Schwester wegen behindertem Geschwister ausgelacht

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Schwester wegen behindertem Geschwister ausgelacht

Beitragvon Urjoma » 21.04.2010, 14:33

Marie ist 7 Jahre alt, geht in die Erste Klasse der Grundschule und ist ein sehr lebhaftes, aufgewecktes, liebes und freundliches Kind. Sie ist die Schwester von Johanna, 11 Jahre alt, schwerstmehrfachbehindert, Rollstuhl....

Eigentlich findet Marie ihr Leben vollkommen normal, das Leben mit Johanna, ihren Alltag, mit eben all den kleinen Höhen und Tiefen.

Bis zu dem Tag, an dem man sie zum ersten mal mit der *gesellschaftlich nicht konformen Kehrseite* der Behinderung ihrer Schwester konfrontiert und sie deswegen beschimpft und auslacht.

Nun ist für Marie alles anders.... :cry:

Habt Ihr einen Rat für mich, den ich Marie weitergeben kann, außer meiner ganzen Liebe, meinem Verständnis für ihre Situation und der Hoffnung, daß sowas nicht allzu häufig vorkommt :?:
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Urjoma
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Beitragvon Urjoma » 21.04.2010, 14:46

Bitte seid so lieb und schreibt, was Euch dazu einfällt. Marie ist noch bis etwa 18:00 Uhr bei meinen Eltern und danach würde ich gerne mit ihr darüber sprechen. Ich würde ihr mit passenden Worten sooo gerne Mut machen, solche Situationen künftig besser zu bewältigen.

Für sie ist das heute tatsächlich die erste Negativerfahrung mit der Behinderung ihrer Schwester gewesen und für die Maus ist eine Welt *ihre Welt* zusammengebrochen, weil Johanna für sie/uns alle eben ein Teil der Familie und *normal* ist, so wie sie eben ist. :oops:
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KatjamitTom
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Beitragvon KatjamitTom » 21.04.2010, 15:01

Hallo,

also wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich direkt die Kids ansprechen die deine Tocher so ärgern und beschimfen.
Wenn es dann nicht aushört würde ich mit den Eltern sprechen und schwubdiewupp ist die Sache bestimmt vorbei.

Oder ,was denkst du?

Meine Mutter ist damals auch in die Schule gekommen und hat sich die Jungs vorgenommen die uns Mädels damals geärgert haben. Damals war mir das peinlich, daß meine Mutter das gemacht hat.
Heute würd ich das genauso bei meinen Kids machen.....


LG Katja
Katja *74 mit Zwillingen:Tom *04 Dyslalie /Dysgrammatismus und Pia*04 unauffällig

Daniela1974
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Beitragvon Daniela1974 » 21.04.2010, 15:04

Liebe Mama ,
es tut mir in der Seele weh zu lesen das deine Marie diese Erfahrung nun machen mußte . Leider habe ich keinen Rat für Dich . Ich wünschte mir das so etwas nicht mehr passiert - leider sieht die Realität ganz anders aus .

Viell. wäre es mal in Absprache mit der Lehrerin ein Thema für eine Schulstunde . Ein Motto könnte sein : Meine Familie

Dabei könnte Marie erzählen und die anderen müßte zuhören . Viell. würden einige dann nicht mehr so hänseln . Natürlich müßte die Lehrerin mit in diese Richtung lenken ! :?

Ich hoffe es hat noch jemand Tipps für dich ! :wink:


lg Dani
Papa , Mama und Sonnenschein C. 2/08 , Epilepsie seit Geburt ,muskuläre Hypotonie ,glob.Entwicklungsverzögert ,extr.Knick-Senkfüße , keine aktive Sprache

HeidiS
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Beitragvon HeidiS » 21.04.2010, 15:05

Hallo,

gestehe ihr ihre Wut und ihre Trauer zu.
Mach deutlich, dass die anderen falsch und gemein gehandelt haben,
Drückt euch alle und haltet zusammen.
Erklär ihr doch einfach, dass es wie im Märchen, so eben auch im normalen Leben, böse oder gemeine Menschen gibt, die aber am Ende nicht gewinnen werden.
Wie kann sie in Zukunft damit umgehen?
Sich umdrehen und gehen, souverän, konsequent und unbeleidigt.
Vielleicht kann sie sich ein Netz aus Freundinnen bauen, die ihr in solchen Situationen oder auch sonst beistehen, nahe sind, dran bleiben, nicht wegschauen, aber auch nichts aufbauschen.

