Papa mit Sohn (V. a. tiefgreifende Entwicklungsstörung)

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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nikolai
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Papa mit Sohn (V. a. tiefgreifende Entwicklungsstörung)

Beitrag von nikolai »

Hallo, nach längerem Mitlesen habe ich mich nun auch dazu entschlossen, uns einmal vorzustellen.

„Wir“ sind vier: Papa, Mama, Sohn (5) und Tochter (3).

Bei unserem Sohnemann besteht der V. a. eine tiefgreifende Entwicklungsstörung im Sinne eines Aspergersyndroms. Er ist noch in der Diagnosephase.

Ich habe beruflich viel oder ausschließlich mit besonderen Kindern und Jugendlichen zu tun, da ich an einer Förderschule in NRW arbeite. Daher habe ich glaube ich bei meinem Sohn den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen, was seine Problematik anbetrifft. Sein Verhalten bedeutet für mich und meine Familie schon eine enorme Belastung, gerade was die Aggressionen, die Ablehnung von Gesellschaft und die Unflexibilität anbetrifft. Dieses Verhalten hat uns so manches Mal über unsere grenzen gebracht! Eines Abends, meine Frau und ich haben uns schon wieder selbst für erziehungsunfähig gehalten, haben wir einfach mal seine Problematik zusammengefasst und uns ist es wie Schuppen vor den Augen gefallen. Der Schritt, einen Psychiater zu konsultieren, war dennoch sehr schwer, da dieser Schritt für uns bedeutete, das Verhalten unseres eigenen Sohnes als krankhaft anzusehen.
Auch die Reaktion unseres Umfeldes ist seitdem häufig nervig und anmaßend. „Der Junge hat doch nichts!“ „Ein typisches Pädagogenkind!“ „Meldet ihn doch mal beim Fußball an!“ usw.. Die Leute, die so etwas sagen, haben davon keine Ahnung - aber davon eine ganze Menge! Dieses sage ich mir immer wieder, damit ich nicht bloß wieder an mir selber zweifle.

Die Diagnostik dauert schon ein halbes Jahr, so langsam wäre ich für eine eindeutige Diagnose sehr dankbar, da ich das Gefühl habe, dass sie viieel Druck von mir nehmen würde und wir auch entsprechende Maßnahmen in Anspruch nehmen könnten.

Dieses Forum hat mir schon sehr viel geholfen, indem ich lesen konnte, dass es (fast) allen anderen Familien ähnlich ergeht und ähnliche Konflikte und Emotionen bestehen.

So, soviel nun zu uns. Demnächt mehr

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PapaBernhard
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Beitrag von PapaBernhard »

Lieber "Papa",

herzlich willkommen hier im Forum. Das mit den Umfeldreaktionen passiert vielen hier.

Liebe Grüsse
Bernhard
Bernhard *69, Christiane *70
Dominik *15.10.07 Asphyxie bei Geburt, Entwicklungsverzögerung, Epi, Pflegegrad 4
Adoptivschwester *2006
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Sonni4Kids
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Beitrag von Sonni4Kids »

Für mich ist schlimnm, dass ich anzweifel was ich selber sehe und spüre, ich stelle es immer wieder in Frage und dadurch das ich bisher nicht wirklich weiter komme in Diagnose und meinem eigenen unguten Gefühl geht es auch nicht wirklich weiter.
Ich sehe es auch so, indem ich eine Diagnose anstrebe, empfinde ich das Verhalten meines Kindes als krankhaft. Es geht auch nicht um mich, sondern darum das ich ihm Hilfe anbieten will im Alltag besser zurrecht zukommen, besonders in der Schule.
Im privaten, haben wir soweit gelernt mit seinen Eigenheiten gut umzugehen, was auch nicht immer einfach ist und auch mal dazu führt das ich mich ausgelaugt und fertig fühle, aber er ist ein ganz besonders Kind mit so vielen wunderbaren Eigenheiten, das er mich auch immer wieder für alles andere entschädigt.
Wir sind auch noch in der Diagnosefindung, aber ich denke es wird noch dauern bis wir da was bekommen.
Belastend empfinde ich auch die Menschen im Umfeld die alles besser wissen und doch überhaupt nichts......die alles abtun als Nichts und dann den Kopf schütteln wenn was vorfällt oder mich anschauen als wenn ich unfähig wäre mein Kind zu erziehen.
LG

