Wenn ein besonderes Kind flügge wird....

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Lisa Maier
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Beitragvon Lisa Maier » 13.11.2005, 18:43

Hallo Chelly,

immer schön locker bleiben! Mit 14 sind die meisten Kinder schon ein paar Jahre allein auf Achse - nur wir Behinderten haben da oft das kleine Problem, daß die Eltern an allen Ecken Gefahren sehen, die es unter Umständen zwar auch gibt, die aber doch nicht allzu wahrscheinlich sind. Mit Handy kann er sowieso, wenn wirklich was total schief läuft Hilfe rufen und es wird mit 14 auch echt höchste Zeit, langsam selbständig zu werden. Er wird ja nicht mit 18 noch die Mutter im Schlepptau haben wollen, zumal man in der Regel auch normaler behandelt wird, wenn keine Mutter dabei ist.

Viel Erfolg mit den kleinen Schritten in die Selbständigkeit

Viele Grüße

Lisa

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Chelly

Beitragvon Chelly » 15.11.2005, 14:48

Hallo allerseits,
also,in Berlin mit Bus und Bahn zu fahren, ist halt nicht ganz ohne. Kevin ist mal vor einigen Jahren zwischen Bordsteinkante und U-Bahn mit dem Fuß stecken geblieben. Außerdem dränglen manche Leute beim Ein und Austeigen dermaßen, daß Gehbehinderte und Alte Leute manchmal echt ins Wangen kommen. (Ich fahre ja sehr oft mit Kevin zusammen Bus und Bahn und habe da echt schon Dinge erlebt.) Aber dieses Risiko muß man halt eingehen. Es ist schließlich wichtig für Kevin seine Selbstständigkeit. Alleine auf der Straße, zum Beispiel einkaufen gehen oder so, daß tut Kevin ja schon seit vielen Jahren. Und auch mit dem alleine in der Wohnung bleiben, klappt seit Jahren super. Jetzt muß ich mich halt nur noch seelisch drauf einstellen :wink: , daß er bald alleine mit Bus und Bahn fahren tut.
Ich werde es Euch mitteilen, wenn wir das erste Mal hinter uns haben. Jetzt bitte nicht mißverstehen. :oops:
Gruß von
Chelly :D

Chris
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Beitragvon Chris » 15.11.2005, 15:03

Hallo Chelly, das ist genau mein Thema momentan. Janina wird in zwei Wochen 14 Jahre, kann aber leider aufgrund ihres Rollstuhls und weil wir im 4. STock wohnen noch nicht alleine nach draußen. Da ist sie noch sehr auf mich angewiesen, aber sie will!!! In der Schule macht sie jetzt mit ihrer Schulbegleitung ein sogenanntes Mobilitätstraining (halt üben mit Bus und Bahn zu ´fahren) und nächstes Jahr Ostern sind wir hoffentlich beim nächstes Mobilitätskurs in Bad Arolsen dabei. Also was das angeht, steckt sie noch in den Kinderschuhen -nicht weil sie nicht will, sondern nicht kann und selten bis nie einer ihrer Schulkammeradinnen was mit ihr unternehmen möchte :evil: Aaaaaber, ich habe ein ganz anderes Problem, was meine Vorstellungskraft übersteigt. In der Schule bereiten sie die Förderkind jetzt auf das Berufsleben vor. Au Mann, einfach unvorstellbar!!!! In 2 1/2 Jahren soll die Schullaufbahn für sie beendet sein?????? Waaahnsinn!!!
Ich finde es auf jeden Fall toll, wenn dein Sohnemann so selbständig sein will und es gibt nichts besseres als alles dranzusetzen es ihm zu ermöglichen. DENK auch an später, wenn DU vieleicht nicht mehr so kannst (hoffe dass wird noch gaaaaaaan lange dauern).
Ich wünsche euch auf jeden Fall super viel Erfolg dabei.
Liebe Grüße aus der einen Millionenstadt in die andere :wink:
Chris

