Sparkurs in Österreich auf Kosten behinderter Menschen

Zum Teil unterscheiden sich die rechtlichen und organisatorischen Strukturen zwischen Deutschland und den verschiedenen Nachbarländern erheblich. Hier in dieser Rubrik sammeln wir alle landesspezifischen Infos.

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Nicomum
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Sparkurs in Österreich auf Kosten behinderter Menschen

Beitrag von Nicomum »

Hallo,

mit großer Besorgnis lesen ich die jüngsten Sparpläne unserer Regierung, und ich könnt echt ko**** :twisted: !

Neun Behinderteneinrichtungen, die in Österreich gebaut wurden, können nun nicht in Betrieb gehen, weil das Geld für die Betreuung fehlt. Mehr als 3000 Menschen warten in Österreich dringendst auf einen Betreuungsplatz, müssen von Angehörigen gepflegt und versorgt werden, wie interessiert keinen :? .

Die Bewilligung für die 1. und 2. Pflegestufe wird erschwert, was fast einem Wegfall dieser beiden PS gleich kommt (in Österreich haben wir insges. 7 PS).

Für marode Banken werden Milliarden-Pakete geschnürt, aber bei den sozial Schwächsten, die keine Lobby haben, wird eingespart :twisted: !

Ist das in Deutschland auch so schlimm???
Liebe Grüße
Elke

Sohnemann (5.03), Hypospadie, Autismus-Spektrum-Störung - mit großem Bruder und großer Schwester

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dagmar neo frea
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Beitrag von dagmar neo frea »

schlimmer  8)
Dagmar *1962,Robert *1965,Frea Jakobine *1985, T21,operierter AV- Kanal,Neo Leander*2004, HFA

http://www.institut-fuer-menschenrechte ... rpd_de.pdf
https://www.youtube.com/watch?v=dVrX7Gqjzs0

Simone_Annabelle
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Beitrag von Simone_Annabelle »

Hallo,

was mich auch schockiert: in den Medien (und auch außerhalb) wurde eine Menge Wirbel um den Wegfall der Familienbeihilfe gemacht.

Dass z.B. Pflegestufen 1 und 2 schwerer zugänglich gemacht wurden und damit eine Menge Leute (unter anderem bin ich davon überzeugt, dass auch wir darunter fallen werden, weil wir ganz knapp 2 bekommen haben) darum umfallen werden, interessiert niemanden - da fehlt die Lobby. Generell ist die Pflege scheinbar ein Chaos und dürfte, da eben niemand deswegen auf die Straße geht, erst einmal so bleiben.

Schlimm, dass nur Diejenigen Erfolg haben, die auch so richtig Lärm machen können. Während Unizeiten hätte ich auch Zeit dafür gehabt - heute weniger.
Simone 07/1970, Günter 07/1969, Sophie 12/1998, Katharina 07/2003, Annabelle 07/05 partielle Monosomie 3p.25 - global entwicklungsverzögert, macht aber ständig Fortschritte

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anamor78
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Beitrag von anamor78 »

die familienbeihilfe für ewige studenten ist mir persönlich ein ewiges rätsel ... wenn ich schno soo lang brauch zum studieren, muss ich halt nebenbei arbeiten gehen - was it daran so schlimm??

und das system der pflegestufen - wer welche kriegt - ist sowiso ein würfelspiel unter sachverständigen/Anwälten/Richtern ... und je nachdem wiviel kraft die familie in das investiert ...
Romana mit Rett-Mädchen Isabella (*2003)
besuch doch Isabellas blog: www.isabella-online.blogspot.com
inzwischen Beraterin für UK-Hilfsmittel

Oskar
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Beitrag von Oskar »

Hallo,

die politische Entwicklung in Österreich ist auch schon zu uns vorge-
drungen... Flux hat unsere Regierung auch ihre Pläne in die Richtung
mitzugehen, nur dass die den Anspruch auf Pflegegeld für zu Hause
gleich mal komplett streichen will.

Und ja, das ist genau ein Punkt, den Simone da anspricht, ich kann
nicht einfach so z.B. nach Berlin fahren, um dort zu demonstrieren.

Bevor mein Kind in die Kita ging, hat auch kein Mensch etwas davon
mitbekommen, in was für einer Situation man eigentlich ist.

