DS-Mosaik-Kind: Zwangsbeschulung an G-Schule?!

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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silke
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Beitragvon silke » 09.10.2004, 17:12

Wie klappt das wohl in den EU-Ländern, in denen "Sonderschulen" längst abgeschafft sind?
Darf da eine Schule ein Kind "nicht wollen"? Oder ist es "ganz normal", dass alle Kinder gemeinsam beschult werden?
Vielleicht ein GESAMTgesellschaftliches Problem? Der ausgestreckte Zeigefinger in der Eisdiele? Guck` mal, die da (oder der da?) Iiiiehhh !
Wo fängt man da an? Mit dem Ausgrenzen, dem Eingrenzen, dem Integrieren? Dem einfach als Mensch dazugehören (lassen)?
Am besten doch wohl bei den Jüngsten? Mit dem Vorbild der Erwachsenen, die dazugehörenlassen!!!
Wann sonst!
Wenn einer Schule es nicht erlaubt wird, auszugrenzen, abzulehnen, ein Kind nicht zu wollen.... -dann wird sich wirklich etwas ändern in diesem Land!
Und hier ist die Behörde, der Dienstherr gefragt! (Aber DIE unterstützt die Regelschule ja noch....)
Eine Gesellschaft misst sich daran, wie sie mit denen umgeht, die in besonderem Maße ihre Hilfe und Unterstützung brauchen.
.......................................................
Und nebenbei bemerkt: Wenn alle Kinder, die in ihren Schulen "abgelehnt" werden, eine G-Schule besuchen müssten, wären unsere G-Schulen voll von Kindern, die u.a. primär verhaltensauffällig (ADS, hyperaktiv) oder auf andere Weise "anders" (auch für höchstbegabte Kinder gibt es meist keine entsprechende Beschulung, habe selbst so ein Kind!) sind.
Den Schluss zu ziehen:" Das Kind hat DS (Mosaik), das Kind ist daher geistig behindert, braucht daher die Kleingruppe (wer nicht?), ...und da die Regelschule es ablehnt, MUSS es die G-Schule besuchen!," finde ich bemerkenswert und vor allem unverhältnismäßig angesichts des noch langen Lebens- und möglichen Entwicklungsweges des Kindes.
Entwicklungschancen an der G-Schule? Nicht an der vorgesehenen G-Schule unter so schwer beeinträchtigten Kindern.
....................................................
Die Auffassung des Schulamtes in dieser Sache zeigt sich u.a. an einem Satz in einem frischen Schriftstück: "Das Kind leidet an DS (Mosaikform)."
-> An diesem einen Wort "leidet" zeigt sich das (mangelnde) Verständnis dieser Leute... Das Kind "leidet" in keiner Weise an DS.
Man meint aber offenbar, DS-Kinder wären leidende Behinderte, Kranke...
Nein, DS-Kinder leiden vor allem an der Ignoranz der sie umgebenden Umwelt, die sie "behindert" macht, in dem man ihnen den Stempel "krank, behindert, leidend" aufdrückt.
Pablo sagt: DS ist eine besondere Form der Begabung!

LG silke

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Helmut
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Beitragvon Helmut » 09.10.2004, 17:43

silke hat geschrieben:Wie klappt das wohl in den EU-Ländern, in denen "Sonderschulen" längst abgeschafft sind?
Darf da eine Schule ein Kind "nicht wollen"? Oder ist es "ganz normal", dass alle Kinder gemeinsam beschult werden?
Vielleicht ein GESAMTgesellschaftliches Problem? Der ausgestreckte Zeigefinger in der Eisdiele? Guck` mal, die da (oder der da?) Iiiiehhh !
Wo fängt man da an? Mit dem Ausgrenzen, dem Eingrenzen, dem Integrieren? Dem einfach als Mensch dazugehören (lassen)?
Am besten doch wohl bei den Jüngsten? Mit dem Vorbild der Erwachsenen, die dazugehörenlassen!!!
Wann sonst!



Stimmt Silke,

der Haken an der Geschichte ist jedoch, das wer Kindern einen Kigabesuch verweigert, grenzt sie genau so aus, wie Schulleiter, die kein Behindertes Kind an ihrer Schule wollen. Die einem dürfen behinderte ausgrenzen, die anderen nicht ?? Ne Ne Silke, da muß sich die Mutti von Alex, bevor sie irgemdwem Ausgrenzung vorhält, schon gehörig an die eigene Nase fassen.

