DS-Mosaik-Kind: Zwangsbeschulung an G-Schule?!

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Lisa Maier
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Beitragvon Lisa Maier » 07.10.2004, 20:33

Hallo silke,

Bereits vor 30 Jahren haben Schulen für Geistigbehinderte, wenn sie zu gut waren abgegeben. Ich kenne jemand, der mit zwei Jahren G-Schule anfing und mit der Mittleren Reife aufhörte. Und damals war die Förderung noch nicht so toll wie heute.
Außerdem sind Geistigbehinderte keine Zombies, wie man bei der Darstellung der Mutter glauben könnte. Ich glaube eher, daß sich die Mutter von Alex im Interesse ihres Kindes um etwas mehr Sachlichkeit bemühen sollte, sonst schalten die Leute, die ihr, falls das Kind wirklich so fit ist, helfen könnten, gleich auf stur.

Grüße Lisa

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silke
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Beitragvon silke » 08.10.2004, 10:19

Ich bin nicht sicher, ob man in der Situation dieser Mutter wirklich "sachlich" bleiben kann,- glaube auch nicht, dass ich es wäre...
Sachlich richtig ist jedoch, dass das Fördergutachten für das Kind weder gescheit erstellt noch ausreichend ist, denn es testete allein die "praktische Bildbarkeit" , nicht aber die Fähigkeiten zum Erwerb eines höherwertigen Abschlusses.
Diese Mutter wünscht sich für ihr Kind, dass es die Möglichkeit erhält, Lesen, Schreiben, Rechnen zu erlernen, u.a. weil der derzeitige Entwicklungsstand zeigt, dass es dazu in der Lage ist. Dieses Recht hat das Kind, wie jedes andere Kind mit dem gleichen Entwicklungsstand auch.
An der vorgeschlagenen G-Schule in der Klasse ist dies nicht möglich( ,weil der Entwicklungsstand der anderen Kinder dies nicht zulässt!) . Eine andere Schule wird nicht vorgeschlagen.
(Bzw. der Rektor der GS schlug gestern eine vollstationäre Unterbringung in einem Heim mit Schule -G-Schule- etwa 120 km entfernt vor! Indiskutabel, weil diese Mutter keine Veranlassung sieht, sich auf Dauer von ihrem erst 6-jährigen Kind zu trennen.)
Hörfähigkeit: Viele DS-Kinder haben Ohren-/Hörprobleme...- dieses nicht. Sie hört wirklich und sprichwörtlich die Fliege an der Wand. Ist ausgesprochen lärmempfindlich (ich habe sie 5 Tage bei mir gehabt!), hört auch, was -im Flüsterton gesprochen- eigentlich nicht für sie ist.

LG silke

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Beitragvon Sabine » 08.10.2004, 11:03

Hallo Silke,

in dieser verfahrenen Situation sehe ich eigentlich keine andere Möglichkeit, als die Kleine in einer anderen Schule mit Wohnheim unterzubringen. Nach all dem, was da im Vorfeld jetzt schon an belastenden Gesprächen, Grundsatzdiskussionen und erhitzten Debatten abgelaufen ist, würde Alex es sowohl in der örtlichen Regelschule als auch in der von dir erwähnten G-Schule schwer haben. Wenn die Kleine wirklich so fit ist, soll ihr natürlich auch die Möglichkeit gegeben werden, ihre Fähigkeiten zum Lesen, Schreiben und Rechnen lernen voll zu entfalten. Wenn diese Möglichkeit am Wohnort nicht gegeben ist und die G-Schule wirklich so furchtbar ist, würde ich jedoch einen Wohnortwechsel für das Kind in Erwägung ziehen. Gibt es nicht auch Privatschulen, Internate, Waldorfeinrichtungen etc., die den Kindern eine pädagogische Nachmittagsbetreuung und eine liebevolle Unterkunft bieten? Da würde ich mich dann aber doch mal erkundigen.
Mit aller Gewalt würde ich das Mädchen nicht in der örtlichen Grundschule unterbringen wollen - es sei denn, die Lehrer der Grundschule setzen sich massiv für das Kind ein und das tun sie ja wohl offensichtlich nicht.

Lieben Gruß,
Sabine
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Beitragvon Helmut » 08.10.2004, 11:12

Hallo Silke,

so wie sich die Mutter in der Vergangenheit verhalten hat... und sich, da sie Leute findet, die sie darin unterstützen auch wohl in Zukunft verhalten wird,... macht es doch überhaupt keinen Sinn, ein bis in letzte Detail ausklbüsertes Fördergutachten zu erstellen. Die Mutter hat bis jetzt jede behinderungsspecifische Förderung ihrer Tochter abgelehnt, und wird jedes weitere Gutachten über ihre Tochter, das nicht ihre Meinung wiedergibt, eher dazu gebrauchen, den Erstellern vorzuhalten wie Inkompetent sie sind, als das sie ihr Verhalten dadurch ändern wird.

