DS-Mosaik-Kind: Zwangsbeschulung an G-Schule?!

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Helmut
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Beitragvon Helmut » 07.10.2004, 08:08

Hallo Silke,

da das Kind mit 2 und 4. J. und jetzt zur Einschulung = 3 mal "negativ" beurteilt wurde, sieht das insgesamt nicht gut aus. Wenn das Kind 2 mal vom selben Arzt negativ getestet wurde, wird es höchste Zeit, das es mal ein anderer Facharzt tut. Meine Tochter kann die Formenbox auch problemlos richtig füllen.... wenn sie will.... wenn nicht, sieht sie so aus, als wenn sie ihre Finger nicht bewegen kann. Je nach Tagesform, mal so, mal so. Daher sind Bewertungen von Kindern auch mal so und mal so...... bei 3 gleichen Ergerbnissen von Bewertungen, sollte man das Ergebnis in einer G Schule eine Zeitlang testen. Das hilft dem Kind am besten.

Was die "private" Bewertung durch eine Lehrerin ( die schon mal solche Gutachten erstellt hat ??? ) betrifft, so kann die, wenn die ihre Bewertung ernst nimmt, sehr wohl was dazu schreiben. Wenn sie sich nicht traut ihre Meinung schriftlich fest zu halten, sollte man ihrer Meinung, um Enttäuschungen zu vermeiden keine Beachtung schenken.

Wenn man den Eindruck hat, das ein Kind auf einer G Schule unterfordert ist, können die Eltern selber einen Antrag auf neue Feststellung des Schulortes stellen. Dann sollte 2 Lehrer, einer vor der alten, einer von der neuen Schule, eine Bewertung dazu schreiben. Zusätzlich können die Eltern Stellungnahmen von Therapeuten und Ärzten anfordern lassen. Danach wird entschieden.

:-) Helmut
Vater von Sonja, 22.J. alt, nach einer schweren Erkrankung im Alter von 2 Wochen aber auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ICP, HC, Epi. gehörlos, kaum Verständigung. Schwerstmehrfachbehindert.

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silke
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Beitragvon silke » 07.10.2004, 08:59

Lieber Helmut,
deine Tochter, das lese ich unten, ist 20 Jahre alt ..und kann die Formenbox richtig füllen. Alex hat es mit 2 Jahren gut hinbekommen. Das ist altersangemessen.
In Alex Fall ging es nie darum, das Kind nach dem zu beurteilen, was es wirklich kann und leisten könnte, sondern immer nur darum, ein Kind mit der D.: DS (Mosaik - aber das wird gerne überlesen) als "geistig behindert" zu stempeln.

Wie erklärst du dir, dass Alex ohne jegliche zusätzliche Fördermaßnahmen -keine Frühförderung, keine KiGa- , in der Lage war, die Buchstaben und das Lesen zu lernen?
Die Mutter ist, was Methodik und Didaktik angeht, eher "unbeleckt"...- die Leistung ist eher Alex selbst zuzuschreiben, denn einem "Elterntraining"...

Wenn Alex etwas so leicht lernen konnte, was manchem normalen Schulanfänger eher schwer fällt, dann spricht das für ausgesprochen gute Lernvoraussetzungen bei dem Kind.

Du schreibst:

"Wenn man den Eindruck hat, das ein Kind auf einer G Schule unterfordert ist, können die Eltern selber einen Antrag auf neue Feststellung des Schulortes stellen. Dann sollte 2 Lehrer, einer vor der alten, einer von der neuen Schule, eine Bewertung dazu schreiben. Zusätzlich können die Eltern Stellungnahmen von Therapeuten und Ärzten anfordern lassen. Danach wird entschieden. "

Wie ich oben bereits sagte: Verbliebe das Kind länger an diesem deprimierenden Ort, würde es zu keiner positiven Entwicklung befähigt, sondern letztlich "behindert" (so, wie man es haben möchte).
Bestes Bsp. das Kind einer Freundin vor Ort. Hier bei uns werden DS-Kinder auch nur G-beschult. Dieses Kind war im RegelkiGa, ganz unauffällig und wunderbar. Sehr selbständig, konnte mit 7 Jahren komplett Frühstück für die Familie herrichten, hatte ganz sicher keinen Förderbedarf hinsichtlich praktischer Bildbarkeit, wurde dennoch so beschult. Jetzt 12 Jahre, liest die dicken "Conny"-Bücher, schreibt Druckschrift, beginnt (zuhause) die Schreibschrift.