Als hilfreiches Buch: Elmar der Elefant

Gruß
Heidi

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Beitragvon Juli » 21.04.2010, 15:13

Urjoma hat geschrieben:Bitte seid so lieb und schreibt, was Euch dazu einfällt. Marie ist noch bis etwa 18:00 Uhr bei meinen Eltern und danach würde ich gerne mit ihr darüber sprechen. Ich würde ihr mit passenden Worten sooo gerne Mut machen, solche Situationen künftig besser zu bewältigen.

Für sie ist das heute tatsächlich die erste Negativerfahrung mit der Behinderung ihrer Schwester gewesen und für die Maus ist eine Welt *ihre Welt* zusammengebrochen, weil Johanna für sie/uns alle eben ein Teil der Familie und *normal* ist, so wie sie eben ist. :oops:



Hallo,

... und genau das, was Du selbst ja geschrieben hast, würde ich ihr versuchen zu vermitteln. Dass ihre Schwester eben anders, aber trotzdem normal ist.

Vielleicht könntest Du auch mit ihr gemeinsam überlegen, warum sie denkt, daß andere Kinder so reagieren. Und mit ihr in geeigneter Form über mögliche Motive wie Angst vor Unbekanntem etc, reden. Weiß ja nicht, wie alt die betreffenden Kinder waren, wenn sie auch eher jünger waren wird ja nicht so wie bei manchen Erwachsenen die Ignoranz :evil: hinsichtlich des Themas Behinderung im Vordergrund stehen (eher die schlechte Erziehung durch die Eltern, aber darüber kannst Du natürlich mit Deiner 7-jährigen Tochter noch nicht diskutieren :roll: ).

Zudem würde ich mit der Lehrerin sprechen. Vielleicht wäre das ja ein Ansatzpunkt, um mal das Thema im Unterricht zu behandeln, also daß es eben Menschen gibt, die anders sind, aus welchem Grund auch immer, und dennoch genauso viel Wert wie jeder andere Mensch.


LG, Juli :)

JanaSnow
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Beitragvon JanaSnow » 21.04.2010, 15:19

In meiner Kinderzeit gab es so einen Vorfall auch.

Damals hat die Klassenlehrerin alle Kinder in eine Schule für körperbehinderte Kinder "geschleppt". Die Lehrer haben dort vom Alltag mit diesen Kindern berichtet. Außerdem durften die Kinder auch mal Rollstuhl fahren.

Zusätzlich haben Eltern und ältere Geschwister von Kindern mit Behinderung (alles bewusst keine Angehörigen des gehänselten Kindes) im Religionsunterricht von ihrem Alltag berichtet. Ja und schlussendlich hat die Mama von dem ausgelachten Kind dann noch die Eltern mit den Kindern, die ihr Kind ausgelacht haben zum Grillen eingeladen. Ganz ohne Vorwürfe, denn Kinder rächen sich dann auch mal gerne, sondern einfach um sich in Ruhe kennenzulernen. Spiele für die Kinder waren auch vorbereitet worden, weil die frechen Jungs und Mädels den Abend in guter Erinnerung behalten sollten. Ich weiß das, weil das betroffene Kind eine meiner besten Freundinen war. Wir gingen noch in die Grundschule.

Wär das was für Euch?

Aber wie Du das Deiner kleinen Tochter erklären sollst und ihr Mut machen sollst weiß ich leider auch nicht. Aber ich denke, Deine eigenen Überlegungen sind sicher die richtigen.

Wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute.

Jana

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Beitragvon Anne&Hannah » 21.04.2010, 15:21

Hallo Urjoma,
ja das sind Situationen, die man seinen Kindern zu gerne ersparen möchte.
Patentrezepte gibts da sicher nicht, ich hoffe, Du findest die richtigen Worte und Gesten, um Deiner Marie den Rücken zu stärken!

Vielleicht hilft es, gemeinsam zu überlegen, was sie in solchen Situationen entgegnen könnte. Und das dann in einem kleinen Rollenspiel einzustudieren, damit sie es dann auch wirklich parat hat, wenn sie es braucht ( vertauschte Rollen, evtl mit Video aufzeichnen und angucken ). Sie sollte auch auf die seelische Unterstützung von Dritten zurückgreifen können. Freunde, Mitschüler und Lehrer sollten über das Leben mit Johanna gut informiert sein und an Maries Seite stehen. Ist der Vorfall denn in der Schule gewesen?

