Also musste ich mich ständig zurücknehmen. Sozusagen kein privates Benehmen im privaten Raum. Jetzt, wo Janosch verständiger ist, kann ich schon eher mal Ich sein.

Dass die Erziehung meines besonderen Kindes so viel schwerer war als die eines normalentwickelten und es trotzdem oft so aussah in der Öffentlichkeit, als seien wir ein Fall für die Super-Nanny hat mich auch immer gequält.

Lieber Gruß

Marianne

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Beitragvon Nicole&Kevin » 21.01.2006, 10:33

Hallo Marianne!

Ich habe gerade deine Zeilen hier sehr aufmerksam gelesen und ich muß sagen, ich bewundere dich dafür.

Woher kannst du die Kraft schöpfen immer ruhig zu bleiben?

Wie hast du dies gelernt? Du schriebst ja, daß du früher ein anderes Temerament hattest und sehr ungeduldig warst.

Sicherlich zahlt sich konsequent sein irgendwann mal aus, aber immer und immer wieder das gleiche sagen, dabei werde ich total unruhig.

Kevin knabbert gerne seine Oberteile an und beißt sich in die Hände. Mit der Kinderärztin hatte ich auch schon mehere Gespräche darüber, aber sie sagte, da er seinen Körper so richtig warnehmen würde.

Und schlimm ist es, er weiß daß er es nicht machen soll und wenn ich schimpfe readiert er auch darauf, aber dann macht er es doch immer wieder. Warum muß man bei besonderen Kindern nur so streng und konequent sein?

Austesten würde ich da auch schon zu sagen, denn er weiß mit wem er es machen kann und mit wem nicht.

Besonders schlimm ist es wenn meine Mutter da ist, denn sie macht ihn total rabbelig, dreht ihn auf und schon wieder haben wir den Salat hier. Er beißt dann auch immer wieder in den Pulli oder in die Hände und freut sich auch noch dabei....

Wenn ich dann sage, daß sie selber mit ihm dann schimpfen soll, dann zieht sie es ins lächerliche und sagt dann ich solle dafür sorgen, daß er aufhört damit.

Aber muß ich immer der Bumann bei dem kleinen sein der immer schimpfen muß wenn andere nicht damit klar kommen wollen?

Mir graut es schon immer wenn sie sich ankündigt bei uns, denn es geht dann höchstens nur 5 Minuten gut und ich habe dann wieder hier die Nerven blank liegen da es mich so aufregt, denn Kevin wird bald 6 und sie behandelt ihn wie ein Baby, obwohl er ja nicht dumm ist.

Was soll man da tuhn?

Man muß doch am selben strag ziehen. Meine Schwiegermutter ist mit mir selber Meinung und ich hätte nie Gedacht, daß ich mein Kind mal lieber zu meiner Schwiegermutter gebe als zu meiner eigenen Mutter. Mittlerweile gebe ich ihn aber auch schon bald ein Jahr dort nicht mal mehr ab. Ich regel alles alleine und er geht einmal im Monat zu meiner Schwiegermutter übers Wochenend, denn dort ißt und trinkr er, selbst damit kommt meine Mutter nicht klar. Oder man kann hier auch wieder sagen Kevin nimmt sie nicht für voll, deshalb esse ich auch nicht bei ihr.

Unser Sohn ist damals kurz an einer Sondennahrung vorbeigeschlittert, da ich sagte ich versuche es solange bis ich nicht mehr kann. Und gott sei dank bin ich beim essen dran geblieben, denn heute ißt er alles ohne zu würgen, zu erbrechen und zu verweigern.

Meine Mutter sagte mal dies war auch damals beim essen, als ich mit Kevin schimpfte ich sein eine Rabenmutter und da bin ich ausgeflippt.

Und ich sagte, wäre ich eine, dann hätte ich ihn nicht hier bei mir und würde ihn in ein Heim geben, dann hätte ich meine Ruhe und bräuchte mich nicht mehr aufregen. Und dies war dann auch wieder schon zuviel gesagt.

Sie hätte ja schließlich auch drei Kinder großgezogen!

Und ich sagte nur darauf ja und wir waren alle drei gesund. Und selber bist du nicht in der Lage Kevin zu füttern.

Dies wird auch ewig so weitergehen, solange sie lebt, denn von da kommt kein Verständnis rüber, was wir schon alles mit ihm geschafft haben.

Er reagiert halt nur auf Tonunterschiede.

Jetzt hab ich mir einfach mal etwas Luft gemacht!