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anitaworks
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Beitrag von anitaworks »

Hallo nikolai,

herzlich Willkommen bei REHAkidsBild

Das Du auf eine Diagnostik wartest, kann ich gut verstehen! Es nimmt einem wirklich die Last von den Schultern und bringt die Klugschwätzer zum großen Teil zum Schweigen!
nikolai hat geschrieben:Auch die Reaktion unseres Umfeldes ist seitdem häufig nervig und anmaßend. „Der Junge hat doch nichts!“ „Ein typisches Pädagogenkind!“ „Meldet ihn doch mal beim Fußball an!“ usw.. Die Leute, die so etwas sagen, haben davon keine Ahnung - aber davon eine ganze Menge! Dieses sage ich mir immer wieder, damit ich nicht bloß wieder an mir selber zweifle.

Diese Sprüche hab ich auch zu hören bekommen. Auch hab ich an mir selbst gezweifelt, was ich wohl alles falsch gemacht habe in der Erziehung.

Mir selber sind meine Kinder insofern gar nicht als besonders aufgefallen, weil sie ja wie ich sind (so wie ich selber als Kind und Jugendliche war). Aber es ist eine enorme Entlastung, wenn man weiß warum und andere Hilfen einfordern kann.

Bei der Diagnosestellung hatte ich auch großes Helfertreffen, da wurde mir zum ersten Mal geglaubt und zum ersten Mal gesagt, dass ich nicht alles verkehrt gemacht habe!

Ich drück Dir alle Daumen für Euer Ergebnis und hoffe darauf, dass Ihr dann vernünftige Hilfen findet.

Liebe Grüße
Anita
*1996 Sohn F84.5G (2010) HB
*1998 Tochter F84.5G (2013), Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter F84.1G(2014), F90G (2011), HB, Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn F84.5G, F90G, F83, HB (2012)
Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!
#NoABA #FragtWarum

AnniesPapa
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Beitrag von AnniesPapa »

was Du schreibst ist doch ganz klar: Pädagogenkind!

NEIN, nur ein Spass. Wollte Dich ein wenig aufmuntern. Mir hilft lachen immer ein wenig! ALSO: zuerst einmal willkommen. Ich bin auch noch nicht so lange dabei, fühle mich heir aber sehr wohl und habe schon viele nützlcihe Tipps bekommen!

Für die Diagnose Deines Sohnes kann ich Dir nur den Rat geben: geh den behandelnden Ärzten auf den Sa**. Und vor allem: glaub ihnen nicht alles!!! Bei uns wurden in den letzten Jahren die wildesten Diagnosen gestellt.... Mein Rat: höre viel auf Deinen Bauch. Hilft immer! Viel Spass hier im Forum.

nikolai
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Beitrag von nikolai »

Guten Morgen,

auf den Sa** gehen kann ich sehr gut :lol:
Was für mich so schwierig zu vermitteln ist (gerade für Außenstehende), ist dass mein Sohn ja genau so richtig ist, wie er ist, ich ihn ja gar nicht anders haben will. So, wie er ist, wird er geliebt.
"Was hast du denn dann für ein Problem?" ist darauf eine häufige Reaktion.

Ich möchte für ihn einfach eine Hilfe, dass er besser im Leben klarkommt. Und dadurch auch wir besser klarkommen.

Ich habe ja schon innerhalb meines Berufes feststellen können, welche enormen Entwicklungsmöglichkeiten in den Kindern stecken (können). Dafür jedoch häufig eine enge therapeutische etc. Begleitung und Unterstützung notwendig ist. Es wird so viel Zeit verschenkt, bilde ich mir ein. Aber das wissen ja viele von euch hier noch viel besser als ich.