Wie das in anderen EUländern klappt... die teilweise aus Kostengründen noch nie Sonderschulen hatten, oder sie aus Kostengründen... nicht um die Integration zu fördern abgeschafft haben, kann man bei Bidock nachlesen.
Blöder weise spielt die Geschichte hier, in bad old Germany, und da läuft es nunmal anders wie woanders.

:-) Helmut
Vater von Sonja, 22.J. alt, nach einer schweren Erkrankung im Alter von 2 Wochen aber auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ICP, HC, Epi. gehörlos, kaum Verständigung. Schwerstmehrfachbehindert.

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Beitragvon silke » 09.10.2004, 20:41

Die Mutter hat den KiGa-Besuch nicht "verweigert"! Sie hat lange nach einem KiGa suchen müssen, der das Kind aufnimmt, - warum sie das Kind herausnahm, auch beschrieben, - eine Erklärung, die für mich schlüssig ist.
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International bekannte und anerkannte Studien zum Thema "Vergleich Regelschule/Sonderschule bei DS-Kindern" auch zum Thema "Lesefertigkeiten bei DS und Vorteile für die Sprachentwicklung sowie Gedächtnisleistung" liegen von der Engländerin Sue Buckley vor.
Kann man nachlesen:
http://down-syndrom-netzwerk.de/bibliot ... kley_d.pdf

Sie hatte auch mehrere Längsschnittstudien (Zeitraum gesamt 15 Jahre!) gemacht (habe ich als Kopie aus einer Zeitschrift des DS-Info-Centers) und dabei nachgewiesen, dass die integrativ beschulten DS-Kinder in Regelklassen in ALLEN Fähigkeiten ihren an Sonderschulen beschulten Altersgenossen teils um JAHRE voraus sind (auch in Verhalten!)
hier in Englisch zu lesen:
http://www.downsed.org/research/project ... education/

Zur Förderung von DS-Kindern auch im Bezug aufs Lesenlernen gibt das hier einen guten Überblick:

http://www.down-syndrom.at/foerd/foerd2.html
......................................................................................................
Ein lesenswerter Text, der meine Ansicht in dieser Sache ganz gut wiedergibt:

http://bidok.uibk.ac.at/library/feuser- ... derte.html
Georg Feuser: "Geistigbehinderte gibt es nicht!" Zum Verhältnis von Menschenbild und Integration
(Referat am 11. Österreichischen Symposium für die Integration behinderter Menschen "Es ist normal, verschieden zu sein", Innsbruck, 6.-8. Juni 1996 )

Er schreibt u.a.:

"(...)Es müßte "eigentlich" ein ureigenes pädagogisches Anliegen sein, sich auf das zu orientieren, was aus einem Menschen seiner Möglichkeit nach werden kann und nicht auf das, wie er uns gerade erscheint, daß er sei. Dennoch leiten wir unsere Prognosen und pädagogischen Programme, mithin auch unsere Vorschläge für einen Bildungsgang nahezu unbeirrt aus der starren Fixierung auf die als statisch, defizitär und defekt wahrgenommene Gegenwärtigkeit eines Menschen ab; aus statusdiagnostischen Kriterien.

Einmal als geistigbehindert klassifiziert, bedeutet in der Regel lebenslang die Einhaltung einer Lebensbahn, die einer Einbahnstraße gleicht, die schließlich in einer Sackgasse mündet, aus der es kein Entrinnen aus eigener Kraft mehr gibt. Wie vermessen und auch versessen wir darin sind, mag ein Beispiel verdeutlichen: Würde ich Ihnen aus einem Film, den Sie nicht kennen, ein Filmbild herausschneiden und als Dia projizieren, wären Sie mit sehr, sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht in der Lage, exakt herauszufinden, welche Szene zu diesem Bild geführt hat und welche Szenen diesem Bild nachfolgen, geschweige denn, daß der Ausgang des Filmes richtig zu bewerten und zu beurteilen wäre. Aber wir testen einen Menschen zu irgendeinem Zeitpunkt seiner Lebensgeschichte und meinen dann zu wissen, welchen weiteren Lebensweg er einzuschlagen hat und welche Bildung ihm zu ermöglichen oder vorzuenthalten ist.