Du hast ein paar Beiträge vorher geschrieben, das die Familie ein Schule für Lernbehinderte akzeptieren würde..... Es tät vollkommen reichen, wenn die Familie akzeptieren würde, das Alexandra Behindert ist, und daher andere Förderung braucht als die anderen Kinder der Familie. Ich hab zwar nie Latein gehabt in der Schule, bin mir aber sicher, das ich mit einem Hauslehrer in kurzer Zeit... ohne ein Wort zu verstehen...Latein lesen könnte. Aber was würde mir dieses Lesen können nutzen ? Nichts... absolut nichts. Genau so weng nüzt es Kindern, wenn sie so Lesen und "Buchstaben nachmalen" können. Ohne das das ganze drum herum dazu paßt, nutzt es ihnen zu wenig, als das man darauf was tragfähiges aufbauen kann.

Ich glaube, wenn das Kind auf eine I Schule käme, und andere Eltern bei einem Elternabend fragen würden, wer denn die Eltern von dem behinderten Kind sind, würde die Mutter eher sagen, das sie das auch interessiert, als das sie sich als die Betreffende vorstellen würde. Solange die Familie nicht dazu steht, das Alexandra behindert ist, macht es wenig sinn, sich da rein zu hängen. Wenn man Vorschläge macht die angenommen werden, und es geht aus wlechem Grund auch immer was schief, ist man nichts weiter als der schuldige vom Dienst, und Mutti hat wie immer recht. Sowas sollte man nicht fördern.

:-) Helmut
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Beitragvon silke » 08.10.2004, 11:43

Lieber Helmut,

du gehst offenbar davon aus, das Kind könnte lesen ohne ausreichendes Sprachverständnis zu haben?
Nein, das ist nicht so. Sie hat ein gutes Sprachverständnis und versteht daher auch das Gelesene. Kann übrigens auch mit Zeitbegriffen (gestern, morgen, nachmittags usw.) etwas anfangen. Gebraucht auch die richtigen Verbformen.
(Ist übrigens auch bei der 12jährigen Tochter mit DS - freie Form - meiner Freundin so: Die kann sich beispielseise nicht annähernd so differenziert sprachlich ausdrücken wie die 6jährige Alex, liest aber dennoch die "Conny" -Bücher, dick, allein und kann hernach auch über den Inhalt erzählen, wenn eben auch sprachlich eher rudimentär.)
Ich denke nach wie vor, dass Alex den meisten Profit hat, wenn man sie normal -und nicht als Behinderte - behandelt - siehe Pablo in Spanien.
........................................
Die DS-Tochter meiner Freundin ist eine ziemlich gute Schauspielerin. Wenn sie etwas nicht will - speziell in der Schule- , tut sie "dumm", spielt "behindert"; so ließ sie sich über Monate beim Anziehen bedienen, während den Lehrerinnen nicht aufging, dass sie es bereits seit KiGa-Alter (Regelkindergarten) konnte. Aber das Mädel fand es bequemer angesichts der anderen Kinder, die es nicht konnten und angezogen wurden, sich bedienen zun lassen und dadurch die gleiche Aufmerksamkeit und Zuwendung zu bekommen. Die Lehrerinnen fanden das erst über ein ELterngespräch heraus. Mutter wurde konfront. mit: "Sie müssen mit ihrem Kind unbedingt das Anziehen üben!" ........... Tja!
Die Situation gab und gibt es so ähnlich immer mal wieder... ;-)))
Thema: Nase putzen, ...Krank sein (wenn sie früher abgeholt werden will....- zuhause gibt` s dann eine "Wunderheilung" binnen Sekunden!)
Auf Nachfrage gibt die Kleine dann durchaus zu, dass sie geschauspielert hat ;-)) , weil es "bequemer war", manchmal auch, weil sie Humor hat, und es Klasse findet, wenn die Großen hereinzulegen sind!
Also, by the way, WAS IST SCHON "BEHINDERT" ?


LG silke

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Beitragvon Helmut » 08.10.2004, 12:53

Ne Silke,

ich gehe nicht davon aus, das Alex kein Sprachverständnis hat.... nur wenn sie richtig begreifen würde was sie ließt, würde sie es nicht "nur"... wie du es nennst... rudimentär... wiedergeben. Ich bin nur der Meinung, das "richtiges Lesen" was anderes ist, als Kinder, die rings rum... wohlmöglich weil mehr Wert auf lesen und schreiben lernen, als auf Alters-, und Behinderungs -geredchte förderung gelegt wurde... große Handicaps haben, es können.

