Mal wieder ausgehen - wie soll das gehen?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Simon-Philipp
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Mal wieder ausgehen - wie soll das gehen?

Beitragvon Simon-Philipp » 10.11.2005, 12:26

Hallo zusammen,
unser Sohn Simon ist nun 16 Monate alt und genau seit dieser Zeit haben mein Mann und ich nichts mehr gemeinsam am Abend unternommen. Jeder geht schon mal alleine weg, aber nie zusammen. Zunächst haben wir Simon nicht zu den Großeltern oder der Tante gegeben und diese bei uns babysitten lasssen, weil er einen Heimmonitor hatte und alle anderen außer uns davor Angst hatten. Nun ist der Monitor weg, aber bei Simon haben Anfang Oktober BNS-Anfälle angefangen. Damit kann doch wieder niemand umgehen.
Es wäre uns so wichtig mal wieder ein wenig Normalität herzustellen und auch mal wieder gemeinsam was zu unternehmen: essen gehen, Kino. tanzen etc. Aber wie soll das gehen.
Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?
Gruß
Kerstin und Ralf
Simon Philipp (07/2004) ehem. Frühchen 28. SSW. 2-fach shuntversorger Hydrocephalus, BNS-Anfälle, Tetraparese, Nystagmus, Opticusatrophie. Rolli-Kind

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Eva D.
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Beitragvon Eva D. » 10.11.2005, 12:39

Hallo Kerstin,

Ich kann euch gut verstehen, denn es ist soooo wichtig auch noch SEINE Freizeit zu geniessen und mal ein bisschen Abwechslung zu haben.

Seid ihr einer Selbsthilfegruppe angeschlossen (z.B. der ASbH)? Dort gibt es oft eine Art "Babysitterbörse". Beim Familienentlanstenden Dienst würde ich mich mal informieren.
Wir sind Mitglied in der ASbH Hamburg. Ab nächtem Jahr im April werden wir einen Zivi einmal in der Woche für 1 - 6 Stunden zu uns nachhause bekommen, in der Zeit kann man mal in Ruhe einkaufen, Arbeiten oder Abends etwas schönes Unternehmen. Dieser Zivieinsatz ist nicht teuer, denn es kostet pro Mal 15,- Euro egal wielange er bleibt.
Bezieht ihr Pflegegeld für euer Kind? Dann hättet ihr auch Anspruch auf Verhinderungspflege, somit könnte dann auch eine z.B. eine Krankenschwester zu euch kommen und euch entlasten.

Viele Grüße
Eva
Eva (05/75), Eike (12/76) und Sohn Hauke (10/03) mit Hydrocephalus, kompl. Hirnfehlbildung, ICP, Hypotonie, Sehbehinderung, schwer mehrfach behindert, Epilepsie

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AnjaR
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Beitragvon AnjaR » 10.11.2005, 13:44

Hallo Kerstin und Ralf,

kann ich wirklich gut verstehen, ein wenig Normalität in so einer schwierigen Lebenssituation ist enorm wichtig.
Wir waren das erste mal allein weg, da war Joris elf Monate alt. Sogar mit Übernachtung (Überraschungs meines Mannes für mich). Das hat sooo gut getan.
Dabei haben wir das Glück, das meine Mutter Erzieherin ist und damit ja eigentlich Fachfrau für das "Babysitten".
Dass wir so wenig weggehen liegt bei uns, glaub ich, auch ein wenig an mir selbst.
Ich mag gar nicht mehr so großartig weggehen.

Aber jetzt, wo Du´s ansprichst, wir sollten doch auch mal wieder ins Kino gehen... .

Hoffe für Euch, dass Ihr eine geeignete Lösung findet, ist bei Euch doch etwas schwieriger, als für uns.


LG Anja
Anja (´75), Jens (´73), Pascal Jannes (´01), Joris Michel (20.10.04)- Mischform: Dystonie/spastisch athetotische Tetraparese

Claudi-BaWü
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Beitragvon Claudi-BaWü » 10.11.2005, 14:01

Hallo,

versuche es doch mal beim FED (Familienentlastender Dienst) AWO oder DRK. Dort gibt es oft Babysitter, die auch auf besondere Kinder geschult sind.
Wir haben mit dem FED gute Erfahrungen gemacht. Bei uns läuft das so, daß wir immer per Handy für den Notfall erreichbar sind.