Der Geistigbehindertenpädagogik liegen nahezu ausschließlich die aufgezeigten Projektionen zu Grunde. Sie entbehrt deshalb in fundamentaler Weise einer "Gerechtigkeit" ihrer Klientel gegenüber. Die Modifikation von Entwicklungsprozessen resultiert aus den Randbedingungen eines Systems und diese, nicht das System selbst, können unter Berücksichtigung der Biographie des Subjekts und der allgemeinen Gesetzmäßigkeiten menschlicher Entwicklung pädagogisch und therapeutisch optimiert werden. Das ist die einzige Aufgabe, die legitim als pädagogische und therapeutische wahrgenommen werden kann. Sie setzt weder die Existenz einer Heil- und Sonder- bzw. Geistigbehindertenpädagogik noch einer Sonderschule voraus noch wären diese notwendig zu postulieren. Nur so lange wir in der aufgezeigten Weise (mit Duldung oder gar in Beauftragung durch unsere Gesellschaft) mit Menschen verfahren, die von uns z.B. als "geistigbehindert" klassifiziert wurden oder werden, kann dieses Tun legitim als »Geistigbehindertenpädagogik« bezeichnet werden.

Tritt der als "geistigbehindert" klassifizierte Mensch aber mit gleichen Rechten und ohne soziale Diskreditierung in die Gesellschaft ein (aus der er nie entfernt, in der er aber hochgradig isoliert und mystifziert war), was gleichberechtigte Teilhabe u. a. auch an den Bildungsgütern bedeutet, kann von Geistigbehindertenpädagogik nicht mehr gesprochen werden. Es geht dann um nichts mehr oder weniger als um eine Allgemeine - und mithin integrative - Pädagogik schlechthin.

Entwicklung folgt Attraktoren (6). Randbedingungen (7) wie Ausgangsbedingungen eines lebenden Systems können solche sein. Eine Trisomie 21, die überhaupt nichts mit "geistiger Behinderung" zu tun hat, sondern eine chromosomale Ausgangsbedingung einer Systemevolution beschreibt, kann (muß nicht) für eine menschliche Entwicklung ein biologischer Attraktor ganz besonderer Art sein. Im Sinne der Bifurkationshypothese hat ein dissipatives System selbst schon auf der Ebene chemischer Evolution im präbiotischen Bereich mindestens zwei Möglichkeiten seiner Veränderung, wenn ein kritischer Punkt der Instabilität des Systems erreicht ist. In Analogie dazu hat der Mensch, so können wir (auch unter Berücksichtigung des hier schon Ausgeführten) annehmen, zwar endliche, aber nicht vorhersagbar viele Entwicklungsmöglichkeiten (E). Er kann in Anbetracht der Unumkehrbarkeit biographischer (Lebens-) Zeit nur die nicht mehr nützen, die er schon gelebt hat. Bleiben also selbst für einen schwerst beeinträchtigten Menschen En-1 Möglichkeiten seiner Veränderung und damit eine unvorhersagbare Fülle an weiteren Entwicklungsmöglichkeiten. Denken wir diesen Ansatz weiter, so kann er, je nach dem, welche Attraktoren zur Wirkung kommen, potentiell ein durchaus sehr ähnliches Entwicklungsergebnis erzielen, das er der Möglichkeit nach auch ohne die Ausgangsbedingungen z.B. einer Trisomie 21 hätte erreichen können. Es wird deutlich: eine sozial und bildungsinhaltlich restriktive Pädagogik, wie z.B. die Geistigbehindertenpädagogik, beschneidet die potentiellen Entwicklungsmöglichkeiten der als geistigbehindert klassifizierten Menschen durch Segregation und pädagogischen Reduktionismus in immenser Weise und wirkt als Attraktor der Reproduktion dessen, was uns veranlaßt, jemanden als geistigbehindert zu klassifizieren. Die Erfahrungen im Feld der "Integration", bezogen auf einen weder sozial noch bildungsinhaltlich restriktiven Unterricht, belegen das eindeutig und zeigen, welche Bedeutung allein einer sehr heterogenen Schülerschaft hinsichtlich ihrer Funktion als Attraktor eines jeden für die Entwicklung des jeweils anderen zukommt. Keine noch so ausgefeilten Mittel und Methoden einer Geistigbehindertenpädagogik bzw. Therapie vermögen allein diesen Faktor zu kompensieren. Dieses Feld kann hier aber nicht weiter bearbeitet werden.

