Angie mit Benedict (Sprachentwicklungsverzögerung, Autismus)

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 30.01.2019, 11:36

Hallo Sabine,

ich kenne einen Jungen mit frühkindlichem Autismus, inzwischen ein Teenie, (bisschen jünger als meiner), der sich prächtig entwickelt. Man weiß natürlich hinterher nicht, was wovon kommt, aber die Mutter hat sehr findig und engagiert eine Art von „erweiterter UK“ mit ihm gemacht, ganzheitlich im Alltag, in dem Sinn wie Claudio Castaneda zb das macht. Der Junge nimmt zb den Talker (Metatalk), oder Puppen, Playmo-Figuren, Post-its, uva um sein Denken zu planen, zu visualisieren. Das hat er übernommen, weil es ihm zuhause so vorgelebt wurde. Die Mama ist quasi eine Expertin in Kommunikation geworden, und darin, alternative Wege zum Verstehen (in beide Richtungen) aufzubauen. Dazu gehört zb auch, die Spezialinteressen des Kindes aufzunehmen und findig Lerninhalte einzubauen.
So wie das bei Euch klingt, wäre das vielleicht auch für Euch ein guter Weg.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Sabine76
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Beitragvon Sabine76 » 30.01.2019, 12:27

Hallo Engrid,

schön von dir zu hören. Danke für deine Antwort :D Den Talker hattest du mir damals schon mal empfohlen. Daraufhin haben wir uns den Talker besorgt und in den Alltag integriert. Wir machen mit Jannis zu Hause auch ein wenig UK. Das ist aber schwierig, weil sich Jannis fast nur auf sein Spezialinteresse einlässt. Ich bin manchmal auch zu ungeduldig. Beim tausendstens Mal geduldig zu bleiben ist schon echt :roll:

Kannst du mir sagen, wie sich Asperger Autismus vom hochfunktionalen Autismus abgrenzt??? Ich weiß, oft gibt es gewisse Schnittmengen. Ich habe beobachtet, dass Jannis Schwierigkeiten hat Gesichter richtig wahrzunehmen...passt laut Literatur eher zum Asperer A.? Jannis hat aber die Diagnose FKA.

Jannis hat bisher überhaupt kein Interesse zu malen oder einen Stift in die Hand zu nehmen. :cry: Er geht ja nächstes Jahr in die Schule :?: Natürlich bekommt er einen Teilhabeassistenten. Wir haben uns für eine Regelschule entschieden. Trotzdem bei dem was eine Regelschule alles einfordert wird mir schon etwas mulmig...

Liebe Grüße
Sabine

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Beitragvon Sabine76 » 31.01.2019, 18:42

Hallo ihr Lieben,

heute hatte Jannis wieder seine autismusspezifische Förderstunde im Autismuszentrum. Da wurde nun gesagt, dass Jannis möglicherweise auch ADHS hat. Er kann sich zwar lange auf etwas konzentrieren...aber er ist hibbelig, steht oft auf und ist leicht ablenkbar. Nun beginnt hier auch eine Abklärung. Damit habe ich nicht gerechnet, denn Jannis kann sich über Stunden mit Lego beschäftigen. Letzte Woche hat er hochkonzentriert eine Lego-Bahn für 6jährige zusammengebaut. Bis auf ein paar kleiner Fehler...da war ich schon beeindruckt. Er spielt auch viel mit Legotechnik und hat mit einfacher Programmiersprache angefangen :shock:
Ich habe diesen Bogen auch für mich vorhin ausgefüllt und musste feststellen, dass ich wahrscheinlich ADS habe :? Das passt. Ich habe zwar studiert und kann mich gut organisieren...aber im Aufschieben von unangenehmen Aufgaben bin ich Weltmeister. Das muss ich erst mal verdauen :(
Liebe Grüße
Sabine

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 31.01.2019, 19:33

Sabine76 hat geschrieben:Hallo ihr Lieben,

heute hatte Jannis wieder seine autismusspezifische Förderstunde im Autismuszentrum. Da wurde nun gesagt, dass Jannis möglicherweise auch ADHS hat. Er kann sich zwar lange auf etwas konzentrieren...aber er ist hibbelig, steht oft auf und ist leicht ablenkbar. Nun beginnt hier auch eine Abklärung. Damit habe ich nicht gerechnet, denn Jannis kann sich über Stunden mit Lego beschäftigen. Letzte Woche hat er hochkonzentriert eine Lego-Bahn für 6jährige zusammengebaut. Bis auf ein paar kleiner Fehler...da war ich schon beeindruckt. Er spielt auch viel mit Legotechnik und hat mit einfacher Programmiersprache angefangen :shock:
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Sabine


Willkommen in Club :) ! Mein Sohn ist auch Asperger Autist mit ADHS und ich selbst habe sehr wahrscheinlich auch ebenfalls (undiagnostizierte) ADHS.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