Es passiert selbst nicht behinderten Kindern, die vor der Einschulung lesen und schreiben können, das sie im ersten Jahr, weil ihnen der Lernstoff schon jahrelang vorher eingetrichtert wurde, die besten der Klasse sind, und im nächsten Jahr zum blassen Schlußlicht werden, weil sie nach der Schule keinen Bock mehr auf lernen haben, und mangels Übung nicht mehr mitkommen. Wie soll es da einem Kind ergehen, das zwar lesen und schreiben kann, aber rings um so große Schwächen hat ?

:-) Helmut
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Beitragvon silke » 08.10.2004, 13:05

Hallo Helmut,

das "rudimentär Wiedergeben" bezieht sich auf das 12jährige DS-Kind meiner Freundin vor Ort, - nicht auf Alex. Alex kann gut sprechen und auch Erlebtes gut wiedergeben, sowohl in der Grammatik als auch in der Wortwahl.
Das andere Mädchen kann es auch wiedergeben, hat aber (DS -freie Form- deutliche Ausprägung ) Probleme im Satzbau und der Grammatik. Auch erhebliche Hörprobleme.

Habe übrigens gerade alle Beiträge von Ulli, Kind mit Sprachstörung, in diesem Forum gelesen. Auch jemand, der gg. Behörden kämpft um der richtigen Förderung des Kindes Willen. Unglaublich....

LG silke

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Beitragvon Helmut » 08.10.2004, 13:40

Wie kann denn Alex nun lesen, und das gelesene wiedergeben ? Es ist merkwürdig. Da wird davon geschwärmt was ein Kind mit DS vor der Einschulung schon alles kann, und sich darüber beschwert, das die maßgeblichen Stellen das können des Kindes nicht anrechnen, sondern nur seine Schwächen aufzählen. Wenn dann aber eine Fähigkeit des Kindes beschrieben werden soll, werden eher die Fähigkeiten anderer Kinder, als die des gefragten beschrieben. Das zeigt, das du dich da ganz schön rein hängst, und man nur hoffen kann das es tatsächlich hilft, denn sonst ist die Enttäuschung hinterher groß.

Besonders um die Förderung von Kindern mit DS gibt es immer wieder Diskussionen, in denen nur die Eltern recht, und alle die eine andere Meinung dazu haben, nach Meinung der Eltern keine Ahnung haben. Das kann daher kommen, das DS als nicht so schwere Behinderung hin gestellt wird, und sich manche Eltern an dieser Formulierung festklammern. So können einige dann nicht einsehen, das das Kind zwar nicht schwer behindert ist, aber eben doch besondere Förderung braucht.... und lesen und schreiben vor der Einschulung zu können, zwar anfangs schon, später aber eher hinderlich ist, weil die Zeit zum lernen nach der Einschlung eine andere ist als vorher.

:-) Helmut
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Beitragvon silke » 08.10.2004, 15:02

Lieber Helmut,

mir scheint, wir reden aneinander vorbei?

Alex ist durchaus gefördert worden, Ergotherapie, Logopädie (beides weiterhin), außerdem Kinderturnen in der Gruppe, ganz normal und ohne Begleitung der Mutter.
Sie hat ein altersentsprechendes Sprachverständnis, kann sich gut ausdrücken (nicht perfekt, aber gut ...!), kann wiedergeben, was sie hört und auch was sie erlesen hat. Sie weiß, wovon sie redet.

Und Beschulung von DS-Kindern: Da gibt es einige Experten in D - z.B. Boban und Hinz , und auch eine Engländerin ... alle kommen zum gleichen Ergebnis: DS-Kindern hilft die Integration/Inclusion am meisten!

LG silke

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Beitragvon Helmut » 08.10.2004, 15:42

silke hat geschrieben:Und Beschulung von DS-Kindern: Da gibt es einige Experten in D - z.B. Boban und Hinz , und auch eine Engländerin ... alle kommen zum gleichen Ergebnis: DS-Kindern hilft die Integration/Inclusion am meisten!

LG silke


Das ist nicht nur bei Kindern mit DS, sondern bei fast allen behinderten Kindern so. Und es geht bei Kindern mit DS... wie bei allen anders behinderten Kindern auch.... nur dann, wenn die Schule es will !

Davon zu sprechen, wie toll Integreation doch ist, und dabei von einer Schule zu sprechen, die das Kind nicht haben will.... da reden nicht nur 2, da denkt man wohl auch selber am eigentlichen Problem vorbei.

Mitlerweile ließt sich diese Diskussion fast genauso wie das Tagebuch... Punkt eins... Mutti hat recht.... Punkt 2.... Wenn Mutti mal nicht recht hat, tritt automatisch Punkt eins in Kraft.

:-) Helmut
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