Wenn ich mit meinen Schülern ( gB ) unterwegs bin, kommen auch schon mal blöde Sprüche von dummen Halbwüchsigen, die sich besonders in der Gruppe sehr cool vorkommen. Da hilft oft kein Werben um Verständnis, sondern einfach verbal einen vor den Latz - aber ich bin ja auch erwachsen. ("Deine Mutter würde sich schämen, wenn sie das hören würde!" oder "Hast Du ein Problem mit meinen Leuten?" - auf Diskussionen lassen sich solche A****löcher nämlich seltenst ein ).

Etwas milder wäre vielleicht:
"Möchtest Du vielleicht gerne im Rollstuhl sitzen?"
"Möchtest Du mal mit meiner Schwester tauschen?"
"Meinst Du, meine Schwetser hat sich das so ausgesucht?"
"Lieber behindert sein als so ein Blödmann wie Du!"

Vielleicht gibts ja auch noch passende Kinderbücher über diese Thematik?

Ich hoffe, Du bekommst noch ne Menge weiterer Tipps, wünsche Dir und Deinen Mädels alles Gute!
Anne
Anne&Thomas mit D. ,J. & HANNAH (12) - Mitochondriale Enzephalomyopathie/Morbus Leigh. dadurch Hirnschädigung mit Mehrfachbehinderung, Rolli, Button. z.N. Stammhirnschädigung und nächtlicher Beatmung. Tracheostoma zu seit 4/14. Chronisch fröhlich!

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Beitragvon coro » 21.04.2010, 15:22

Hallo,
cih würde ihr vor allem sagen, dass es auf keinen fall an ihr gelegen hat, dass sich andere dämlich benehmen. Und ich würde ihr auch sagen, dass es Dir auch weh tut. Ich bin da immer sehr ehrlich, wenn es zu so Erlebnissen kommt. Ich sage, dass sich viele falsch verhalten, aber auch dass vieles von Erwachsenen übernommen wird! Gerade im Grundschulalter werden da ziemlich direkt Meinungen von Eltern und häuslicher Umgebung transportiert.

Dann würde ich die Lehrerin und die Schulleitung informieren und klar machen, dass das ein Sozialverhalten ist, dass völlig inakzeptabel sei. Ein guter Weg ist spielerisch die Erfahrung zu machen, dass man anders ist. Ich würde aber eher davon abraten, dass das direkt auf Eure Situation bezogen ist. Die Sozialarbeiterin unseres Gymnasiums hat allgemein in Rollenspielen das Thema dazugehören oder abgelehnt werden thematisiert ohne meine Tochter (Ehlers_Danlos-Syndrom) gezielt asl Beispiel zu nehmen. Das kann nämlich auch sehr belastend sein. Unschöne Szenen hat die Klassenlehrerin immer mit den Betroffenen - und nur diesen - dann direkt besprochen.
Viele Grüße
Coro

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Beitragvon Urjoma » 21.04.2010, 15:23

Die Kinder waren allesamt älter als Marie. Sie waren Dritt- und Viertklässler. Wir haben das Thema im Kindergarten bereits gehabt. Als Prävention für solche Situationen wurde *JOHANNA* thematisiert und ich habe sie morgens mit in den Stuhlkreis gebracht. Ich hatte eine Geschichte geschrieben und mit Bildern von Johanna untermalt. So haben wir den Kindergartenkindern das Thema *anders sein oder meine Beine sind der Rollstuhl* näher gebracht. Alle Kinder aus diesem Kindergarten sind daraufhin auch ganz normal und ohne Berührungsängste auf Johanna zugegangen und mit ihr umgegangen.

Ich werde auf jeden Fall mit der Lehrerin mal sprechen und mit ihr gemeinsam überlegen, ob sich sowas nicht auch in den Unterricht mal mit einbauen ließe.

Für heute abend fehlen mir einfach noch die richtigen und passenden Worte....
Aber aus all den lieben Antworten hier.. DAFÜR MAL GANZ LIEB DANKE GESAGT!!!
werde ich mir schon was passendes zusammenbasteln.. eben klar verständlich, kindgerecht und wutfrei für uns beide :D
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