Mir kam es manchmal vor, als käme ich aus einem Bunker,
wenn ich mal vor die Haustür kam, weil keiner ohne entsprechende
Ausbildung es sich zutraute sich mit um die Kleine zu kümmern und
ich mit meinem Kind nicht an Krabbelgruppen, Babyschwimmen,
Musikschule u.ä. teilnehmen konnte. Ich habe nur Ärzte, Therapeuten,
Apotheken, Krankenhäuser und Mitarbeiter von Sanitätshäusern gesehen.
Und auch wenn da einige ganz Nette dabei sind, ist das nichts, wo das
Kind einfach Kind sein darf, es ist Patient...

Ich überlege schon die ganze Zeit, ob es eine Möglichkeit gibt eine bundes-
weite Unterschriftensammlung zu organisieren und die gesammelt nach
Berlin zu schicken.

Viele schreiben ja hier im Forum, warum nicht mal einen Steckbrief ver-
fassen, in welcher Situation wir leben und auch welche positiven Er-
fahrung wir z.B. in Kindertageseinrichtungen, mit dem FUD usw. ge-
sammelt haben. Was es für uns bedeuten würde, wenn Gelder ge-
strichen werden.

Man muss es doch wenigstens versuchen!
Wenn ein Packen von 10.000 Briefen bei der Regierung eingeht
ist das schon mal eine Überlegung von oben wert, denke ich.

Viele Grüße, Oskar

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KerstinM.
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Beitrag von KerstinM. »

Hallo Oskar, ja so einen Vorschlag hatte ich hier auch mal eingebracht. Meine Idee war, dass jeder Teilnehmer so mal seine Geschichte verfasst und den immerwährenden oder immer wiedervorkommenden Kampf um Alltäglichkeiten beschreibt und dies dann mal zusammen gebündelt an die entsprechenden Leute der Regierung geschickt würde, so z.B. Familien-, Gesundheits- und Bildungsministerium.
Leider hat sich keiner hierzu gemeldet. Viele hatten meine Anliegen gelesen, aber niemand geantwortet. Deshalb hatte ich es dann wieder entfernt. Vielleicht hast du mehr Glück. Ich wäre dabei. Man kann ja einen größeren Zeitraum hierfür nehmen, denn wir haben alle nebenbei noch anderes zu tun. Aber es gibt hier so ein großes Erfahrungspotential, das man nutzen könnte. Vielleicht würde man gemeinsam so einiges erreichen können, vielleicht dass man uns zumindest anhört und ein besseres Bewusstsein für die oft erschwerte Situation für Betroffene, Kinder und Eltern erreicht.

Wenn ich so manches hier lese, wenn Betroffene oder Eltern berichten, mit welchem Kampf manches passieren muss, platzt einem manchmal fast der Kragen. Als Beispiel: Fachfremde MDK-Ärzte bestimmen für Kinder ganz lapidar mal eben für ein Kind die Anfallmedikation, an der sich viele Neurologen die Köpfe zerbrechen. Weil das nun empfohlene Medikament zu teuer erscheint, wird auf einen ganz anderen Wirkstoff verwiesen. Die Eltern haben nun die Wahl zwischen Aufgeben und Weiterkämpfen. Und während dieser Entscheidung krampft das Kind munter vor sich hin und es entstehen evtl. Folgeschäden, deren Kosten dann ja glücklicherweise aus einem anderem Topf kommen?! ggrrhh
Wann fängt man endlich an für den Patienten zu entscheiden? Wann wird der MDK endlich zum tatsächlichen unabhängigen Dienst? Ab wann darf der MDK somit tatsächlich nicht mehr in die Behandlung eingreifen, wie es in den Bestimmungen des MDK steht? Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen......

Gruß Kerstin
Kerstin mit Markus(*97), Hydrocephalus mit schwerem Verlauf,Epilepsie
PK (*14)spastische Tetraparese, gesetzl. blind, Entwicklungsverzögerung, Epilepsie, kleiner Sonnenschein
Ein behindertes Kind ist wie ein krummer Baum - du kannst ihn nicht gerade biegen, aber du kannst ihm helfen, Früchte zu tragen.

Oskar
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Beitrag von Oskar »

Hallo Kerstin,

ja, jeder von uns hat genug um die Ohren, deshalb ist es ja auch
so schwierig, etwas Gemeinsames zu organisieren.

