Was würdet ihr gerne im Kindergarten anders machen?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Gerli

Was würdet ihr gerne im Kindergarten anders machen?

Beitragvon Gerli » 27.09.2004, 19:05

Hallo Ihr Lieben!
Ich leite eine heilpädagogische Kindergartengruppe!
Mich würde interessieren, was Ihr als Eltern ankreidet, wo meint Ihr werden Fehler gemacht, was würdet Ihr anders haben/machen!?
Würde mich freuen, wenn viele schreiben!

Viele Grüße Gerli

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Nadine

Beitragvon Nadine » 27.09.2004, 22:04

Liebe Gerli,

ich finde es klasse, das du auf diesem Wege versuchst deine Arbeit zu reflektieren. Es ist bloß ein wenig schwierig zu pauschal etwas zu wünschen. Ich kenne einige KiGa-Konzepte und bin immer überrascht, wie unterschiedlich diese je nach Leitung des KiGa´s sind.

Was ich ganz wichtig finde, ist es das Kind ernst zu nehmen und es seiner Entwicklung und dem Tempo zu respektieren. Die Wünsche und Interessen des Kindes zu hinterfargeb und zu reagieren. Warum will dieses Kind dieses jetzt oder jetzt nicht?

Ganz wichtig finde ich den Kontakt zu den Eltern und natürlich auch anders herum. Mir als Mutter ist eine Entwicklungsdokumentation wichtig. Nicht aus einem Leistungsdenken heraus sondern um abschätzen zu können welche individuelle Förderung, im Sinne von Assistenz für das Kind, ist aktuell von Nöten. In welcher Phase der Entwicklung befindet es sich. Meiner Meinung nach wird den Kindern häufig zu schnell geholfen, zu viel abgenommen, anstatt auf ihre Fähigkeiten zu vertrauen.

Huch, jetzt bin ich ins Quasseln gekommen. Darüber könnte ich mich seitenweise auslassen :lol: Ich fasse mich erstmal kurz.

Ganz liebe Grüße,

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Sabine
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Beitragvon Sabine » 27.09.2004, 22:18

Hallo Gerli,

unser Sohn kommt nächste Woche in einen Heilpäd. Kindergarten. Er ist dort in einer Sondergruppe mit insgesamt neun Kindern und drei Betreuern. Aus Gesprächen mit den Erzieherinnen habe ich erfahren, dass sehr auf das Potenzial und die Individualität der Kinder geachtet wird. Was kann man forcieren (macht das Kind z. B. Anstalten, selbstständig zu essen)? Wo ist Förderbedarf? Welche Stärken hat das Kind? Dieser Ansatz hat mir sehr gut gefallen.
Jan-Paul wird im Kindergarten 2x wöchentlich Bobath-KG bekommen, außerdem geht´s 1x in der Woche zum Schwimmen (das Heilpäd. Zentrum hat ein eigenes Schwimmbad).
Die Eltern haben zudem die Möglichkeit, an einem Nachmittag von den Erzieherinnen etwas zum Thema "Basale Stimulation" zu lernen. Ich finde es super, wenn so etwas vom Kiga für die Eltern angeboten wird.
Näheres kann ich dann wohl erst in den nächsten Wochen und Monaten berichten.

Lieben Gruß,
Sabine

P.S.: Was ich auch klasse finde ist, dass die Kinder - je nachdem, wie sich ihr Entwicklungsstand ändert - in eine andere Gruppe wechseln können. Zum Beispiel erst ein Jahr Sondergruppe und dann zwei Jahre integrative Gruppe.
Das geht natürlich nur, wenn der Kindergarten groß genug ist und über die entsprechenden Gruppen verfügt.
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Gerli

Beitragvon Gerli » 29.09.2004, 21:43

Hallo Nadine!

Danke für die Antwort...natürlich ist es schwierig eine pauschale Antwort zu geben...aber finde es schön etwas von Deinem Kind und der Arbeit im Kindergarten zu erfahren.
Ich war vorher in einer integrativen Kindergartengruppe tätig, und kann nur sagen, das mir die Zusammenarbeit mit den Eltern auch sehr wichtig ist...man kann im Kiga arbeiten, wie man will, wenn die Eltern es nicht mit tragen, ist es sehr schwierig...aber zum Glück gibt es im überwiegenden Teil Eltern die mitarbeiten!
Ich finde es toll, wie Eltern sich den Situationen stellen...und mir macht es Spaß Eltern Möglichkeiten aufzuzeigen.
Nicht schlimm, das Du ins Quasseln gekommen bist...ist sehr interessant zu lesen!
:icon_sunny:

Gerli

Beitragvon Gerli » 29.09.2004, 21:53

Hallo Sabine!

Ihr scheint sehr viel Glück zu haben, allein was die Einrichtung des Zentrums betrifft, find ich super!
Eigenes Schwimmbad!
Die Gruppe, die ich leite, wurde gerade neu aufgemacht, leider haben wir noch keinen Krankengymnasten gefunden!
Mit basaler Stimulation habe ich auch schon viel gearbeitet (habe m,ehrere Jahre in einem Heim für schwerstmehrfach behinderte Kinder gaearbeitet), ist ein spannendes Thema!
Das mit dem in eine andere Gruppe wechsaeln finde ich auch gut!
Aus meiner Gruppe sollen in 2 Jahren eh 2 integrative Gruppen werden.
Erfahre gerne mehr über den neuen Kiga!