Sonni4Kids
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Beitrag von Sonni4Kids »

Guten Morgen Nikolai
du sprichst mir aus der Seele, auch mein Kind wird genau so geliebt wie er ist mit allen seinen Eigenheiten, genau so ist er richtig.
Und auch wir wollen ihm nur Hilfestellungen bieten, aber das ist nicht so einfach.

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joeysmommy
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Beitrag von joeysmommy »

Hallo nikolai,


Deine Beschreibung kommt mir sehr bekannt vor.

Ich habe eine Vierjährige, die auch nur die Diagnose "tiefgreifende Entwicklungsstörung" hat, der Rest sind Fragezeichen. Eine Autismus-Diagnostik haben wir durchlaufen, jedoch mit dem Ergebnis, dass sie sich zwar autistisch verhält, für eine Diagnose jedoch nicht autistisch genug ist... :?

Das Gefühl, dass zuviel Zeit verplempert wird, habe ich auch, und es wurde durch das Testergebnis noch vertsärkt. Wir haben allein 7 Monate auf den Beginn der Diagnostik gewartet und haben in der Zeit NATÜRLICH versucht, unserem Kind zu helfen. Folglich hat es viele Fortschritte gemacht - glücklicherweise. Leider war es dann eben zur Diagnostik nicht mehr "autistisch genug"...

Auch wir wollen unsere Tochter nicht verbiegen. Aber wir wollen, dass ihr und uns geholfen wird, mit ihren Eigenheiten umzugehen. Ich sehe oft genug, dass sie die Welt nicht versteht, und dass ich nicht immer in der Lage bin, sie ihr zu erklären. Es mag ein Vorteil sein, dass ich eine ähnliche Problematik habe wie sie, aber in vielen Dingen scheinen wir dennoch verschiedene Sprachen zu sprechen.


Herzlich willkommen jedenfalls hier bei REHAkids!!! :hand:
Liebe Grüße, Verena (*07/78), mit Joana (*06/06), 35.SSW, V.a. ASS, FI, und Joshua (*11/10), Hypopl. d. re. unt. Extremität + Oligodaktylie, psychomot. Ret.

Kinderkrankenschwester in der amb. Intensiv-Kinderkrankenpflege

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Inge.K
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Beitrag von Inge.K »

Hallo Nikolai,

herzlich Willkommen bei REHAkids.
Ich wünsche dir einen regen / Gedanken Erfahrungsaustausch.

Netten Gruß
Inge
Inge(geb.65) Carsten(geb.66) ♥Unser Sonnenschein ♥ Patrick ♥ * 2.9.88. †30.11.2008 ganz tief in unseren Herzen♥ Wir vermissen dich so sehr ♥ Es wird schon wieder, wieder, wieder wie was?!
Wieder wie vorher?! Es wird nie wieder wie vorher! Irgendwann wird es, aber nicht wieder!

MoniHah
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Beitrag von MoniHah »

Hallo Nikolai,

erst einmal herzlich Willkommen im Forum. Bin auch noch nicht so lange dabei, mein Sohn ist vor kurzem diagnostiziert worden.

Mir geht es ähnlich wie Dir, als Pädagogenmutter habe ich auch schon erzählt bekommen, dass ich etwas hineininterpretiere, was ich täglich sehe, bzw. die andere Variante, ich müsste dass doch alles wissen, was er hat.

Diese Beschreibungen, dass wir doch nur etwas bestimmtes machen müssen, dann wird es bestimmt anders, haben wir auch schon öfter gehört. Kenne ich durch meine eigene Erkrankung auch schon. Das empfinde ich auch ganz nervig, weil niemand das Ausmaß kennt, womit man zu leben hat. Aber auch welche Vielfalt und welches Glück er uns bringt.

Wünsche Dir viel Kraft und sende viele Grüsse

Moni

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