Sabine76
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Beitragvon Sabine76 » 01.02.2019, 09:55

Hallo Lisa,

wie hat sich euer Sohn seit der Diagnose entwickelt? Bekommt er Medikamente? Was tust du gegen dein ADHS? Ich habe eine Weile mit 5-HTP rumprobiert und festgestellt, dass es scheinbar was bewirkt. L-Thryptophan bringt nicht so viel...
Gerade in meinem Beruf bin ich auf die Konzentration angewiesen. Ich habe gelernt, dass zu trainieren...aber wenn der Serotoninhaushalt gestört ist, bringt das nur bedingt was. Oh man :cry:
Mein Berufsstand ist ja leider bei Vielen nicht hoch angesehen, deshalb ist es für mich besonders schwer, damit richtig umzugehen. Ich bin Lehrerin. Ich liebe meinen Beruf und meine Lernenden wissen das zu schätzen :wink:

Liebe Grüße
Sabine

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Beitragvon Lisaneu » 01.02.2019, 19:48

Sabine76 hat geschrieben:Hallo Lisa,

wie hat sich euer Sohn seit der Diagnose entwickelt? Bekommt er Medikamente? Was tust du gegen dein ADHS? Ich habe eine Weile mit 5-HTP rumprobiert und festgestellt, dass es scheinbar was bewirkt. L-Thryptophan bringt nicht so viel...


Wir sind gerade bei den ersten Versuchen mit Ritalin. Im ADHS-Thread berichte ich genauer darüber. Aktuell hat mein Sohn (knapp 9 Jahre alt, 30kg) jetzt mal abwechselnd ein Placebo und 5mg Ritalin unretardiert bekommen. Bisher habe ich noch keine deutliche Wirkung feststellen können, aber meinsten war mein Sohn nach der Einnahme der Tablette ja in der Schule. Den Lehrerinnen sind zwar Veränderungen aufgefallen, aber auch nicht sehr eindeutig. Das kann aber an der niedrigen Dosierung liegen. Morgen fahren wir auf Urlaub und da probieren wir für den Schikurs (nach Absprache mit KJP und Kinderärztin) 10mg Ritalin unretardiet. Ich werde berichten.

Meine ADHS habe ich bisher nicht medikamentös behandelt. Dazu müsste sie ja auch erst mal hochoffiziell diagnostizert werden, und da sehe ich im Moment (noch) keine Notwendigkeit. Aber ich besuche seit über 20 Jahren eine Selbsthilfegruppe zu einem ganz anderen Thema, die mir insgesamt sehr bei der Strukturierung meines Lebens geholfen hat.

Sabine76 hat geschrieben:Gerade in meinem Beruf bin ich auf die Konzentration angewiesen. Ich habe gelernt, dass zu trainieren...aber wenn der Serotoninhaushalt gestört ist, bringt das nur bedingt was. Oh man :cry:
Mein Berufsstand ist ja leider bei Vielen nicht hoch angesehen, deshalb ist es für mich besonders schwer, damit richtig umzugehen. Ich bin Lehrerin. Ich liebe meinen Beruf und meine Lernenden wissen das zu schätzen :wink:

Liebe Grüße
Sabine


Ich bin Verkäuferin im technischen Bereich. Beruflich habe ich mit meinen Einschränkungen sehr gut umgehen gelernt. Aber mein Beruf erfordert (im Gegensatz zu deinem :wink: ) auch keine uneingeschränkte Konzentration. Zwar kann ich mich immer noch nicht länger als maximal 15min auf eine Sache konzentrieren, aber ich kann diesen Umstand so perfekt überspielen, dass es niemanden auffällt :P .

Mein berufliches Manko ist eindeutig meine Langsamkeit. Verarbeitungsgeschwindigkeit ist ja ein generelles Problem von ADHSlern. Wegen meiner chaotischen Gedankensprünge kann ich nicht einen Vorgang step by step erledigen, entsprechend hoch wäre bei schneller Arbeit die Fehlerquote. Daher muss ich alles noch 3x rückchecken bevor ich es abschließe, und mache trotzdem nicht weniger Fehler als meine schnelleren Kollegen. Dafür habe ich einige andere berufliche Vorzüge, z.B. bin ich multitaskingfähig. Ich kann nebeneinander eine Anfrage am PC machen, mich mit einem Kunden unterhalten und zwischendurch auch noch die Fragen eines Lehrlings beantworten.