Chelly

Beitragvon Chelly » 15.11.2005, 15:15

Hallo Chris, (oder sollte ich lieber sagen Leidesgenossin? :wink:)
ja, es ist gar nicht mal so leicht, wenn ein Behinderter Mensch mit Bus und Bahn unterwegs sein will. Man darf gar nicht drann denken, was da alles passieren kann. Mir läuft es jetzt noch kalt den Rücken runter, wenn ich drann denke, wo Kevin mit dem Fuß zwischen Bahnsteinkante und U Bahn stecken geblieben ist. Andererseits sage ich mir, passieren kann immer etwas, auch zu Hause in der Wohnung. Na ja, wie auch immer.
Kevin ist erst in der 6. Klasse und hat also noch über 4 Jahre Schule vor sich. Hoffentlich hat sich bis dahin die Arbeitsmarktsituation etwas entspannt. Deine Janina hat ja auch noch Zeit, bis sie aus der Schule kommt. Aber ich finde es gut, daß in ihrer Schule schon auf das Berufsleben vorbereitet wird. Damit kann man heutzutage gar nicht früh genug anfangen. Aber eins steht für mich jetzt schon fest, in eine Behindertenwerkstatt kommt mir Kevin nicht so schnell rein.
Schöne Grüße aus der Hauptstadt von
Chelly :D

Chris
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Beitragvon Chris » 15.11.2005, 15:35

Hallo Chelly, in der Schule sind sie sehr angagiert, was die Vorbereitung auf das Berufsleben angeht und sie werden auch sicherlich eine Alternative für Janina ausprobieren , aber ich befürchte, dass es bei uns auf eine Behindertenwerkstatt hinausläuft. Für etwas anderes ist sie leider geistig doch zu unfit.
Ja, was Bus und Bahn fahren angeht, so kann da wirklich eine Menge passieren. Hier in Köln haben sie ja vor Jahren begonnen sogenannte Niederflobahnen einzusetzen, d.h. der Ein/Ausstieg aus der Bahn sollte ohne Stolpersteine sein. Ja ja, da sieht die Theorie und die Realität mal wieder ganz anders aus. Da Janina noch nicht soooo sicher im Umgang mit dem Rollstuhl ist (Gefahr dass sie hinten über kippt ist immer noch gegeben), benötigt sie halt immer noch die Kippstützen hinten und wenn die runtergefahren sind, hast du keine Chance in oder aus die Bahn zu kommen. Ne, spitze, finde ich echt super. Im Übrigen geht es mir hier in Köln auch tierisch auf die Nerven, dass ich immer riesen Umwege machen muss, um entweder zu einem Aufzug zu kommen (falls überhaupt vorhanden) oder aber einen Weg zu finden, der ohne Treppen ist. Ein Zustand, der mir das Bahnfahren möchtig verleidet und ich somit in der Regel jede aber auch wirklich jede Strecke mit Janina im Auto fahre. Ich hasse Bahnfahren!!!!
In diesem Sinne
Ganz liebe Grüße aus dem völlig finsteren und verregneten Köln
chris :D

Chelly

Beitragvon Chelly » 15.11.2005, 15:42

Hallo Chris,
in Berlin ist letzte Woche ein Rollifahrer von der S Bahn überrollt worden. Er ist auf die Gleise gestürzt. Und vor ca.1 Monat ist ne Blinde Frau ebenfalls auf die Gleise gestürzt und überfahren worden. Letzte Woche wurde ein Hund vom Bus mitgeschleift, als sein Frauchchen aussteigen wollte. Soll ich weitere Dinge aufzählen?! Ne, lieber nicht. Ich sags, ja, nur nicht drann denken, was alles passieren könnte. Kevin kann zum Glück laufen.( Nur für längere Strecken, nehmen wir einen Rolli mit.) Auto haben wir nicht. So sind wir also auf Bus und Bahn angewiesen.
Gruß von
Chelly :D

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Beitragvon Chris » 15.11.2005, 16:04

Hai Chelly,
jetzt mach dich mal nicht so verrückt. So wie sich das anhört, wird das Kevin schon schaffen. Vieleicht habt ihr ja auch die Möglichkeit das mal mit einer "Neutralen" Person zu üben. Ganz ehrlich, ich könnte da auch nicht so ohne weiters zuschauen und meine Nerven würde dann mächtig strapaziert werden. Kopf hoch und hab den Mut wie dein Sohn. Kann er denn Gefahren eingermaßen einschätzen??
LG
Chris