Liebe Grüße

Nicole

marianne
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Beitragvon marianne » 21.01.2006, 11:03

Hallo Nicole, danke für dein Verständnis. Und was die Bewunderung angeht, kann ich sie voll zurückgeben, wenn ich deine Zeilen lese, denn das hört sich auch sehr schwer an.

Bei dem Problem, dass die Schwiegermutter eine Hilfe ist und die eigene Mutter nicht nur keine Hilfe, sondern auch noch ein richtiges "Hindernis", kann ich dir auch nur die Hand reichen, wäre bei uns auch so, wenn ich nicht konsequent die richtige Distanz einhielte. Meine Mutter ist in meinem gesamten Erwachsenenleben so gut wie nie hilfreich, dafür aber ausdauernd besserwisserisch und abwertend gewesen, so dass ich schon vor Jahren eine notwendige Distanz eingeführt habe nach Jahrzehnten des Leids und Streits. Wenn wir alle 4 Wochen telefonieren und uns einmal im Jahr sehen (wohnen gottseidank weit voneinander weg), dann überwiegt die Freude und die Liebe und es ist schön miteinander. Meine innersten Gedanken teile ich aber nicht mit meiner Mutter, das würde nach hinten losgehen. Verwandte kann man sich ja nicht aussuchen. Daher muss man individuell den Kontakt so gestalten, dass sich alle dabei wohl fühlen, finde ich. Um das aber so hinzukriegen brauchte ich viel Lebensklugheit und Selbstbewusstsein und schaffte das darum erst in meinen mittleren Jahren.

Außerdem sage ich immer zu Verwandten und Bekannten, die nicht akzeptieren, dass Janosch besondere Rahmenbedingungen braucht wegen seiner Verhaltensauffälligkeiten, dass sie sich vorstellen sollen, er bräuchte regelmäßig Insulin. Dann könnte man dies auch nicht ständig diskutieren und ändern. So ist es auch bei Janosch und die Expertin für ihn bin ICH.

Wir haben Übernachtungsbesuche sehr reduziert, höchstens 1mal pro Monat und nur Leute, die sich uns anpassen. Wer die ganze Zeit verwöhnt werden will und sich nicht anpasst, ist uns zuviel. Und wer uns das Leben noch schwer macht durch blöde Kommentare, wird gar nicht mehr eingeladen. Besondere Bedingungen halt. Aber das Normale-Welt-Spielen hat mich in den ersten Jahren an den Rand der völligen Erschöpfung gebracht. Damit ist keinem geholfen.

Woher ich die Kraft schöpfe, immer ruhig zu bleiben? Erstmal bleibe ich eben nicht immer ruhig, sondern manchmal gibt es auch schlechte Tage, wo mir auch mal die Hutschnur platzt und Janosch dann eben mehr Zeit in seinem Zimmer verbringt als an guten Tagen oder ich ihn auch vor dem Fernseher "parke". Das sind Tage, wenn er oder ich krank sind und einfach für 12 Stunden miteinander die Energie fehlt. Dann habe ich in den schweren ersten Jahren auch abends oft völlig erschöpft geweint und mein Mann hat mich sehr getröstet. Ja, und meine Rettung war ja dann, mit der Entspannungstechnik Reiki meine ganz persönliche tägliche christliche Gebetsmeditation als Kraftquelle zu entdecken. Sonst säße ich heute nach all den Jahren ohne Hilfe garantiert in einer Psychotherapie oder würde Beruhigungspillen schlucken, was ich übrigens auch o.k. finde, wenn Eltern besonderer Kinder dies als Unterstützung wählen.

Also, du merkst, wie alle hier schlage ich mich auch so durch und lerne immer noch dazu. :roll:

Dir auch viel Kraft bei der weiteren Erziehung!

Lieber Gruß!

Marianne

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Beitragvon Nicole&Kevin » 21.01.2006, 11:33

Hallo Marianne!

Wahnsinn, da haben wir ja beide mit unseren Müttern das selbe Poblem!

Und lieben dank, daß du auch an mich die Bewunderung zurück gibtst, denn dies geht runter wie Öel.

Es ist nur schade, daß man immer nur von Menschen dies zu hören bekommt, die nicht aus der eigenen Familie sind, und dies ist sehr traurig.

Lieben dank für deine aufbauenden Worte.

Ich sollte auch mal Tropfen nehmen, damit ich den Alltag besser packe und nicht so nervös bin, aber ich habe diese abgelehnt, da mein Problem damit ein unheibar krankes Kind zu haben ja nicht behoben ist.