Liebe Grüße Gerli

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Beitragvon Sabine » 29.09.2004, 22:34

Hallo Gerli,

am kommenden Dienstag hat Jan-Paul seinen ersten Kindergartentag. Ich kann also ab nächste Woche "richtig" erzählen.
Ja, die Einrichtung ist super und auch die Erzieherinnen sind klasse. Es wird sehr viel für die Kinder gemacht und das Engagement ist wirklich toll.
Sehr schade finde ich allerdings, dass die Zusammenarbeit der Eltern mit dem Kindergarten sehr zu wünschen übrig lässt - das ist leider nicht nur in unserer Gruppe so. Gerade die Eltern mit Migrationshintergrund bleiben lieber unter sich, wollen keinen Austausch und sind froh, dass ihr Kind im Kindergarten gut aufgehoben ist. An Gruppen- oder Elternabenden waren wir (mein Mann und ich) bislang immer alleine da. Das fand ich sehr enttäuschend, denn ich hätte schon ganz gerne auch die Eltern der anderen Kinder kennengelernt, die in Jan-Pauls Gruppe sind. Das wird wohl leider auch in Zukunft nicht passieren.

Lieben Gruß,
Sabine
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Beitragvon Claudi-BaWü » 30.09.2004, 08:54

Hallo,

also mein Dominik geht seit Februar in den Frühförderkiga für Körperbehinderte und ich muss sagen im allgemeinen tut es ihm sehr gut.

Wir haben im Kindi auch ein eigenes Schwimmbad aber was ich etwas schlecht finde ist, daß die Kinder kein geregeltes schwimmen haben. Also bei Dominik muss man jeden Mittwoch das Schwimmsach mitgeben aber oft dauert es Wochen bis er mal schwimmen war. Das möchte ich aber am kommenden Montag bei Elternabend mal ansprechen.
Dann hat Dominik 1x in der Woche KG im Kindi die Therapeutin hat auch Kontakt zu unserer KG die wir auch 1x wöchtenltich besuchen.
Dann werden unsere Kinder eigentlich super gefördert. Ich habe erst jetzt die Tage wieder eine Schreiben bekommen in dem steht, was noch bis Weihnachten auf dem Plan steht. Also z.B. Kastaniene und Bunte Blätter sammeln, Laternen basteln, Laternenfest u.s.w.
Ich finde es schon super bei uns denn die wenigsten Kinder können ja eine Laterne wirklich selbstständig basteln. Aber es wird gemacht.
Dann haben wir 2-3 mal im Jahr einen Heilpädagogischen Tag für Eltern hier werden sehr interessante Themen über einen ganzen Tag erarbeitet oder besprochen.
Die Gruppen sind auch nicht all zu gross pro Gruppe sind es höchstens 5 Kidner und 2 Erzieherinnen.

Gruss
Claudi
lg claudi
D. 12/2000 Tetraspastik, ICP, keine Sprache, Autistische Züge, Entwicklungsverzögert, Rollstuhlfahrer, seit 24.05.2005 Pohlig US-Orthesen, 10/2011 Hüft OP li. und 04/2017 und 06/2017 beide Knie/Füsse OP in Aschau.

Die Zukunft sollte man nicht voraussagen wollen,
sondern möglich machen (Antoine de Saint Exepury)

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Beitragvon Sabine » 13.10.2004, 10:24

Hallo Gerli,

ich wünsche mir eigentlich auch - jedenfalls hier bei uns in der Umgebung - engagiertere und kommunikativere Eltern... Schon während Jan-Pauls Frühförderung hatte ich kaum oder gar keinen Kontakt zu anderen Eltern mit behinderten Kindern hier aus der Gegend. Die Treffen in der Frühförderstelle fanden irgendwann mangels Interesse nicht mehr statt.
Das fand ich sehr schade!
Jetzt im Kindergarten scheint es ähnlich zu laufen.
Hinzu kommt, dass zumindest hier in Iserlohn die meisten Kinder mit Behinderungen ausländischer Herkunft zu sein scheinen. Die Mütter sprechen oft kaum deutsch und leben in ihrer eigenen Welt. Kontakte mit anderen Eltern, die auch ein behindertes Kind haben, werden oft gar nicht gewünscht. Einige dieser Kinder sind sehr schwer behindert, vielleicht auch, weil ihre Eltern und Vorfahren seit Generationen nur innerhalb der Familie (Cousin und Cousine) heiraten und dadurch schwere Gendefekte beim Nachwuchs oft nicht ausbleiben.

Manchmal denke ich, wir wohnen falsch. Besonders, wenn ich sehe, wie engagiert die Eltern in Niedersachsen (Raum Vechta, CLP, Landkreis OS) sind. Leider habe ich es bis heute nicht geschafft, mal an einem der Treffen dort teilzunehmen. 200 km sind für "mal eben hinfahren" einfach zu weit weg. Ohne Zwischenstation bei meinen Eltern in OS ginge das gar nicht.
Ich finde das sehr schade, aber es ist anscheinend nicht zu ändern.

Lieben Gruß,
Sabine
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