(Ihre KL sagt: "Nein, bei uns lernen sie keine verbundene Schrift. Das können sie sowieso nicht. Und 2. brauchen sie das später in der Lebenshilfewerkstatt auch nicht!" Dieses Kind kann es und lernt es!!!)

Willst du wissen, wo sie lesen und schreiben lernte?

Zuhause am Nachmittag bei einer privat bezahlten pensionierten Lehrerin.

Schule findet sie nervend, u.a. wg. der Klassenkameraden, mit denen auf Grund der schweren Beeinträchtigungen für die keine Verständigung möglich ist.
Sie lernt gerne. In der Schule durfte sie 5 Jahre NICHT lernen (Brötchen schmieren konnte sie nämlich schon vor Schulbeginn! Verhaltensstörungen hatte sie nicht, wohl aber ihre Klassenkameraden!)

Ihre Mutter (6 Jahre Erfahrung und Elterngruppenarbeit) sagt: In der G-Schule (bei uns) werden die Kinder "blöd gehalten" . Viele könnten lernen, wenn man ihnen denn ein Angebot machte - individuell feststellte, wer kann lesen, schreiben, rechnen, lernen - wer nicht?
Zumindest das scheint an der G-Schule (bei uns) nicht zu passieren...- es läuft auf "Aufbewahrung" hinaus.

Da gibt es deshalb Eltern, die nun täglich ihr Kind in den nächsten Landkreis fahren: 50 km hin und 50 km zurück, weil dort ANDERS unterrichtet wird.

Die Schule, die ALex beschulen soll, ist eine GROß-Einrichtung, eine Anstalt für Behinderte, in der Alex nach Erfüllung der Schulpflicht auch arbeiten könnte... für die obligatorischen 90,00 EUR Taschengeld oder wenig mehr...
Alex kann lesen,schreiben, rechnen lernen. Das zeigt ihr derzeitiger Stand. Damit kann sie einen Lernhilfe-Abschluß (wenigstens) machen, später außerhalb einer solchen Einrichtung einen Arbeitsplatz finden, der es ihr erlaubt, SICH SELBST zu erhalten, FÜR SICH SELBST zu sorgen.
Aber nur, wenn sie die Chance bekommt, außerhalb einer solchen Einrichtung beschult zu werden.

LG silke

*Martina*
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Beitragvon *Martina* » 07.10.2004, 10:02

Hallo,
ich verstehe Silkes Wut sehr gut. Es geht (eigentlich) ja nicht drum, welche Diagnose gestellt wird, sondern wie sich ein Kind entwickelt. Unsere Große konnte Dinge, die Alex jetzt kann, noch nicht, als sie eingeschult wurde. Sie ist weder krank, noch hat sie sonst irgendwelche Einschränkungen. Gutachten, das habe ich auch schon oft bemerkt, sind sehr subjektiv. Ich glaube ein guter Anwalt, der sich damit auskennt, wäre angebracht. Dass Alex Anregungen braucht und davon profitieren wird, liegt doch auf der Hand. Ich wünsche der Mutter aber viel Glück, leicht wird der Kampf nicht sein!!
Alles, alles Liebe,
Martina
Im übrigen halte ich von den Intelligenztests fast gar nichts. Hier bei uns im Dorf gibt es viele Kinder, die überdurchschnittlich intelligent sein sollen und in der Schule versagen/und oder auffällig sind. Was bedeutet da der IQ???

Margarete
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Beitragvon Margarete » 07.10.2004, 11:36

Hallo Silke,

grundsätzlich befürworte ich auch eine Integration in einer Regelschule!
Aber!!! Ich habe mir die Homepage des Mädchens angeschaut! Bei mir entsteht der Eindruck, dass die Mutter alle Fachleute, die je mit dem Kind zu tun hatten, schlecht darstellt. Sei es die Frühförderstelle, die Erzieherin, die Ärzte, die Schule. Wie kann so etwas sein? Gerade die Fachleute in der Frühförderstelle stehen immer auf Seiten der Kinder!

Nach allem, was ich über die Entwicklung des Mädchens gelesen habe, habe ich die Vermutung, dass es in speziellen Teilbereichen gute Leistungen zeigt. In anderen Bereichen aber der regelgerechten Entwicklung hinter her hinkt. Ein Kind, was in diesem Alter Kopffüssler malt hat keine adäquate Vorstellung vom eigenen Körper, kennt seine Körperausmaße- und Grenzen nicht. Daher kommen wahrscheinlich die Unsicherheiten beim z.B. Trampolinspringen. Die Mutter schreibt ja auch von Schwächen im Zahlenbereich.

