Mein Mann kommt mit Behinderung nicht klar! Was tun?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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nicole1303
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Mein Mann kommt mit Behinderung nicht klar! Was tun?

Beitrag von nicole1303 »

Hallo,

mein Problem ist, dass mein Mann die Behinderung unserer Tochter Lea ( Gendefekt, starke geistige Behinderung, Entwicklungsstand einer 2-jährigen) nicht akzeptiert. Er gibt es ehrlich zu, dass er damit nicht zurecht kommt. Aber ich weiss nicht wie ich ihm helfen kann? Die Problematik hat sich soweit ausgedehnt, dass er sich eine andere gesucht hat. Ich bin dahinter gekommen und habe ihm rausgeschmiessen, er ist zurück gekommen, weil er mich und die Kinder will. Er war an einem Punkt angekommen, wo er gemerkt hat, dass er mehr Zeit für sich will und auch mehr Zeit zu zweit und das die Einschränkungen durch Leas Krankheit zuviel sind für ihn. Er will es versuchen. Ich möchte ihm noch eine Chance geben. Aber für mich ist das ein grossen Problem. Momentan erledige ich alles was Lea betrifft alleine - anziehen, windeln, füttern. Nur ins Bett bringen hilft er mir. Habt ihr auch Erfahrung damit? Was kann ich tun?
Danke nicole

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nettka
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Beitrag von nettka »

hallo,

sowas wie bei deinem mann hört man öfters...bei männern ist das auch immer so eine sache die sehen die dinge anders wie wir ...gib deine kinder mal öfters zu der oma und verbring mal bischen zeit mit deinem mann alleine dann wird das auch wieder :)
Spina Bifida, HC, ACM Typ 2,

Denise und Vivien
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Beitrag von Denise und Vivien »

Hallo Nicole!

Lass dich erstmal drücken, du machst da ja ganz schön was mit. Ich finde es bewundernswert, dass du die Kraft gefunden hast deinem Mann den Seitensprung zu verzeihen. Helfen kann ich dir leider nicht, aber ich muss leider zugeben, dass ich momentan in der Situation von deinem Mann bin und seine Gefühle nachvollziehen kann. Bei uns ist es eben umgekehrt, mein Mann pflegt unsere Tochter komplett, ich mache zur Not natürlich auch was aber ich kümmere mich hauptsächlich um unseren Kleinen.
Ich empfehle hier eine Familientherapie (gekoppelt mit einer Einzeltherapie für deinen Mann), anders ist es glaube ich aussichtslos bzw. sehr schwierig. Und mir hilft es, viel mit unserer Tochter zu machen (also auch spielen, füttern, wickeln) weil dabei gerät man in so viele Situationen, die einem die Liebenswürdigkeit des Kindes vor Augen führen und das stärkt die Bindung zum Kind. Es ist kontraproduktiv, wenn dein Mann nicht viel mit ihr zu tun hat, denn so sieht er nur das Äußere, also die Behinderung, und nicht den Menschen dahinter.

Liebe Grüße!
Denise mit Vivien (geb. 30.01.05) (septo-optische-dysplasie; daraus entwicklungsverzögert, blind mit Lichtwahrnehmung, hypoton, ballonierter Balken, zu kleine Hypophyse, Schizencephalie bds.) und Brüderchen Julian (geb. 6.6.09)

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Isolde
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Beitrag von Isolde »

Hallo Nicole,

habt Ihr mal daran gedacht - zusammen eine psychologische Beratungsstelle aufzusuchen?
Die gibt es z.B. bei sozialen Stellen wie Caritas oder Diakonie,
und da würde ich mal zusammen mit einem Fachmann darüber reden,
vielleicht kann sich Dein Mann da auch mehr öffnen und über seine Problematik mit der Behinderung reden,

es wäre zumindest eine Möglichkeit - sich professionelle Hilfe suchen,
die kostet auch nicht viel Geld,
und Ihr bekommt da auch recht schnell einen Termin, vorallem wenn Du sagst, dass es dringend und wichtig ist.

Würde Dein Mann da mitgehen?