Die Dramatik und das Dilemma unseres Faches vermag vielleicht ein weiteres Bild zu verdeutlichen. Ich denke, der Kosmologe, Physiker und Mathematiker Stephen HAWKING (1988, 1993; Ferguson 1992), dessen Theorien auch in meine Ausführungen eingeflossen sind, ist durch seine Popularität und den Film über ihn weithin bekannt. Seine Leistungen sind denen der großen Physiker wie EINSTEIN u.a. sicher ebenbürtig. Hätten wir keine Kenntnis von ihm (er erscheint schwerst behindert, ist auf den Rollstuhl und umfassende apparative und personale Hilfen angewiesen, weitgehend bewegungsunfähig und kann nicht mehr sprechen), und würden wir eine fachliche Beratung zu leisten haben, hätten wir mit dem Motiv, ihm zu helfen, sicher darüber beraten, welches Pflegeheim, welche Sonderinstitution für ihn in Frage käme. Wir hätten ihn mit Sicherheit nicht mit Fragen der großen Vereinheitlichungstheorien befaßt, die die Fragen nach dem Ursprung dieses Kosmos behandeln und nicht mit ihm versucht, Quantentheorien auf makrokosmische Phänomene anzuwenden oder über "Schwarze Löcher" und die "Zeit" diskutiert. Aber dazu arbeitet und publiziert er. Was, so frage ich, gibt uns die Sicherheit, so genau zu wissen, was in den Gehirnen der Kinder und Jugendlichen vorgeht, die wir in die Schulen für Geistigbehinderte verweisen? Solange wir nicht beweisen können, daß keine und keiner von ihnen die Lösungen im Kopf hat, nach denen HAWKING sucht, haben wir sie alle wie Genies zu behandeln, auch wenn sie uns schwerstbehindert erscheinen. Die aufgezeigte Problematik erweist sich als eine Frage des Dialogs, der Kommunikation, der Interaktion, die sich nur im gleichberechtigten kooperativen Miteinander entfalten können; sie ist nicht die Frage einer bestimmten Weise des Soseins eines Menschen im Gesamt menschlichen Daseins. Anders gesagt: Das Problem ist nicht die »Behinderung« eines Menschen, sondern die Qualität der Beziehung, die wir zu ihm herstellen bzw. die sich zwischen uns herstellt.
(...)
Was wir z.B. als die "geistigen Behinderung", eines sog "mongoloiden" Kindes, eines Menschen mit »Down-Syndrom« wahrnehmen, ist Ausdruck einer regulären menschlichen Entwicklung in Anbetracht der Tatsache seiner durch eine Trisomie 21 gekennzeichneten Ausgangsbedingungen und den gesellschaftlich-familiären und institutionellen Randbedingungen, die wir diesem Menschen schaffen und zumuten. Jedes lebende Kind mit Down-Syndrom hat bewiesen, daß es mit einer Trisomie 21 menschlich leben kann. Keiner von uns hat das je bewiesen, aber wir maßen uns an, dieses Kind und sein Leben zu bewerten. Wir hätten den Beweis erst noch anzutreten, daß wir das können. Wer hat hier ein Zuschreibungsrecht gegenüber dem anderen? Sind, wenn wir ein solches dem "behinderten" Menschen gegenüber in Anspruch nehmen, die Verhältnisse nicht eher auf den Kopf gestellt? Daß die Heil- und Sonderpädagogik wesentlich auf diesem Zuschrei-bungsrecht der Nichtbehinderten aufbaut, entlarvt sie als Herrschaftspädagogik - und eine solche wird sie bleiben, solange sie ausgrenzt oder Ausgeschlossene »einschließt« und eine reduktionistische Pädagogik als vermeintlich "behinderungsspezifische" Maßnahme praktiziert. Heil-und sonderpädagogische Klassifikationen, zu denen wir uns auch durch eine fehlgeleitete Psychologie und biologistische Psychiatrie im Eifern um Wissenschaftlichkeit haben verleiten lassen, sind nichts anderes als Artefakte eines Menschenbildes, das einem prärelativistisch-mechanistischen Denken und Weltbild entstammt, in das biologistische, eugenisch-rassistische und lebensphilosophische Momente tief verstrickt sind.

Ich denke, jeder Mensch muß den Menschen wichtig sein, sonst haben wir als Menschheit keine Überlebenschance. Der letzte Auftrag einer auslaufenden Geistigbehindertenpädagogik könnte sein, der Regelpädagogik zu vermitteln, die Menschen, um die sich die Geistigbehindertenpädagogik bislang bemüht hat, für wichtig zu nehmen und sie vorurteilslos als gleichberechtigte und gleichwertige Schüler und Schülerinnen anzuerkennen. Der sog. allgemeinen Pädagogik eine solche Sinngebung zu vermitteln könnte Sinngebung einer Geistigbehindertenpädagogik sein, deren Aufgabe heute nicht mehr darin liegt, "geistigbehinderte" Menschen in Sonderinstitutionen zu fördern (8), sondern in Kooperation mit den Menschen, die wir als geistigbehindert klassifizieren, einen gemeinsamen, von Solidarität getragenen Erfahrungsschatz, d.h. eine gemeinsame Kultur zu schaffen. "





LG silke
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Beitragvon Lisa Maier » 09.10.2004, 20:56

Hallo silke,

in Italien gibt es keine Sonderschulen, aber mach' doch bitte mal einen Urlaub in Italien und zähle z.B. die Rollstuhlfahrer auf den Straßen...

