Religionsunterricht benoten?

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

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Ruth131
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Beitrag von Ruth131 »

Also bei uns gab es in der Unterstufe nur Religion. Wer nicht hinwollte hatte frei. Ich hätte kotzen können, weil meine Mutter mich gezwungen hat.
In der Oberstufe gab es auch normal weiter Religion. Wer da nicht hinwollte konnte auch Philosophie belegen. Wobei es auch möglich war beides zu nehmen.
Nunja, ich habe Philo genommen.
Sicherlich darf -theoretisch-nur wissen abgefragt werden und die persönliche Meinung des Schülers muss aussen vor bleiben. Tut es aber doch (gerade im katholischen) Unterricht nicht. In der Unterstufe hatte ich immer eine Lehrerin die persönliche Diskussionen haben wollte. Da hatte ich meine 4 weg. Weil ich gesagt habe "Ich sitze hier, weil meine Mutter das will aber ich glaube an dieses Märchen nicht. Ob ich jetzt dieses Märchen interpretiere oder ein Gedicht ist mir egal, wobei ich sagen muss, dass ich den Deutschunterricht interessanter finde." :roll:
Die Lehrerin wollte nicht akzeptieren wenn man nicht an das glaubte was da durchgenommen wurde und wollte ständig, dass wir in Gottesdienste gehen und in diesen habe ich das mitmachen verweigert sondern mich nur stumm hingesetzt.
Aufgrund der persönlichen Meinung hatte man da halt schnell die schlechte Note weg. Ich weiss noch wo einmal über Sex vor der Ehe diskutiert wurde und ich ihr gesagt habe, dass mir egal ist, ob Sex vor der Ehe mit der katholischen Kirche und der Bibel vereinbar ist, weil ich Sex habe wann und mit wem ich will und mich weder die Bibel noch die katholische Kirche dabei irgendwie stören, da nicht daran glaube.
Das hat dann richitg geknallt.
Es ist nicht so, dass ich gestört habe oder so. Aber ich habe mich immer deutlich von der Religion distanziert.
Wenn sie wissen wollte, was ein bestimmtes Gebot/Gleichnis etc. uns sagen soll und ich gefragt wurde habe ich gesagt "Mir sagt das nichts, weil ich nicht an Gott glaube. Aber für Menschen die religiös sind könnte es xxxxx"
Damit ist sie irgendwie nicht klargekommen
Ruth *1986 mit Linus 10/08 Muskeldystrophie (zu 98% Duchenne)
und Vincent Frühchen SSW 24+6 *08.12.12 +08.01.13

jutta3

Beitrag von jutta3 »

Hallo Ruth,
ja, schade, dass es bei Dir so gelaufen ist..........wir hatten einen Lehrer, bei dem hättest Du bestimmt eine bessere Note bekommen. Er wollte solche Diskussionen und wenn die Diskussionsbeiträge schlüssig und gut waren, konnte auch ein "Nicht-Gläubiger" eine 1 bekommen.
Ich denke, so sollte es eigentlich sein-!
Aber, wie überall anders auch, gibt es auch bei den Religionslehrern Nieten........ :oops:
Dass die Religion sehr von Menschen geprägt wird ist eben so, wobei die eigentliche Religion einen tollen Kerngedanken hat, der sich in allen Religionen dieser Welt wiederfindet.
Egal, ob ungerechte Religionslehrer, Geistliche, die Kinder missbrauchen, oder Fundamentalisten, die den Koran für ihre Zwecke missbrauchen - es kommt immer auf das Gleiche heraus - es fällt auf die Religion zurück, die aber eigentlich keine Schuld daran trägt.
LG
Jutta

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Sabine
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Beitrag von Sabine »

Hallo,

mich haben religiöse Themen in Zusammenhang mit Kirchengeschichte und gesellschaftlichen Problemen immer sehr interessiert, hatte daher auch überlegt, Religion als Prüfungsfach im Abitur zu belegen. Es sind dann andere Fächer geworden, aber Religion war und blieb ab der 1. Klasse eines meiner Lieblingsfächer. Oft war ich in dem Fach auch Klassenbeste.
Ich hatte eher weniger Interesse an naturwissenschaftlichen Themen wie Physik und Chemie. Die Fächer konnte man zum Glück auch abwählen und brauchte sie nicht ins Abi einbringen. Mit Biologie hat es einigermaßen geklappt, Mathe war ein Abdeckerkurs (so hieß das bei uns 8) ). So hat wohl jeder seine Vorlieben und Abneigungen in der Schule gehabt.
Die Gründe für die Wichtigkeit des Religionsunterrichtes hat Markus ja schon genannt. Da kann ich mich auch voll anschließen.