Lieben Gruß - Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

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Marianne56
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Mein Mann kommt mit der Behinderung nicht klar

Beitrag von Marianne56 »

Hallo Nicole!

Irgendwie kommt mir das ein bisschen bekannt vor, wenn es auch schon sehr lange her ist.

Als bei uns das mit Florian's Geburtsschaden passiert ist, ist es meinem Mann auch ein klein bisschen so gegangen.

Ich war nach Florian's Geburt noch 3 ganze Wochen mit ihm in der Kinderklinik. Mein Mann war in dieser Zeit allein in unserem erst kurz vorher gekauften Haus. Er war auch die ganze Zeit tagsüber im Job und konnte mit niemanden darüber reden. Als wir dann wieder zuhause waren, hatte ich nicht viel Zeit für ihn, weil immer irgendwas mit Florian war.

In dieser Zeit ging es meinem Mann ziemlich mies und wir hatten viele Diskussionen. Wir haben uns aber dann ganz viel über das Thema unterhalten und waren uns einig, dass wir das nur gemeinsam bewältigen können.

Wichtig ist aber, dass Du Dir für die Betreuung Deiner Tochter zusätzliche Betreuungspersonen von aussen holst, wenn Du Deinen Mann nicht verlieren willst. Das könnten z. B. entweder Bekannte oder Verwandte sein oder eine gute Freundin. Ansonsten evtl. angehende Studenten für Sonderpädagogik.

Es ist auf jeden Fall wichtig, dass Dich Dein Mann auch wieder als "Ehefrau" erlebt und nicht nur als Mutter und Pflegeperson.

Was auch noch sehr hilfreich sein kann, sind sog. Familienwochenenden in einer Familienbildungsstätte. Damals wurde sowas z. B. vom VDK angeboten. Sinn und Zweck dieser Veranstaltungen ist es, dass auch Väter mit anderen betroffenen Vätern Gelegenheit zum Austausch erhalten.

Viele Grüsse

Marianne
Marianne, 59, Alois,64, mit Florian, 32, schwere perinatale Asphyxie, weitreichender Hirnschaden, Tetraspastik, Anfallsleiden, geistige Behinderung,seit Dezember 2003 stationär in Wohpflege, Wolfgang, 30, gesund und munter

Die Menschen, denen wir eine Stütze sind, geben uns den Halt im Leben.

nicole1303
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Beitrag von nicole1303 »

Hallo ihr Lieben,

danke für die vielen Antworten. Mein Mann und ich sind schon zweimal bei einer Familientherapie gewesen, aber wegen seiem fremdgehen und nicht wegen seinem Problem. Er hatte die Familientherapie vorgeschlagen. Ich muss jetzt mal einen neuen Termin machen und dann während der Sitzung das Problem ansprechen, vielleicht bringt das ja was .

Halte euch auf den Laufenden

LG nicole

miriam s
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Beitrag von miriam s »

hallo du,
hier ist das auch eher umgekehrt. nicht dass ich die behinderung nicht akzeptieren kann, aber nicht damit umgehen irgendwie, weil das macht so viel kaputt im leben, und man fühlt sich so sehr sozial isoliert...(früher hat mein mann immer gesagt, dass kind hat nix, ich habe drei jahre gekämpft, und jetzt wohnt das kind beim vater, seitdem hat er pflegestufe, behindertenausweis usw...und er ist der arme vater der sich aufopferungsvoll um das behinderte kind kümmert. bin aber trotzdem dankbar dafür, weil ich selbst total am ende meiner kräfte bin)

lisa schrenk
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Beitrag von lisa schrenk »

Hallo Nicole,

dass dein Mann die Familientherapie vorgeschlagen hat, zeigt das es ihm wichtig ist, bei dir und dem Kind zu bleiben.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, wenn sich der Vater auch mal ausschließlich ums Kind kümmert, lernt er es und seine Bedürfnisse besser kennen - und auch meine Leistung. Im ersten Lebensjahr unserer Tochter bin ich einmal in der Woche in die Sauna gegangen. Da wussten wir noch nicht, dass sie behindert sein würde. Aber sie hatte nach der Klinik noch Sauerstoff-Versorgung und eine Überwachung. Meinem Mann hat das sehr geholfen.