Chelly

Beitragvon Chelly » 15.11.2005, 16:18

Hi Chris,
also, wenn wir mit Bus und Bahn unterwegs sind, dann lasse ich Kevin mittlerweile alles alleine machen. Alleine ein und aussteigen, Fahrausweiß vorzeigen ect. Wir tun da halt so, als wäre ich gar nicht anwesend. Kevin hat z.Zt. 2 Gehilfen, die er auch noch ne ganze Weile benötigen wird. Da bringe ich ihn grade bei, wie er mit den Dingern ein und aussteigen kann. Neulich hat er die Dinger so komisch gehalten, daß er die einem Mann ausversehen um die Ohren gehauen hat. :oops: Sobald er mit den Gehilfen besser umgehen kann und er sein Handy hat,darf er alleine Bus und Bahn fahren. Ich werde es Éuch dann alle wissen lassen, wenn es soweit ist.
Also, Gefahren einschätzen kann er eigentlich recht gut. Bloß ist er manchmal halt der Meinung, die Leute seien verplfichtet Rücksicht auf ihn zu nehmen. Und das ist heutzutage in unserer Ellenbeugengesellschaft ja leider nicht mehr der Fall. Aber damit muß man halt leben.

Gruß
Chelly :D

Lisa Maier
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Beitragvon Lisa Maier » 15.11.2005, 18:32

Hallo Chris,

habt ihr schon mal versucht die Umkippgefahr durch anderes Einstellen des Schwerpunkts zu verändern (geht bei praktisch jedem Aktivrollstuhl), oder kann sie dann nicht mehr selbst fahren? Habt ihr eine Chance auf eine Wohnung, die ihr mehr Selbständigkeit bietet? Und ganz im Ernst: fahre, egal wie ätzend du es findest, öfters mit ihr mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Gerade, wenn sie geistig nicht total fit ist, muß sie das später können um eine gewisse Freiheit zu haben, denn autofahren ist dann nicht.
Die letzten Verkehrsopfer bei mir vor Ort waren im übrigen ganz normale Radfahrer und ein 16-jähriger nichtbehinderter Schüler, der es wohl cool fand bei rot und im Dunkeln über die Straße zu gehn. Hat der Rollifahrer vielleicht Selbstmord gemacht? Von allein fällt man als Sehender in der Regel nicht auf die Gleise.

Viele Grüße

Lisa

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Beitragvon Chris » 15.11.2005, 19:11

Hallo Lisa,
ich gebe dir da vollkommen recht, wenn du meinst ich soll mich aufraffen und mit ihr öfter Bahnfahren. Hört sich jetzt blöd an, aber aus der Nummer bin ich so ziemlich raus. Nein, nein, so schlimm ist es nicht. Will sagen, dass Janina auf jeden Fall zweimal die Woche mit ihrer Betreuerin oder Schulbegleiterin fährt und dann auch das Lesen des Fahrplans studiert sowie herausfindet, welche Haltestelle für Rollifahrer geeignet ist. Aber so schlimm wie es sich in meinem vorherigen Beitrag anhörte ist es ja auch nicht. Manche Strecke fahre ich ja wirklich mit der Bahn (Stadt oder Weihnachtsmärkte oder einfach wo ich weiß dass ich eh keine Chance auf einen Parkplatz habe).
Was die Veränderung des Schwerpunktes angeht, so werde ich da nächste Woche mal unseren Rehaberater drauf ansprechen. Dann habenwir einen Termin, weil Janinas Speedy verstellt ist. Den haben wir uns übrigens genau aus diesem Grund angeschafft. Wir wollen Janina so fit machen, dass sie hoffentlich in zwei oder drei Jahren so fit mit dem Teil ist, dass sie auch mal alleine losdüsen kann. Ohne Speedy bei ihrem Gewicht ist das kaum möglich (sie achten schon sehr auf die Kalorien, aber die Bewegung fehlt nunmal).
Was eine andere Wohnung angeht, so sieht das leider im Momentan ziemlich bescheiden aus. Die Wohnung gehört uns (lange vor Janinas Geburt gekauft)und der Wohnungsmarkt ist so miserabel, dass wir die erstens nicht verkauft bekämen und dann eine neue oder gar ein Haus hier in der Großstadt zu bekommen, was auch bezahlbar ist..... EIN TRAUM!!!!
Vielen Dank für den Hinweis.
Liebe Grüße
Chris


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