LG
Sabine
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Janet mit Pia
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Beitrag von Janet mit Pia »

Hallo,

ich bin kein "nicht Gläubiger", ich bin ein wahrer Antichrist, ein "Luziferan"! Meine Kinder sind von daher, logischer Weise, nicht getauft worden und ich erzähle ihnen nur etwas über Gott, wenn sie es unbedingt wissen wollen.

Trotz allem kann und darf der Religionsunterricht an Schulen nicht abgeschafft werden. Selbst meine Kinder habe ich in Religion ganz normal angemeldet. Sie müssen meiner Meinung nach etwas über Gott, Jesus und all dem Kram, was dazugehört, lernen oder kennenlernen. Sie müssen ihren eigenen Weg finden. Auch ich habe meinen Weg so gefunden.
Ich habe kein schlechten Religionsunterricht gehabt. Hatte einen guten Lehrer. Nur die Geschichten, die in der Bibel standen, haben mich teilweise so geschockt, dass ich Gott nicht besser fand, als mein "Heiliger" aus der Hölle.

Was aber aus dem "christlichen" Religionsunterricht weg bleiben kann ist der Koran! Der sollte nur angesprochen werden und nicht von A bis Z und bis in die kleinste Zeile durchgekaut werden. Das mußte das Kind meiner Freundin über sich ergehen lassen. Wenn ich wollte, dass meine Kinder sich genaustens im Koran auskennen, dann würde ich sie zum "muslimischen" Religionsunterricht anmelden :wink: .

Nun sind wir wieder vom eigentlichen Thema abgekommen. :wink: Dem Benoten des Unterrichtest. Es sollte schon ruhig benotet werden. Es geht ja ums verstehen. Der Glaube eines jeden hat in diesem Unterricht tatsächlich nichts verloren.

LG Janet
Pia *25.01.01 Gehirntumor Astrozytom II°, Epilepsie, AS-Autist (nicht diagnoziert), globale soziale Entwi.verzögerung (stand ca.5-8 Jahre)
Ronja *17.03.03
Viktor Zero *16.04.11
Freya Ostara *21.04.2016
Mama und Papa beide schwerhörig, Papa mit Hörgeräten versorgt

jutta3

Beitrag von jutta3 »

Hallo Sabine,
Dein Beitrag könnte auch von mir sein .............
Mathe ging ganz gut, bis so Sachen wie "gegen Unendlich" und so im Unterricht auftauchten, da war es mit meinem Verständnis vorbei. Ähnlich ging es in Physik und Chemie............ :?
Bio, Deutsch, Erdkunde und Sowi waren meine Abifächer - für Reli waren nicht genug Interessenten da..........
LG
Jutta

shakila
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Beitrag von shakila »

Hallo,

ich habe als Nichtchristin an einem katholischem Gymnasium Religion gehabt (und war trotz- oder gerade wegen meiner eigenen, gut vertretenen Meinung immer unter den Klassenbesten) und dort haben wir auch bis ins Detail andere Religionen durchgenommen und ich fand das sehr wichtig, so lernen Kinder nämlich auch, dass z.B. Islam sehr viel mehr als das Wissen der Bildzeitung ist und es einen Haufen Leute gibt die mit Terror so rein gar nichts zu tun haben.

Auch finde ich, dass man sich mit einer der Weltreligionen, die nicht nur in der Gegenwart eine Rolle spielt, sondern auch in unserer Geschichte, durchaus beschäftigen kann.

