Bin ich sehr anders?

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Inselheike
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Bin ich sehr anders?

Beitragvon Inselheike » 26.10.2010, 09:35

Hallo alle miteinander, :hand:
gestern war ich mit meinem Großen unterwegs einkaufen. Beim einsteigen ins Auto fragt er mich plötzlich: "Mama, wie sehr unterscheide ich mich eigentlich von normalen , nicht behinderten Jugendlichen? Bin ich sehr anders?" :shock:
Da mußte ich erst mal ganz schön schlucken! Lars ist echt intelligent und bekommt sehr gut mit, daß er eben nicht so ist, wie die anderen Jugendlichen in seinem Alter.
Ich habe ihm versucht zu erklären, daß er zwar anders, aber nicht schlechter ist, wie andere in seinem Alter. Anders heißt eben nur verschieden, und es wäre ja auch nicht schön, wenn alle gleich wären. Dann würde es ja wohl keine berühmten Maler, Schriftsteller oder Shauspieler geben. Jeder Mensch hat verschiedene Fähigkeiten und Talente und auch Macken. Und das macht die Welt interessant.

Wie wärt ihr mit so einer Situation umgegangen? Fragen eure Aspies auch gezielt nach?
Mir ist ein bischen bange, denn ich denke, er wird immer häufiger solche Fragen stellen, je mehr er sich von seinen Altersgenossen "entfernt".
LG Heike :hand:
Heike (02/68)mit Lars (06/97), Asperger Autist

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Jenny66
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Beitragvon Jenny66 » 26.10.2010, 10:33

Hallo Heike,

unsere Tochter ist zwei Jahre jünger, wir sind gerade im Diagnose-Verfahren, aber von ihr kommen auch solch geartete Fragen.
Und ich sage dann auch so etwas in der Art, wie Du auch.
Viel hilft mir auch immer, wenn ich Charaktere finde, mit denen sich unsere Tochter identifizieren kann und die in ihrer Rolle dann zwar auch deutlich anders als andere sind, aber eben auch Helden sind.

Früher war es z. B. Ferkel aus Winnieh Puuh, weil Ferkel immer ganz klein war und super ängstlich, aber dennoch ein Held war, weil Ferkel immer im richtigen Moment die anderen quasi gerettet hat. Dann gibt es noch Helden in irgendwelchen Büchern...man muss halt schauen, was passt. Und wenn das Kind selbst eine Figur findet, dann ist es schön, wenn man sich auch dafür interessiert. Unsere Tochter findet z. B. Maggie von den Simpsons auch ganz gut passend für sie. Und auch damit hat sie gewisse Ähnlichkeiten (und ich wohl leider auch mit der Mutter von Maggie :roll: :lol: ).

Ich sage ihr dann auch immer, dass derjenige, der sich das so ausgedacht hat und diese Figuren/Rollen so erfunden hat, sich dabei etwas gedacht hat und dass sie eben, so wie sie ist, auch ihren Platz hat, genau wie die Figuren in einer Serie. Und so eine Serie wäre ja auch langweilig, wenn da alle gleich wären.

Jenny66

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Beitragvon RegineW. » 26.10.2010, 10:50

"Bin ich anders?"

"Ja, und wie!"

"Gott sei Dank!"
ich (Asperger/ADS) 4 Kinder Asperger/AD(H)S
Autorin von; " Früher war ich falsch...heute bin ich anders" und "Gedanken in Bildern-Innenansichten eines Menschen mit Autismus"

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Beitragvon anitaworks » 26.10.2010, 11:51

Hallo zusammen,

RegineW. hat geschrieben:"Bin ich anders?"

"Ja, und wie!"

"Gott sei Dank!"


Bild

ganz wichtig, war mir auch zu betonen, dass ich meine Kinder nicht anders haben wollte/will. :wink:

Liebe Grüße
Anita
*1996 Sohn F84.5G (2010) HB
*1998 Tochter F84.5G (2013), Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter F84.1G(2014), F90G (2011), HB, Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn F84.5G, F90G, F83, HB (2012)
Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!
#NoABA #FragtWarum

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Beitragvon Otti » 26.10.2010, 11:56

Hallo Heike:)
meine Lütte hat gestern nachdem ihr Bruder meinte Du bist ja doof,
" ich bin nur anders als die Anderen" gesagt.
Ja dass ist sie wohl und das ist gut so.
Liebe Grüße von Otti
Ottimama + Mädchen 1992 + Junge 2003 + Mädchen 2005 Kiss-Kidd/Asperger- Autistin

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Beitragvon FlohNiehus » 26.10.2010, 14:04

Hallo.


Ich würde auch mit der Wahrheit antworten.
Erzieher / Rettungssanitäter / Babysitter

Meine Vorstellung:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 345#145345
Meine Galerie:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_per ... er_id=4951

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Beitragvon Lina Mare 67 » 26.10.2010, 16:01

Hallo,

es ist eigentlich schon komisch niemand will durchschnittlich sein, sondern eher was besonderes.
In den Medien wird immer Individualismus als erstrebenswert dargestellt und wenn dann jemand tatsächlich von der Norm abweicht sieht die Wirklichkeit ganz anders aus.
Die Toleranz für alles andersartige hält sich doch sehr in Grenzen.

Ich führe mit meinem Sohn auch ab und zu solche Gespräche, inzwischen geht es ihm aber so gut, dass er mit sich zufrieden ist.

Ich hoffe dein Sohn sieht auch seine positven Seiten - denn es gibt immer 2 Seiten einer Medaille :wink:

Liebe Grüße Petra

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Beitragvon Inselheike » 26.10.2010, 16:26

[quote="Petra Patriarca"]Hallo,
Ich hoffe dein Sohn sieht auch seine positven Seiten - denn es gibt immer 2 Seiten einer Medaille :wink:

Ja, das sehe ich genauso.
Inzwischen habe ich noch mal mit meinem Sohn gesprochen. Er wollte wohl konkret wissen, was ihn ( aus meiner Sicht) von den anderen Unterscheidet. Konkrete Beispiele!
Also da habe ich ihm erst mal gesagt, daß ich erst mal darüber nachdenken müßte. Ganz spontan hab ich gesagt, daß mir seine "Redseligkeit" als erstes auffiele.
Mir fallen solche Gespräche immer sehr schwer, denn ich weiß nie, wo ist die Grenze. Wieviel will er wirklich wissen, oder will er nur mal eine Bestätigung, daß er doch gar nicht soooo anders ist.
Nachdenkliche Grüße, Heike
Heike (02/68)mit Lars (06/97), Asperger Autist

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Beitragvon MarkusB. » 26.10.2010, 20:37

Inselheike hat geschrieben:Er wollte wohl konkret wissen, was ihn ( aus meiner Sicht) von den anderen Unterscheidet. Konkrete Beispiele!

@ all: Wie [...] erklärt man dem Kind die Diagnose? Stichwort: Positive Eigenschaften. :wink:
Liebe Grüße
Markus

Ich bin übrigens der Junge auf dem Avatar, ein Asperger-Autist. Das war ich 1981 im Alter von 6 Jahren.
Weitere Infos in meiner Vorstellung. | Mein Projekt: Infos und Adressen zur Autismusdiagnostik.


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