Jetzt begebe ich mich auf dünnes Eis, aber als ich letztens eine
Reportage gesehen habe, wie sich die Renter organisieren, um
ihre Ansprüche zu sichern, an gemeinsamen Abenden Demos
besprechen, Buse organisieren usw., dachte ich mir nur, dafür
muss man aber auch die Ressourcen haben.
Ich versuch schon seit Monaten mal zu einem Selbsthilfegruppe-
Treffen 45 Minuten Fahrzeit von mir weg zu kommen...

Deshalb müssen wir versuchen uns auf anderem Wege zu bündeln,
sonst werden wir nicht mal gehört.

Das fände ich schlimm. Schlimm für unsere Kinder.

Ich möchte die finanzielle Möglichkeit nicht verlieren, mein Kind
ins Krankenhaus zu begleiten, weil ich keinen Verdienstausfall
mehr kompensieren kann.

Ich möchte eine Chance haben, mir eine behindertengerechte
Wohnung zu suchen, wenn ich sie nicht mehr die Treppe hoch-
tragen kann und vieles andere.

Ich hoffe, wir finden noch Mitstreiter hier, am besten alle :-)

Viele Grüße, Oskar

PS: Das mit den Ärztegutachten ist mir auch erst seit der Petition,
die ich hier gefunden habe, bewusst. Der Kelch ist bisher an mir
vorüber gegangen...

PS: Merkwürdig auch aus welcher Ecke das kommt. Man kann nicht
einerseits empört über Abtreibung und Stammzellenforschung sein,
aber andererseits sagen, so jetzt habt ihr euch für dieses Kind ent-
schieden und jetzt Pech gehabt.

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KerstinM.
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Beitrag von KerstinM. »

Hallo Oskar, dann wollen wir mal hoffen, dass sich uns beiden ( Der Anfang wird doch gemacht??) noch viele andere anschließen.

Ich durfte von Eltern vieles lerne, darf mit meinen Kindern davon profitieren, was andere erkämpft und erstrtiten haben (allein wenn man die Vergleichsurteile des BSG bedenkt), deshalb möchte ich davon auch weiter mit meinem Kindern daon profitieren können und andererseits auch für ander was erstreiten helfen.

Das Beispiel mit den Rentnern ist gut. Wir Eltern hier und die Betroffenen könnten eine so geballte Kraft darstellen, wir könnten viel bewegen. Und nicht aus dem Grund, weil irgndwas schick oder so ist, sondern weil es die Lebensqualität für so viele Menschen positiv verändern lassen würde. Damit die ewigen vielen Kämpfen im Alltag ein Ende hätten, und man sich dem doch recht schwierigen Allerlei um unsere Kinder zuwenden könnte.

Gruß Kerstin
Ich hoffe, wir finden noch Mitstreiter hier, am besten alle
Das würde mir gefallen!
Kerstin mit Markus(*97), Hydrocephalus mit schwerem Verlauf,Epilepsie
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Beitrag von neni »

Hallo,

es ist mehrmals bundesweit protestiert worden, sowohl auf der Straße als auch mit Mails und Unterschriftsaktionen (www.pflegegeld-retten.at) .

Die nächste Demo ist am Do 2.12. 9 Uhr am Ballhausplatz in Wien mit prominenten Unterstützer.

@simone-annabelle, @anamor 78,

-es wird keine Pflegestufe, die schon gegeben wurde wegfallen.

-wenn Studenten nicht in die Mindestzeit studieren, fällt die Kinderbeihilfe weg (das ist so seit ewig!) und sie zahlen Studiengebühren sowie Versicherungsbeiträge. Auch andere Begünstigungen wie z.B. die günstigere Monatsmarke für die öffentlichen Verkehrsmitteln, fallen weg.
Also von "ewige Studenten", die Kinderbeihilfe beziehen, war und ist hier nicht die Rede. Die gibt es nicht.

LG
Neni

Nicomum
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Beitrag von Nicomum »

Hallo,

hab gehört, dass die bereits gebauten Behinderteneinrichtungen in Ö. nun doch in Betrieb genommen werden, ist ja mal was Positives :D !
Liebe Grüße
Elke

Sohnemann (5.03), Hypospadie, Autismus-Spektrum-Störung - mit großem Bruder und großer Schwester

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