Im übrigen glaube ich nicht, dass Verkäuferinnen gesellschaftlich höher angesehen sind als Lehrerinnen. Und wenn deine Lernenden dich als Lehrerin zu schätzen wissen zählt ja nicht, was "irgendwer" vielleicht von deinem Beruf hält!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

SimoneChristian
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Beitragvon SimoneChristian » 01.02.2019, 20:48

Hallo Sabine76,

ich gehöre auch in den Club. :) :wink:
Ich kann beruflich mein ADHS gut nutzen, finde ich. Allerdings habe ich auch optimale Arbeitsbedingungen und Kollegen, die viel Struktur vorgeben.

Bei C. sind die ADHS Anteile deutlich ausgeprägter, wenn die Wahrnehmung oder die Emotionen ihn überlasten.
Allerdings lässt ihn auch die schlechtere Handlungsplanung und die völlig andere Lernstruktur oft aufmerksamkeitsgestört wirken.
Je nach Problemlage kann es sich also lohnen, noch mal sehr genau hin zu schauen, wann und wo die Symptome auftreten.

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

Sabine76
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Beitragvon Sabine76 » 02.02.2019, 09:05

Guten Morgen,

@Lisa: Ja, da hast du recht. Trotzdem stößt man auch in diesem Forum auf klare Hinweise, dass mein Berufsstand in der Gesellschaft kein hohes Ansehen genießt. Verkäuferin ist ein echt anstrengender Job, wo man sich auch viel konzentrieren muss. Toll, dass du das so gut hinbekommst :) Meine Erfahrung ist die, dass der Berufsstand des Verkäufers deutlich höher angesehen ist, als der des Lehrers :? Dabei ist das so ein toller Job :D die vielen kreativen Köpfe und vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten...jeder einzigartig in seinen Fähigkeiten. Das ist so toll. Natürlich gibt es gerade in meinem Berufsstand viele schwarze Schafe, die das Meinungsbild stark beeinflussen.Manche sollten wirklich keinen Beruf wählen, der ein hohes Maß an sozialen Kompetenzen erfordert :!: Ich habe das Gefühl, dass gerade mein Berufsstand viele Menschen anzieht, die ein paar Besonderheiten mitbringen...Helfersyndrom, autistische Züge, etc. So breit wie die gesellschaftlichen sozialen Probleme sind, so findet man diese natürlich auch in meiner Berufsgruppe wieder.
Trotz der vorherrschenden negativen Meinung in der Gesellschaft, würde ich meinen Beruf immer wieder wählen, weil ich erkannt habe, dass es meine Berufung ist.
Trotzdem ich muss sehr intensiv nachdenken, ob ich nicht eine Abklärung des ADS anstrebe. Es scheint nicht so stark ausgeprägt zu sein. Trotzdem beeinflusst es meinen Alltag sehr stark.

@Simone: Super, dass du deinen Weg gefunden hast!!! Ich muss erst mal verdauen, dass ich auch dazu gehöre und mir überlegen, wie die nächsten Schritte aussehen. Jannis hat auch eine ausgeprägtere Form als ich. Er braucht wahrscheinlich Medikamente...so die ersten Aussagen. Wir beobachten das bei Jannis schon recht lange. Er ist ja auch Autist...besonders wenn sich Situationen verändern, dann sind die ADHS Anteile klar erkennbar. Ich bin wirklich gespannt, was die Abklärung zu Tage fördert.

Liebe Grüße

Sabine

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 02.02.2019, 10:21

Hi Sabine,
Bene scheidet extrem viel Serotonin mit dem Urin aus. Er bekommt seit er 3 ist, hohe Dosen an 5 HTP. Dennoch ist sein Serotoninspiegel sehr niedrig.
Als es im Rahmen der Epilepsiediagnostik - Lumbalpunktion- abegesetzt - wurde, rastete er innerhalb weniger Tage völlig aus. Er war autoaggressiv (ist er sonst nie), konnte keinerlei Änderungen und Geräusche mehr ertragen etc. pp.

Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

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Sabine76
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Beitragvon Sabine76 » 02.02.2019, 11:54

Hallo Angie,

das ist interessant. ich habe im pubmed mal einen Artikel gelesen, wo das untersucht wurde. Eine richtige Erklärung gibt es ja leider dafür noch nicht. Das Serotonin kann bei Autisten nicht richtig gespeichert werden. Das ist ja bekannt. Ich habe dazu meine eigenen Vermutungen entwickelt, auf der Basis was ich bei pubmed nachgelesen habe. Für die "Verarbeitung" von Serotonin braucht man ja bestimmte Botenstoffe. Aufgrund eines Chromosomendefekts (Vieles spricht dafür, dass Autismus vererbt ist) kann eines oder mehrerer dieser Botenstoffe nicht gebildet werden, somit wird das Serotonin nicht so verbraucht wie es das Gehirn braucht und somit über den Urin ausgeschieden. Das Gehirn muss eigentlich Serotonin verbrauchen, kann es aber nicht, weil der Botenstoff dafür fehlt :?: So meine Überlegungen.

Liebe Grüße
Sabine


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