Es klappt ja auch alles etwas besser, bin froh hier gelandet zu sein aber ehrlich gesagt bei all dem was man so ließt, nimmt dies doch wieder einen alles mit.

Aber schreiben und reden ist gut für die Seele, denn dies konnte ich damals nicht!

Liebe Grüße

Nicole

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Beitragvon Aspiemama » 21.01.2006, 11:52

Hallo Marianne,

als du deinen Janosch beschrieben hast, sah ich Sebastian vor mir. Manchmal treibt er mich an den Rand der Verzweiflung.
Morgens alleine anziehen? Kann er schon seid er drei ist, aber er trödelt sosehr und dann muss nioch alles nach einem gewissen System gehen, das er es nicht schaffen würde 7:40 unten zu stehen (da kommt der Bus), wenn er 5:30 aufsteht. Unvorstellbar, was?
Sebastian versucht auch ständig zu provozieren und lenkt ab bzw. lässt sich ablenken.
Und er probiert auch immer und immer wieder mit seinem Verhalten durch zu kommen, das ist echt anstrengend.
Zur Zeit beschäftige ich mich allerdings mit TEACCH (wurde mir von der Autismusbeauftrgten empfohlen) und es klappt eindeutig besser als vorher.

Liebe Grüsse
Ulrike

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Beitragvon Isolde » 21.01.2006, 12:46

Hallo zusammen,

die Erziehung mit Jonathan ist auch nicht einfach. Dadurch, dass er ein sehr temperamentvoller und neugieriger Junge ist, ebenso die Grenzen sucht, provoziert bis man platzt, kostet auch unsere Erziehung eine Menge Kraft.

Aber ich bleibe da relativ hart. Natürlich gibt es Ausnahmen. Aber die Grundlinie muss stimmen - und ich glaube, die haben wir mittlerweile ganz gut drinnen. Gegessen und getrunken wird am Tisch, ein relativ regelmäßiger Tagesablauf - ein Nein ist ein Nein, und wenn etwas nicht klappt, dann gibt es nach Ermahnung auch die Konsequenz.

Vor Jahren waren wir auf einem Erziehungsseminar "Triple P", wo zwar lauter Eltern waren mit gesunden Kindern und teils massive Probleme mit ihren Kindern hatten, nach der Marke "Nanny" im Fernsehen mittwochs abends - aber ich dachte mir, dass dies genau die Struktur ist, die auch Jonathan braucht. Und entsprechend nach diesem Modell arbeitete ungefähr auch das Kinderzentrum München mit uns. Und dazu gehört, dass man sein Kind mit Liebe erzieht, es in seiner Einzigartigkeit respektiert und dass man selber vorher auch überlegt, was man vom Kind will, wie man Anweisungen gibt, etc., und wie Konsequenzen dann sinnvoll ausschauen können.

Sicher bin ich natürlich auch mal selber nicht gut drauf, oder Jonathan bringt mich an die Grenze meiner Nerven. Dann habe ich auch keine Scheu, Jonathan vor einen Videofilm zu setzen um beide Gemüter nach unten zu bringen, aber trotzdem ansprechbar für den Jungen zu sein. Ich würde ihn also auch nicht wahrlos Dinge schauen lassen.

Zu dieser Erziehung gehört dass das Kind spürt, dass es geliebt ist, auch wenn es den größten Mist macht, dass man dann auch mal hart ist und schimpft, dass es aber auch irgendwann wieder gut ist, ohne Nachtragung.

Erschwerend kommt hinzu, dass Jonathan sich noch nicht über längeren Zeitraum hinaus selber beschäftigen kann. Es muss immer einer um ihn drumherum sein, obwohl das jetzt auch im Internat schon anders eingeübt wird und die Zeiten schon länger werden, auch bei uns werden die Zeiten schon etwas länger als es noch vor 1 Jahr war, in dem er sich mit sich beschäftigt, ohne laufend an mir zu zerren.

Schwierig wird die Erziehung, wenn der dicke Sturkopf durchkommt. Und leider kommt er viel zu oft durch. Dafür habe ich noch keine Erklärung, warum das so ist - sicher, weil er mächtig dabei ist die Grenzen zu erproben. Dann kann ich nur hoffen, dass dieser Zustand irgendwann aufhört. Es ist schwer belastend, wenn bei jedem Nein erstmal dieser Sturkopf seinen eigenen Kopf gegen die Wand oder auf den Boden haut und er richtig wütend wird.
Manchmal habe ich das Gefühl, er weiß ganz genau, was die Uhr geschlagen hat und nutzt genau dieses aus, und vorallem wenn man selber mal nicht so gut drauf ist.
Dann kommt einem das noch viel schlimmer vor.