Gruß

Lisa

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Beitragvon silke » 09.10.2004, 21:13

Leider war ich noch nie in Italien und die Wahrscheinlichkeit, dort bei nächster Gelegenheit aufzutauchen, ist eher gering.

Aber das hier habe ich entdeckt:

http://bidok.uibk.ac.at/library/beh1-98-modelle.html

und ein Bsp. : Junge, DS, von der Behörde erzwungener Wechsel nach Klasse 4 aus Montessori-Schule nach G-Schule:
http://bidok.uibk.ac.at/library/boban-wechsel.html

Auch wunderbar:
http://bidok.uibk.ac.at/library/boban-problem.html

LG silke
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Margarete
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Beitragvon Margarete » 09.10.2004, 21:20

Die Mutter hat in dem Moment ihrem Kind den Kindergarten verweigert, indem sie es nicht als Integrationskind akzeptiert hat. Sie wollte, dass das Mädchen als Regelkind in den Kindergarten kommt. Die Antworten, die ihr die Leitungen gegeben haben sollen, kann ich so nicht nach voll ziehen und zweifle sehr an dem Wahrheitsgehalt der Aussagen auf der HP. Ein besonderes Kind braucht auch im Kiga eine besondere Förderung und somit muss zusätzliches qualifiziertes Personal und Material vorhanden sein und bezahlt werden. Dieses erhält der Kiga aufgrund des Integrationsplatzes und es kommt immer dem Kind zugute.

Die Mutter hat jegliche Chance ihr Kind außerhalb der Familie zu fördern zunichte gemacht! Das Erlernen von sozialem Verhalten ist mindestens genauso wichtig wie Lesen und Schreiben lernen. In diesem Punkt hat sie ihr Kind selbst an wichtigen Lernerfahrungen gehindert. Und das alles, weil sie anderen Menschen jegliche Kompetenz abspricht. Was ist sie ihrem Kind für ein Vorbild? Bei der Einstellung und dem was die Mutter ihrem Kind vorlebt, kann das Mädchen eigentlich nur Angst vor Anderen haben. Die negative und abwertende Haltung ist ganz klar auf der HP ersichtlich. Die Ausdrucksweise ist derart hasserfüllt, dass wohl niemand, der das liest freiwillig bereit ist sich mit einer solchen Frau anzulegen.

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Beitragvon silke » 09.10.2004, 21:45

Das Kind hat keine Angst vor anderen.
Geht allein in die normale Turngruppe des Vereins. Ich erlebte sie als normal alterangemessen zutraulich, ohne distanzlos zu sein. (Höflich außerdem. Das "Danke" kam von selbst!)
Welches Vorbild soll die Mutter dem Kind geben? Etwa: Du bist behindert, musst daher gefördert und "anders" behandelt werden?
Alex ist nicht halb so "behindert", wie die Leute, die sie dazu machen wollen.
Und ich vermute mal, sie ist deshalb so wunderbar normal geblieben mit einem übrigens wunderbaren, herzerfrischenden und ansteckendem Lachen.

Eine Mutter, die ein sehr ähnliches Dilemma beschreibt:

http://bidok.uibk.ac.at/library/gl1-00- ... etter.html
(Tochter DS, 4 Jahre Regelgrundschule.... und dann "ein schwarzes Loch", Hinhaltetaktik, ... ein Kind, das es so nicht geben sollte..., Eltern wollten nach der Regelschule keine G-Schule, weil die Tochter die Kulturtechniken gut beherrschte und weiterlernen wollte.)

LG silke
Zuletzt geändert von silke am 09.10.2004, 21:57, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Thomas » 09.10.2004, 21:53

Hallo zusammen,

kann es sein, dass ihr hier mittlerweile am Kern der Sache vorbeidiskutiert?