Jetzt haben wir neben der Verhinderungspflege auch noch zusätzliche Betreuungsleistungen und gönnen uns so einmal im Monat einen Abend nur für uns. Uns als Paar tut das sehr gut. Auch unsere Kleine (3,5 Jahre) profitiert davon. Sie bekommt andere Anregungen und muss lernen, sich auf andere Menschen einzustellen.

Die Idee mit einem Familienwochenende beim VdK finde ich super. Ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt. Vielleicht machen wir das auch mal.

Für dich noch ein ganz großes Kraftpaket.

Liebe Grüße
Lisa
Botho (1962), Lisa (1965), Freya (2007)
Sie ist stark entwicklungsverzögert und hat Pseudo Lennox. Sonst ist sie ein liebes, fröhliches Kind, das uns viel Freude macht.

Ruth131
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Beitrag von Ruth131 »

Ich weiss nicht wo du die Kraft hernimmst das mit dem fremdgehen so einfach wegzustecken.
Mir ging es ähnlich und ich konnte das nicht. Klar, nach aussen hin heile Welt spielen und so ist ja kein Problem. Aber innerlich...war er mir total egal geworden. Die Gründe die Beziehung fortzuführen waren aber naja eher materieller und praktischer Natur als denn Liebe oder so.
Die Verletzung war einfach zu tief als das ich das einfach so übergehen konnte. Vor allem bleibt immer der Gedanke "wo ist er gerade? tut ers wieder?". Naja und irgendwann war ich dann soweit, dass ich mir gedacht habe "er tuts ja eh, kann dir egal sein". Obs wieder vorkam weiss ich nicht, aber ich hatte mich emotional soweit gelöst, dass es mir egal war.
Dann habe ich den ganzen Rest mal reflektiert und kam dann zu dem Schluss, dass da eigentlich nichts positives an dem Mann ist. Hilft trotz stundenlanger Diskussionen nicht im Haushalt, weiss nicht was sein Kind wann will/braucht, ist stinkend faul (egal was gemacht werden muss er schiebt es wochenlang), hält sich selber für den tollsten und lügt dritte sogar an um der tollste zu sein (Gehalt verdoppelt, Hausgröße etc.)...naja und zu guter letzt: Eigentlich kann ich froh sein, wenn er ne andere im Bett hat, dann hab ich meine Ruhe, weil da wars noch nie so toll bei ihm. Dann hab ich mir überlegt, dass ich mir zuviel antue und zu wenig bekomme. Und dann wars entgültig vorbei.
Ruth *1986 mit Linus 10/08 Muskeldystrophie (zu 98% Duchenne)
und Vincent Frühchen SSW 24+6 *08.12.12 +08.01.13

lisa schrenk
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Beitrag von lisa schrenk »

Hallo,

ich glaube, dass man die individuellen Situationen und Menschen sehen muss.

Anscheinend liegt Nicoles Mann etwas an ihr und der Familie, sonst hätte er keine Familientherapie vorgeschlagen und gemacht. Sie muss ganz alleine entscheiden, ob sie es nochmal wagen will. Natürlich soll man nicht um jeden Preis an einer Beziehung festhalten (bin selber geschieden). Aber es ist nicht immer so einfach alleinerziehend mit behindertem Kind zu sein. Alles muss alleine gestemmt und entschieden werden. Entlastungen sind ja auch eher selten oder müssen erst umständlich organisiert werden.

Wenn mein Mann mich betrügen würde, sollte er das bitte mit sich selber abmachen. Wenn es nicht um unsere ganze Beziehung geht, will ich es gar nicht wissen. Schließlich bin ich kein Beichtvater, der Absolution erteilt. Wenn er ein schlechtes Gewissen hat, soll er mir und unserem Kind mehr Aufmerksamkeit geben. Und den Rest vergessen...
Aber das ist meine persönliche Meinung. Jeder ist da anders gestrickt.

Viele Grüße
Lisa
Botho (1962), Lisa (1965), Freya (2007)
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