Insofern schließe ich mich in Jonathans Art im Grunde Dir Marianne und Dir Ulrike an - wenn die Kinder so lebendig sind, dann ist es nochmals um Einiges schwerer.

Und Jonathan hat noch eine Waffe die er einsetzt - das ist sein Charme. Leider ist es so, dass ihm da ganz viel nachgegeben wurde und auch heute noch nachgegeben wird - weil er genau diesen im richtigen Moment so einsetzt, dass sein Lachen ansteckt und er vielleicht denkt, na wenn Mama oder sonstwer jetzt lachen, dann vergessen sie alles andere.
Von wegen - mit mir halt eben nicht ...... !!! :roll:

Lieben Gruß - Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

Jonathans CFC-Syndrom + Unsere Vorstellung + https://www.facebook.com/CfcAngelDeutschland

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Beitragvon Aspiemama » 21.01.2006, 13:52

Hallo Isolde,

ich war auch mal auf einem Seminar von Triple P, habe auch alle Unterlagen. damals bin ich mehr aus Neugierde hin gegangen, Sebastian war noch ein Baby und sehr einfach.
an Struktur und Strenge (natürlich gepaart mit viel liebe) fehlt es bei uns nicht, aber das TEACCH hat halt nochmal ganz andere Ansätze, die mich absolut überzeugen und schon - wenn auch kleine- Erfolge brachten.

liebe Grüsse
Ulrike

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Beitragvon Ela74 » 21.01.2006, 14:08

Hallo zusammen,

ich finde das auch ein ganz, ganz schwieriges Kapitel.
Ich habe auch mal einen "Triple P" Kurs mitgemacht. Für Felix sicherlich super anwendbar, der ist auch ein extremer Sturkopf und weiß den eigentlich überall (kindergarten, Freundeskreis) durchzusetzen.
Bei Marvin kann ich da aber nicht wirklich viel mit anfangen. Was mützt mir die klarste Anweisung, wenn sie nicht ankommt. Was bringt mir die Konsequenz, wenn es keinen Lerneffekt hat und nur für den einen Moment gilt?
Das Marvin einfaches Nein versteht, da gehe ich schon von aus, aber nach Triple P hat dem ja eigentlich eine Erklärung zu folgen, damit das Kind begreift.
Ich kann also Marvin kurz mit einem Nein stoppen, schau ich weg, tut er das gleiche wieder, auf ein erneutes Nein hält er dann zwar wieder kurz inne, aber ohne bleibenden erfolg, so kann man locker eine Stunde an einer Stelle stehen bleiben und versuchen ihn abzubringen. Er ist nun auch sehr hartnäckig, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat und läßt sich dann auch nicht auf andere Vorschläge ein. Wenn man Glück hat wird es ihm irgendwann zu blöd und er sucht sich etwas anderes, genau so gut kann es aber auch eskalieren, so daß er immer aggressiver wird und ich immer entnervter, daß eigentlich nur noch hilft, ihn vorübergehend in sein Bett zu sperren, damit wir beide wieder runter kommen.
Lerneffekt hat das aber null und bei nächster Gelegenheit wird er wieder genau das gleiche tun. So ist es ja auch, wenn er sich selber irgendwo verletzt. Er kann sich eben an einem Kaktus gepiekst haben, schreien wie am spieß...sind die Stacheln wieder entfernt hat er ihn wieder in der Hand. Ich finde das teilweise sehr nervenaufreibend.
So dinge, wie beim Essen sitzen bleiben, das funktioniert schon mittlerweile einigermaßen, am bestern aber, wenn ich mit ihm allein bin. Ist die Stimmung hier insgesammt unruhiger, fällt ihm das deutlich schwerer.
Konsequenz und ein immer wieder kehrender Ablauf ist sicher sehr Hilfreich, entspricht aber so garnicht meiner Natur und fällt mir allein daher schon etwas schwer.
Meinen Eltern, die ja eigentlich die einzigen sind, die sich um ihn kümmern, gelingt das teilweise echt besser als mir, mit Ruhe konsequent zu bleiben, aber die haben ihn ja dann auch nur ein paar Stunden auch die absolute Ruhe weg und alle Zeit der Welt für ihn.

Liebe Grüße
Ela
Ela (Bj.74) mit Marvin (09/97, CP, geistige Behinderung, fehlende Sprache, Epilepsie, Neurodermitis) und Felix (10/01 ADS?, Neurodermitis) und Gordian Andrin 10/09 und Aurelian 8/11


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