Gruss
Claudi BaWü
lg claudi
D. 12/2000 Tetraspastik, ICP, keine Sprache, Autistische Züge, Entwicklungsverzögert, Rollstuhlfahrer, seit 24.05.2005 Pohlig US-Orthesen, 10/2011 Hüft OP li. und 04/2017 und 06/2017 beide Knie/Füsse OP in Aschau.

Die Zukunft sollte man nicht voraussagen wollen,
sondern möglich machen (Antoine de Saint Exepury)

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Beitragvon NadineStoerk » 10.11.2005, 14:05

Wir haben im Kinderkrankenhaus angefragt ob da Schülerinnen im dritten Lehrjahr noch etwas dazu verdienen möchten, und die rufen wir jetzt immer an wenn wir mal gemeinsamt weg gehen möchten!

Lieben GRuß
Nadine
Liebe Grüße Nadine mit Joschua 29 SSW & Rafael 28 SSW(BNS-Epilepsie)

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Beitragvon Sabine » 10.11.2005, 20:59

Hallo Kerstin,

unser Jan-Paul hat auch Epilepsie und zwar bns-artige Krämpfe. Meine Schwiegermutter hat trotzdem abends oft auf ihn aufgepasst, ihn sogar mehrfach über Nacht gehabt. Sie steht auf dem Standpunkt: "Mehr als den Notarzt rufen könnt ihr im Zweifelsfall auch nicht!" Passiert ist nie etwas - sie hatte das Notfallmedikament immer im Kühlschrank und JP immer getröstet, wenn er mal im Schlaf gekrampft hat und weinte. Das passiert jetzt zum Glück kaum noch, weil er recht gut eingestellt ist.
Meine Mutter hatte auch nie ein Problem damit, abends auf JP aufzupassen. Wir haben ihr die Handy-Nummer dagelassen und wussten, dass sie sofort anrufen würde, wenn was ist. Allerdings ist auch bei ihr nie etwas passiert.
Jetzt mit zwei Kindern ist das Ausgehen schon schwieriger - das Problem ist dabei nicht JP, sondern der Timmi... :roll: Trotzdem sind wir letzte Woche mal zusammen bei Freunden zum Essen gewesen. Timmi wurde dann zwar am späteren Abend wach, hat sich dann aber mit der Oma amüsiert und etwas Obst genascht... :wink:
Wenn wir jetzt mal abends zusammen weggehen, mache ich mir eher Gedanken, ob das mit dem Timmi klappt als mit JP.

Lieben Gruß,
Sabine
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Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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Beitragvon Ilona » 10.11.2005, 23:38

Halli Ihr Lieben!

Generell zu dem Thema weg gehen möchte ich sagen:

Manchmal muß man einfach den Sprung ins kalte Wasser wagen und einfach fahren! Alles was wir gelernt haben für unsere Kinder, kann jeder andere auch lernen!
Und für den Notfall kann man immer übers Handy erreichbar sein! Man muß ja nicht gleich wunder weiß wie weit weg fahren!

Meine Familie hat übrigens die gleiche Einstellung wie die Schwiegermama von Sabine!

Liebe Grüße

Ilona
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Beitragvon Markus » 11.11.2005, 01:10

Hallo ihr Lieben,

wir waren seit der Geburt unserer Tochter nahezu überhaupt nicht mehr zusammen weg. Rabea ist nicht so schwer behindert, dass es nicht möglich wäre, aber meine Frau hat seit dem Zeitpunkt der Geburt die "Glucke" ausgepackt und das war's dann. Mittlerweile haben wir 3 Kinder und an der Situation hat sich rein gar nichts geändert. Meine Frau ist nicht bereit die Kinder in andere Hände zu geben. Das Einzige, dass wir zusammen besuchen sind "wichtige" Hochzeiten und "runde" Geburtstage. Das Ganze seit fast 9 Jahren. So kann es auch sein, vielleicht hilft es dem Ein - oder Anderen mal darüber nachzudenken, warum man ein halbes oder vielleicht auch 1 Jahr auf etwas verzichtet. Tut es besser nicht, denn aus einem Jahr kann schnell ein Leben werden.