Silke, ich glaube niemand bestreitet, dass es behinderte Kinder (nicht bloß DS) gibt, die in kein Schema passen. Auch das ein behindertes Kind manchmal besser in der einen und manchmal besser in der anderen Schulform aufgehoben ist.

Bei dieser Diskussion geht es aber doch wohl mittlerweile darum, dass die Mutter sich selber in die derzeitige Lage manövriert haben soll (ich habe die Tagebücher etc. nicht gelesen). Das mag ja stimmen, aber die zu klärende Frage ist doch wohl:

Wie kommt sie da wieder raus um so zu einer Lösung zu kommen, die für das Kind die beste ist?
Meiner Meinung nach nur, indem sie (die Mutter) es zumindest mal in betracht zieht, dass sie selber auch ihren Anteil an der verfahrenen Situation hat. Das es aber dazu kommt, halte ich leider für eher unwahrscheinlich, wenn sie von dir, Silke, und anderen in dem was sie tut und getan hat dauernd weiter bestärkt wird.

Noch mal. Ich bestreite gar nicht, das Alex in den Gutachten vielleicht falsch beurteilt wurde, oder das sie in der Schule nicht optimal aufgehoben ist. Aber für diese Entwicklung muss es einen Grund geben und der kann nicht nur im Schubladendenken der beteiligten Gutachter und Schulleiter zu suchen sein.


Schönen Gruß
Thomas
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Beitragvon Helmut » 09.10.2004, 22:02

silke hat geschrieben:(Referat am 11. Österreichischen Symposium für die Integration behinderter Menschen "Es ist normal, verschieden zu sein", Innsbruck, 6.-8. Juni 1996 )

Er schreibt u.a.:

"(...)Es müßte "eigentlich" ein ureigenes pädagogisches Anliegen sein, sich auf das zu orientieren, was aus einem Menschen seiner Möglichkeit nach werden kann und nicht auf das, wie er uns gerade erscheint, daß er sei.



Hallo Silke,

wenn sich Alex Mutter den Satz, bei der Aufnahme in den Kiga zu Herzen genommen hätte, wäre ihr und Alex einiges erspart geblieben. Jetzt Leuten ,die sich nach der Realität, und nicht nach der Traumwelt der Mutter und ihrer Mitstreiter richten, so einen Satz vor zu halten.... was denkt frau sich denn dabei ??

Ich hab mir heute erstmals verschiedene zufällige Stellen des Tagebuches durchgelesen, und die Situationen in Rollenspielen nachgespielt. Egal wie ich die Rollen durchgegangen bin, die Zweifel an der Echtheit, oder am Verstand der Mutter wurden von mal zu mal eher größer, als das ihr Verhalten nachvollziehabrer wurde. Entweder sind zumindest Teile des Tagebuches frei erfunden, oder... wie soll man sowas deuten ??

Der "Gescheiteste" der an der HP mitgewirkt hat, war wohl der, der den Mittelteil gelöscht hat. Der einzige Fehler den der gemacht hat ist der, das er nicht alles gelöscht hat. Wenn ich mir vorstelle, das im einschlungsverfahren maßgebliche Leute die Geschichten auf der HP lesen, und wissen um wen es da geht, solltet ihr euch, euch selbst und Alex zuliebe, jedes weitere gezeter sparen. Lächerlicher, als so ein Anliegen, mit solchen Inhalten zu untermauern, kann man sich so glaube ich, kaum machen.

:-) Helmut
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Beitragvon silke » 09.10.2004, 22:14

Grund?

Der GRUND ist die Diagnose: DS (....Mosaik....)

DS ist gleich -> "geistig behindert" - und das es anders sein könnte, wird nicht mal gescheit überprüft...- das Kind hat aber ein Grundrecht auf individuelle Überprüfung seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten - bis an seine Leistungsgrenzen.
Überprüft wurde: Grob- und Feinmotorik - Eier aufschlagen, Trampolin, Fädeln (kann sie links und rechts und flink), anmalen, ausschneiden (schlussendlich beschrieben mit: geschickt und beweglich, ohne Schwierigkeiten), spricht leise ( logisch, fremde viel ältere Kinder)...
Weiteres wurde nicht getestet ... Und das soll eine so-päd. Überprüfung sein, nach der ein Kind dann nur "praktisch bildbar" ist? DAS IST EINFACH LÄCHERLICH!

Dem nicht zuzustimmen, da kann ich die Mutter bzw. das Kind nur unterstützen!

P.S.: Da ich alle Gutachten im Original las, kann ich dir sagen, lieber Helmut, es ist nix erfunden.


LG silke


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