Zeugnisformulierungen Einzelintegration Regelschule

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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ABosch
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Zeugnisformulierungen Einzelintegration Regelschule

Beitragvon ABosch » 02.08.2010, 14:10

Hallo ,

nun hat Levin sein erstes Schuljahr an der Grundschule hinter sich.
Im Großen und Ganzen lief es sehr gut.

Beim Lesen seines Zeugnisses bin ich über einige Passagen gestolpert, die mich stören. Ich bin am Überlegen ob es wirklich sein muß bzw. richtig ist, Dinge die behinderungsbedingt auftreten als negativ im Zeugnis aufzuführen, ohne den Zusammenhang zur Behinderung herzustellen?

Beispiel:
Levin schreibt handschriftlich und meistens lesbar. Mit der Handschrift eines normal entwickelten Kindes hat dies aber selbstverständlich nicht so viel zu tun.
Nun steht im Zeugnis seine Schrift sei nicht formtreu und selten gut leserlich.

Kann mir hier jemand weiterhelfen? Wie sieht das bei Euren einzelintegrierten Kindern aus?
Ist der Maßstab wirklich ausschließlich der, der eben an Regelgrundschulen gilt. Gibt es da keine Berücksichtigung, ist das nicht Teil des Nachteilsausgleich?

Liebe Grüße
Andrea
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Beitragvon coro » 02.08.2010, 14:37

Hallo,
ich finde das zumindest merkwürdig und würde schon das Gespräch mit der Lehrer/in suchen. Bei meiner Tochter, die allerdings als Regelschülern mit Integrationshelferin beschult wurde, waren solche Bemerkungen nicht zu finden. Einzig in Bezug auf die Sportnote wurde darauf hingewiesen, dass diese sich auf das Engagement nicht aber auf einen tatsächlich vergleichbare Leistung bezog. Ich müsste nachschauen, wie die genaue Formulierung war. Sie hatte jedenfalls eine sehr positive Bewertung, in der zum Beispiel auch ihr soziales Verhalten sehr positiv hervorgehoben wurde. Aber vielleicht sind unsere Fälle nicht gut vergleichbar, da sie ja eben kein Integrationskind war, sondern ein Regelschulkind. Aber wenn Du magst, schaue ich gern mal auf ihre Grundschulzeugnisse.

LG
Coro

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Beitragvon ABosch » 02.08.2010, 14:39

Hallo Caro,

Levin ist auch ganz normaler Regelschüler. Er hat ebenfalls eine Integrationshelferin.

Gruß
Andrea
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Beitragvon MiriamP » 02.08.2010, 15:00

Hallo,

ich bin mir nicht sicher, daher versuche ich mal meine Gedanken zu formulieren....

Ist es wirklich die Behinderung, die verhindert, dass er "nicht formgetreu und selten gut leserlich" schreibt? Oder liegt es daran, dass er es zwar kann (er kann ja leserlich schreiben... nur macht er das halt nicht immer!), aber es noch nicht hinbekommt (unabhängig von der Behinderung!)? Es wird ja nicht geschrieben, dass Levin nicht leserlich schreiben kann, sondern dass er es halt nicht durchgängig macht, also es zwar schon kann, aber halt nicht immer macht. Die Frage ist nun: ist es aufgrund der Behinderung, dass er es nicht immer macht... oder liegt es daran, dass er es z.B. nicht immer will (wie viele andere nicht-behinderte Grundschüler auch?)
Ähnliches bei nicht-formgetreu. Nicht formgetreu heißt z.B. dass nicht alle Buchstaben richtig "herum" geschrieben werden... dass z.b. statt einem kleinen d ein kleines b da steht. Schreibt Levin z.B. nicht richtig in der Lineatur, weil er es nicht richtig kann aufgrund der Behinderung oder schreibt er einige Buchstaben immer noch nicht so, wie es sein sollte (wie z.b. d und b vertauscht .. nicht immer, aber gelegentlich). Das eine hat etwas mit der Behinderung zu tun, das andere nicht... denn es gibt einige Kinder, die nicht formgetreu schreiben (was eigentlich nur heißt, dass sie noch etwas Zeit brauchen).

Grüße,
Miriam

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Beitragvon AnniesPapa » 02.08.2010, 16:15

Moin,

vielleicht bin ich ja zu sachlich als Mann: er muss sich doch mit dem Zeugnis nicht bewerben, oder? Die Formulierung ist aus meiner Sicht zwar nicht sehr glücklich aber ich würde das als Ratschlag nehmen, um mit dem Einzelbetreuer über Maßnahmen zu sprechen, um das zu verbessern.

Ansonsten, tief Luft holen und Kraft sparen für die nächste Hilfsmittelablehung und dem nachfolgendem Wiederspruch.... Wenn ich zu sachlich war, packt es in die Kategorie "Männer!"...

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Beitragvon Lisa Maier » 02.08.2010, 17:05

Hallo Andrea,

viele Tetraspastiker schreiben nicht besonders leserlich. Das ist einfach eine Tatsache. Und Tatsachen kann man auch ruhig in das Zeugnis schreiben. Gerade bei geistig fitten Kindern finde ich es sehr wichtig, daß sie nicht vermittelt bekommen, daß sie sich bei allem, was sie nicht so toll hinbekommen, nur auf ihre Behinderung berufen brauchen und letztlich lernen, sich auf dieser auszuruhen. Bedenklich würde es, wenn ihm später aufgrund der Schrift z.B. die Gymnasialempfehlung verweigert würde oder man ihn nur deswegen nicht versetzen wollte. Hier sollte man dann wirklich protestiern. Aber das steht ja im Moment noch nicht zur Debatte.

Viele Grüße

Lisa

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Beitragvon MariaB » 02.08.2010, 17:43

Hallo Andrea,

wir kennen das bei Justus auch ähnlich. Er ist durch seinen Autismus in seiner Motorik eher ungeschickt und dadurch eher schwach im Sportunterricht. Das stand dann auch immer so im Zeugnis. Auf dem Abschlusszeugnis der 4. Klasse und auch auf dem vorhergehenden Halbjahreszeugnis hatte er dann aber keine Note.

Ich würde es auch eher entspannt sehen. Er hat ja keinen Nachteil dadurch und nach der 1. Klasse ist die Handschrift bei vielen Kindern noch nicht immer leserlich.

LG
Maria
Maria mit
Max 04/2001
Lenn 11/2003 (Mißbildung an linker Hand)
und PK Neffe Justus 05/2000 mit Asperger


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