In diesem Sinne

Markus
Auch eine Enttäuschung, wenn sie nur gründlich und endgültig ist, bedeutet einen Schritt vorwärts.
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Beitragvon Sabine » 11.11.2005, 08:47

Hallo Markus,

hm, ich glaube, das könnte mir/uns nicht so schnell passieren... Thomas und ich gehen beide gern zusammen weg und waren froh, dass bei unserem ersten gemeinsamen Ausgehabend der Timmi alles gut mitgemacht hat. Ich denke mal, meine Schwiegermutter ist auf dem besten Weg, nach uns seine dritte Bezugsperson zu werden (ist bei JP auch so).
Ich liebe meine Kinder, finde es aber einfach auch toll, mal ohne Kinder wie in alten Zeiten unterwegs zu sein. Freunde zu treffen, ein gemütliches Bier zu trinken... Eigentlich wollte ich auf dem diesjährigen Weihnachtsmarkt in Osnabrück endlich mal wieder Feuerzangenbowle trinken... :wink: - leider klebt der Timmi nachts immer noch an meiner Brust... :roll: - und Weihnachten ist ja schon bald.
Hast du mal mit deiner Frau über diese unbefriedigende Situation geredet? Hat sie denn keine Freundinnen, mit denen sie mal weggehen möchte? Und in eurem Freundes- und Bekanntenkreis stehen doch sicher auch mal Termine/Einladungen an.
Ich finde, dass man den Kindern keinen Gefallen damit tut, wenn man sie nicht an andere Bezugspersonen gewöhnt. Sie sollen doch zu selbstständigen Menschen heranwachsen - und das geht nur, wenn man als Mutter/Vater nicht klammert, sondern auch mal loslässt. Und ich finde es auch wichtig, dass die Kinder beizeiten nicht nur die Eltern als Bezugspersonen haben, sondern auch die Omas/Opas oder andere enge Verwandte und Freunde.
Ich selbst kann ja auch mal krank werden oder dringend irgendwo hin müssen. Dann müssten die Kinder ja ohnehin "fremdbetreut" werden - ob ich das nun will oder nicht.

Lieben Gruß
Sabine
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Beitragvon ks.kathrin » 11.11.2005, 14:27

Hallo Sabine,

da schließe ich mich doch einfach mal zu 100% deiner Meinung an.

Ich habe das bis heute schon immer sehr "egoistisch" gehandhabt und mir trotz Kinder und daraus entstehender Verantwortung trotzdem immer ein bisschen "Eigenleben" gegönnt.

Mit einem Kind ging das ganz gut, mit 2 Kinder (Melina dann als besonderes Kind) ging das auch noch super, aber langsam mit 3 Kindern wird es kritisch. Klar muss auf die Grosse nicht mehr nachts aufgepasst werden, dafür aber muss sie abends abgeholt werden, was mich dann auch schon wieder beim Weggehen "einengt".

Aber auch ich habe Glück mit meiner Mutter und Schwiegermutter. Beide nehmen auch mal beide Kleinen, so dass ich mir im Moment dann einfach nur den Luxus :"Ausschlafen" gönne. Das richtige Weggehen spare ich mir noch ein bisschen auf, bis ich meinen fehlenden Schlaf wegen meinem Jüngsten wieder aufgeholt habe.

Das gemeinsame Weggehen mit dem Partner ist glaube ich ganz arg wichtig für die Beziehung.....ich spreche da aus Erfahrung.... vor allem weil es bei uns z.Z. einfach nicht so ist.... :(

Gruß
Kathrin
Mama von Melina *Okt 2001 blind und entwicklungsverzögert
sowie N. *Mai 1991 u. R. *März 2005 beide gesund
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