Mir stellt sich auch die Frage, ob das Kind sinnentnehmend lesen kann? Wenn es liest und Wörter kennt, bedeutet das noch nicht, dass es auch den Sinn des Gelesenen verstanden hat!

Sonderschulen arbeiten mit der "inneren Differenzierung"! Das heißt, dass sehr wohl geschaut wird, in welchen Bereichen das einzelne Kind zu fördern ist. An vielen GB- Schulen wird in Kurssystemen gearbeitet und leistungsgleichstarke Schüler aus verschiedenen Klassen und Altersstufen z.B. in den Kulturtechniken gemeinsam unterrichtet.

Silke, Du solltest Dir vielleicht noch einmal ein genaues Bild machen, bevor Du Dich vor solch einen "Karren" spannen lässt.

So und jetzt gehe ich in die G-Schule zum Arbeiten. Bei uns können und lernen sehr wohl Schüler Lesen und Schreiben!

LG

Margarete

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Beitragvon Sabine » 07.10.2004, 12:21

Hallo, liebe Silke,

ich tendiere auch eher zu Margaretes und Helmuts Meinung. Ich habe deine Beiträge sehr intensiv gelesen und mir auch die Homepage des Mädchens angeschaut. Mir sind da auch einfach zu viele Ungereimtheiten.
Die ganze Zeit stelle ich mir zudem die Frage: Aus welchem Grund sollten die Lehrer einem Kind mit einer milden Ausprägung des Down-Syndroms (so verstehe ich die Mosaik-Form) den Schulbesuch an einer Regelschule verweigern, wenn es tatsächlich genau dieselben Leistungen erbringen kann wie seine für schulreif befundenen Altersgenossen?
Üblicherweise müssen doch ALLE Kinder einen Eignungstest machen und ihr Können unter Beweis stellen, bevor sie die erste Klasse besuchen können. Wenn Alex diese Prüfungen bestanden hat, würde doch kein Lehrer auf die Idee kommen, ihr den Schulbesuch an einer Regelschule zu verweigern - und wenn es erst mal nur für ein Jahr "auf Probe" wäre.
Den Vorschlag von Helmut, nicht "vorbelastete" Lehrer und Pädagogen zur Prüfung des Kindes heranzuziehen, halte ich in diesem Fall für sinnvoll. Vielleicht ist das ja sogar in einer anderen Stadt möglich.
Es gibt eine recht bekannte Pädagogin, die sich schon seit Jahren intensiv mit der Beurteilung und Förderung von Kindern mit Down-Syndrom beschäftigt. Sie war letztens auch in einem Themenabend bei ARTE zum Thema "Down-Syndrom" zu sehen. Ich weiß leider nicht mehr, wie sie heißt. Den Namen wissen aber sicherlich die diversen Elterngruppen und Vereine oder Alex Mutter ruft einfach mal beim Sender ARTE an. Vielleicht wäre es ja möglich, dieser Frau das Kind einmal vorzustellen. Sie schien mir sehr kompetent zu sein - auch habe ich ihre sachlichen Ausführungen und ihre rhetorische Fähigkeit, Dinge auf den Punkt zu bringen, sehr bewundert.
Übrigens und da möchte ich mich unbedingt Margaretes Meinung anschließen: Nicht alle G-Schulen sind schlecht - im Gegenteil. In den meisten wird gute bis sehr gute pädagogische Arbeit geleistet. Von den engagierten Pädagogen, die es mit ihren besonderen Schülern ganz sicher nicht immer leicht haben, kann sich so mancher Grundschullehrer eine dicke Scheibe abschneiden.
Ich halte es auch nicht für ein Zeichen von besonderer Intelligenz, wenn ein Kind schon vor der Schule "lesen" kann - ganz sicher kann eine Sechsjährige, die noch nicht zur Schule geht, nicht sinnverständig lesen. Das braucht sie auch gar nicht. Wichtig ist, dass sie z. B. konzentriert zuhören kann, wenn ihr eine (natürlich altersgemäße) Geschichte vorgelesen wird, dass sie den Inhalt versteht und mit eigenen Worten wiedergeben kann. Nicht umsonst plädieren Pädagogen immer wieder dafür, dass Eltern ihren Kindern viel vorlesen sollen. Wer viele Geschichten kennt, wird auch später viele Geschichten lesen, schreiben und vor allen Dingen verstehen können. Ich bin auch der Meinung, dass ein Vorschulkind nicht auf einmal "aus sich selbst heraus" anfängt, Wörter zu schreiben oder zu buchstabieren. Dazu braucht es Hilfe und Anleitung - das kann es nicht "auf einmal von selbst".