LG
Shakila

mama123
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Beitrag von mama123 »

Hallo,
hier in Bayern ist eine Religion ab der 1. Klasse ein ordentliches Unterrichtsfach. Wer nicht in Religion geht, muss in Ethik.
Es ist vor allem ab der 5. Klasse sehr viel Wissenvermittlung ( andere Religionen, soziale Themen, Bibelwissen usw.) Also durchaus Stoff, der abfragbar und damit prüfbar ist. Der persönliche Glaube spielt da eher eine untergeordnete Rolle.
Man muss hier in Bayern auf dem Gymnasium Religion (oder Ethik) bis zum Abitur belegen, kann es einbringen und natürlich auch Abiturprüfung (schriftlich oder mündlich) machen.
Ich selbst habe vor 20 Jahren Religion als schriftliches Abiturfach gehabt. Zum eine war es Interesse ( ich war und bin praktizierende Katholikin) und zum anderen hatten wir eine tollen Lehrer, der uns sehr gut auf die Prüfung vorbereitet hat. Bei uns haben damals aber auch welche Reli-Abitur geschrieben, die keinen "großen" Glauben hatten, die es einfach gemacht haben, weil sie wussten, dass der Lehrer einen super vorbereitet und man mit einem gewissen Maß an Lernen dann auch ein gutes Abi schreiben konnte. Der persönliche Glaube hat in der Prüfung keinerlei Rolle gespielt.

Ich unterrichte mittlerweile selbst an einer Grundschule kath. Religion und wenn man mal von der 3. Klasse ( in der die Kommunion eine sehr große Rolle spielt) absieht, kommen da auch nicht so viele Themen vor, die etwas mit dem eigenen Glauben zu tun haben. So spielen andere Religionen und vor allem das soziale Miteinander im Lehrplan der Grundschule eine große Rolle. Natürlich lernt man auch biblische Geschichten kennen, aber das ist ja auch in Ordnung. Ob man dann daran glaubt oder nicht, steht auf einem anderen Papier und ich zwinge meinen Schülern jedenfalls keinen Glauben auf.
Ich bin übrigens begeistert, wenn Schüler auch mal kritisch nachfragen. Heute hat mich z.B. ein Schüler der 4. Klasse gefragt, ob es den Da-Vinci-Code wirklich gibt ( er hat wohl Sakrileg gesehen). Es kamen auch schon Fragen, wie sich den die Evolution mit der Schöpfungsgeschichte verträgt, was denn dann stimmen würde.
Ich freue mich immer über solche Fragen, denn dann kann man mit den Kids diskutieren und das macht mir jedenfalls mehr Spaß als immer nur reines Wissen zu vermitteln.

LG
Dagmar
Dagmar mit Ehemann M., S. (5/94), B. (09/97, Syringomyelie), M.(01/2000, Absencen-Epilepsie)

BeaV.
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Beitrag von BeaV. »

Hi Dagmar und alle,
ich denke auch, dass der Glaube keine Rolle spielen sollte in der Note (ich unterrichte auch Religion), aber manche Lehrer sind halt......und die findet man auf die eine oder andere Art in jedem Fach.
Ein gewisses Wissen über "unsere" Religion finde ich aber unabdingbar, denn wir leben nun mal hier im sogenannten "christlichen Abendland" (wäre jetzt ein Diskussionsthema für sich), und ich finde es z.B. mehr als peinlich, wenn Zeitungen oder Rundfunk kurz vor christlichen Feiertagen (die -nebenbei bemerkt- bei uns sehr oft gesetzlich arbeitsfreie Tage sind!) Umfragen starten, was wir da eigentlich feiern, und die Befragten von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, so nach dem Motto: am Pfingstmontag frei, aber gerne, was da gefeiert wird? Keine Ahnung!
Würde ich in einem islamisch / buddhistisch oder wie auch immer geprägten Land leben, würde ich z.B. über die entsprechenden Feiertage auch Bescheid wissen wollen.
MFG
Bea

Reginas Family
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Beitrag von Reginas Family »

Hallöchen,
bei uns in Bayern wird Religion schon immer bewertet - ich habe die Zeugnisse meiner Eltern aus den 40ger und 50ger Jahre sowie die meiner Geschwister mal daraufhin unter die Lupe genommen.
Meine Tochter hat erst vor kurzem sogar einen Verweis erhalten, nachdem die Religionslehrerin erzählt hatte, dass sie nicht immer katholisch war. Sie war so begeistert davon, dass man im Katholischen den Gott essen kann.
Meiner Tochter rutschte raus "verfressenes Volk"(so steht es als Grund im blauen Brief). Ich finde das ist auch eine Art von Bewertung.
Viele Grüße
Regina

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