Lieben Gruß,
Sabine

P.S.: Wenn die G-Schule vor Ort wirklich so schlecht ist, besteht doch auch noch die Möglichkeit, Alex in einer Waldorfschule anzumelden oder sie eine private Schule besuchen zu lassen (Internat). Da gibt es auch Zuschläge - die Kosten müssen die Eltern jedenfalls nicht allein tragen.
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Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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Beitragvon silke » 07.10.2004, 12:54

Danke..., ich habe mich nicht "vor einen Karren spannen lassen", sondern trotz erheblicher räumlicher Entfernung mir das Kind über Tage sogar persönlich angeschaut - kenne also durchaus Stärken als auch Defizite, die meine Söhne bei ihrer Einschulung durchaus auch hatten.
Sicher habe ich ein diff. Bild der Kleinen, als die "Fachleute", die nur wenige Stunden mit ihr zu tun hatten, daraus aber eine "Lebensentscheidung" ableiten wollen.
Die Entscheidung, zu helfen, wo es mir möglich ist, traf ich aus dem, was ich über das Kind aus persönlicher Anschauung weiß.
Inzwischen malt sie auch keine "Kopffüßler" mehr, sondern einen Menschen mit Kopf, Bauch, Armen und Beinen.
(Im Netz steht ein Tagebuch - der Mittelteil wurde leider gelöscht - von wem, wissen wir nicht!)
Waldorfschule vor Ort gibt es nicht - sonst wäre das eine gute Möglichkeit.
Ein Umzug ist für diese Familie derzeit nicht möglich.
...........................................................................
Wenn das hess. Schulgesetz "Integration" befürwortet, weiß ich keinen Grund, warum das in Alex Fall nicht möglich sein soll.
Wäre sie mein Kind, würde ich sie auch nicht an einen MEGA-Behinderten-Einrichtung abgeben - das halte ich als Institution per se sowieso für "lebensfremd". Es ist "Segregation" in Reinform.

LG silke

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Beitragvon Helmut » 07.10.2004, 13:02

Hallo Silke,

wenn das Kind keine Frühförderung bekam, und in keinem Kiga war, frage ich mich, warum das so war. Ist das Kind tatsächlich so fit das es die Förderung nicht brauchte und daher keinen Anspruch darauf hatte, oder hat die Mutter die Förderung abgelehnt, weil sie sie nicht für nötig, bzw. ihr Kind nicht für so "schwer behindert" gehalten hat. Ich kenne Eltern von Kindern mit DS, die Frühförderung und I-Kiga ( I weil die Kigas das Kind nur als I, aber nicht "einfach" aufgenommen hätten ) abgelehnt haben, und spätestens zu Begin der Schulpflicht "die Rechnung" für diesem Umgang mit dem Kind bekommen haben.

Das ist sicher nicht schön so. Genau so wenig schön ist es jedoch, "möglicher Weise nur leicht behinderten Kindern" aus persönlicher Eitelkeit, oder Uneinsichtigkeit, Fördermöglichkeiten vorzuenthalten. Es ist sicher toll das sich das Kind bei "so wenig" Förderung so gut entwickelt hat. Der Haken an der Geschichte ist jedoch, das keine .... auch keine I oder G Schule, das Kind weiterhin mindestens 6 Std. am Tag in Einzeltherapie fördern wird, es also so oder so einem großen Einschnitt im Leben des Kindes geben wird. Daher halte ich es für das Kind für besser, an einer G Schule zumindest in Teilbereichen besser zu sein als andere, als in einer I-Klaase ständig das "strahlende" Schlußlicht zu sein.

:-) Helmut
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Beitragvon silke » 07.10.2004, 14:29

Hallo Helmut,

ich kann deine Ansicht bzgl. Förderung nicht nur nachvollziehen, sondern begrüße dies sogar.

Nun habe ich Alex und die Familie erst über die HP vor etwas mehr als 1 Jahr kennengelernt, persönlich erst vor einigen Wochen - zu spät, um über eine "frühzeitige Förderung" zu reden, die vielleicht hätte vor Jahren schon beginnen können.

Nach Aussage der Mutter hat sich das Kind ja außerdem motorisch gut entwickelt. Meines Erachtens dürften dem Kind aber aus dem, was vielleicht damals hätte erfolgen sollen und aus welchen Gründen auch immer nicht erfolgt ist, keinerlei Nachteile erwachsen.

Was bedeutet übrigens "strahlendes Schlusslicht" in einer I-Klasse? Sind demnach alle I-Kinder "Schlusslichter ihrer Klassen? Ich glaube, das wäre ganz furchtbar und würde weder den Kindern noch dem Sinn des Integrationsgedankens gerecht.

Für mich war immer maßgeblich:
Wo kann dieses Kind in seiner Situation am meisten lernen?

DS-Kinder (und gleichermaßen DS-Mosaik-Kinder) lernen am meisten über das Nachahmen von gesunden Kindern, indem man sie "normal" behandelt (s. Pablo in Spanien, der sagt, die Eltern hätten ihn genauso wie die Brüder behandelt!).
Alex` Mama hat Alex nicht anders als die älteren Geschwister erzogen - der Punkt vielleicht, - auch das, was meine Freundin, Mutter einer Down-Tochter, sagt.

Ich bin wirklich überzeugt, dass Alex am meisten von Gleichaltrigen gesunden Kindern lernen kann, - was nicht unbedingt zielgleiche Beschulung heißen muss.

Übrigens würde die Familie auch eine L-Schule akzeptieren. Eigentlich alles, außer diese G-Schulklasse in dieser ghettogleichen Großeinrichtung.

LG Silke

Helmut
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Beitragvon Helmut » 07.10.2004, 16:35

Hallo Silke,

"Motorisch gut entwickelt" ist beim Down Syndrom so eine Sache. Da die Bandbreite möglicher Handicaps dabei sehr groß ist, sagt so eine Äußerung nichts über die "tatsächlichen Entwickelungsmöglichkeiten" eines Kindes aus. Mit den Nachteilen, die sich aus so einer Kindheit erwachsen können, ist das auch so eine Sache. Sozialverhalten lernen Kinder z.B. am besten so früh wie möglich in einer Gruppe. Dieses Kind kommt mit der Einschulung das erste mal, nach jahrelanger "Einzeltherapie", fest in eine Gruppe von gleichalterigen. Aus diesem Umstand allein können sich "Verstrickungen" ergeben, deren Folgen man nur schwer absehen kann, und oft erst Jahre später deutlich werden. Daher halte ich es für wichtig die Gruppe so klein wie möglich zu halten. Das ist in einer GB Schule am ehesten möglich.

Das mit dem "strahlenden Schlußlicht" kann man in diesem Fall sehr vielfälltig deuten. Das Kind kann durch den "ersten Kontakt" mit so einer Gruppe von Kinder z.B. "so strahlen", das es kaum noch fähig ist neues aufzunehmen. Strahlen tun I-Kinder mitunter auch, weil sie von der ganzen Klasse, als was besonderes "herausgeputzt" werden. Da kommt es darauf an, wie die Schule mit so einem Kind umgeht. Eine Schule die kein I-Kind will, KANN so ein Kind, das sie "aufs Auge gedrückt bekommt", durchaus so "herausputzen"., was zwar niedlich aussieht, aber nicht gut fürs Kind ist.

Wenn das Kind tatsächlich geistig so fit ist wie ihr meint, tut ihm eine "Umschlung" von einer G, auf eine I Schule sicher besser als umgekehrt. Allein deshalb würde ich bei einem Kind mit so einer Vorgeschichte die G Schule vorziehen.

:-) Helmut
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Beitragvon Gast » 07.10.2004, 18:59

Hallo Silke,
ich habe mir die Homepage von Alexandra gründlich angeguckt und mein erster Eindruck ist, dass ich ziemlich entsetzt von dem Verhalten dieser Mutter bin.
Sie wirkt unkooperativ, voreingenommen, ist direkt beleidigt und, und, und....
Ich denke, sie steht ihrer Tochter mehr im Wege, als dass sie ihr mit dieser Art helfen konnte bzw. helfen kann.
Dass diese Geschichte dann diesen schlimmen Verlauf genommen hat, liegt bestimmt nicht am Können des Kindes.
Ich denke, wenn das Kind von Anfang an Therapeuten gehabt hätte, wäre wenigstens noch eine Fachkraft als Fürsprecherin von Alexandra vorhanden.

In dem 5.Tagebuch wird von Konzentrationsschwäche gesprochen, aber nein...die Mutter meint, Alexandra hört zu gut. Wenn die Mutter doch immer alles besser weiß, ..tja, was soll man dazu sagen.
Ich bin einfach geschockt!

Ich wünsche mir eine Entscheidung zum Wohl des Kindes!
Grüße
Christina


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